Chodorkowski-Prozess Archipel Jukos
Kaum jemand in Russland begreift, warum der einst reichste Mann des Landes nun zum zweiten Mal verurteilt werden soll. Ein Tag im Leben des Michail Chodorkowski

© Alexey Sazonov/AFP/Getty Images
Michail Chodorkowski vor Gericht: Fünf Minuten nach Verhandlungsbeginn kassiert er die erste Verwarnung des Richters
Es ist kurz vor halb zwölf, die Zuschauerbänke im Prozesssaal sind voll bis auf den letzten Platz. Die Verhandlung gegen Michail Chodorkowski und Platon Lebedew, die ehemaligen Hauptaktionäre des zerschlagenen Ölkonzerns Jukos, hätte vor einer halben Stunde beginnen sollen, aber noch immer schleppen die beiden Staatsanwälte Aktenordner um Aktenordner in den Verhandlungsraum. Die Männer tragen goldene Epauletten an ihren königsblauen Uniformen, sie wirken nervös. Sie wissen, dass sie heute improvisieren müssen. Russische Staatsanwälte improvisieren ungerne. Weil sie es nie gelernt haben.
Was heute in diesem Gerichtssaal geschehen wird, ist schwer zu erklären, weil es auch in Russland kaum noch jemand begreift – und weil die Vorgeschichte inzwischen mehr Aktenordner füllt, als zwei Männer in einer halben Stunde in einen Gerichtssaal tragen können.
Im Oktober 2003 wird Michail Chodorkowski auf dem Flughafen von Nowosibirsk in seinem Privatjet verhaftet. Schwer bewaffnete Geheimdienstler nehmen ihn in Gewahrsam, der Vorwurf lautet auf Steuerhinterziehung und Betrug in besonders schwerem Ausmaß. Im Mai 2005 beginnt der Prozess: Chodorkowski wird zu acht Jahren Haft verurteilt, sein Konzern Jukos – damals eines der erfolgreichsten russischen Unternehmen – wird zerschlagen. Den Löwenanteil heimst bei einer umstrittenen Auktion die staatsnahe Konkurrenz ein: der Ölkonzern Rosneft. Chodorkowski vermutet Rache: Er hatte Oppositionsparteien unterstützt und sich mit Bildungsprogrammen in die Erziehung künftiger Wähler eingemischt.
Auch der Westen und die liberale Opposition in Russland wittern politische Hintergründe – denn bei der Privatisierung von Staatseigentum in den 90er Jahren hatte nicht nur Chodorkowski seine Kontakte zu korrupten Beamten genutzt, um Filetstücke der Sowjetwirtschaft zu Dumpingpreisen in seinen Besitz zu bringen. Alle anderen Oligarchen aber, die viele Russen gerne ebenfalls auf der Anklagebank gesehen hätten, durften ungestraft weiterwirtschaften – allein Chodorkowski landete im Gefängnis.
Damit nicht genug: Im Herbst 2007 – Chodorkowski hat in einem ostsibirischen Straflager gerade die Hälfte seiner Haftzeit verbüßt und damit das Recht, ein Gnadengesuch zu stellen – wird ein zweites Verfahren gegen ihn eröffnet, wegen Geldwäsche und neuer Betrugsvorwürfe. Der Streitwert ist astronomisch: Chodorkowski und sein Juniorpartner Platon Lebedew sollen Erlöse aus dem Ölexport in Höhe von fast 17 Milliarden Euro mit fragwürdigen Mitteln legalisiert haben, zusätzlich wirft man ihnen vor, sie hätten Aktien und Rohöl im Wert von knapp 20 Milliarden Euro unrechtmäßig erworben.
Am 3. März hat in Moskau der zweite Prozess begonnen. Erkennt das Gericht Chodorkowski für schuldig, kommen zu den acht Jahren aus dem ersten Verfahren weitere 14 Jahre hinzu. Die Gefängnistore würde sich dann für ihn erst wieder öffnen, wenn er 63 Jahre alt ist. Im Durchschnitt sterben russische Männer – auch solche, deren Gesundheit nicht im Gefängnis gelitten hat – mit 57.
11 Uhr 31 Uhr, noch immer laufen die Staatsanwälte mit Aktenordnern hin und her. Die Nervosität der Männer habe einen einfachen Grund, sagt der Schriftsteller Boris Akunin, ein prominenter Regimekritiker, der seinen schwer erkämpften Platz im Saal nicht aus den Augen lässt. "Russische Staatsanwälte haben ihr Handwerk verlernt. Unter Putin mussten sie nichts mehr beweisen, weil das Urteil vorher feststand." Diesmal aber sind keine Anweisungen von oben erkennbar.
