Klinsmanns Entlassung Der deutsche Stammtisch hat gesiegtSeite 2/2

Seine Auffassung vom Fußballverein als Familie und ihm als wohlmeinenden Patriarchen an der Spitze mag charmant sein, aber ein erfolgreiches Rezept in Zeiten der Fußballglobalisierung ist das nicht. Heynckes ist ein Hoeneß-Freund, er soll am vergangenen Wochenende "zufällig" bei ihm zu Besuch gewesen sein. Er brauche nun einen "Fußballlehrer", sagte Hoeneß halb zu Klinsmann, halb zu Rummenigge. Als wäre Klinsmann keiner - eine weitere jener Stillosigkeiten, zu denen sich die Bayern, die so gerne ehrbare Kaufleute sein wollen, selbst verdienten Mitarbeitern gegenüber hinreißen lassen. Ottmar Hitzfeld war der "Mathematiklehrer", Michael Ballack ein "guter Kopfballspieler".

Nach nur zehn Monaten stellt sich die Frage: Hatte der Trainer Klinsmann, von dem keine Lederhosen-Bilder überliefert sind, überhaupt eine Chance in München? Bei den Bayern-Fans hatte er nie Kredit. Klinsmann war und ist der Nationaltrainer, der Oliver Kahn auf die Bank setzte, den grimmigen Torwarttrainer Sepp Maier ausmusterte und sich mit den Autoritäten im Lande anlegte. Die Fans brüllten: "Ami go home!"

Dieser Ton war schon zu Klinsmanns DFB-Zeiten zu vernehmen. Klinsmann der Ami. Seltsam, denn Klinsmann ist neben Lothar Matthäus der bedeutendste deutsche Fußballer seit Franz Beckenbauer: Stammspieler 1990, Kapitän 1996, also wesentlicher Teil bei den zwei vergangenen deutschen Titelgewinnen. Dass er, allen Sommermärchenmythen zum Trotz, so geringe Sympathiewerte bei vielen Fans und Journalisten hat, liegt wohl daran, dass er nie auf den Schutz der Bayern-Lobby zählen konnte. (Ähnlich wie Andreas Möller, dessen Karriere belächelt wurde, obwohl kein anderer deutscher Fußballer so viele verschiedene Titel gewonnen hat wie er.)

Der gestrige Tag hat vor Augen geführt, wer in Fußballdeutschland noch immer Meinung macht und als Experte gilt, also welche Riege an Duzern, Schoßsitzern und Wichtigtuern. Analyse und Kritik kann man nicht erwarten. Obwohl Klinsmanns Entlassung eine deftige, vielleicht folgenschwere Niederlage für den FC Bayern ist, wurde sie als Boulevardstück inszeniert. Die eigentlichen Verantwortlichen eines wankenden, Konzept suchenden Unternehmens, das noch genug Geld hat, auch gröbste Fehler abzufedern, bleiben unangetastet. An sie traut man sich nicht heran.

Tiefpunkt der Aufarbeitung war die Extrasendung der Sportschau, wo Focus-Chef und Bayern-Aufsichtsrat Helmut Markwort seine gute Laune (worüber eigentlich?) darstellen durfte. Er war einer der zahlreichen, die Klinsmann vor der WM 2006 nach Kalifornien jagen wollten. Das darf er seit gestern wieder stolz erzählen. Einer der zahlreichen, die jetzt wieder Oberwasser haben und zwischen den Zeilen zu verstehen geben: Haben wir es nicht immer gesagt! Klinsmann kann's nicht. Das ist der traurige und für den deutschen Fußball fatale Nebeneffekt der Klinsmann-Entlassung: Der große deutsche Fußballstammtisch, den Klinsmann 2006 so sehr blamiert hat, ist nun rehabilitiert.

 
Leser-Kommentare
    • zetti
    • 28.04.2009 um 16:24 Uhr

    Eine der treffendsten Analysen zu diesem Trauerspiel. Wobei ein nicht zu übersehender Faktor die Unerfahrenheit von Klinsmann als Ligatrainer und seine mangelnd ausgeprägte Mitarbeiterführung ist.

    In der Nationalmanschaft hatte er einen Jogi an seiner Seite, der diese Defizite ausgleichen konnte.

    Mit einem ähnlichen Konstellation wäre womöglich die erforderliche Neuausrichtung des FC Bayern möglich gewesen.
    Zetti

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    Ein Plakat der Bayernkurve, das man bei jedem Spiel sehen kann, kommt mir dabei direkt in den Sinn: 'Gegen den modernen Fussball'. Ja, Klinsmann ist weggegröhlt worden, aber das liegt auch an dem halbherzigen und undurchdachten Vorgehen der Verantwortlichen. Das hätte man wissen können, oder im schlimmsten Fall eben auch nicht.

