Den Verlust der Biodiversität aufhalten bis zum Jahr 2010 – dieses Ziel hatte die Europäische Union vor acht Jahren ausgerufen. Dieser Plan ist gescheitert: Der Verlust der Arten schreitet heute sogar schneller voran als zum Start des Aktionsplans. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas berief deshalb am Montag in Athen eine zweitägige Konferenz ein, um den Grundstein für eine Neuausrichtung der Biodiversitätspolitik zu legen.

Neben EU-Vertretern und Delegierten aus den Mitgliedsstaaten diskutierten auch Experten aus der Wirtschaft, von Naturschutz- und Nichtregierungsorganisationen darüber, wie die EU in Zukunft gegen das Artensterben vorgehen soll. Das Ergebnis lautet in erster Linie: nicht so wie bisher. "Der Aktionsplan ist im Arsenal der Europäischen Union das schwächste Instrument", bemängelte Tony Long, der das Brüsseler Büro des World Wide Fund for Nature (WWF) leitet. Ein Plan sei immer nur so stark wie die Maßnahmen, aus denen er bestehe – und um diese umzusetzen, fehlten der EU die nötigen Druckmittel.

Einen Hauptakzent der Veranstaltung setzte EU-Kommissionspräsident José Barroso bereits in seiner Eröffnungsrede, in der er die Folgen des Artensterbens mit den Auswirkungen des Klimawandels verglich. Anders als die Erderwärmung hat es die Biodiversität als Thema jedoch noch nicht in die Köpfe der europäischen Bevölkerung geschafft. "Zwei Drittel der Bürger wissen gar nicht, was das Wort bedeutet", sagte Umweltkommissar Dimas.

Selbst im Europäischen Parlament können nach Aussage eines Abgeordneten viele Delegierte mit dem Begriff nichts anfangen. Im Abschlusspapier der Konferenz steht deshalb unter anderem die Forderung nach einer besseren Kommunikationsstrategie, die das Artensterben als Problem im öffentlichen Bewusstsein und in den Köpfen der Entscheidungsträger verankern soll.

Dass die Bedeutung der Artenvielfalt den wenigsten Bürgern bewusst ist, liegt nach Ansicht von Wirtschaftsexperten auch daran, dass das Zerstören von Biodiversität den Marktwert von Konsumgütern kaum beeinflusst. Ob bei der Herstellung von Kleidung oder Lebensmitteln Ökosysteme beschädigt werden, sieht der Käufer dem Preis nicht an. Was dabei herauskommt, zeigte Ende vergangenen Jahres der Living Planet Report des WWF: Würden alle Erdenbewohner so leben wie die Europäer, bräuchte die Menschheit drei Planeten, um ihren Lebensstandard zu halten.

Um den Wert der biologischen Vielfalt in das Wirtschaftssystem einzubetten, müssen jedoch erst einmal verlässliche Methoden entwickelt werden, um ihn zu messen. Eine EU-Studie zum ökonomischen Wert der Leistungen von Ökosystemen läuft bereits, die ersten Ergebnisse sollen nun möglichst bald veröffentlicht werden.

Zumindest für ein Projekt des Aktionsplans zogen immerhin fast alle Teilnehmer der Konferenz ein positives Resümee: Das Natura2000-Netzwerk, in dem besonders schützenswerte Gebiete zusammengefasst sind, erstreckt sich inzwischen über 17 Prozent der EU-Fläche. Naturschützer erinnerten allerdings daran, dass diese Inseln der Artenvielfalt noch besser verbunden werden müssen – sonst, sagte einer von ihnen, könnten die Gebiete am Ende eher einer Patchwork-Decke ähneln als einem Netzwerk.