- Datum 23.04.2009 - 11:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Jukos hatte sich 2002/2003 westlichen Investoren quasi zum Kauf angeboten. Gleichzeitig wurde Chodorkowski politisch gegen die herrschende Nomenklatura Russlands in Stellung gebracht.
Ich vermute (denn weniges dürfte bekannt sein/werden), Chodorkowski hat als eine Art U-Boot westlicher Finanzinteressen agiert - und wurde kurz vor dem Ziel versenkt.
Der hysterische Aufschrei westlicher Investoren spricht jedenfalls Bände und ist Beleg, welche Blütenträume da geplatzt sind.
Wer tiefer bohren will: Einfach mal die ganzen Verbindunge rund um seinen Verteidiger Robert Amsterdam ausgooglen. Da ist alles vertreten, was an der Wall Street Rang und Namen hat.
das ich sowas sagen muss, aber es wird immer peinlicher und engstirniger in diesem Forum ...
ist es also vollkommen in Ordnung, dass Ch. inhaftiert wurde, weil er sich mit den Wall-Street-Typen einließ und an diese seinen Konzern verkaufen wollte oder ne gegen den Kreml gerichtete Bewegung schaffen wollte ?
das sind alles Sachen, die man in einem demokratischen Rechtsstaat tun darf - vielleicht sollten sie sich mal drüber informieren - mit ihren Aussagen können sie nämlich jede x-beliebige Unrechts-/Willkür-Justiz rechtfertigen, nur weil ihnen die Opfer unsympathisch sind und ein Feindbild ihrer seltsamen Ideologie darstellen ...
armseelig ist noch ne Untertreibung für diese Einstellung, aber unter Putin hätten sie sicher damit Karriere machen können!
das ich sowas sagen muss, aber es wird immer peinlicher und engstirniger in diesem Forum ...
ist es also vollkommen in Ordnung, dass Ch. inhaftiert wurde, weil er sich mit den Wall-Street-Typen einließ und an diese seinen Konzern verkaufen wollte oder ne gegen den Kreml gerichtete Bewegung schaffen wollte ?
das sind alles Sachen, die man in einem demokratischen Rechtsstaat tun darf - vielleicht sollten sie sich mal drüber informieren - mit ihren Aussagen können sie nämlich jede x-beliebige Unrechts-/Willkür-Justiz rechtfertigen, nur weil ihnen die Opfer unsympathisch sind und ein Feindbild ihrer seltsamen Ideologie darstellen ...
armseelig ist noch ne Untertreibung für diese Einstellung, aber unter Putin hätten sie sicher damit Karriere machen können!
in der ZEIT mit der gleichen Empörung über die Behandlung von Mumia Abu Jamal zu berichten?
Hier geht es um Chordorkowski und das russische Rechtssystem und um einen völlig anderen, nicht vergleichbaren Fall.
Also lassen bitte den alten Jamal aus dem Spiel lassen.
Empört liest sich der Artikel eigentlich nicht...
das ich sowas sagen muss, aber es wird immer peinlicher und engstirniger in diesem Forum ...
ist es also vollkommen in Ordnung, dass Ch. inhaftiert wurde, weil er sich mit den Wall-Street-Typen einließ und an diese seinen Konzern verkaufen wollte oder ne gegen den Kreml gerichtete Bewegung schaffen wollte ?
das sind alles Sachen, die man in einem demokratischen Rechtsstaat tun darf - vielleicht sollten sie sich mal drüber informieren - mit ihren Aussagen können sie nämlich jede x-beliebige Unrechts-/Willkür-Justiz rechtfertigen, nur weil ihnen die Opfer unsympathisch sind und ein Feindbild ihrer seltsamen Ideologie darstellen ...
armseelig ist noch ne Untertreibung für diese Einstellung, aber unter Putin hätten sie sicher damit Karriere machen können!
Nichts liegt mir ferner, als die Instrumentalisierung der russischen Justiz zur Abwehr "feindlicher" Finanzinzinteressen zu rechtfertigen.
Aber wie steht es um :
-die verhinderte Übernahme der US-Ölfirma Unocal durch die chinesische CNOOC?
-die Instrumentalisierung der schwedischen Justiz gegen Pirate Bay über einen Richter, der in diversen industrienahen Copyright-Verbänden aktiv ist ?
Fazit:
1.)Die Russen waren einfach ungeschickter als "unsere" Leute.
2.)"Unsere" Leute können ihre Sichtweise in "unserer" Presse ausbreiten.
Mehr ist da nicht.
Nichts liegt mir ferner, als die Instrumentalisierung der russischen Justiz zur Abwehr "feindlicher" Finanzinzinteressen zu rechtfertigen.
