Literarisches Leben: "Das Internet ist nicht meine Welt"
Warum schreibt man Literatur? Verschwindet der Autor im Zeitalter des Netzes? Die Schriftstellerin Judith Hermann im Gespräch zu ihrem neuen Buch "Alice"
ZEIT ONLINE: Die mittlere Geschichte ihres Buchs unterscheidet sich von den anderen. Malte, der Onkel von Alice, ist schon gestorben, bevor sie geboren wurde. Trotzdem ähnelt die Leerstelle, die er in ihrem Leben hinterlässt, der der anderen Sterbenden. Es scheint, als ginge es gar nicht nur um den konkreten Verlust, sondern um das Wissen um den Tod, das Ihre Figur bewegt. Ist das so eine Art Schlüsselgeschichte von Alice?
Hermann: Für mich ist es eine Schlüsselgeschichte. Meine Lieblingsgeschichte auch. Ich fühle mich dieser Geschichte sehr nah, es ist eine Geschichte, in der die Figur Alice verankert wird – festgehalten, nach Hause geholt. Nach Berlin.
ZEIT ONLINE: Sie haben ja vorhin gesagt, man solle Ihre Bücher nicht so sehr zusammendenken. Aber in gewisser Weise kann man Alice natürlich doch als eine Fortsetzung von Sommerhaus, später lesen. Man wird erwachsen – und irgendwann fängt dann das Sterben an.
Hermann: Ja. Und vielleicht ist Alice meine eigene Antwort auf Sommerhaus, später. Nichts als Gespenster steht genau in der Mitte. Ich kann mich fragen, was ich dann im vierten Buch schreiben werde. Und vielleicht ist mit Alice auch etwas abgeschlossen. Zu Ende geschrieben.
ZEIT ONLINE: Dürfen wir Sie etwas Schwerwiegendes fragen?
Hermann: Ob ich ein gläubiger Mensch bin?
ZEIT ONLINE: Nein, warum schreibt man?
Hermann: Vor dem Schreiben kommt das Lesen. Durch das Lesen öffnen sich Räume, man erweitert das eigene Leben, den Alltag, das Empfinden.
ZEIT ONLINE: Man liest also von sich weg. Und man schreibt…
Hermann: ... zu sich hin, ja, das ist so, glaube ich. Manchmal ist es fast ein wenig seltsam, wenn man das dann in ein Bild, in Worte, in eine Figur gefasst hat. Denn dann ist es ja irgendwie auch wieder weg, fort geschrieben, zu Ende gedacht.





Bücher sollen frei zugänglich gemacht werden. Sehr bedenklich.
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