Iran / USA Ein Opfer der PressezensurSeite 2/2

Vor drei Jahren entzog ihr das zuständige Kulturministerium in Teheran die Akkreditierung. Dennoch arbeitete Saberi von Zeit zu Zeit weiter als Reporterin, ohne dass dies von den Behörden beanstandet wurde. Parallel dazu schrieb sie ein Buch über ihre Erfahrungen in Iran und wollte Ende 2009 in die USA zurückkehren.

Ihre Eltern konnten sie zweimal kurz im Evin-Gefängnis besuchen. Zuvor hatten sie vergeblich an den obersten geistlichen Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, appelliert, ihre Tochter wegen schlechter seelischer Verfassung freizulassen. Sie behaupten, ihrer Tochter sei ein falsches Geständnis abgepresst worden mit dem Versprechen, wenn sie alle Vorwürfe unterschreibe, werde sie freigelassen.

Als sie vor Gericht ihr "Geständnis" widerrief und erklärte, sie sei getäuscht worden, fand dies kein Gehör. "Sie hat Informationen und Dokumente gesammelt und diese an den amerikanischen Geheimdienst weitergegeben", sagte ihr Richter Sohrab Heydarifard im Staatsfernsehen.

Ihr Verteidiger kündigte an, "auf jeden Fall" Berufung einzulegen.

Die BBC erklärte in London, der Sender sei "extrem besorgt angesichts dieser harten Strafe". NPR-Chefin Vivian Schiller forderte die iranische Justiz auf, Mitgefühl zu zeigen und Saberi die schnelle Rückkehr in die USA zu erlauben. Reporter ohne Grenzen erklärte in Paris, der Fall Saberi sei "das jüngste Beispiel dafür, wie die iranischen Behörden willkürlich Spionagevorwürfe nutzen", um Journalisten festzunehmen und die Medienfreiheit weiter zu unterdrücken.

Ungewöhnliche Unterstützung erhielt Saberi am Sonntag von Irans Präsidenten Mahmud Ahmadineschad. Der übte indirekte Kritik an dem Verfahren und forderte einen fairen Prozess. In einem offenen Brief rief er die zuständige Staatsanwaltschaft auf, dafür zu sorgen, dass "Beschuldigte alle legalen Freiheiten und Rechte bekommen, um sich gegen die Anklage verteidigen zu können."

Saberi kann also hoffen: Das harte Urteil ist wohl nicht das letzte Wort.

 
Leser-Kommentare
  1. "Nun aber setzt sich Präsident Achmadineschad höchstselbst für sie ein" Ach ja, der gute Achmadi! Hätte der das nur früher gewußt!

    Herr Gehlen, wie naiv sind Ihrer Meinung nach ZEIT-Leser? Dieser Präsident Achmadineschad war von Anfang an genau unterrichtet und hat diesem Schauspiel zugesehen, um es für sich zu nutzen. Das ist billiger Machtpoker - aber wirksam.

    Und was ist mit den iranischen Verurteilten? Setzt er sich auch für die ein?

  2. Zeit-Leser würde ich nicht als naiv einstufen. ;-)

    Ob Achmadineschad wirklich über alles Bescheid wusste/weiss, wage ich zu bezweifeln. Einiges mag er ahnen, anderes wird er veranlassen.
    Für mich ist er eine Marionette; würde man ihn rein von seinem Gesichtsausdruck her beurteilen, darf man fragen, ob er "ganz dicht" sei.

    Schlimm ist jedoch die Willkür im Iran (und in anderen Ländern). Pressefreiheit wird mit den Füssen getreten, die Freiheit der Menschen ist stark eingeschränkt bis gar nicht vorhanden.

    Bei der Journalistin Roxana Saberi haben sie einfach mal einen Grund gesucht, der sich dann nicht erhärten liess; also den nächsten gesucht und gefunden, auch haltlos. Also muss der Spionagevorwurf her.
    Was müssen diese "Machthaber" für eine Angst vor dieser Frau haben, dass sie sie wegsperren wollen? Oder soll/muss ein Exempel statuiert werden um "irgendwem" zu zeigen, wie stark der Iran sei?

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    • kaleb
    • 20.04.2009 um 7:04 Uhr

    Ich finde, Achmadinedschad blickt recht gescheit drein und läßt sich nicht einschüchtern.
    Würden Sie ihm das, was sie von ihm denken, auch ins Gesicht sagen?
    Und woher kennen Sie die ganzen Hintergründe?
    Waren Sie dabei?

    • kaleb
    • 20.04.2009 um 7:04 Uhr

    Ich finde, Achmadinedschad blickt recht gescheit drein und läßt sich nicht einschüchtern.
    Würden Sie ihm das, was sie von ihm denken, auch ins Gesicht sagen?
    Und woher kennen Sie die ganzen Hintergründe?
    Waren Sie dabei?

  3. das Iran, Pakistan, Indien und diese ganzen Fundamentalisten-Staaten im Begriff sind sich die eigene Hose atomar anzuzünden und einen verseuchten Gürtel um die Erde zu schaffen, genau da wo es Kohlenstoff bzw. Erdöl in verbrennbarer Form gibt. Bin strahlenresistent und gespannt.