Aber wie steht es um :
-die verhinderte Übernahme der US-Ölfirma Unocal durch die chinesische CNOOC?
-die Instrumentalisierung der schwedischen Justiz gegen Pirate Bay über einen Richter, der in diversen industrienahen Copyright-Verbänden aktiv ist ?
Fazit:
1.)Die Russen waren einfach ungeschickter als "unsere" Leute.
2.)"Unsere" Leute können ihre Sichtweise in "unserer" Presse ausbreiten.
Mehr ist da nicht.
Die Sache ist aber sehr kompliziert, und es scheint mir, das wir immer noch nicht genügend Inmformationene haben, um genau über diese Sache Bescheid zu wissen.
Chodorkowski ist korrupt, und hat sich in sehr schmutzige Geschäften mit US-Amerikanischen Ölkonzerne eingelassen, die ihn sehr reich machen würden.
So gibt es verschiedene gewissenslose Russische Geschäftsleite (man denke zum beispiel auch an Berezowski), die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjet Union, und in dem Kaos die im Folge dessen damals war, auf Kosten der Bevölkerung schnell zu bereicheren versuchten.
Das dieses bestraft wird, ist nicht nur verständlich, sondern sogar korrekt.
Wass man aber kritisieren dürfte und solte, ist die Tatsache, dass sein Prozess nicht nur juristisch ist, sondern auch politisch.
Der Hauptgrund der Richter (die auch viel mer Putin-hörig sind, als sie eigentlich sein dürften) , um Chodorkowski zu Haft zu verurteilen, ist diese, weil er die Opposition genen Putin stützteund stärken könnte.
Daraus zeigt sich, wie grausam korrupt das Rechtssystem in Russland immer noch funktioniert.
Auch die immer noch sehr grausame Art von Strafen in Russland, die leider nicht nur Chodorkowski trifft, wäre sehr veränderingsbedürftig.
Damit meine ich sowohl die mangel an Rechts-sicherheit, als auch das immer noch sehr grausame Gefängniswesen dort, wo viele Gefangenen -darunter auch jene, die unschuldig verurteilt worden sind, oder nur eine sehr kleine Übertretung begangen haben- sterben im Folge von Hunger, Kälte, Krankheiten und Gewalt.
Um die Fall Chodorkowski mitt der Fall vom Abu Jaml zu vergleichen, ist aber absurd.
Hier ist das Tema Russland und Chodorkowski, und dann ist es absurd von der Zeit zu erwarten, dass da auch andere, jetzt nicht relevante Sachen nebenbei genannt werden sollten.
[entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew]
Das was Chodorkovsky vor hatte, nämlich mit Hilfe von aussen, zumindest eine als von den Russen strategisch definierte Industrie in grossen Anteilen zu verkaufen und somit deren Kontrolle ausserhalb Russlands zu plazieren dürfte wohl jedem Staat der solche definierten Industriezweige hat in Aufruhr zu versetzen. Gerade die USA auferlegen jeder US Firma die mit einem nicht US Land wirtschaftet erhebliche Massnahmen auf was das Handeln im weitesten Sinne anbelangt.
Jeder MA eines US Unternehmens dürfte mit diesen Regeln kurze Zeit nach dem Eintritt in die Firma belehrt worden sein.
Definiert sind dort Länder, Unternehmen, Industriezweige, Branchen die teilweise oder sogar gänzlich ausgeschlossen sind. Dies variiert je nach Politisch/Strategischer Konstelation. Es darf dorthin weder etwas verkauft noch von dort gekauft werden was gerade nicht erwünscht ist.
Bei Missachtung drohen massivste Sanktionen und Strafen. Kuba ist abei nur das offensichtlichste Beispiel.
Also von dem her nicht's besonderes. Nur wenn das die Russkys praktizieren, und Chodorkovsky ist nur einer davon, ist es etwas anderes. Chodorkovsky hat die Warnungen des Kremels über einen längeren Zeitraum missachtet... und das immer mit beinahe hystersicher Begleitung entsprechender Anti Kremel Berichterstattung in den westlichen Medien...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Nichts liegt mir ferner, als die Instrumentalisierung der russischen Justiz zur Abwehr "feindlicher" Finanzinzinteressen zu rechtfertigen.
Aber wie steht es um :
-die verhinderte Übernahme der US-Ölfirma Unocal durch die chinesische CNOOC?
-die Instrumentalisierung der schwedischen Justiz gegen Pirate Bay über einen Richter, der in diversen industrienahen Copyright-Verbänden aktiv ist ?
Fazit:
1.)Die Russen waren einfach ungeschickter als "unsere" Leute.
2.)"Unsere" Leute können ihre Sichtweise in "unserer" Presse ausbreiten.
Mehr ist da nicht.
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