Wer im Internet Videos veröffentlichen oder anschauen will, müsse sich registrieren, sagt die nordrhein-westfälische Junge Union. Viel zu oft seien in Videoportalen gewaltverherrlichende Bilder zu sehen, viel zu leicht sei es, sie anonym hochzuladen. Daher fordert die Jugendorganisation der CDU, dass die Justiz härter vorgeht und die Zugänge zu den Portalen beschränkt werden.

"Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit Hassbotschaften und Gewaltposen im Internet auf, um sich anschließend zu Straftaten zu verabreden", sagte der Landesvorsitzende der JU NRW, Sven Volmering der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Politik und Gesellschaft dürften dabei nicht länger wegschauen.

Deshalb hat die JU einen Antrag für den Landesparteitag der NRW-CDU am 9. Mai in Essen geschrieben. Von der Spitze der Union sei er mit Zustimmung aufgenommen worden, schreibt die WAZ. Darin fordert die JU eine stärkere Überwachung von Videoportalen wie YouTube und MyVideo durch Ordnungsbehörden und Jugendämter und ein schnelleres Eingreifen der Polizei. Überdies seien die Betreiber in der Pflicht, den Zugang zu den Seiten zu erschweren. "Zum Beispiel, in dem sich jeder Nutzer erst mit voller Anschrift und seiner Personalausweisnummer registrieren muss".

Eine zweifelhafte Sicherheitsvorkehrung. Damit sie funktioniert, bräuchte es eine Datenbank, in der beide Datensätze vorhanden sind und mit der dann verglichen werden könnte, ob Ausweisnummer und Adresse zusammenpassen. Eine solche Datenbank in privaten Händen aber verstößt gegen den Datenschutz. Ohne sie jedoch lässt sich der Zugang problemlos überlisten. Valide Adressen gibt es im Telefonbuch, und Personalausweisnummern werden nach einem bekannten Schlüssel generiert und lassen sich leicht erstellen. Hier zum Beispiel. Beliebige Geburts- und Wohnortdaten eingeben, klicken, fertig ist die anonyme Ausweisnummer.

Doch soweit wird es wohl kaum kommen. Die Betreiber der Videoportale leben davon, dass ihr Zugang so unkompliziert wie möglich ist. Nur so lassen sich viele Nutzer locken. Anonymität spielt dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig haben sie kein Interesse an negativen Schlagzeilen.

Bereits jetzt gibt es daher eine Art Selbstkontrolle der Videoportale, die zu funktionieren scheint. Pornografie zum Beispiel ist in den großen Angeboten nicht zu finden. Die Betreiber löschen entsprechende Filme und manipulieren einschlägige Suchworte. Wer "Porno" eingibt, findet nur harmlose Filme, beispielsweise eine ZDF-Dokumentation. Auch Gewalt wird gefiltert.

Im Zweifel genügt bei brutalen Darstellungen auch eine Mail an den Betreiber, um den Film aus dem Netz zu holen. Oder eine an die Polizei. Schließlich ist jeder verpflichtet, eine Straftat anzuzeigen, wenn er von ihr erfährt. Wie derjenige davon erfährt ist dem Gesetzgeber gleichgültig. Vor diesem Hintergrund aber bekommt die Forderung, dass Politik und Gesellschaft nicht wegschauen dürften, eine ganz neue Perspektive.