    Es ist beachtenswert:

    1) ganz Fußballdeutschland interessiert sich, unabhängig von der Vereinszugehörigkeit, für die Situation der Bayern: Sondersendungen zuhauf.
    Vielleicht wünscht man sich eben doch etwas internationalen Glanz.
    2) Häme und Spott für denjenigen, der versucht neue Wege zu gehen.
    Eine Bibliothek über Sporttheorie - wie abseitig.
    Buddhastatuen als Symbole der inneren Fokussierung - krank.
    3) geforderte Lösungen als Zurück zum provinziellen Klein-Klein.
    Gerland als Cheftainer zu fordern ist dermassen gelassen ignorant ....
    Fazit: 'wenn's nach Schweiss riecht und laut ist, ist es ehrlich'
    Und natürlich 'Hart wie Wellblech'.
    4) Kein einziger Kommentar und eine Analyse was denn Herr Klinsmann in USA/California eigentlich professionell gemacht hat - interessiert niemand.

    Die letzten Wochen waren ein Lehrstück über Medienarbeit und Informationsvermittlung.
    Ach egal, ein bisschen Triebabfuhr reicht wahrscheinlich auch ...
    @Die ZEIT: das war die einzige Zeitung, die nicht Mobkonform berichtet, sondern analysiert hat. Chapeau.

    Ein Plakat der Bayernkurve, das man bei jedem Spiel sehen kann, kommt mir dabei direkt in den Sinn: 'Gegen den modernen Fussball'. Ja, Klinsmann ist weggegröhlt worden, aber das liegt auch an dem halbherzigen und undurchdachten Vorgehen der Verantwortlichen. Das hätte man wissen können, oder im schlimmsten Fall eben auch nicht.

    Es ist beachtenswert:

    1) ganz Fußballdeutschland interessiert sich, unabhängig von der Vereinszugehörigkeit, für die Situation der Bayern: Sondersendungen zuhauf.
    Vielleicht wünscht man sich eben doch etwas internationalen Glanz.
    2) Häme und Spott für denjenigen, der versucht neue Wege zu gehen.
    Eine Bibliothek über Sporttheorie - wie abseitig.
    Buddhastatuen als Symbole der inneren Fokussierung - krank.
    3) geforderte Lösungen als Zurück zum provinziellen Klein-Klein.
    Gerland als Cheftainer zu fordern ist dermassen gelassen ignorant ....
    Fazit: 'wenn's nach Schweiss riecht und laut ist, ist es ehrlich'
    Und natürlich 'Hart wie Wellblech'.
    4) Kein einziger Kommentar und eine Analyse was denn Herr Klinsmann in USA/California eigentlich professionell gemacht hat - interessiert niemand.

    Die letzten Wochen waren ein Lehrstück über Medienarbeit und Informationsvermittlung.
    Ach egal, ein bisschen Triebabfuhr reicht wahrscheinlich auch ...
    @Die ZEIT: das war die einzige Zeitung, die nicht Mobkonform berichtet, sondern analysiert hat. Chapeau.

  1. und investiert das Geld in sinnvolle Sachen. Alle regen sich über Manager auf, weil deren Gehälert zu hoch ist, aber bei Fußballern sagt keiner was? Ich bin sicher kein Insider, aber ich würde sagen: Verwendet das viele Geld für bessere Dinge und schaut den Jungs in der Kreisliga zu. Die spielen für wenig Geld aber mit genauso viel Leidenschaft. (Wenn nicht sogar mehr)

  2. Käse. Klinsmann bringts einfach nicht als Vereinstrainer und dass der Verein irgendwann Konsequenzen ziehen musste, ist ja nur verständlich.
    Konzepte allein bringen es nicht, sondern die Umsetzung, und wie Hoeness sagte, die Ergebnisse.

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    Es ist wahr, dass Konzepte allein nichts bringen, sofern man sie nicht umsetzen kann. Aber das Bayern Management hat mit seiner kurzsichtigen Mentalität alles getan, dass auch das vielleicht beste Konzept nicht umzusetzen war.
    Der Artikel hier hat die Situation sehr gut zusammengefasst und ich würde noch hinzufügen, dass im Bayern Management Leute sitzen, die Stil mit materiellem Reichtum verwechseln. Den Stil haben dort bestimmte Leute nicht. Sie verhalten sich vielmehr wie die letzten Hinterwäldler, die nicht nur ihre bornierte Macht schamlos ausnutzen, sondern dann auch noch schamlos und auf widerliche Weise nachtreten.
    Ich hoffe umso mehr, dass die Bayern in den nächsten Spielen so richtig den Ranzen vollkriegen.

    • Villar
    • 29.04.2009 um 12:10 Uhr

    Hoeness hat sportlich keine Ahnung und sieht nur sich selbst. Wenn schon höre, dass sie mit Lerby, Breitner und Co über die Trainernachfolge sich austauschen.

