Ernährung Keine Extrawurst
Dürfen Kinder Ketchup essen? Mit scharfen Messern hantieren? Mit Nudeln werfen? Der Stuttgarter Sternekoch Vincent Klink, selbst zweifacher Vater, bezieht Stellung

© liesbedda/Photocase
Wie bringt man Kinder zum gesunden Essen?
Wie sieht die ideale Ernährung für Kinder aus?
Eltern sollten dem Kind nicht zu viele Vorgaben machen. Es soll essen, worauf es Lust hat. Es gibt nur einen Punkt, an dem man ein bisschen aufpassen muss, weil es da von Geburt an scheinbar einen gewissen Suchtfaktor gibt – das ist der Zucker. Ansonsten gilt: Das Kind kann einfach bei den Eltern mitessen. Es sollte sogar aufgefordert werden, alles mitzuessen. Es gibt keine Lebensmittel, die ihm nicht zuträglich sind. Natürlich kann ein Chiligericht zu scharf sein, da Kinder im Mund viel sensibler sind als Erwachsene. Auch Pfeffer mögen sie oft nicht. Aber wenn Eltern gerne scharf essen, können sie ihr Kind an scharfe Gerichte gewöhnen, dagegen spricht nichts. Was nicht geht: Wenn die Eltern was essen und das Kind das dann aus irgendwelchen Gründen nicht essen darf. Das ist großer Mist.
Welche Lebensmittel brauchen Heranwachsende besonders?
Ich stehe da sicher ein bisschen allein da, aber ich sage: Je größer das Durcheinander, das ein Kind zu sich nimmt, umso gesünder. Wenn ich nur wenig Abwechslung anbiete, dann ist das nur ein Bruchteil von dem, was die Natur anbietet, und daher auch bloß ein Bruchteil an Inhaltsstoffen. Man kann das sicher überleben, aber darum geht es ja nicht. Am besten gar nicht darauf achten, was gesund ist, denn letztendlich kann man immer in eine ungesunde Falle tappen. Extrem gesagt: Ein bisschen Kopfsalat essen ist sehr gesund, aber jeden Tag Kopfsalat essen ist nicht gesund – der kann ja viel zu hohe Nitratwerte haben. Wenn Kinder gerne Obst essen, dann sollte man gucken, dass es Bioqualität hat. Oder die Kinder stehen auf Paprikagemüse, und das kommt zweimal in der Woche auf den Tisch. Dann muss man darauf achten, dass der Paprika nicht mit Pestiziden belastet ist.
Wie bekommt man sie dazu, gerne Obst und Gemüse zu essen?
Kinder neigen zur Nachahmung. Die Eltern müssen ihnen deshalb das richtige Essverhalten vorleben, indem sie einfach sagen: Du isst das, was wir essen. Und wenn du keine Lust hast, dann lässt du es. Man sollte das Kind zu nichts zwingen, sondern einfach anbieten. Wird es nicht genommen, dann ist das seine Entscheidung. Wenn es also Rührei mit Spinat und Kartoffeln gibt und das Kind will keinen Spinat, dann isst es halt den Rest. Mir ist nicht bekannt, dass aufgrund dieser Erziehungsmaßnahme jemals ein Kind verhungert wäre. Oft gibt man allerdings viel zu schnell nach.
Sollten Eltern die Essenswünsche ihrer Kinder berücksichtigen?
Bei uns in der Familie gab es einen Tag in der Woche, an dem durften wir uns wünschen, was wir essen, und das dann sogar vor dem Fernseher essen. Ich halte im Familienverbund nicht so viel von Demokratie. Teilweise zeigen Eltern schon so ein hohes Entgegenkommen, dass sie die Sklaven ihrer Kinder sind. Die Kinder haben sich nichts zu wünschen! Oder wenn, dann als wirkliches Geschenk. Aber im Alltag müssen sie sich den Eltern anpassen, und das ist auf die Dauer das Gesündeste. Mit Essen kann man Menschen sehr gut auf das Leben vorbereiten – viele haben später auch nicht mehr viele Wahlmöglichkeiten, sondern müssen gucken, wie sie mit dem zurechtkommen, was ihnen das Leben bietet. Essen ist ein Prozess, der gelernt werden muss. Wenn das nicht geschieht, hat das Kind ein Entscheidungsdefizit und wird später in der Pubertät Ernährungsmuster nachleben, die von Suchtfaktoren bestimmt sind, also Zucker. Daher: Coca-Cola oder Ketchup – weg damit! Zucker ist vor allen Dingen auch ein Trostmittel. Das Kind muss sich Trost aber woandersher holen können, nicht nur über den Mund. Belohnungen mit Süßigkeiten sind daher nicht gut.
