Abstimmung in der Krise Gewalt begleitet Wahlauftakt in Indien
Die bevölkerungsreichste Demokratie wählt ihr Parlament. Am ersten Tag der mehrwöchigen Wahl töteten maoistische Rebellen im Osten mehr als ein Dutzend Menschen

© STR/AFP/Getty Images
Polizisten bringen einen verletzten Kollegen in Sicherheit. Unter den Toten durch die Unruhen des ersten Wahltages sind Maoisten, aber auch Zivilisten
Maoistische Rebellen töteten im Osten des Landes mindestens 17 Menschen. Die Nachrichtenagentur PTI meldete am Donnerstag, bei einem Bombenanschlag auf einen Bus der paramilitärischen Grenztruppen im Bundesstaat Jharkhand seien sieben Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten ums Leben gekommen.
Im benachbarten Chhattisgarh starben nach PTI-Angaben fünf Mitarbeiter der Wahlkommission bei der Explosion einer Landmine. Zudem hätten Maoisten einen Polizisten getötet. Auch im Bundesstaat Bihar seien zwei Polizisten erschossen worden.
Die Maoisten haben ebenso wie muslimische Extremisten im indischen Teil Kaschmirs zum Boykott der Wahl aufgerufen, bei der zwei Drittel der rund 1,1 Milliarden Inder über das künftige Parlament abstimmen.
Aus organisatorischen und aus Sicherheitsgründen findet die Abstimmung an fünf Wahltagen statt, die sich bis zum 13. Mai erstrecken. Am 16. Mai soll das Ergebnis verkündet werden.
Die National-Demokratische Allianz (NDA), an deren Spitze die hindu-nationalistische BJP steht, fordert die Regierungskoalition (Vereinte Fortschrittsallianz/UPA) heraus, die von Sonia Gandhis Kongress-Partei geführt wird. Umfragen lassen nicht auf einen klaren Sieger schließen. Nachwahlbefragungen sind verboten.
In den vergangenen Jahren ist der Einfluss der beiden großen Parteien gesunken. Zusammen könnten sie in diesem Jahr weniger als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen. Eine "Dritte Front" genannte Gruppe von kleinen regionalen Parteien kämpft um eine gute Ausgangsposition für Verhandlungen über eine Koalition. Diese könnte damit schwach und instabil werden, befürchten Experten.
Wahlberechtigt sind insgesamt mehr als 700 Millionen Menschen aus einer Vielzahl von Kasten, Klassen und Regionen. Bei der ersten Teilwahl am Donnerstag können rund 140 Millionen Menschen abstimmen.
Besonders die Wirtschaft fürchtet einen unklaren Ausgang und langwierige Verhandlungen in Hinterzimmern. Viele Investoren fordern schnelle Reformen zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt, um das Wirtschaftswachstum am Leben zu halten und gegenüber China wettbewerbsfähig zu bleiben. Indien hat in der Wirtschaftskrise Millionen Jobs verloren. Andere Herausforderungen sind ein steigendes Haushaltsdefizit und die politischen Spannungen zwischen Indien und dem Erzfeind Pakistan.
6,1 Millionen Sicherheitskräfte und Wahlbeobachter sichern und überwachen die Abstimmung. In Indien sind Wahlen immer wieder von Gewalt begleitet gewesen. Das Land blieb auch von Terrorakten nicht verschont. Am Mittwoch hatte der Prozess gegen den einizigen Überlebenden der Mumbai-Attentäter begonen.
- Datum 16.04.2009 - 16:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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In vielen Ländern bemühen sich saubere, ehrliche und hoch angesehene Familien nicht um politische Mandate. Wenn man sieht, wie verschiedene Kandidaten im sehr armen Land Indien sich ihre Wähler kaufen (können), dann fragt man sich, woher das Geld kommt. Sowohl INC (Kongreßpartei) als auch BJP (HINDU-Nationalisten), die beiden mandatsstärksten Parteien, sind durchsetzt mit korrupten und kriminellen Personen.
Wie mir gesagt wurde, wählen die Dalits (Unberührbare, sind allein ca. 25 %) und auch andere "niedere Kasten" diesmal verstärkt Linksparteien. Auch die über 30 Mio. Christen, siehe Kerala, wollen "Veränderung", nicht das Weiter-so der Kohl `schen Art. Das muslimische Viertel der Bevölkerung wird wohl weiterhin dem Cong treu bleiben oder Regionalparteien favorisieren. Dennoch: Was hätten Bauern und Handwerker, das ländliche Indien, davon, wenn sie irgendeinen Mittelstands-Protzer ins "Unterhaus" entsenden. Jeder, der sich dahingehend "verführen" läßt, hätte die sog. "A....-Karte" gezogen.
Was ich allerdings Premierminister Singh in hohem Maße lobend anrechnen muss: In Indien sind Banken in staatlichen Händen. Die dortigen Institute sind von den Schieber-, Manipulations- und Speku8lationsgeschäften von Banken im OECD-Raum weitgehend verschont geblieben. Die indische Wirtschaft wächst zwar langsamer aber solider als in China. Was nicht funktioniert ist die soziale Symmetrie, der Ausgleich Stadt / Land.
Man muss den Eliten klarmachen, dass sie Teil eines Netzwerkes, einer Gemeinschaft, sind. Ohne diese Gemeinschaft wären sie selber auch ein NICHTS. Gilt auch für Deutschland. Wird leider nur nicht so gesehen, weil niemand den Mumm hat, gewissen eingebildeten Laffen einmal klarzulegen, was die Butter in Berlin kostet.
Aber solche Menschen gibt es, leider zu Millionen, auch bei uns in D. Hierzulande sollen ca. 9 Mio. regelmäßig Sendungen wie Dschungelcamp im TV anschauen. Noch Fragen?
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