FC Bayern München Wieso Klinsmann gescheitert istSeite 2/2
Doch die Vereinsoberen ließen Klinsmann gewähren, vorerst. Sie hatten ihren neuen Trainer nicht nur mit so viel Gehalt ausgestattet wie keinen seiner Vorgänger, sondern auch mit bis dato ungeahnter Handlungsfreiheit. Die Versprechungen unter dem Leitmotiv "Jeden Spieler jeden Tag besser machen" waren verlockend. Doch die Tage zogen ins Land, und nichts wurde besser. Zwar ließ Klinsmann die Mannschaft viel offensiver spielen als der Sicherheitsapostel Ottmar Hitzfeld. Doch dafür war nun die Abwehr so unsortiert wie nie. Anfang Oktober stand der FC Bayern nach einem 3:3 zu Hause gegen Bochum mit neun Punkten aus sieben Spielen auf Rang elf der Bundesliga-Tabelle.
Klinsmann machte – so heißt es intern – in dieser Zeit den gerade erst als Kahn-Nachfolger installierten Michael Rensing verantwortlich und wollte ihn durch den 20-jährigen Thomas Kraft ersetzen. Doch da legte Manager Uli Hoeneß sein Veto ein. Die Freiheit des Trainers hat eben doch ihre Grenzen beim FC Bayern, selbst wenn der Trainer Klinsmann heißt. Es soll nicht die letzte Einflussnahme gewesen sein. Angeblich verordnete die Vereinsführung auch weniger Rotationen in der Startelf und mahnte mehr Mut zur Defensive an. Erstmals öffentlich wurde das Machtgerangel im Winter, wegen Landon Donovan. Klinsmann wollte den US-Amerikaner unbedingt verpflichten. Doch seine Chefs weigerten sich, mehrere Millionen Euro Ablöse für einen 27 Jahre alten Durchschnittsstürmer auszugeben, über den auch die anderen Spieler insgeheim schmunzelten.
Über einen Jüngeren, Besseren oder Billigeren hätten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß vermutlich mit sich reden lassen. Aber Klinsmann wollte Donovan. Er unterlag in dieser zähen Auseinandersetzung – und verlor dadurch auch an Autorität in der Mannschaft. Es versteht auch bis heute niemand, warum Klinsmann Anfang der Saison ohne Not Marcell Jansen zum Hamburger SV weggeschickt hat und später auch noch Toni Kroos nach Leverkusen.
Über all dieses Hin und Her um die Personalien geriet zudem das Große und Ganze ein wenig aus dem Blick. Bis heute hat Klinsmann seiner Mannschaft noch kein überzeugendes Konzept, noch keine Idee vom Spiel vermitteln können. Für den Fehlstart aus der Winterpause – drei Niederlagen in vier Ligaspielen – gab es keine ablenkende Erklärung, Klinsmann stand schon damals kurz vor dem Ende. Spätestens seit dem niederschmetternden 0:4 in Barcelona war es nur noch eine Frage von Wochen, bis Klinsmann würde gehen müssen. Es wurden keine drei Wochen mehr. Aber wenigstens hat er vorher noch Torwart Michael Rensing demontiert.
Man munkelt in München, der Vorstand habe die Trennung nicht nur wegen des eigenen Gesichtsverlusts, sondern auch deshalb so lang herausgezögert, weil Klinsmann sich eine besondere Abfindungsklausel in den Vertrag habe schreiben lassen: dass er nicht nur das ausstehende Gehalt bekomme, sondern sogar noch ein zusätzliches Jahressalär. Damit habe er sich absichern wollen, in Ruhe arbeiten zu können. Es würde in das Bild passen, das die Bayern-Anhänger sich aus Klinsmanns Zeit als Bayernspieler 1995 bis 1997 im Kopf behalten haben: Damals hatte Klinsmann von seinem “gerissenen“ (O-Ton Hoeneß) juristischen Berater André Gross eine Stammplatzgarantie fixieren lassen. Später erklärte Hoeneß, Gross habe an der Säbener Straße “Hausverbot. Der bietet dir nach fünf Minuten das 'Du' an, und nach zehn Minuten zieht er dich über den Tisch.“
So eifrig Hoeneß und Klinsmann nun bei der zweiten Zusammenarbeit auch bemüht waren, die alten Geschichten für vergeben und vergessen zu erklären, der Ruch des Zwecksbündnisses war einfach nicht zu vertreiben. So sahen es wohl auch die Bayernanhänger, die Klinsmann nie ins Herz schlossen wie Ottmar Hitzfeld, sondern ihn schnell verstießen.