Wie empfehlenswert sind sogenannte Kinderlebensmittel?
Das ist alles, wenn man es genau anguckt, das Schlechteste vom Schlechten – aber die Verpackung ist eine der besten. Allein das Wort „Kinderschokolade“ gehört meiner Ansicht nach verboten. Wenn man die Inhaltsstoffe anguckt, ist da verdammt wenig Schokolade drin. Leider sieht das Kind im Supermarkt diese Lebensmittel. Für Eltern ist es wahnsinnig schwierig, gegen den Werbedruck der Industrie und gegen den Druck der Freunde der Kinder anzukommen. Wer nicht mitmacht, gilt schnell als Außenseiter. Wenn Eltern sich in diesem Punkt wirklich Mühe geben, müssen sie sich auch um den Freundeskreis des Kindes kümmern. Aber ich muss ehrlich zugeben: Das ist sicher eines der größten Probleme der Kindererziehung.
- Datum 28.04.2009 - 14:07 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, tagesspiegel
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"Es ist jedem Gastronomen lieber, das Kind ist zufrieden und es fliegt ein bisschen Zeug in der Gegend rum, als dass das Kind im Lokal erzogen wird.."
nicht das ich das anders gemacht hätte, aber jetzt lebt es sich damit besser.
Ich stimme in vielem mit Herrn Klink überein, aber dass es die Aufgabe der Schule sei, den Kindern Lebensmittel und gesunde Ernährung nahezubringen, ist ja wohl ein Witz !
Diese Einstellung ist ein typisches Beispiel dafür, wie die grundlegende Verantwortung der ach so überlasteten und karrieresüchtigen Eltern an staatliche Stellen weitergereicht wird.
An diesem mangelnden Pflicht- und Verantwortungsgefühl gegenüber den eigenen Kindern, die man nur noch hat, aber nicht mehr auf- und erziehen will, krankt die Bildungssituation und die gesamte Gesellschaft.
Leider schlagen die Medien permanent in die gleiche Kerbe, und die Kinder haben letztendlich darunter zu leiden.
Aber wen interessiert das schon !?
Es geht doch fast durchgängig um die Eltern und kaum um Schule, die allerdings auch ihren Anteil hat und haben sollte. Die Hauptaufgabe und das Hauptaktionsfeld ist allerdings die heimische Küche, wie der Autor auch in fast jedem Satz anführt.
Ich habe beste Erfahrung mit dem Konzept, das hier angesprochen wird und mittlerweile einen Fast-Teenager, der die gesamte Lebensmittelbreite, die uns in Deutschland geboten wird, zu testen bereit ist und eine große Vielfalt als Nahrungsmittel genießen kann.
Und das alles bei einer "überlasteten und karrieresüchtigen" Familie - lustige Formulierung übrigens, denn sie ist sehr weit vom Leben entfernt.
Sehr geehrter york1950,
ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Eltern. Wer Arbeit hat muß im Moment viele Zugeständnisse machen, um diese zu behalten. Die 35-Stunden-Woche war einmal. Mit Ihrer Pauschalisierung treffen Sie viele Eltern, die arbeiten, um ihren Kindern ordentliches Essen bieten zu können. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis.
Außerdem sind es, aus meinen Erfahrungen heraus, ehr Arbeitslose und Arbeitslosengeld2 Empfänger, Menschen die Zeit zum Kochen haben, die überdurchschnittlich auf Convenience Food und minderwertige Lebensmittel zurückgreifen.
