Ernährung Keine ExtrawurstSeite 2/2

Wie bekommen sie ein eigenes Gespür für die richtige Ernährung?

Bringen Sie Ihr Kind in die Natur! Zeigen Sie ihm zum Beispiel auf einem Bauernhof, wie Lebensmittel produziert werden. Gehen Sie mit ihm auf den Markt und lassen Sie es Obst und Gemüse unterschiedlicher Qualität befühlen. Eigentlich müsste so etwas in der Schule behandelt werden, denn von arbeitsgeplagten Eltern kann man diesen Full-Service gar nicht verlangen. Aber das ist das Problem der Schule beziehungsweise des Staates, dass er daran kein Interesse hat. Denn in dem Moment, wo das Kind gut essen lernt, lernt es zu entscheiden. Zwischen dem, was schmeckt, und dem, was nicht schmeckt. Zwischen gut und schlecht. Das ist ein kleines Stück Freiheit, und das ist das, was der Staat nicht will. Der Staat und die Industrie wollen den lenkbaren Deppen.

Was gibt es beim gemeinsamen Kochen mit ihnen zu beachten?

Viele Kochbücher speziell für Kinder haben so Spaßrezepte, wie den Obstsalat als Schiff dekorieren oder Fisch in Fischform schneiden. Ich will Leute, die sich so etwas ausdenken, gar nicht maßregeln, aber mein Ding ist das überhaupt nicht. Ich habe festgestellt, dass im Umgang mit Kindern die Erwachsenen meistens kindischer sind als die Kinder. Dass man das Essen so verniedlicht, das empfinde ich fast als eine schamlose Hinterlist der Fast-Food-Industrie. Die Kinder wollen kein extra „Kinderkochen“, sondern wollen richtig kochen. Und auch nicht mit Kindermessern, sondern mit scharfen Messern. Wenn ich dem Kind erkläre, das ist ein sehr scharfes Messer, dann konzentriert sich das Kind. Das Kochen kann also eine Konzentrationsübung sein. Die Kinder sehen zudem beim Kochen, dass, wenn sie einen Fehler machen, es nicht immer ganz tolle Ergebnisse gibt – sie lernen also das Verlieren.

Hilft Kochen dabei, sie an gesundes Essen heranzuführen?

Ich denke, bis zum siebten Lebensjahr hat sich manifestiert, wie sich ein Kind später zum Genuss verhält. Was es bis dahin nicht gelernt hat, wird später schwierig zu lernen sein. Deswegen ist auch das Igitt-Getue der Erwachsenen völliger Mist. Die Kinder haben ein natürliches Gefühl dafür, was für sie gut ist und was nicht. Es ist auch nicht gut, ein Kind bis zu diesem Alter zum Essen zu zwingen. Es wird in diesem Alter und auch schon bei den Babys übersehen, dass, wenn Kinder etwas nicht mögen, sie es oft einfach nicht vertragen. So werden Allergien oft nicht bemerkt und bis ins Erwachsenenalter hinein mitgeschleppt.

Welche Tischmanieren sollte man ihnen beibringen – und wann?

Da will ich mal meine Erfahrungen aus Italien ins Spiel bringen. Dort essen die Familien zumindest an den freien Tagen miteinander, und dabei werden die Kinder am Tisch nicht erzogen. Da ist es einfach das Chaos. Die Eltern nehmen an diesem Chaos nicht teil, die essen normal, und so lernen die Kinder das nach und nach. Ich würde Tischmanieren nicht überbewerten. Es ist jedem Gastronomen lieber, das Kind ist zufrieden und es fliegt ein bisschen Zeug in der Gegend rum, als dass das Kind im Lokal erzogen wird und es entsteht Geschrei, das den anderen Leuten auf den Keks geht. Da sind die meisten deutschen Eltern zu verklemmt.

