Autokrise Fiat will sich selbst retten

Fiat will angeblich Opel übernehmen. Doch steckt der italienische Konzern ebenfalls schwer in der Klemme und interessiert sich möglicherweise nur für Opel-Bürgschaften. Ein Kommentar

Es läuft gut für Opel. Nachdem sich lange niemand für die General-Motors-Tochter zu interessieren schien, melden nun gleich mehrere Unternehmen Interesse an: Fiat aus Italien, der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, der russische Hersteller Gaz. Die Italiener wollen angeblich schon kommende Woche eine Absichtserklärung unterzeichnen. Wird nun alles gut bei Opel?

Nicht nur die Gegenwehr des Betriebsrats zeigt, dass vor allem eine Übernahme durch Fiat Fragen aufwirft. Was unterscheidet zum Beispiel einen Opel Corsa von einem Fiat 500? Oder einen Fiat Bravo vom Opel Astra? Die Überschneidungen in der Modellpalette fallen selbst dem Autolaien sofort ins Auge. Hier ergänzen sich nicht zwei Marken auf dem engen Automarkt, sie machen sich heftige Konkurrenz. Da hilft es wenig, wenn Opel mit dem Insignia auch in der Mittelklasse Kunden gewinnt. Ohne eine drastische Reduzierung von (Über-)Kapazitäten und Modellvarianten kämen beide Marken nicht voran.

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Rätselhaft bleibt aber vor allem, welche strategischen Pläne der hoch verschuldete und defizitäre Fiat-Konzern hat. Noch vergangene Woche wurde ein Interesse an Opel dementiert. Nun ist Fiat plötzlich der heißeste Favorit. Der rasche Sinneswandel dürfte allerdings wenig mit der plötzlichen Attraktivität des deutschen Autobauers zu tun haben. Fiat sucht vielmehr nach einem Ausweg für die festgefahrenen Fusionsverhandlungen mit einem direkten Wettbewerber von General Motors: Chrysler.

Die Italiener scheitern gerade bei dem – als größenwahnsinnig bezeichneten – Versuch, eine Allianz mit dem US-Hersteller zu schmieden. Vor allem der Widerstand der US-Gewerkschaft scheint zu stark für die Europäer. Versucht Fiat mit der Opel-Karte das Pokerspiel in den USA zu wenden und Druck in Übersee aufzubauen?

So oder so, am Opel-Standort Deutschland richtet sich das ganze Interesse nun auf Fiat. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass sich die Italiener nicht mit der deutschen Traditionsmarke zufrieden geben würden, wenn es zu einer Übernahme käme. Selbst im Bündnis mit der gesamten europäischen GM-Tochter (einschließlich Vauxhall) würde der Fiat-Konzern (Fiat, Alfa Romeo, Lancia) 3,7 Millionen Autos verkaufen. Das ist viel, aber zu wenig, um im globalen Wettbewerb überleben zu können. Spekuliert Fiat also nicht nur auf die GM-Tochter, sondern gleich auf den Mutterkonzern in den USA? Der wäre bei einer Insolvenz billig zu haben.

Für die deutschen Standorte stellt sich somit die lebenswichtige Frage, ob Fiat wirklich Opel retten will – oder bloß ans eigene Überleben denkt. Zum Beispiel, indem Bürgschaften der Bundesregierung in Anspruch genommen werden, die die Kanzlerin nur gewährt, wenn Opel einen Investor findet. Offenbar ist man in Berlin (und im Opel-Land Hessen) froh, dass Fiat eine schnelle Lösung für den Autobauer ermöglichen könnte. Aber der Preis, dass Opel langfristig wieder auf der Strecke bliebe, wäre für das Unternehmen und die deutschen Steuerzahler zu hoch.

 
Leser-Kommentare
  1. Na ja, aus reiner Naechstenliebe wuerde wohl keiner ein Unternehmen kaufen, also was soll das?
    Dass Ueberkapazitaeten abgebaut werden muessen, ist eh klar, es gibt auf jeden Fall weniger Betriebsraete und das scheint ja ein Problem zu sein.
    Da es der Regierung nicht um echte, nachhaltige Massnahmen geht, sondern in erster Linie um schnelle Erledigung ("XYZ rettet Opel" noch vor der Wahl), wird sie wohl zustimmen und unser gutes Steuergeld investieren.
    Aber Opel muss halt auch einsehen, dass sie nicht wirklich in der Position sind, sich die schoenste Braut auszusuchen.

  2. Ich verstehe die Aufregung nicht so richtig. Natürlich denkt FIAT zuerst an FIAT, alles andere wäre abwegig und würde der Verantwortung der Manager nicht gerecht werden.