Ich stimme Herrn Klink zu, dass es notwendig ist gesunde Ernährung in den Schulunterricht zu integrieren, um allen eine gleiche Basis zu garantieren
Ich kann mit meinem Kind Urlaub an der Ostsee machen und erklären, welche Länder an ihr liegen, aber muss ich den gesamten Erdkunde-Unterricht abdecken?
Ich kann mit meinem Kind auch ins Theater gehen, aber muss ich gleich den gymnasialen Deutsch-Unterricht mit übernehmen?
Genau so kann ich zu Hause gut und frisch kochen, aber darf dann in der Schule nicht über Landwirtschaft, Tierhaltung, Soja-Anbau geredet werden? Soll denn Schule gar nichts mehr an Zusammenhängen vermitteln dürfen?
Herr Klink hat nicht gefordert, dass Kinder in Schulen gut essen sollen (aber auch das sollten sie meiner Meinung nach - Essen in Krankenhäusern, Schulen und KiTas ist oft unbeschreiblich), sondern dass sie dort über Zusammenhänge aufgeklärt werden, die im familiären Alltag eben - trotz vielleicht gutem Essen - keine große Rolle spielen. Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen und wären nicht gleich wie der Pawlow'sche Hund auf die exakt einmal vorkommende Formulierung "in der Schule" angesprungen, wäre Ihnen das vielleicht aufgefallen.
Es geht doch fast durchgängig um die Eltern und kaum um Schule, die allerdings auch ihren Anteil hat und haben sollte. Die Hauptaufgabe und das Hauptaktionsfeld ist allerdings die heimische Küche, wie der Autor auch in fast jedem Satz anführt.
Ich habe beste Erfahrung mit dem Konzept, das hier angesprochen wird und mittlerweile einen Fast-Teenager, der die gesamte Lebensmittelbreite, die uns in Deutschland geboten wird, zu testen bereit ist und eine große Vielfalt als Nahrungsmittel genießen kann.
Und das alles bei einer "überlasteten und karrieresüchtigen" Familie - lustige Formulierung übrigens, denn sie ist sehr weit vom Leben entfernt.
Sehr geehrter york1950,
ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Eltern. Wer Arbeit hat muß im Moment viele Zugeständnisse machen, um diese zu behalten. Die 35-Stunden-Woche war einmal. Mit Ihrer Pauschalisierung treffen Sie viele Eltern, die arbeiten, um ihren Kindern ordentliches Essen bieten zu können. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis.
Außerdem sind es, aus meinen Erfahrungen heraus, ehr Arbeitslose und Arbeitslosengeld2 Empfänger, Menschen die Zeit zum Kochen haben, die überdurchschnittlich auf Convenience Food und minderwertige Lebensmittel zurückgreifen.
Ich stimme Herrn Klink zu, dass es notwendig ist gesunde Ernährung in den Schulunterricht zu integrieren, um allen eine gleiche Basis zu garantieren
Ich kann mit meinem Kind Urlaub an der Ostsee machen und erklären, welche Länder an ihr liegen, aber muss ich den gesamten Erdkunde-Unterricht abdecken?
Ich kann mit meinem Kind auch ins Theater gehen, aber muss ich gleich den gymnasialen Deutsch-Unterricht mit übernehmen?
Genau so kann ich zu Hause gut und frisch kochen, aber darf dann in der Schule nicht über Landwirtschaft, Tierhaltung, Soja-Anbau geredet werden? Soll denn Schule gar nichts mehr an Zusammenhängen vermitteln dürfen?
Herr Klink hat nicht gefordert, dass Kinder in Schulen gut essen sollen (aber auch das sollten sie meiner Meinung nach - Essen in Krankenhäusern, Schulen und KiTas ist oft unbeschreiblich), sondern dass sie dort über Zusammenhänge aufgeklärt werden, die im familiären Alltag eben - trotz vielleicht gutem Essen - keine große Rolle spielen. Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen und wären nicht gleich wie der Pawlow'sche Hund auf die exakt einmal vorkommende Formulierung "in der Schule" angesprungen, wäre Ihnen das vielleicht aufgefallen.
Es geht doch fast durchgängig um die Eltern und kaum um Schule, die allerdings auch ihren Anteil hat und haben sollte. Die Hauptaufgabe und das Hauptaktionsfeld ist allerdings die heimische Küche, wie der Autor auch in fast jedem Satz anführt.
