Star TrekVom Bub zum Captain

Im Mai kommt der neue "Star Trek" ins Kino. Der Film zeigt die jungen Offiziere Kirk und Spock als Rivalen. Mit der Crew verjüngt der Regisseur Abrams das Image der Saga von Bernd Musa

Captain James Tiberius Kirk (Christian Pine, im schwarzen Trikot)  umgeben von seiner Crew aus Berufsanfängern

Captain James Tiberius Kirk (Christian Pine, im schwarzen Trikot) umgeben von seiner Crew aus Berufsanfängern  |  © Paramount Pictures

"Ich war früher kein Trekkie", gesteht der Produzent und Regisseur Jeffrey Jacob Abrams freimütig. Keiner der bisherigen Star-Trek-Filme habe ihm wirklich gefallen. "Ich mochte Kirk und Spock vorher nicht besonders" – gotteslästerliche Aussagen.

Aber gut. Nur mit einem kritischen Blick kann man ein etabliertes System ändern. Und Star Trek hatte eine Verjüngung dringend nötig. Die letzte Enterprise-Staffel im Fernsehen hatte etwa 80 Prozent weniger Zuschauer als das Star Trek der frühen Neunziger, errechnete das Magazin Entertainment Weekly und bezeichnet die Serien als "fallen star". Im Kino konnte der letzte Star-Trek-Film Nemesis (2002) weltweit kaum mehr als seine Kosten einspielen.

Anzeige

Kenner fordern schon lange eine neue Strategie für das implodierende Kulturphänomen. Weg mit dem Spießer- und Streber-Image, der übertriebenen Kameraderie! Harmonie und heile Welt galten als Markenzeichen der Weltraum-Serie um die Captains Picard und Janeway. Gut und Böse waren fein säuberlich getrennt – Star Trek, das war was für die Freunde des braven Boygroup-Pop.

Spätestens nach 9/11 haben sich die Sehgewohnheiten der Zuschauer geändert. Die Drama-Serien wurden düsterer, Happy Ends seltener, und die Problemlösungen von der Stange waren ausverkauft. Mit ihrem grenzenlos optimistischen Blick auf eine positive Zukunft geriet die Enterprise in Turbulenzen.

Ein Blick in den Rückspiegel zeigt, wie man es besser machen kann. Gene Roddenberrys Originalserie entstand von 1966 bis 1969 vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und der gesellschaftlichen Umbrüche in Amerika. Sie entspricht dem heutigen Zeitgeist mehr als alle ihre Nachfolger. Die Umgangsformen an Bord waren locker. Vom augenzwinkernden Herumalbern bis zu handfesten Prügeleien war unter den Offizieren alles erlaubt.

Star Trek verkörperte das antiautoritäre Rock’n’Roll-Feeling dieser Zeit. Hier knüpft nun der Produzent Jeffrey Jacob Abrams an. Er geht zurück zu den Wurzeln und schafft einen Film, der vor der ersten TV-Serie spielt. Er beschreibt das Zusammenkommen der jungen Mannschaft um Kirk und Spock, ohne sich auf das kindische Niveau von Highschool-Filmen zu begeben. Der Vorwurf, zu junge Schauspieler ausgewählt zu haben – der Hauptdarsteller Chris Pine ist 28, Spock alias Zachary Quinto 31 –, ist unberechtigt. Es hat seinen eigenen Charme, wenn die Sternen-Saga gerade durch junge Leute erwachsen wird.

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Steven Spielberg | USA
Service