Amerikagrippe Virus aus dem Gen-Baukasten
Influenza-Erreger sind wandelbare Krankheitskeime. Das neue H1N1-Virus setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen. Forscher versuchen, dessen Herkunft zu ergründen

© Joe Raedle/Getty Images
Mit die ersten nachgewiesenen Fälle der Amerikagrippe stammen aus Mexiko. In der Hauptstadt des Landes soll bald wieder Normalität einkehren
Eines ist sicher: Grippeviren werden weiter Unruhe hervorrufen – denn sie sind selbst unruhige Gesellen. Insofern ist der Tierarzt und Virusexperte Klaus Osterrieder von der Freien Universität Berlin über das Auftreten der neuartigen Schweinegrippe nicht erstaunt. "Was ein richtiges Influenzavirus ist, das verändert sich gern und oft, und es sucht sich häufig neue Wirte, denn das ist seine Überlebensstrategie", sagt der Wissenschaftler, der vor allem über Influenzaviren bei Haustieren forscht. Gestern informierte Osterrieder zusammen mit seinem Kollegen Lothar Wieler vom Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen aus aktuellem Anlass über das neue Virus.
Wo der Erreger vom Typ H1N1 seinen Ursprung hat, ist noch ungeklärt. Da Wissenschaftler Influenzaviren nach dem Ort benennen, an dem sie zuerst gefunden wurden, könnte man von der Mexiko- oder Kalifornien-Grippe sprechen.
Aber auch für die Bezeichnung Schweinegrippe gibt es aus der Sicht der Fachleute Argumente: Mehrere Eiweiß-Bestandteile des neuen Erregers haben große Ähnlichkeiten mit Grippeviren, an denen Schweine erkranken. So ist sein Protein Neuraminidase eng mit zwei verschiedenen Schweineviren verwandt, das gleich gilt nach Auskunft von Wieler für ein Viruskapseleiweiß (Nukleoprotein), das für die Vermehrung wichtig ist. "Unsere molekularbiologischen Untersuchungen zeigen, dass der Erreger nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt ist", sagt der Tiermediziner. Das Erbgut ist aus dem verschiedener Vorläuferviren zusammengesetzt worden.
Die Unterschiede wirken sich nicht zuletzt darauf aus, wie ansteckend ein Virus ist, und darauf, wie Infektionen bei Tier und Mensch verlaufen. "Eine Erkrankung mit dem neuen Virus scheint meist einen milden Verlauf zu nehmen, dafür wird der Erreger von Mensch zu Mensch übertragen", sagt Osterrieder. Das Vogelgrippe-Virus H5N1 dagegen führte bei Menschen zu schweren Verläufen, typischerweise hatten sie sich jedoch nur im engen Kontakt zu Geflügel angesteckt.
Für die Frage, ob die große oder gar weltweite Ausbreitung eines neuen Influenzaerregers droht, sind auch die Umweltbedingungen entscheidend. Klar ist, dass ein Virus für seine Weiterverbreitung nur wenig Zeit hat, wenn die Infizierten schnell und schwer erkranken und das Bett hüten müssen. Dem aktuellen Schweinegrippe-Virus macht es hoffentlich einen Strich durch die Vermehrungsstrategie, dass die Fahndung so effizient ist. "Die infizierten Brandenburger wurden schließlich trotz des milden Verlaufs durch aufmerksame Ermittlungen erkannt", sagt Osterrieder.
Für die Bewohner der Nordhalbkugel ist es zudem günstig, dass nun die warme Jahreszeit anbricht. "Die Viren überleben bei niedrigeren Temperaturen besser und werden vom Sonnenlicht effizient abgetötet", erläuterte Wieler. Das erklärt zum Teil das saisonale Auftreten der Grippe. Nicht ganz geklärt ist allerdings in vielen Fällen, wo, bei wem und wie die Erreger dann "übersommern". Um ihnen das Leben schwer zu machen, tun Human- und Veterinärmediziner aber auf jeden Fall gut daran, eng zusammenzuarbeiten.