Dieser Text ist aus dem jetzt erscheinenden Band 38 der Zeitschrift "Häuptling eigener Herd" zum Thema "Kinder" (Edition Vincent Klink, 128 Seiten, 14,90 Euro, zu bestellen unter www.wielandshoehe.de).

 
Leser-Kommentare
    • carol
    • 27.04.2009 um 22:05 Uhr

    "Es ist jedem Gastronomen lieber, das Kind ist zufrieden und es fliegt ein bisschen Zeug in der Gegend rum, als dass das Kind im Lokal erzogen wird.."

    nicht das ich das anders gemacht hätte, aber jetzt lebt es sich damit besser.

  1. Ich stimme in vielem mit Herrn Klink überein, aber dass es die Aufgabe der Schule sei, den Kindern Lebensmittel und gesunde Ernährung nahezubringen, ist ja wohl ein Witz !
    Diese Einstellung ist ein typisches Beispiel dafür, wie die grundlegende Verantwortung der ach so überlasteten und karrieresüchtigen Eltern an staatliche Stellen weitergereicht wird.
    An diesem mangelnden Pflicht- und Verantwortungsgefühl gegenüber den eigenen Kindern, die man nur noch hat, aber nicht mehr auf- und erziehen will, krankt die Bildungssituation und die gesamte Gesellschaft.
    Leider schlagen die Medien permanent in die gleiche Kerbe, und die Kinder haben letztendlich darunter zu leiden.
    Aber wen interessiert das schon !?

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    Es geht doch fast durchgängig um die Eltern und kaum um Schule, die allerdings auch ihren Anteil hat und haben sollte. Die Hauptaufgabe und das Hauptaktionsfeld ist allerdings die heimische Küche, wie der Autor auch in fast jedem Satz anführt.

    Ich habe beste Erfahrung mit dem Konzept, das hier angesprochen wird und mittlerweile einen Fast-Teenager, der die gesamte Lebensmittelbreite, die uns in Deutschland geboten wird, zu testen bereit ist und eine große Vielfalt als Nahrungsmittel genießen kann.

    Und das alles bei einer "überlasteten und karrieresüchtigen" Familie - lustige Formulierung übrigens, denn sie ist sehr weit vom Leben entfernt.

    Sehr geehrter york1950,

    ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Eltern. Wer Arbeit hat muß im Moment viele Zugeständnisse machen, um diese zu behalten. Die 35-Stunden-Woche war einmal. Mit Ihrer Pauschalisierung treffen Sie viele Eltern, die arbeiten, um ihren Kindern ordentliches Essen bieten zu können. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis.

    Außerdem sind es, aus meinen Erfahrungen heraus, ehr Arbeitslose und Arbeitslosengeld2 Empfänger, Menschen die Zeit zum Kochen haben, die überdurchschnittlich auf Convenience Food und minderwertige Lebensmittel zurückgreifen.

    Ich stimme Herrn Klink zu, dass es notwendig ist gesunde Ernährung in den Schulunterricht zu integrieren, um allen eine gleiche Basis zu garantieren

    Ich kann mit meinem Kind Urlaub an der Ostsee machen und erklären, welche Länder an ihr liegen, aber muss ich den gesamten Erdkunde-Unterricht abdecken?

    Ich kann mit meinem Kind auch ins Theater gehen, aber muss ich gleich den gymnasialen Deutsch-Unterricht mit übernehmen?

    Genau so kann ich zu Hause gut und frisch kochen, aber darf dann in der Schule nicht über Landwirtschaft, Tierhaltung, Soja-Anbau geredet werden? Soll denn Schule gar nichts mehr an Zusammenhängen vermitteln dürfen?

