Schon im Sommer 2002 soll Rice solche Methoden erlaubt haben, berichten amerikanische Medien unter Berufung auf eine Chronologie, die ein Sonderausschuss des Kongresses zusammengestellt hat. Der neue Justizminister Eric Holder hat sie zur Veröffentlichung freigegeben.
 
Demnach gab Rice als Sicherheitsberaterin bei einem Treffen mit dem damaligen CIA-Chef George Tenet im Juli 2002 dem Geheimdienst grünes Licht für "harsche" Praktiken bei Verhören von Abu Subaida, darunter das als "Waterboarding" bezeichnete simulierte Ertränken.

Subaida, der nach seiner Festnahme in Pakistan im März 2002 als erstes hochrangiges mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied in ein geheimes CIA-Gefängnis gebracht worden war, wurde danach mehr als 80 Mal dieser brutalen Methode ausgesetzt. Das zeigen interne Aufzeichnungen aus der Regierungszeit von George W. Bush, die Präsident Barack Obama vor einer Woche publik gemacht hatte.

Aus der Chronologie geht nach Medienberichten auch hervor, dass fünf Bush-Regierungsbeamte, darunter Rice, erstmals im Mai 2002 von der CIA-Führung über "alternative Verhörmethoden" informiert wurden. Ein Jahr später seien neben ihr auch der damalige Vizepräsident Richard Cheney, Justizminister John Ashcroft und mehrere Rechtsberater über die Anwendung des "Waterboarding" und anderer Praktiken unterrichtet worden. Sie hätten "bekräftigt, dass das CIA-Programm rechtens ist und die Politik der Regierung widerspiegelt".

Erstaunlicherweise seien anscheinend der damalige Außenminister Colin Powell und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nicht in die Entscheidungsprozesse einbezogen gewesen – "trotz der hohen Risiken für die Außenpolitik", zitierte die Washington Post den demokratischen Senator und Geheimdienstexperten John Rockefeller.

2005 hatte Rice noch öffentlich dementiert, dass die Regierung Folter anordnen würde: Nachdem in dem Jahr Inhalte eines regierungsinternen Dokuments zum Thema Folter an die Öffentlichkeit gelangt waren, sagte Rice, die Regierung ordne keine Foltermethoden an und unterstütze sie auch nicht. Die Politik der US-Regierung, so versicherte sie, werde im Einklang mit internationalen Konventionen zum Verbot grausamer, inhumaner oder erniedrigender Behandlung stehen.

Seit der Veröffentlichung der vier Memoranden mit detaillierten Beschreibungen von 14 brutalen Verhörmethoden in der vergangenen Woche ist in den USA eine heftige Diskussion über eine Strafverfolgung von Beteiligten entbrannt. Obama selbst hat ein Vorgehen gegen CIA-Verhörbeamte, die Richtlinien von oben befolgt haben, abgelehnt, aber die Tür für Prozesse gegen die Verantwortlichen für die Anweisungen offen gelassen. Der Geheimdienst-Sonderausschuss des Senats führt bereits Untersuchungen durch.