Frühjahrsgutachten Krise kostet eine Million Arbeitsplätze

Düstere Prognosen für den Arbeitsmarkt. Allein 2009 werden eine Million Stellen abgebaut, bis Ende 2010 werden voraussichtlich fünf Millionen Menschen ohne Job sein

Die Marke von vier Millionen Arbeitslosen wird nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute bereits im Herbst 2009 überschritten. Insgesamt sollen im Jahresverlauf 2009 mehr als eine Million Arbeitsplätzen verloren gehen. Der Jobabbau wird zwar vorerst noch durch Kurzarbeit abgefedert werden – mittelfristig werden die Betriebe aber gezwungen sein, verstärkt Personal abzubauen.

Die düsteren Aussichten am Arbeitsmarkt ziehen weitere Konsequenzen nach sich: Der private Konsum wird leiden, sagen die Forscher voraus. "Mit dem zunehmenden Arbeitsplatzrisiko wird sich die Konsumneigung verschlechtern, so dass der private Verbrauch zum Jahresende 2009 deutlich sinkt." Insgesamt profitierten die Konsumenten aber von geringen Lebenshaltungskosten. Nach einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,4 Prozent in diesem Jahr, sei 2010 mit stagnierenden Preisen zu rechnen.

Wie bereits am Mittwoch angekündigt, sagten die Wirtschaftsforschungsinstitute einen Konjunktureinbruch von bisher nicht gekanntem Ausmaß voraus. Die Wirtschaft werde dieses Jahr um 6,0 Prozent einbrechen und damit so stark wie nie seit Gründung der Bundesrepublik, heißt es im Frühjahrsgutachten. "Im Frühjahr 2009 befindet sich die deutsche Wirtschaft in der tiefsten Rezession seit der Gründung der Bundesrepublik."

Wie sehr Exportweltmeister Deutschland am Tropf der Weltwirtschaft hängt, zeigt die Prognose, dass die Exporte im laufenden Jahr um 22,6 Prozent sinken dürften. Der Welthandel breche zugleich um mehr als 16 Prozent ein. Die Investitionen in Maschinen und Anlagen gehen demnach ebenfalls um gut 16 Prozent zurück.

Auch Kritik wurde in dem umfassenden Wirtschaftsbericht geäußert: Die Abwrackprämie für Altautos sei ein "Beispiel für eine verfehlte Politik". Ein neues Konjunkturpaket wurde mehrheitlich abgelehnt.

Am Frühjahrsgutachten sind acht Institute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Zum Gutachterkreis gehören das Münchner Ifo-Institut, das Kieler IfW, das Düsseldorfer IMK, das Essener RWI, das IWH aus Halle, die Zürcher KOF sowie die beiden Wiener Institute IHS und Wifo. 

 
Leser-Kommentare
    • Chali
    • 24.04.2009 um 6:42 Uhr

    Ich dächte, dass die Fehler der Menschen, die die Krise verursacht haben, durch unsere Arbeitsplätze bezahlt werden. Naiv, gell? Alt-Sprech!

  1. 2. Krise

    Nun Herr EX-Super-Minister Clement, dann kann ich ja einen Besen bestellen, oder wie war das mit dem Besen "fressen" wenn die AL-Zahlen wieder über 5 Mio. klettern??????

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 26.04.2009 um 15:20 Uhr

    WC hat meines Wissens nie gesagt:

    Wann er das dann tun würde

    Wie groß dieser Besen wäre

    Woraus er bestehen würde

    Politiker halt.

    Aber mal im Ernst, ich verstehe ja Ihr Anliegen, aber Sie haben doch diesem Menschen wohl nicht irgendetwas mal geglaubt?

    • keox
    • 26.04.2009 um 15:20 Uhr

    WC hat meines Wissens nie gesagt:

    Wann er das dann tun würde

    Wie groß dieser Besen wäre

    Woraus er bestehen würde

    Politiker halt.

    Aber mal im Ernst, ich verstehe ja Ihr Anliegen, aber Sie haben doch diesem Menschen wohl nicht irgendetwas mal geglaubt?

    • RalphS
    • 26.04.2009 um 13:48 Uhr

    Ein neues Konjunkturprogramm wird von den Wirtschaftsinstituten abgelehnt, da sie verschleiern wollen, wie die Staat ganz einfach die Kosten eines solchen Programms tragen könnte, ohne die Normalverdiener zu belasten.
    Glücklicherweise beschreibt dies IFO-Präsident Hans Werner Sinn indirekt, aber unbeabsichtig in seinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten" im Kapitel 6 "Warum man das Kapital nicht wirklich besteuern kann"
    Er schreibt da : Wenn die Steuerschraube angezogen wird, wird das Kapital der Vermögensbesitzer das Land verlassen. Die Schweiz hat von diesem Effekt jahrzehntelang profitiert. Zwei Drittel der von Deutschen im Ausland angelegten Finanzvermögen liegen in der Schweiz und dass ca. 85% der Erträge auf diese Vermögenswerte (also die Kapitalerträge bzw. Zinsen) in Deutschland nicht mehr besteuert werden.
    Dank dieses Hinweis ist nun die Bundesregierung in der glücklichen Lage, ein drittes Konjunkturpaket zu finanzieren. Da die Schweiz auf der schwarzen Liste der OECD steht, wird die Bundesregierung bald - zusammen mit über einem Dutzend weiterer Industrieländer - Sanktionen gegen die Schweiz einleiten, sollte sie nicht der Aufforderung nachkommen und eine Liste der deutschen Steuersünder offenlegen.

    • keox
    • 26.04.2009 um 15:20 Uhr

    WC hat meines Wissens nie gesagt:

    Wann er das dann tun würde

    Wie groß dieser Besen wäre

    Woraus er bestehen würde

    Politiker halt.

    Aber mal im Ernst, ich verstehe ja Ihr Anliegen, aber Sie haben doch diesem Menschen wohl nicht irgendetwas mal geglaubt?

    Antwort auf "Krise"
  2. Denn diese Krise (es ist nicht die erste, aber die bislang schlimmste) zeigt die Grenzen des derzeitigen Systems auf. Ohne grundsätzliche globale Änderungen, muß es eigentlich in immer kürzeren Abständen zu immer schlimmeren Crashs kommen.

    Dazu ist mir bei Telepolis ein guter Artikel untergekommen, der m.E. sehr gut die Hintergründe des Problems und auch die Lösung zeigt.

    "Kein Boden in Sicht"

    Auch wird klar, dass Konjunkturprogramme und Bankenrettungen nur verzögern, aber nicht helfen können, ohne das im globalen Konsens grundsätzliche gesellschaftliche Änderungen durchgeführt werden, um die steig wachsende Schere aus höchster Produktivität, dadurch stetig steigende Arbeitslosigkeit - die Konsumverzicht erzwingt - in Endlosschleife wieder aufzulösen.

    Die Kreditblase war der Versuch, das auf herkömmliche Weise (eine Zeit lang) zu überbrücken - aber nun ist Schluss damit.

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