    Herr Klink hat nicht gefordert, dass Kinder in Schulen gut essen sollen (aber auch das sollten sie meiner Meinung nach - Essen in Krankenhäusern, Schulen und KiTas ist oft unbeschreiblich), sondern dass sie dort über Zusammenhänge aufgeklärt werden, die im familiären Alltag eben - trotz vielleicht gutem Essen - keine große Rolle spielen. Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen und wären nicht gleich wie der Pawlow'sche Hund auf die exakt einmal vorkommende Formulierung "in der Schule" angesprungen, wäre Ihnen das vielleicht aufgefallen.

    Es geht doch fast durchgängig um die Eltern und kaum um Schule, die allerdings auch ihren Anteil hat und haben sollte. Die Hauptaufgabe und das Hauptaktionsfeld ist allerdings die heimische Küche, wie der Autor auch in fast jedem Satz anführt.

    Ich habe beste Erfahrung mit dem Konzept, das hier angesprochen wird und mittlerweile einen Fast-Teenager, der die gesamte Lebensmittelbreite, die uns in Deutschland geboten wird, zu testen bereit ist und eine große Vielfalt als Nahrungsmittel genießen kann.

    Und das alles bei einer "überlasteten und karrieresüchtigen" Familie - lustige Formulierung übrigens, denn sie ist sehr weit vom Leben entfernt.

    Sehr geehrter york1950,

    ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Eltern. Wer Arbeit hat muß im Moment viele Zugeständnisse machen, um diese zu behalten. Die 35-Stunden-Woche war einmal. Mit Ihrer Pauschalisierung treffen Sie viele Eltern, die arbeiten, um ihren Kindern ordentliches Essen bieten zu können. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis.

    Außerdem sind es, aus meinen Erfahrungen heraus, ehr Arbeitslose und Arbeitslosengeld2 Empfänger, Menschen die Zeit zum Kochen haben, die überdurchschnittlich auf Convenience Food und minderwertige Lebensmittel zurückgreifen.

    Ich stimme Herrn Klink zu, dass es notwendig ist gesunde Ernährung in den Schulunterricht zu integrieren, um allen eine gleiche Basis zu garantieren

    Ich kann mit meinem Kind Urlaub an der Ostsee machen und erklären, welche Länder an ihr liegen, aber muss ich den gesamten Erdkunde-Unterricht abdecken?

    Ich kann mit meinem Kind auch ins Theater gehen, aber muss ich gleich den gymnasialen Deutsch-Unterricht mit übernehmen?

    Genau so kann ich zu Hause gut und frisch kochen, aber darf dann in der Schule nicht über Landwirtschaft, Tierhaltung, Soja-Anbau geredet werden? Soll denn Schule gar nichts mehr an Zusammenhängen vermitteln dürfen?

    Herr Klink hat nicht gefordert, dass Kinder in Schulen gut essen sollen (aber auch das sollten sie meiner Meinung nach - Essen in Krankenhäusern, Schulen und KiTas ist oft unbeschreiblich), sondern dass sie dort über Zusammenhänge aufgeklärt werden, die im familiären Alltag eben - trotz vielleicht gutem Essen - keine große Rolle spielen. Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen und wären nicht gleich wie der Pawlow'sche Hund auf die exakt einmal vorkommende Formulierung "in der Schule" angesprungen, wäre Ihnen das vielleicht aufgefallen.

  2. Es geht doch fast durchgängig um die Eltern und kaum um Schule, die allerdings auch ihren Anteil hat und haben sollte. Die Hauptaufgabe und das Hauptaktionsfeld ist allerdings die heimische Küche, wie der Autor auch in fast jedem Satz anführt.

    Ich habe beste Erfahrung mit dem Konzept, das hier angesprochen wird und mittlerweile einen Fast-Teenager, der die gesamte Lebensmittelbreite, die uns in Deutschland geboten wird, zu testen bereit ist und eine große Vielfalt als Nahrungsmittel genießen kann.

    Und das alles bei einer "überlasteten und karrieresüchtigen" Familie - lustige Formulierung übrigens, denn sie ist sehr weit vom Leben entfernt.