Klinsmann sagt von sich selbst, er sei “ein Kämpfer“. Er wolle und werde “das durchziehen, mit aller Energie“, erklärte er noch am Samstag. Wenn er so redet, klingt er, wie er früher Fußball gespielt hat: Sprang ihm der Ball auch fünfmal vom Fuß – daher der Spitzname “Flipper“ –, Klinsmann rannte hinterher, und irgendwann brachte er den Ball doch wieder im Tor unter. So wurde er Welt- und Europameister. Aber Klinsmann ist eben kein Stürmer mehr. Und kämpfen und rackern macht noch keinen guten Trainer.
Der FC Bayern steht nun vor einer höchst ungewissen sportlichen Zukunft. Dass es für die Meisterschaft nicht mehr reichen könnte, hält inzwischen selbst ein an sich fröhlicher und stets optimistischer Spieler wie Philipp Lahm für möglich: Man müsse “ein bisschen runterschrauben“ und “andere Prioritäten setzen“, sagte er, nämlich “erstmal Platz zwei zu sichern“, wegen der Direktqualifikation zur Champions League. Aber was, wenn es nicht einmal zu Platz zwei reicht? Und selbst wenn, wie soll es nächste Saison weitergehen? Gewiss scheint nur eines: Einfach so einen neuen Trainer verpflichten und weiter im Text, das wird nicht funktionieren. Dafür hat die kurze Ära Klinsmann zu viel Vertrauen zerstört.
- Datum 27.04.2009 - 16:22 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Gemessen an normale Arbeitsverhältnissen war die Probezeit doch lang genug.
Nur, die Bayern Chefs wussten, auf was sie sich eingelassen haben. Einen noch im Geschäft unerfahrenen, der auch in der Vergangenheit nicht der Diskussionsfreudigste war. Kahn weg, also ein innermannschaftlicher Koordinator und eine vielleicht des Siegens etwas müde Truppe. Ausserdem wird Hoeness Platz frei und da gilt es Positionen zu sichern.
Dann ein Trainer, der noch nicht erfahren hat, wieviel Abstrich man vom Konzept machen muss und deswegen seinen Plan B nicht in der Tasche hat.
Dennoch, diese Entlassung ist unkonstruktiv und es ist zu hoffen, dass dieser Rein-Raus Stil, der schon andere Manschaften ruiniert hat, nicht Schule macht bei den Bayern. Ausserdem reden viel zu viele mit und einige haben das Experiment Klinsmann von Anfang an torpediert, natürlich immer "wegen des hohen Anspruchs" also wie immer wegen hehrer Ziele. Und so trifft Klinsmann hat auf keinen Fall die alleinige Schuld.
von einem der gern fussballer geworden waere es aber nur zum sportreporter eines non-sport-magazins gebracht hat
...scheitern kann nur jemand, der einer Aufgabe grundsätzlich gewachsen ist.
Gescheitert ist der Vorstand des FCB, weil man offensichtlich dem Old Boys Network Priorität über Sachverstand un Können eingreäumt hat.
Auch ich bin der Meinung, dass der Vorstand/das Management versagt haben.
Sie haben die Mannschaft zusammengekauft und einen mittelfristigen Weg kurzfristig selber wieder abgeblasen (dabei trennt die Mannschaft nur 3 Punkte vom Spitzenplatz!) - das ist ganz schlechtes Management.
Nun moegen sie im UEFA-Cup glaenzen!
Auch ich bin der Meinung, dass der Vorstand/das Management versagt haben.
Sie haben die Mannschaft zusammengekauft und einen mittelfristigen Weg kurzfristig selber wieder abgeblasen (dabei trennt die Mannschaft nur 3 Punkte vom Spitzenplatz!) - das ist ganz schlechtes Management.
Nun moegen sie im UEFA-Cup glaenzen!
Auch ich bin der Meinung, dass der Vorstand/das Management versagt haben.
Sie haben die Mannschaft zusammengekauft und einen mittelfristigen Weg kurzfristig selber wieder abgeblasen (dabei trennt die Mannschaft nur 3 Punkte vom Spitzenplatz!) - das ist ganz schlechtes Management.
Nun moegen sie im UEFA-Cup glaenzen!
Es ist sehr einfach, jetzt Klinsmann zu kritisieren und ihm die Schuld für die Misere zu geben. Der Artikel tut so, als hätte Klinsmann alle Freiheiten gehabt. So nach und nach wird dann angedeutet, dass er bestimmte Spieler verpflichten wollte, welche die Vereinsverantwortlichen aber "dann doch" abgelehnt hätten.