    • Anonym
    • 19.04.2009 um 21:39 Uhr

    Schließlich könnte der Iran heutzutage ein demokratischer Staat sein. Ach ja...

    http://hpd.de/node/6597

  4. nicht im Iran leben zu koennen und schon gar nicht als aufgeklaerte westliche Frau. Da ja die Maenner dort mehr zu sagen haben als die Frauen waere neben der politischen Veraenderung auch eine geschlechtliche Gleichstellung dringenst vonnoeten.

    • kaleb
    • 20.04.2009 um 6:58 Uhr

    ...kurzer Prozeß hinter verschlossenen Türen...das berüchtigte Teheraner Gefängnis...der unbarmherzige Ajatollah...das erpreßte Geständnis...das härteste Urteil ----
    ....die Schönheitskönigin...die angesehene Northwestern Univerity...kurz die schöne, kluge und unschuldige westliche Cinderella----
    und der böse finstere Iran.
    Die tief enttäuschte US-Regierung, die den CIA-Folterern Straffreiheit gewährt, die ewig den Guantanomoknast unterhielt, bis es dann doch nicht mehr ging, zeigt sich enttäuscht!
    Spionage? Ach was, Papperlapapp....
    Der moderne hedonistische Westen mit seiner Pornographie, Prostitution, Pädophilie, plastischer Chirurgie und seinen Kleinfamilien und der
    altmodische Iran mit seinen Großfamilien, gesunden jungen Menschen:
    Kla 3, 39: "Ein jeder murre wider s e i n e Sünde!"
    Übrigens: Der Porno-Aufklärungsspot ist selbst schon fast ein angedeuteter
    oder halber Porno.

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    Was wollen Sie uns bitte mit Ihrem posting kundtun in Hinblick auf die Anlage, das Gericht, die Verhandlung, das Urteil, die Verurteilte?

    Wenn aus Ihrer Sicht hier im Westen dunkle Machenschaften an der Tagesordnung sind, Sie aber trotzdem frei zu diesen dunklen Machenschaften Kritik üben und diese sogar aufdecken können (möglichst noch mit link zu einem @.ir wahrheitstechnisch auf glänzendem Stand Medienbericht)
    dann ist das alles Grund genug für die Vorgangsweise in der Islamischen Republik und Vorbild für den Westen für offene und tolerante Umgangsweise mit Menschen und Kritikern?

    Übrigens wird hier anscheinend ja etwas gemacht gegen Porno und Kinderporno
    und nicht Kinder mit Greisen staatsgeduldet verheiratet und die Ehe vollzogen...

    heroinabhängig wie im Iran. Muss ja ein richtig glückliches Völkchen sein...

    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

    Hallo Kaleb, nach Ihren Vorwürfen an den Westen möchte ich Sie gerne an das Heiratsalter ihres Propheten mit seiner Frau Aisha erinnern. Aus diesem Grund sind Ehen mit Kindern, im Gegensatz zum Westen, in vielen muslemischen Ländern (wie dem Iran) erlaubt oder geduldet.

    Was wollen Sie uns bitte mit Ihrem posting kundtun in Hinblick auf die Anlage, das Gericht, die Verhandlung, das Urteil, die Verurteilte?

    Wenn aus Ihrer Sicht hier im Westen dunkle Machenschaften an der Tagesordnung sind, Sie aber trotzdem frei zu diesen dunklen Machenschaften Kritik üben und diese sogar aufdecken können (möglichst noch mit link zu einem @.ir wahrheitstechnisch auf glänzendem Stand Medienbericht)
    dann ist das alles Grund genug für die Vorgangsweise in der Islamischen Republik und Vorbild für den Westen für offene und tolerante Umgangsweise mit Menschen und Kritikern?

    Übrigens wird hier anscheinend ja etwas gemacht gegen Porno und Kinderporno
    und nicht Kinder mit Greisen staatsgeduldet verheiratet und die Ehe vollzogen...

    heroinabhängig wie im Iran. Muss ja ein richtig glückliches Völkchen sein...

    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

    Hallo Kaleb, nach Ihren Vorwürfen an den Westen möchte ich Sie gerne an das Heiratsalter ihres Propheten mit seiner Frau Aisha erinnern. Aus diesem Grund sind Ehen mit Kindern, im Gegensatz zum Westen, in vielen muslemischen Ländern (wie dem Iran) erlaubt oder geduldet.

    • kaleb
    • 20.04.2009 um 6:58 Uhr

    [entfernt wegen Doppelposting/ Redaktion; svb]

    • kaleb
    • 20.04.2009 um 7:04 Uhr

    Ich finde, Achmadinedschad blickt recht gescheit drein und läßt sich nicht einschüchtern.
    Würden Sie ihm das, was sie von ihm denken, auch ins Gesicht sagen?
    Und woher kennen Sie die ganzen Hintergründe?
    Waren Sie dabei?

    Antwort auf "Naive Leser?"

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