Influenza-Ausbruch Deutschland ist auf die Grippe vorbereitetSeite 2/2

Wie aggressiv das neue Grippe-Virus ist, steht noch nicht fest. Die Erkrankung der 20 Patienten in den USA, bei denen die neue A/H1N1-Variante definitiv nachgewiesen wurde, verlief recht harmlos. In Mexiko gab es zwar mehr als 100 Todesfälle – ob sie alle auf die neue Variante der "Schweinegrippe" zurückgehen, muss aber noch untersucht werden. Auch ob sich der Erreger wirklich weltweit ausbreitet, lässt sich kaum vorhersagen. Die Inkubationszeit bei Grippe liegt zwischen drei Tagen und einer Woche.

Eigentlich ist der Begriff Schweinegrippe irreführend – denn er klingt, als könnten sich nur Schweine damit anstecken, oder als infiziere sich der Mensch – wie bei den meisten Vogelgrippe-Fällen – im Kontakt mit Schweinen. "In der Vergangenheit wurden viele Grippeepidemien nach ihrem geografischen Ursprung benannt, zum Beispiel die Spanische Grippe oder die Asiatische Grippe, obwohl auch sie ihren Ursprung in Tieren hatten", erklärte die Internationale Tiergesundheitsorganisation OIE.

Die jetzt in Mexiko aufgetretene Variante sei in Tieren noch nicht einmal isoliert worden. Bei dem Influenza-Erreger vom Typ A/H1N1 handelt es sich um eine humane Grippe. Lediglich das Erbgut des Virus enthält Merkmale von Viren, die auch Schweine und Vögel befallen. Wissenschaftler sprechen deshalb lieber von der "Amerikanischen Grippe."

Influenza-Viren verändern sich ständig. Da sich Schweine sowohl mit menschlichen als auch mit Erregern von Vögeln anstecken können, sind sie wie ein Mischgefäß: In ihrem Körper entstehen neue Viren, die dann artübergreifende Gene in sich tragen.

Dass Reisende das neue Grippe-Virus auch nach Deutschland einschleppen werden, halten Wissenschaftler für recht wahrscheinlich. Neben einem ersten bestätigten Fall aus Spanien, gibt es mehrere Verdachtsfälle in Europa.

Dennoch warnen Experten vor Panik: Für die deutsche Bevölkerung bestehe keine "unmittelbare Gefährdung", sagte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, am Montag in Berlin. An dieser Einschätzung ändere auch der erste bestätigte Krankheitsfall in Europa nichts.

 
Leser-Kommentare
  1. Schweinebestände sind, wie in Fachkreisen bekannt ist, jahreszeitlich unterschiedlich mit 30% (Sommer) bis 80% (Winter) mit Influenza durchseucht, auch in Deutschland. Die Influenza kann sich durch kaltes Trinkwasser ausbreiten. Tiere verschmutzen durch Fäkalien und mit ihren Ausscheidungen aus Nase und Maul bzw. Schnabel das Wasser. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Oberflächen-, Quell- und Grundwasser sind mit Viren belastet. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb tritt die Influenza bei uns überwiegend im Winter auf. Die sehr kleinen Viren werden im herkömmlichen Wasserwerk nur unvollständig gefiltert. Chlorung z.B. bringt wenig, weil Viren im Wasser verklumpt vorkommen und deshalb von den herkömmlichen Desinfektionsverfahren nicht vollständig erreicht werden. Ultrafiltration des Trinkwassers für 0,50 Euro je Person und Monat ist erforderlich.

    soddemann-aachen@t-online.de
    http://sites.google.com/s...

  2. [entfernt wegen Mehrfachposting/ Redaktion; svb]

  3. "Für die deutsche Bevölkerung besteht keine unmittelbare Gefährdung" - Merkwürdig, warum fühle ich mich bei derartigen Mitteilungen immer so unwohl? Vielleicht weil der Wortlaut etwas zu sehr an eine entsprechende Verlautbarung des seligen Innenministers Zimmermann erinnert, der angesichts der Reaktorkatastrophe in Cernobyl der Öffentlichkeit mitteilte, dass radioaktive Wolken vor der deutschen Grenze haltmachen, und ergo keine Gefährdung für die Bevölkerung bestehe? Deja vu? Naja, vielleicht aber auch, weil die Meldung nicht ganz vollständig ist. Sie sollte heissen: Für die dt Bevölkerung besteht NOCH keine unmittelbare Gefährdung.