Ich habe beste Erfahrung mit dem Konzept, das hier angesprochen wird und mittlerweile einen Fast-Teenager, der die gesamte Lebensmittelbreite, die uns in Deutschland geboten wird, zu testen bereit ist und eine große Vielfalt als Nahrungsmittel genießen kann.
Und das alles bei einer "überlasteten und karrieresüchtigen" Familie - lustige Formulierung übrigens, denn sie ist sehr weit vom Leben entfernt.
.. kam bei Vincent Klink glaube ich nicht vor. Da stimme ich chritygoe voll zu: das hat mit dem richtigen Leben nichts zu tun. Bewusstsein fuer gute Lebensmittel kann man nur vorleben, das hat aber nichts mit der Karriere der Eltern zu tun.
Zum Thema Tischmanieren kann ich nur sagen: es kommt auf das Alter der Kinder an und auf die Definition von "es fliegt ein bisschen Zeug in der Gegend rum". Von Dreijaehrigen kann ich nicht erwarten, dass sie Messer und Gabel zielsicher handhaben, von Sechsjaehrigen eher schon. Vorleben ist auch da wichtig.
"Duerfen Kinder mit Nudeln werfen?" suggeriert, dass da kiloweise Nudeln durch die Gegend fliegen. Das passiert in Italien nicht, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Gastronom da erfreut waere. Wenn was daneben und aufs Tischtuch oder auf den Boden geht, ist das in Ordnung. Absichtlich mit Lebensmitteln schmeissen finde ich nicht OK.
Restaurants: schlimm finde ich, wenn der "Kinderteller Mickymaus/Pumuckl etc" angeboten wird, meistens Pommes und Wuerstchen oder Schitzel - viel zu viel und zu fettig und mit viel Ketchup. Besser ist es, wenn man generell kleinere Portionen bestellen kann.
Sehr geehrter york1950,
ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Eltern. Wer Arbeit hat muß im Moment viele Zugeständnisse machen, um diese zu behalten. Die 35-Stunden-Woche war einmal. Mit Ihrer Pauschalisierung treffen Sie viele Eltern, die arbeiten, um ihren Kindern ordentliches Essen bieten zu können. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis.
Außerdem sind es, aus meinen Erfahrungen heraus, ehr Arbeitslose und Arbeitslosengeld2 Empfänger, Menschen die Zeit zum Kochen haben, die überdurchschnittlich auf Convenience Food und minderwertige Lebensmittel zurückgreifen.
Ich stimme Herrn Klink zu, dass es notwendig ist gesunde Ernährung in den Schulunterricht zu integrieren, um allen eine gleiche Basis zu garantieren
Ich kann mit meinem Kind Urlaub an der Ostsee machen und erklären, welche Länder an ihr liegen, aber muss ich den gesamten Erdkunde-Unterricht abdecken?
Ich kann mit meinem Kind auch ins Theater gehen, aber muss ich gleich den gymnasialen Deutsch-Unterricht mit übernehmen?
Genau so kann ich zu Hause gut und frisch kochen, aber darf dann in der Schule nicht über Landwirtschaft, Tierhaltung, Soja-Anbau geredet werden? Soll denn Schule gar nichts mehr an Zusammenhängen vermitteln dürfen?
Herr Klink hat nicht gefordert, dass Kinder in Schulen gut essen sollen (aber auch das sollten sie meiner Meinung nach - Essen in Krankenhäusern, Schulen und KiTas ist oft unbeschreiblich), sondern dass sie dort über Zusammenhänge aufgeklärt werden, die im familiären Alltag eben - trotz vielleicht gutem Essen - keine große Rolle spielen. Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen und wären nicht gleich wie der Pawlow'sche Hund auf die exakt einmal vorkommende Formulierung "in der Schule" angesprungen, wäre Ihnen das vielleicht aufgefallen.
Ich habe mich übrigens schon immer gefragt, warum in allen Fertignahrungsmitteln (insb. in den "Kinder"produkten) Zucker sein muss. DAS gehört m. E. verboten.
Danke für das schöne Interview.
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