    Zweitens geht es bei der Krise der Automobilindustrie ja gar nicht um Opel oder ein Werk in Eisenach oder Rüsselsheim, es geht um die Neuordnung der Automobilindustrie, und zwar nicht in Deutschland oder den USA, sondern weltweit. Hier geht es darum wer am Ende übrigbleibt. Und das FIAT dazugehören möchte ist doch klar, und wenn es mit Bürgschaften der Bundesrepublik geht umso besser. Glaubt denn wirklich irgendjemand, dass die jetztige Krise ohne Werksschließungen vonstatten ginge.

    Es gibt auf der Welt zu viele Autos. Zu viele Produktionskapazitäten und bei den steigenden Ölpreisen zu wenige sparsame kundenfreundliche Autos. Die Unternehmen sind global aufgestellt, doch die Kunden schon lange.

    Die Probleme sind grundlegend und strukturell und betreffen nur dem Anschein nach Opel. Also sollten wir so ehrlich sein und die Probleme auch benennen. Alles andere kostet Geld das auch genausogut an anderer Stelle ausgegeben werden kann. Heuchelei und den Kopf in den Sand stecken haben noch kein Problem gelöst. Wir stehen in einem brennenden Haus und versuchen das Feuer auszublasen! Tolle Idee.

    Und deshalb pumpen wir erst einmal viel viel Geld in die Autoindustrie (Abwrackprämie) um spätestens im nächsten Jahr festzustellen, dass der Absatz massiv einbrechen wird. Denn dummerweise halten Autos meistens länger als ein oder zwei Jahre und jedes Auto das heute gekauft wird, kann morgen nicht mehr gekauft werden.

    Doch 5 Monate vor der Bundestagswahl stellt sich die Frage: „Wie sag ich es meinem Kinde?“

    Warum geben wir das Geld nicht für etwas anderes aus, z. B. freier Eintritt in die Museen und jedem eine Oper seiner Wahl. Dazu zum gestrigen Tag des Buches für jeden ein Buch. Und noch besser, für die notleidenden Zeitungen: für jeden Bundesbürger ein Abor der ZEIT, der FAZ und der NZZ.

    Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht!

  3. Schön & gut, aber wenn schon deutsche Steuergelder, aus welchen Gründen auch immer, zur Subventionierung der Blechlawinenindustrie ausgegeben werden sollen, dann bitte auch zur Erhaltung von Arbeitsplätzen hierzulande, und nicht in Bella Italia (das würden die Italiener umgekehrt auch nicht machen).

  4. Fiat will an die deutsche Subventionsknete.

    Die haben beim Commerz-Dresdner Deal genau aufgepasst.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jawohl, Herr Gengerke, dieser Eindruck drängte sich mir auch auf.

    Zumal wir es unserer sagenhaft formidablen Wirtschaftspolitik zu verdanken haben, daß ausgerechnet immer die großen Einheiten gestützt werden, und je größer sie sind, desto mehr Unterstützung können sie sich erhoffen.

    Dabei zeigt gerade diese Krise, daß die großen Einheiten oft genug die sind, die die größten Fehler machen: Kleine Banken schneiden bei der Performance hinlänglich besser ab als die "money centre banks" in der City oder an der Wall Street. Und was passiert? Genau...

    Jawohl, Herr Gengerke, dieser Eindruck drängte sich mir auch auf.

    Zumal wir es unserer sagenhaft formidablen Wirtschaftspolitik zu verdanken haben, daß ausgerechnet immer die großen Einheiten gestützt werden, und je größer sie sind, desto mehr Unterstützung können sie sich erhoffen.

    Dabei zeigt gerade diese Krise, daß die großen Einheiten oft genug die sind, die die größten Fehler machen: Kleine Banken schneiden bei der Performance hinlänglich besser ab als die "money centre banks" in der City oder an der Wall Street. Und was passiert? Genau...

  5. Jawohl, Herr Gengerke, dieser Eindruck drängte sich mir auch auf.

    Zumal wir es unserer sagenhaft formidablen Wirtschaftspolitik zu verdanken haben, daß ausgerechnet immer die großen Einheiten gestützt werden, und je größer sie sind, desto mehr Unterstützung können sie sich erhoffen.

    Dabei zeigt gerade diese Krise, daß die großen Einheiten oft genug die sind, die die größten Fehler machen: Kleine Banken schneiden bei der Performance hinlänglich besser ab als die "money centre banks" in der City oder an der Wall Street. Und was passiert? Genau...

    Antwort auf "Mein erster Gedanke"
    • Seckel
    • 26.04.2009 um 7:17 Uhr

    Ob nun der Laubfrosch Opel nicht tatsächlich doch inzwischen die Mutation zu einem gefräßigen und sich dem staksenden Storch gegenüber verleugnenden Breitmaulfrosch ("Dü gübt's hür nücht!") durchlief oder ob inzwischen Fiat sich in Letzteren wandelte, entscheiden an jedem Tümpel nicht wie auch immer quakende Frösche, sondern allein die Störche. Das heißt: Sowohl Fiat als auch Opel eröffnen gegenwärtig Rechnungen ohne die Wirte zu befragen.

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