Sri Lankas Militär rückte am Mittwoch weiter gegen die Tamilen-Rebellen der LTTE vor, die auf einem noch 15 Quadratkilometer Küstenstreifen im Nordosten der Insel eingekesselt sind. Die LTTE scheint zu bröckeln: LTTE-Medienchef Daya Master, der allerdings nie als Hardliner galt, habe sich ergeben, teilte das Militär mit. Von Guerilla-Chef Velupillai Prabhakaran fehlte aber jede Spur. Gäbe er auf, könnte er seinem Volk noch mehr Blutvergießen ersparen und das Gemetzel beenden.

Die Vereinten Nationen (UN) werfen Prabhakaran vor, die eigenen Landsleute als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen und mit Gewalt an der Flucht zu hindern. Auch die Regierung in Colombo bezichtigen sie, den Küstenstreifen zu bombardieren in dem sich die Flüchtlinge aufhalten. Laut Rotem Kreuz wurden binnen zwei Tagen Hunderte Menschen getötet. Auch am Mittwoch waren noch Zehntausende Kinder, Frauen und Alte zwischen den Fronten gefangen. Die UN lasten beiden Parteien an, sich Kriegsverbrechen schuldig gemacht zu haben.

US-Diplomaten glauben, die Schlacht könne sich binnen 48 Stunden entscheiden.

Derweil setzte sich die verzweifelte Massenflucht fort. Über 81.000 Tamilen sind laut Regierung nun aus dem von der LTTE gehaltenen Küstenstreifen geflohen. Am Montag hatte das Militär einen Fluchtweg in einen von der LTTE gebauten Erdwall gesprengt – auch am Mittwoch strömten tausende Tamilen, viele bepackt mit Bündeln, in Panik aus der Kampfzone. Andere schwammen durchs Meer oder retteten sich auf überfüllten, wackeligen Fischerbooten.

Die Menschen sind nach monatelanger Belagerung in einem gotterbärmlichen Zustand. Viele scheinen halbverhungert und am Ende ihrer Kräfte. Andere schleppen sich verwundet oder krank vorwärts. Helfern hat die Regierung – ebenso wie Journalisten – seit Monaten der Zutritt zu den Kampfzonen verboten. Nur das Rote Kreuz durfte von der Meerseite zu den Menschen vordringen. Entscheidend ist nun, dass die Massen schnell versorgt werden. Die Menschen brauchen Wasser, Nahrung und medizinische Hilfe.

Tod von Zivilisten in Kauf genommen