- Datum 05.05.2009 - 10:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Kann mit diesem Virusgeschwafel nicht endlich mal Schluß gemacht werden? Man kann es wirklich nicht mehr hören und lesen. Hat es der Presse micht gereicht, als Vehikel der SARS-Panikmache gedient zu haben? Gibt es keine Lernprozesse?
An Grippen, egal welchen Erregers, sterben heute (anders als zu Zeiten der Spanischen Grippe, die auf eine durch den ersten Weltkrieg sehr geschwächte Bevölkerung einwirkte) nur sehr wenige Menschen; und wenn es alte, von andersartig morbiden Krankheiten erfaßte, sehr schwache alte Leute trifft, dürfte ein solcher Tod geradezu ein Segen sein angesichts der Therapieschäden, die beispielsweise eine Krebsbehandlung zur Folge hat: dieser Tod jedenfalls ist kein sanfter, denn Schmerzmittel werden nicht nach den Wünschen des Patienten, sondern lieber unterhalb der Schwelle des Betäubungsmittelgesetzes verabreicht - nur um den bürokratischen Aufwand zu ersparen!
Der Medienhype sollte wie bei SARS abgestellt werden. All das nutzt nur der Pharmaindustrie, die ihre Impfstoffe und Medikationen vermarkten will. Wieviel Prozent der Bevölkerung haben jemals eine Grippe gehabt? Und wieviel Prozent haben sich durch Panikmache einer Grippeimpfung unterzogen, die im Zweifel gar nicht gegen den jeweils aktuellen Virus wirkte? Wieviel Millionen an Umsatz hatte die Impferei zur Folge?
Geht es um Profit oder um Gesundheit?
Ich tippe auf ersteres. Ich gehöre einer Generation an, die selbstverständlich alle Kinderkrankheiten durchmachte, weil das eben so war und nichts Gefährliches an sich hatte. (Mumps. Masern, Windpocken) - damit verbinde ich schöne, verhätschtelte, schulferne Dösetage, die sehr erholsam waren. Eine willkommene Auszeit von der Disziplin, die man als Schüler schon viel zu früh erleidet. Alle Mitschüler waren davon betroffen und genossen die Auszeit. Und heute?
Werden Eltern geradezu kriminalisiert, die sich weigern, ihre Kinder gegen die harmlose Krankheit Masern impfen zu lassen, Was für ein Wahnsinn. Wieviel Prozent der hundertprozentig an Masern erkrankten Kinder (ich kenne keinen, der nicht an Masern erkrankte) starben an dieser milden Erkrankung? In meiner Volksschule traf es keinen. Empirisch darf ich also daraus schließen: das Todesrisiko ist zu vernachlässigen. Und geimpft wird heute nur, weil es jetzt einen Impfstoff gibt - was der Pharmazie neue Geschäftsfelder eröffnet hat. Sowas nennt man eben medizinischen Fortschritt.
Kurz und gut: man mißtraue dem wissenschaftlichen Fortschritt, der ja alsbald in ökonomische Gewinnerwartung umschlägt. Es gibt wohl keinen medizynischen Panikartkel, über den die pharmazeutische Industrie nicht ins Händereiben verfiele; jetzt gerade tifft der ungeahnte Hype über eine schlichte Grippeerkrankung den Tamiflu-Hersteller. Herzlichen Glückwunsch!
Ich finde allerdings, daß sich die Qualitätspresse nicht als PR-Organ der Pharmazie betätigen sollte. Ich kann ja wohl nicht die Einzige sein, die den Zusammenhang von medialer Panikmache und Pharmazie-Gewinnsteigerungen durchschaut. Ich habe die Nase voll, ehrlich, und mir tränen die Augen. Ob eseinen Test gibt, der diese allergische Reaktion auf eine naturwissenschaftlchen Deutung reduziert? Nö. Glaube ich nicht.
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