Wirtschaftsumfrage Miese Lage, rosige Zukunft
Analysten und Anleger sind trotz schlechter Wirtschaftsdaten optimistisch. Das ZEW-Barometer hat sich überraschend deutlich verbessert

© Ralph Orlowski/Getty Images
Eingang der Frankfurter Börse: Börsianer erwarten Konjunkturaufschwung
Das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim unter Börsianern ermittelte Barometer erreichte im April erstmals seit Juli 2007 wieder den positiven Bereich. Der Index stieg im Vergleich zum Vormonat überraschend deutlich um 16,5 Punkte auf 13 Punkte.
Die aktuelle Lage beurteilten die befragten Finanzexperten dagegen erneut negativ. Der entsprechende Teilindex verschlechterte sich auf minus 91,6 Punkte von 89,4 Zählern im Vormonat.
Grund für den gestiegenen Zukunftsoptimismus sei die Aussicht auf das Ende der konjunkturellen Talfahrt. Diese wiederum wird begünstigt durch die Konjunkturpakete der Bundesregierung und der geringen Inflation. "Sogar eine zaghafte Belebung in der zweiten Hälfte des Jahres wird wahrscheinlicher", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
Die Zahlen sorgten am deutschen Aktienmarkt für Erstaunen. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf plus 1,5 Punkte gerechnet. "Wir haben mit einem Anstieg gerechnet", sagte ein Analyst, "das Ausmaß hat uns allerdings überrascht. Offenbar sehen die Investoren allmählich Licht am Ende des Tunnels."
Für andere Marktbeobachter wiederum ergeben sich diese hohen Erwartungen "fast zwangsläufig": Die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation habe sich ja noch einmal verschlechtert, so dass den Finanzmarktexperten nichts anderes übrig bliebe, mit einer konjunkturellen Verbesserung zu rechnen.
Generell bestehe das Problem, dass die Befragten Finanzanalysten sind. Und diese orientieren sich möglicherweise an den Wachstumsprognosen aus dem eigenen Haus sowie an dem kurzfristigen Auf und Ab der Börse. Eine nachhaltige Konjunkturprognose könne man deshalb aus diesen Zahlen nicht herauslesen.
- Datum 21.04.2009 - 13:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Pfeifen im Walde? ("Es kann doch nicht noch schlimmer ...")
Mut der Verzweiflung? ("Wenn sich nicht sehr bald etwas ändert ...")
Auf alle Fälle ein subjektiver Eindruck, der ohne fundamentale Unterstützung nur dann Wirklichkeit werden kann, wenn man als Schlussfolgerung das Risiko eingeht, an ihn zu glauben.
Die Befragten sind ausserdem Finanzexperten, die Gewinn dadurch machen, dass sie Anleger davon überzeugen, eine zukünftige Entwicklung zu kennen. Und nicht etwa dadurch, dass sie die zukünftige Entwicklung tatsächlich richtig erkannt haben.
Also wie viele Statistiken: Ein Psychotest ohne Aussage zur Glaubwürdigkeit. Anders wäre es, wenn die Befragten zum Beispiel angeben sollten, wie viel eigenes Kapital sie tatsächlich riskieren.
Alles Gute
Kai Hamann
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