Google Street View Scheuklappen für das allsehende Auge

Wie sich vor Google-Linsen schützen? Das Unternehmen will "Street View" nicht aufgeben - doch Abgelichteten vor der Veröffentlichung ein Einspruchsrecht einräumen.

Die deutschen Datenschützer haben dem Weltkonzern Google Zugeständnisse bei seinem Dienst "Street View" abgerungen. Das kalifornische Unternehmen sagte bei einem Treffen am Wochenende zu, dass jeder, der es wünscht, Bilder von sich oder seinem Haus aus der Datenbank löschen kann – und zwar vor Veröffentlichung der Fotos im Internet. 

Der Streit über die Straßenansichten schwelt schon länger. Deutsche Vertreter, allen voran Bundesdatenschützer Peter Schaar, sind der Meinung, Straßenansichten können durchaus gegen den Schutz der Privatsphäre verstoßen. Google wollte das lange nicht einsehen und verwies auf die eigenen Datenschutzbestimmungen. Die sehen zwar vor, dass Gesichter und Autokennzeichen automatisch beziehungsweise auf Wunsch verpixelt werden können. Doch das genügte hierzulande nicht.

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Akut wurde die Debatte, als im vergangenen Jahr der kleine Ort Molfsee mit juristischen Tricks das Filmen seiner Straßenzüge verhinderte. Zum Schluss hatte Google die Kamerafahrten sogar ausgesetzt, um das Treffen mit den Datenschützern abzuwarten.

Das nun kann durchaus als Sieg für den Datenschutz in Deutschland gelten. Wenn er auch nicht ganz so eindeutig ist, wie Google das verkündet. Peter Fleischer, Datenschutzbeauftragter von Google Deutschland, sagte dem Focus: "Jetzt, da weitestgehend Einigkeit mit den Datenschützern besteht, hoffen wir, dass der Service noch in diesem Jahr starten kann."

Die Datenschützer sehen das etwas differenzierter. "Zufrieden bin ich nicht ganz", sagt Helga Naujok, Mitarbeiterin beim Hamburgischen Datenschutzbeauftragten, der die Leitung der Verhandlungen mit Google übernommen hat. Zwar habe das Unternehmen Zugeständnisse gemacht, die technische Umsetzung sei aber bislang nicht geklärt. Auch seien nicht alle Punkte gelöst, beispielsweise die Frage, wie Menschen ohne Internetzugang ihre Daten kontrollieren können.

Immerhin: Betroffene sollen, so die mündliche Übereinkunft, genau angeben können, wo ihr Haus steht oder wo sie von Google-Autos gefilmt wurden. Diese Informationen will Google vor der Veröffentlichung der Bilder berücksichtigen. Auch wird der Konzern mitteilen, wo Kamerafahrten geplant sind. Nicht minutiös, fürchtet man sich doch davor, als Werbefläche oder Heiratsanzeigenportal missbraucht zu werden. Doch wohl rechtzeitig genug, um die Einwohner einer Gemeinde darauf vorzubereiten.

Der wichtigste Punkt aber ist, dass der amerikanische Konzern sich bereit zeigt, deutsches Recht zu achten. Was keine Selbstverständlichkeit ist, auch wenn es auf der entsprechenden Seite bei "Street View" heißt, "Google hält sich an die Gesetze und Normen eines jeden Landes, in dem 'Street View' eingeführt wird." "Ich empfinde es als sehr positiv, dass Google davon ausgeht, dass bei der Erhebung deutsches Datenschutzrecht Anwendung findet", sagt Naujok.

Den deutschen Datenschützern war klar, dass sie den Dienst nicht gänzlich verhindern können, auch wenn sie gegen ihn Vorbehalte haben. Darum gehe es auch nicht, sagt Naujok. Man wolle die Interessen der Betroffenen wahren. Mit den Zugeständnissen von Google sei das nun möglich.

 
Leser-Kommentare
  1. "... dass jeder, der es wünscht, Bilder von sich oder seinem Haus aus der Datenbank löschen kann – und zwar vor Veröffentlichung der Fotos im Internet."

    Diesen Schritt kann ich für ein Haus nachvollziehen. Wie kann es jedoch funktionieren, wenn man unwissentlich abgelichtet wurde, dass man überhaupt davon erfährt abgelichtet worden zu sein?

  2. Wenn Google jetzt durch Somalia kutschieren würde, dann wäre es hinnehmbar. So allerdings kommt Google mit seinen Kamerawagen völlig unzensiert angefahren und die Bürger müssen mit dem großen Google-Konzern verhandeln, dass sie da und da ansässig sind, dies aber anderen, außer den Vertrauensleuten von Google, nicht gerne mitteilen würden. Wenn Fragen der Zensur von Google und anderen weltoffen und liberal gehandhabt würden, dann könnte man sich eine Welt vorstellen, wo eine Auswahl der Weltbevölkerung in ihrem Umfeld abgelichtet wird, so sind nur wieder "wir" dran. Also erstmal schön durch Nordkorea, Ruanda, Island, Bangladesh und Weißrussland kurven und die dortigen Straßen und Gassen filmen und danach wieder in Berlin, München, Hamburg, London und Paris anklopfen.

    • NoG
    • 28.04.2009 um 0:09 Uhr

    "Ich empfinde es als sehr positiv, dass Google davon ausgeht, dass bei der Erhebung deutsches Datenschutzrecht Anwendung findet", sagt Naujok.

    klingt fuer mich eher wie eine mischung aus untertan und angsthasen.
    die achtung des rechts erwartet man ja von jedem der sich hier bewegt.
    oder ist das bka schon an google dran?

    wer nutzt das eigentlich privat?
    so viel langeweile kann man gar nicht haben.

  3. Google ist die gut:
    - Es treibt open-source mit unglaublicher Energie voran und hat die Dominanz etablierter, teurer Software deutlich beschnitten.
    - Es entwickelt wunderbare Dienste und stellt sie kostenlos zur Verfügung
    - Es betreibt eine phantastische Suchmaschine

    Google ist böse:
    - Es kann schon heute Meinungen durch Informationssteuerung manipulieren.
    - Es speichert eine Informtionsfülle über jede/n von uns, die Gestapo, Stasi, KGB etc. als Stümper erscheinen lässt
    - Es schafft Strukturen für die perfekte Überwachung jeden einzelnen Menschens

    Google könnte die Wurzel sein für die Emanzipation aller von Parteien und Bevormundung.

    Die Geschichte zeigt: Viel wahrscheinlicher ist, dass Google zum perfekten Bösen mutieren wird.

  4. ...werfer aller länder vereinigt euch!"; ist man verlockt zu rufen.

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