Was für Freiheiten sind das denn?!? Ich würde sagen, dass da gewisse Leute einfach mal die Finger reingehalten haben und vielleicht gar nicht wussten, was Klinsmann eigentlich vorhatte.
Wenn aber ein Trainer keine Tatsächlichen Freiheiten hat sondern das Management eigentlich alles besser weiss, ist nicht der Trainer schuld sondern jene, die einfach alles besser wissen.
Es wäre nur konsequent, wenn Beckenbauer, Hoeneß und Rumenigge ihre Mannschaft selbst trainierten. Dann verheizen sie wenigstens keine anderen mehr.
Ob sie dann immer noch im oberen Drittel der Bundesliga spielen sei mal dahingestellt.
Warum Klinsmann gescheitert ist, liegt vermutlich an mehreren Gründen:
Zum einen gingen Klinsmanns Spielphilosophie und das vorhandene Material nicht im Einklang: wie soll man mit Spielern wie Lell, Ottl, Oddo, Sosa einen modernen und schnellen Fussball ähnlich dem des Arsenal Londons oder des FC Barcelona spielen lassen? Dazu noch den Meister des horizontalen Passes van Bommel! Ich sagte an anderer Stelle schon, dass wohl mit dem verkorksten Transfers von Flamini Klinsmanns Reformation im Prinzip schon im Keim erstickt wurde. Nimmt man die aktuellen Halbfinalisten der CL: drei bis vier hochklassige Mittelfeldspieler, zwei bis drei Weltklassestürmer (bei Arsenal sogar noch sehr jung). Wo sind diese Spieler beim FC Bayern? Ribéry, Lahm, mit Abstrichen dann wohl Toni, Lucio und an einem guten Tag evtl. Altintop. Zu viele fertige, taktisch unflexible Mitläufer finden sich in dem aktuellen Bayernkader, die nicht in der Lage sind ein offensiveres 3-5-2 oder ein 4-4-2, in dem Offensive und Defensive (wie beim FC Chelsea) in einander übergehen, zu spielen.
Zum anderen ist Klinsmann evtl. auch an sich selbst gescheitert, schließlich kann bei einem Verein, der im Jahr zuvor das Double gewann und im Uefa-Cup das Halbfinale erreichte, nicht alles schlecht gewesen sein. Allerdings muss man auch bedenken, dass die Erfolge Hitzfelds den Blick auf die Realität ein wenig verwischten. Gab es doch in der abgelaufenen Spielzeit keine ernsthaften Konkurrenten in der Liga, während beim ersten wirklich starken Gegner im Uefa-Cup (St. Petersburg), die Truppe regelrecht auseinander genommen wurde. Man fragt sich, wie gut der Kader und wie gut eingespielt und taktisch variabel die Mannschaft eigentlich war, die Hitzfeld hinterließ und Klinsmann übernahm. Trotzdem schadete sich Klinsmann mit seinem allzu forschen Auftreten (jeden Spieler jeden Tag ein wenig besser zu machen) wohl selbst, da dieses Ziel wohl eh verfehmt war (wie soll man einen 35-jährigen Zé Roberto besser machen?).
Desweiteren gab es auch eine eher fehlerhafte Transferpolitik Der Verkauf von Jansen hat sich nachträglich als Fehler herausgestellt, Lahm auf rechts und Jansen links, wäre mit den vorhandenen Innenverteidigern eine evtl. eine wettbewerbsfähige Kette gewesen, allerdings muss man auch sehen, dass Jansen seine eher stärkeren Auftritte beim HSV eher im linken Mittelfeld hatte. Trotzdem dürfte obige Variante besser sein, als jene mit Lell oder Oddo. Dann der nicht getätigte Kauf eines vierten Stürmers, Olic in der Winterpause verpflichtet und Bayern könnte das gewohnte System spielen. Jetzt ist Klose verletzt, über Poldi brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Nun also ein System mit Toni als einziger Spitze, was sich völlig konträr zu dessen Qualitäten als Stürmer herausstellte.
