Fussball-Presseschau Babbel wird in München Meister, Klinsmann sieht’s auf Premiere
Die Zeitungen von heute nehmen Jürgen Klinsmanns Entlassung vorweg. Stuttgart ist kein geheimer Favorit mehr. Mike Büskens empfiehlt sich für Schalke auf Dauer. Eine Presseschau
Die Zeitungen von heute konnten die Klinsmann-Entlassung immerhin ahnen. Jan C. Müller (FR) macht die zerstörte Atmosphäre zwischen dem Trainer und dem Rest des Vereins dafür geltend, dass dessen Zeit abgelaufen ist: "Klinsmann trägt keinesfalls alleine die Verantwortung. Denn es musste ja jedem klar sein, dass er als Novize auf seiner ersten Station als Klubtrainer eine Menge Fehler machen würde und dass jeder Fehler genüsslich seziert würde. Klinsmann ist intelligent genug, aus diesen vielen Fehlern zu lernen und würde nächste Saison, wenn schon nicht ein Taktikfuchs, so doch ein besserer Trainer werden. Aber er bräuchte dann auch ein besseres Team. Und vor allem: neues Vertrauen. Aber das bekommt er jetzt nicht mehr."
Weil Bayern sogar die Champions League verpassen könnte und damit zig Millionen riskiert, gibt Ludger Schulze (SZ) der Bayern-Führung Recht, Klinsmann zu entlassen: "Ob sie wollen oder nicht: Die Bayern-Vorständler mussten handeln – oder sich nach dem letzten Spieltag womöglich einen den unerhörtesten Vorwürfe gefallen lassen, den man der Leitung eines Unternehmens machen kann: das wirtschaftliche Wohl der eigenen Firma aufs Spiel zu setzen."
Sebastian Krass (taz) vermisst bei der Niederlage gegen Schalke das Aufbäumen der Bayern-Spieler: "Schon siebenmal haben die Bayern in dieser Saison nach einem 0:1 noch die Niederlage vermieden. Doch gegen Schalke quälten sie ihre Anhänger nach dem Rückstand mit konzeptlosem Gekicke, verschärft durch fehlenden Bewegungsdrang im Spiel mit wie ohne Ball und komplettiert durch eine lustlose Körpersprache." Einen neuen Tiefpunkt misst auch Andreas Burkert (SZ): "Derart plan- und hilflos wurden die Bayern selten dabei beobachtet, ein Spiel gegen einen defensiv sicherlich gut organisierten, in der Offensive aber überforderten Gegner zu drehen."
Wiederholt Stuttgart sein Gaunerstück von 2007, als er im April und Mai alle Spiele gewann und von Platz 3 auf 1 stürmte? Mit dem VfB als Meister 2009 rechnen inzwischen nicht mehr nur Insider wie Christof Kneer (SZ): "Es ist eine Mischung aus klassischer Trainerarbeit, ergebnisbedingter Selbstsicherheit und der erstaunlichen Stabilität von ein paar immer noch erstaunlich jungen Buben (Gomez, Khedira, Tasci), die den VfB zum nicht mehr sehr geheimen Geheimfavoriten gemacht hat. Wie einst im Mai saugt sich der VfB wieder unwiderstehlich an die Spitze heran."
Oliver70, offenbar ein VfB-Fan, twittert nach der Wolfsburg-Niederlage in Cottbus: "Die Schale ist ein Schwabe." Und: "Babbel wird in München Meister, Klinsmann siehts auf Premiere."
Nach dem vierten Sieg im vierten Spiel legt die Presse Schalke-Boss Clemens Tönnies Mike Büskens, offensichtlich der Kopf des Schalker Trainertrios, als Dauerlösung nahe. Peter Heß (FAZ) hebt Büskens‘ Vorzüge hervor: "Wenn die Vereinsführung ihre Ankündigung wahr macht, auf eine junge, hungrige Mannschaft zu setzen, dann wäre Büskens genau der Richtige, der sie leiten und mit ihr wachsen könnte. Mit seiner unaufgeregten Art hat er die Krise aufgelöst. Durch seinen Stallgeruch und mit seiner Beliebtheit bei den Fans brächte er eine Menge Kredit für den Neuaufbau mit. Ein Bonus, den jeder andere nicht bekäme."
Nach dem 0:2 in Dortmund, das auf das Pokal-Aus gegen Bremen folgte, ist für Hamburg Schwarzmalen angesagt. Felix Meininghaus (FR): "Es ist die Angst, am Ende einer tollen Saison mit leeren Händen dazustehen. 22 Jahre nach dem letzten Titelgewinn ist in der Hansestadt die Sehnsucht greifbar, endlich mal wieder eine Trophäe in den Himmel stemmen zu können. Doch auf der Zielgeraden wächst die Furcht, dass die Saison in eine dreifache Enttäuschung enden könnte. Im Pokal-Halbfinale gescheitert, nun der Rückschlag in der Meisterschaft – da bleiben als realistische Option nur noch die Begegnungen gegen Werder Bremen im Uefa-Pokal. Es war in Dortmund exemplarisch zu sehen, woran es dem HSV im Saisonendspurt mangelt: Es fehlt der nötige Punch, um die gut angelegten Angriffe zu einem erfolgreichen Ende zu bringen."
- Datum 08.05.2009 - 15:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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