    Es ist wahr, dass Konzepte allein nichts bringen, sofern man sie nicht umsetzen kann. Aber das Bayern Management hat mit seiner kurzsichtigen Mentalität alles getan, dass auch das vielleicht beste Konzept nicht umzusetzen war.
    Der Artikel hier hat die Situation sehr gut zusammengefasst und ich würde noch hinzufügen, dass im Bayern Management Leute sitzen, die Stil mit materiellem Reichtum verwechseln. Den Stil haben dort bestimmte Leute nicht. Sie verhalten sich vielmehr wie die letzten Hinterwäldler, die nicht nur ihre bornierte Macht schamlos ausnutzen, sondern dann auch noch schamlos und auf widerliche Weise nachtreten.
    Ich hoffe umso mehr, dass die Bayern in den nächsten Spielen so richtig den Ranzen vollkriegen.

    • Villar
    • 29.04.2009 um 12:10 Uhr

    Hoeness hat sportlich keine Ahnung und sieht nur sich selbst. Wenn schon höre, dass sie mit Lerby, Breitner und Co über die Trainernachfolge sich austauschen.

    • Olly66
    • 28.04.2009 um 17:16 Uhr
    5. Frage

    "Hat Kompromisse beim Training zugelassen, um es sich nicht mit den Stars zu verscherzen."

    Welche Kompromisse?

    In dem Moment, wo ein Trainer sich bei seinen Entscheidungen reinreden lässt, hat er schon verloren. Zitat Udo Lattek.

  3. Es ist wahr, dass Konzepte allein nichts bringen, sofern man sie nicht umsetzen kann. Aber das Bayern Management hat mit seiner kurzsichtigen Mentalität alles getan, dass auch das vielleicht beste Konzept nicht umzusetzen war.
    Der Artikel hier hat die Situation sehr gut zusammengefasst und ich würde noch hinzufügen, dass im Bayern Management Leute sitzen, die Stil mit materiellem Reichtum verwechseln. Den Stil haben dort bestimmte Leute nicht. Sie verhalten sich vielmehr wie die letzten Hinterwäldler, die nicht nur ihre bornierte Macht schamlos ausnutzen, sondern dann auch noch schamlos und auf widerliche Weise nachtreten.
    Ich hoffe umso mehr, dass die Bayern in den nächsten Spielen so richtig den Ranzen vollkriegen.

  4. Weshalb sollte sich der FC Bayern reformieren? Der erfolgreichste Verein Deutschlands und eines der erfolgreichsten Vereine Europas (gerade in den letzten 15 Jahren!) braucht doch keinen amerikanischen Hokuspokus, der sich mit 'Motivation' und Buddha beschaeftigt. Wenn der FC Bayern einen Fehler begangen hat, dann war es die Tatsache, dass sie Klinsmann ueberhaupt abgestellt hatten. Diese 10 Monate sind fast noch schlimmer gewesen als die Rehagelzeit.

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    sind sie ja zum Glück vorbei. Die Saison ist wzar gelaufen, aber nächstes Jahr können Sie dann mit neuem ELAN wieder ANGREIFEN.

    • Villar
    • 29.04.2009 um 12:09 Uhr

    Völliger Schwachsinn. Der FC Bayern hinkt in Europa der Elite meilenweit hinterher. Unter Magath das 1:4 beim AC Mailand. Unter Hitzfeld das 0:4 bei St.Petersburg im UEFA-Cup und nun unter Klinsmann das 0:4 in Barcelona.

    Jetzt sag noch was. Keiner der Trainer ist daran Schuld sondern der Vorstand. Der Vorstand versteht es sich den Verein perfekt zu vermarkten, allerdings versteht er es nicht, sportlich eine klare Linie zu fahren.

    sind sie ja zum Glück vorbei. Die Saison ist wzar gelaufen, aber nächstes Jahr können Sie dann mit neuem ELAN wieder ANGREIFEN.

    • Villar
    • 29.04.2009 um 12:09 Uhr

    Völliger Schwachsinn. Der FC Bayern hinkt in Europa der Elite meilenweit hinterher. Unter Magath das 1:4 beim AC Mailand. Unter Hitzfeld das 0:4 bei St.Petersburg im UEFA-Cup und nun unter Klinsmann das 0:4 in Barcelona.

    Jetzt sag noch was. Keiner der Trainer ist daran Schuld sondern der Vorstand. Der Vorstand versteht es sich den Verein perfekt zu vermarkten, allerdings versteht er es nicht, sportlich eine klare Linie zu fahren.

  5. 8. Jetzt

    sind sie ja zum Glück vorbei. Die Saison ist wzar gelaufen, aber nächstes Jahr können Sie dann mit neuem ELAN wieder ANGREIFEN.

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