US-Autoindustrie GM nimmt letzten Anlauf zum Schuldenabbau
Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors plant drastischere Schritte als bislang bekannt: 20.000 Stellen sollen wegfallen – und der Staat einsteigen

© Bill Pugliano/Getty Images
GM-Chef Fritz Henderson auf der heutigen Pressekonferenz in Detroit
Ein entsprechendes Angebot an die Gläubiger sei bereits eingereicht worden, teilte General Motors (GM) mit. Andernfalls werde man Insolvenz beantragen. Für die deutsche Mutter Opel wird damit die Zeit knapp: Ein Investor muss her, bevor die Mutter in den USA in die Insolvenz schlittert. Während das Interesse von Fiat bei Politikern und Gewerkschaftern auf Vorbehalte stieß, wachsen die Sympathien für einen Einstieg des Autozulieferers Magna.
GM bittet im Rahmen des aktuellen Sanierungsplans indirekt um eine Verstaatlichung: Der Staat soll die Hälfte der Anteile erhalten und dafür dem Unternehmen die Hälfte der Schulden erlassen. Privaten Geldgebern bot der Opel-Mutterkonzern ebenfalls einen Tausch von Unternehmensanteilen gegen Schuldenerlass vor. Sollten diese einschlagen, könnte das Unternehmen 27 Milliarden Dollar seiner Schulden loswerden. Im Gegenzug erhielten die Gläubiger zehn Prozent der Anteile an dem Konzern. An der Börse wurde das neue Konzept des Managements freudig begrüßt: Die GM-Aktie legte im frühen New Yorker Handel zeitweise um rund 30 Prozent zu.
Der Konzern, der sich in den vergangenen Monaten nur mit milliardenschweren Staatshilfen am Leben halten konnte, arbeitet seit Wochen an einer Einigung mit seinen Gläubigern. Um sich zukunftsfest zu machen, will sich GM zudem auf vier Kernmarken ohne die Sportwagenmarke Pontiac konzentrieren. Die Zahl der Werke soll bis 2010 auf 34 von 47 reduziert werden und die Zahl der Fabrikarbeiter auf 40.000 von derzeit 61.000 schrumpfen. Die US-Regierung hatte GM eine Frist bis zum 1. Juni gesetzt, um ein zukunftsfähiges Konzept vorzulegen, von dem sie weitere Staatshilfen abhängig macht. Den ersten Sanierungsplan hatte Präsident Barck Obama Ende März als unzureichend abgelehnt.
Das Gezerre um die Zukunft von Opel geht unterdessen weiter. Einige Politiker und Gewerkschaften favorisierten zuletzt nicht den italienischen Konkurrenten Fiat, sondern den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna für einen Einstieg bei dem Rüsselsheimer Autobauer. Bundesaußenminister Steinmeier (SPD) habe in den letzten Tagen eine Reihe von Telefonaten mit Unternehmensvertretern von Magna geführt, sagte ein Sprecher.
Der italienische Autobauer Fiat hat einem Medienbericht zufolge im Falle einer Opel-Übernahme den Erhalt aller vier Standorte in Deutschland zugesichert. Das bedeute aber nicht, dass auch die aktuellen Kapazitäten der Werke garantiert werden könnten, berichtete Spiegel Online unter Berufung auf einen Insider. Zudem sollten die Schulden des Turiner Konzerns nicht mit in eine Ehe mit Opel gebracht werden.
- Datum 27.04.2009 - 19:36 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
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