    Antwort auf "Aufgabe der Schule ??"
  3. .. kam bei Vincent Klink glaube ich nicht vor. Da stimme ich chritygoe voll zu: das hat mit dem richtigen Leben nichts zu tun. Bewusstsein fuer gute Lebensmittel kann man nur vorleben, das hat aber nichts mit der Karriere der Eltern zu tun.
    Zum Thema Tischmanieren kann ich nur sagen: es kommt auf das Alter der Kinder an und auf die Definition von "es fliegt ein bisschen Zeug in der Gegend rum". Von Dreijaehrigen kann ich nicht erwarten, dass sie Messer und Gabel zielsicher handhaben, von Sechsjaehrigen eher schon. Vorleben ist auch da wichtig.
    "Duerfen Kinder mit Nudeln werfen?" suggeriert, dass da kiloweise Nudeln durch die Gegend fliegen. Das passiert in Italien nicht, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Gastronom da erfreut waere. Wenn was daneben und aufs Tischtuch oder auf den Boden geht, ist das in Ordnung. Absichtlich mit Lebensmitteln schmeissen finde ich nicht OK.
    Restaurants: schlimm finde ich, wenn der "Kinderteller Mickymaus/Pumuckl etc" angeboten wird, meistens Pommes und Wuerstchen oder Schitzel - viel zu viel und zu fettig und mit viel Ketchup. Besser ist es, wenn man generell kleinere Portionen bestellen kann.

  4. Sehr geehrter york1950,

    ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Eltern. Wer Arbeit hat muß im Moment viele Zugeständnisse machen, um diese zu behalten. Die 35-Stunden-Woche war einmal. Mit Ihrer Pauschalisierung treffen Sie viele Eltern, die arbeiten, um ihren Kindern ordentliches Essen bieten zu können. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis.

    Außerdem sind es, aus meinen Erfahrungen heraus, ehr Arbeitslose und Arbeitslosengeld2 Empfänger, Menschen die Zeit zum Kochen haben, die überdurchschnittlich auf Convenience Food und minderwertige Lebensmittel zurückgreifen.

    Ich stimme Herrn Klink zu, dass es notwendig ist gesunde Ernährung in den Schulunterricht zu integrieren, um allen eine gleiche Basis zu garantieren

    Antwort auf "Aufgabe der Schule ??"
  5. Ich kann mit meinem Kind Urlaub an der Ostsee machen und erklären, welche Länder an ihr liegen, aber muss ich den gesamten Erdkunde-Unterricht abdecken?

    Ich kann mit meinem Kind auch ins Theater gehen, aber muss ich gleich den gymnasialen Deutsch-Unterricht mit übernehmen?

    Genau so kann ich zu Hause gut und frisch kochen, aber darf dann in der Schule nicht über Landwirtschaft, Tierhaltung, Soja-Anbau geredet werden? Soll denn Schule gar nichts mehr an Zusammenhängen vermitteln dürfen?

    Herr Klink hat nicht gefordert, dass Kinder in Schulen gut essen sollen (aber auch das sollten sie meiner Meinung nach - Essen in Krankenhäusern, Schulen und KiTas ist oft unbeschreiblich), sondern dass sie dort über Zusammenhänge aufgeklärt werden, die im familiären Alltag eben - trotz vielleicht gutem Essen - keine große Rolle spielen. Hätten Sie den Artikel aufmerksam gelesen und wären nicht gleich wie der Pawlow'sche Hund auf die exakt einmal vorkommende Formulierung "in der Schule" angesprungen, wäre Ihnen das vielleicht aufgefallen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Aufgabe der Schule ??"
    • omix
    • 20.04.2011 um 10:00 Uhr

    Ich habe mich übrigens schon immer gefragt, warum in allen Fertignahrungsmitteln (insb. in den "Kinder"produkten) Zucker sein muss. DAS gehört m. E. verboten.

    Danke für das schöne Interview.

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