Seit Tagen berichten einige Journalisten gegen die Panik an. Vergeblich, könnte man meinen, wenn – wie heute morgen bei einem privaten Radiosender in Hamburg – zu hören ist, dass die Moderatorin nun vorsichtshalber kein Schweinefleisch mehr isst.

Doch mit ihrer Fehleinschätzung der Lage scheint sie in guter Gesellschaft: Sechs Staaten, darunter China und Russland, haben offiziell wegen der "Schweinegrippe" – also der neu entdeckten Variante des Influenza-Erregers A/H1N1 – die Einfuhr von lebenden Schweinen und teilweise auch von Schweinefleisch aus Mexiko und den USA verboten. Und die ägyptische Regierung hat am Mittwoch wegen der Grippe tatsächlich die Keulung aller Schweine angeordnet.

Verbraucher könnten daraus schließen, dass man sich beim Verzehr von Schweinefleisch mit der Grippe anstecken kann. Ein Trugschluss: Denn bisher ist der neue Erreger bei keinem Schwein nachgewiesen worden. Und auch als Vorsichtsmaßnahme wären solche Einfuhrbeschränkungen nach Meinung von Experten übertrieben: Selbst beim Verzehr von infiziertem Schweinefleisch kann man sich nicht anstecken. In Wirklichkeit stecken wohl wirtschaftliche und politische Interessen dahinter.

Zur Klarstellung: Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Dabei können gelegentlich neue, gefährliche Typen entstehen. Die Viren entwickeln sich etwa in Vögeln oder Schweinen und springen dann auf den Menschen über. So war es vermutlich bei der Spanischen Grippe 1918 und bei der aktuellen Variante des Erregers H1N1. In anderen Fällen können zwei verschiedene Viren in Menschen oder Schweinen zusammentreffen und sich dort zu einem neuen Erreger entwickeln.

Das aktuelle Virus, das nun erstmals bei Menschen nachgewiesen wurde, ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO eine neu entstandene Variante des Typs H1N1. Der Erreger enthält genetisches Material von Grippeviren, die sowohl von Menschen als auch von Schweinen und Vögeln stammen.

Deshalb ist der Name "Schweinegrippe" irreführend. Sofort denken viele zudem an die Vogelgrippe. Doch mit der ist die jetzt ausgebrochene Krankheit gar nicht zu vergleichen. Die Vogelgrippe ist eine reine Tierseuche und umfasst verschiedene Viren, die auf Vögel spezialisiert sind. Das Besondere: Im Einzelfall und bei sehr engem Kontakt zu den Tieren, können sie die Artgrenze überschreiten und Menschen anstecken.

"Das neu entdeckte Virus ist eine humane Grippe", betont auch Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems, "und sollte besser als Amerikanische Grippe bezeichnet werden." Sie wird von Mensch zu Mensch übertragen – bei Schweinen ist diese Virus-Variante bisher nicht nachgewiesen worden.