Bleiben noch die Medien: Hier kann man geteilter Meinung sein. Natürlich war es ein JK-Fehler, sich von vornerein negativ über gewisse Mitglieder der Medienlandschaft zu äussern, aber welche Hetzjagd Teile besagter Medienlandschaft bereits nach dem schwachen Saisonstart geleistet haben, ist eigentlich nur als absolute Frechheit zu bezeichnen. Hier wurde viel zu wenig nach dem Warum gefragt, hier ging und geht es einzig allein um die Person Klinsmann. Es ist einfach nur noch traurig, dass so aufgeblasene "Experten" wie Hinko, Holzschuh oder Herr Udo Lattek wesentlich zu dieser Entwicklung beitragen durften (zuletzt in der lächerlichsten Form wohl Herr Netzer). Lattek hatte in Barcelona zur Halbzeit Tränen in den Augen. Diese habe ich spätestens bei der ersten Werbeunterbrechung beim sonntaglichen Fussball-Talk, nachdem man sich dort Latteks Weisheiten anhören durfte.
Nun, ist´s es geschehen. Meine Ahnung hat sich erfüllt. Bevor Klinsmann anfing habe ich gerätselt Bayern München fast immer die Jahre vorne. Kann das überhaupt immer ein Trainer schaffen? Herr Klinsmann stand immerhin noch in der Tabelle mit Bayern auf Platz 2 und der Vorstoß auf Platz Eins war noch möglich! Was da auch Interna vorgefallen ist, weiß ich nicht. Doch mir scheint die Oberen haben hier nicht mit der nötigen Gelassenheit reagiert. Das der Klinsmann mit Menschen nicht umgehen konnte glaube ich einfach nicht. Die Krone der Bayer fühlt sich wohl mehr gedemütigt durch den 2. Tabellenstand. Nun zu bedauern ist der nächste Bayern Trainer.
Wir werden uns noch an dieses denkwürdige Ereignis erinnern - jetzt geht die Talfahrt der Münchener so richtig los?
In der Tat glaube auch ich nicht, dass Klinsmann nicht mit Menschen umgehen kann. Vielleicht kann er nicht mit Bayern Spielern umgehen, was ich gut verstehen kann: Der Vorstand haut regelmäßig dem Trainer beim FC Bayern das Messer ins Kreuz anstatt seine Spieler, die früher oder später anfangen sich aufzuspielen, wieder auf die Reihe zu bringen.
Unter solchen Bedingungen kann kein Mensch vernünftig arbeiten. Der Fisch Bayern stinkt schon länger, ganz oben am Kopf. Das hat sich in den letzten Jahren am erhöhten Trainerverschleiss gezeigt, dem nicht nur ein Trainer mit Weltklasse zum Opfer gefallen ist (Hitzfeld, Rehagel; Trappatoni).
In der Tat glaube auch ich nicht, dass Klinsmann nicht mit Menschen umgehen kann. Vielleicht kann er nicht mit Bayern Spielern umgehen, was ich gut verstehen kann: Der Vorstand haut regelmäßig dem Trainer beim FC Bayern das Messer ins Kreuz anstatt seine Spieler, die früher oder später anfangen sich aufzuspielen, wieder auf die Reihe zu bringen.
Unter solchen Bedingungen kann kein Mensch vernünftig arbeiten. Der Fisch Bayern stinkt schon länger, ganz oben am Kopf. Das hat sich in den letzten Jahren am erhöhten Trainerverschleiss gezeigt, dem nicht nur ein Trainer mit Weltklasse zum Opfer gefallen ist (Hitzfeld, Rehagel; Trappatoni).
Der Autor könnte sich an die Situation vor Klinsmann beim FC erinnern. Man wollte reformieren und eine neue Struktur finden.
Das Defensivspiel alá Ottmar konnte den Zuschauer nicht wirklich begeistern, auch wenn diese wenig attraktive Spielweise sicher oft den Sieg bescherte.
Nach nur 10 Monaten wirft man Klinsi raus... Man verlangte schnelle Siege und war nun an langfristigen Umstellungen nicht interessiert. Im TV sah man die immer gleichen Plakate (die durch die Erlaubnis von Hoeneß ja noch mehr mediale Aufmerksamkeit bekamen) von einer kleinen Gruppe und die Pfiffe gegen die gesamte Mannschaft wurden natürlich schnell in den Medien als alleinige Klinsmannschelte gedeutet.
Die Personen, die Klinsi geholt haben, hätten ihn länger den Rücken stärken sollen und eine verpasste Meisterschaft 09 zugunsten neuer Strukturen akzeptieren sollen.
Da soll jemand alles umkrempeln und zeitgleich "Deutscher Meister" werden... Ein gedanklicher Vergleich zu Renditeversprechen in der Wirtschaft darf erlaubt sein: Das kann funktionieren, muss aber nicht und das hätte man von Vereinsseite auch so darstellen müssen.
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