    Denn genausowenig, wie man derzeit sagen kann, was sich hinter diesen Grippefällen wirklich verbirgt, bzw. ob diese Form der Grippe das Zeug zur Pandemie besitzt, oder innerhalb der nächsten Wochen sang- und klanglos verschwinden wird, kann man behaupten, dass Dland oder irgend ein anderes Land auf eine Pandemie wirklich gut vorbereitet wäre. Natürlich sind wir in gewisser Weise besser auf derlei Probleme vorbereitet, als es die Welt etwa im Fall der Spanischen Grippe war, dass aber éine Frist von 6 Monaten im Falle des Auftretens einer extrem aggressiven Virusform eine sehr lange Zeit ist, ist eine Sache, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

    Die Frage die sich darüber hinaus stellt, ist, inwiefern die vorhandenen Bestände z.B. an Tamiflu als Überbrückung zur Behandlung der Erkrankten ausreichen würden, oder ob nicht schon innerhalb kürzester Zeit hier Engpässe auftreten würden, und Verteilungsmechanismen ganz anderer Art greifen würden. Letztlich vertraue ich hier auf die Macht blanker Zahlen doch weitaus mehr als auf die magischen Worte irgend eines Ministerialknechts. Nur schade, dass man zu den wirklich interessanten Informationen nichts zu lesen bekommt....

    Aber zur Beruhigung abschliessend eine Sache, die gewiss ist: Dass uns irgendwann wieder eine Pandemie heimsuchen wird, ist sicher. Die Frage ist nur wann.....

  4. Ich konnte der Zeit jetzt mehrfach den Begriff "Amerikanische Grippe" entnehmen. Jedoch stellt sich mir die Frage wieso nun dieser Begriff Verwendung findet. In den Nachrichten ist stets die Rede von Schweinegrippe und einem Ursprung in einem Dorf nahe Mexiko-Stadt. Wieso also wird diese Influenza nun als Amerikanische Grippe tituliert? Und wieso findet dieser Name nicht auch Anklang in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten? Könnten damit die USA in Verruf geraten?

  5. Redaktion

    Der Begriff Schweinegrippe ist irreführend – darauf weisen viele Forscher hin. Einige Organisationen sprechen jetzt von "Neuer Grippe" – aber das ist auch nicht optimal, weil es sicher in Zukunft noch weitere neue Influenza-Erreger geben wird.

    Da es üblich ist, Viren nach dem Ort ihres Auftretens (Spanische Grippe, Hongkong-Grippe) zu benennen - und dieser neue Erreger zuerst in Mexiko, den USA und Kanada aufgetaucht ist, haben sich ZEIT ONLINE und DIE ZEIT für den Begriff "Amerikanische Grippe" entschieden, den auch Forscher verwenden.

    Schweinegrippe ist auch deshalb der falsche Begriff, weil Schweine diese Grippe bisher gar nicht haben. Bei dem Influenza-Erreger vom Typ A/H1N1 handelt es sich um eine humane Grippe. Er wurde noch bei keinem Schwein nachgewiesen. Lediglich das Erbgut des Virus enthält Merkmale von Viren, die auch Schweine und Vögel befallen.

    Herzliche Grüße aus der ZEIT ONLINE WISSEN Redaktion, Dagny Lüdemann

  6. Amerika erstreckt sich auf einer Landfläche von über 40 Millionen km² und ist mit über 900 Millionen Einwohnern bevölkert. Allein wegen dieser Dimensionen scheint mir die Bezeichnung "Amerikagrippe" als reichlich wage und ungeeignet.
    Daher würde ich dafür plädieren entweder beim Begriff Schweinegrippe zu bleiben (infizierte Schweine mit diesem Influenza-Erreger wurden mittlerweile in Kanada nachgewiesen) oder diese Krankheit eben Mexicogrippe zu nennen.

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