Musikpiraten sind Musikfreunde – soviel ist klar. Denn wer würde das Risiko einer Rechtsverletzung eingehen, ohne andererseits eine Belohnung zu erwarten, und sei sie auch nur akustisch? Wahre Freundschaft, so argumentieren denn aber die Plattenfirmen, äußert sich auch in Verantwortung. Und an der mangele es Fans, die Musik illegal herunterladen. Schließlich entgehe den Labels dadurch viel Geld, mit dem man Künstler hätte fördern können.

Wie eine norwegische Studie nun jedoch zeigt, übernehmen Musikpiraten sehr wohl Verantwortung: Sie sind die größte Kundengruppe der legalen Download-Plattformen. Forscher der BI Norwegian School of Management haben rund 2000 Nutzer illegaler Portale zu ihrem Musikkonsum befragt. Ihre Bereitschaft, für Musik zu bezahlen, sei zehnmal höher als die derjenigen, die nicht in P2P-Tauschbörsen aktiv sind. Die Autoren verließen sich dabei nicht auf die Ehrlichkeit der Befragten sondern baten sie, ihre Käufe auch zu belegen.

Demnach sorgen dieselben Personen, denen die Krise der Musikbranche aufgrund illegaler Downloads angelastet wird, für einen Anstieg der Absatzzahlen bei iTunes, Amazon oder Musicload.

Und dieser Absatz ist relevant: Mittlerweile erzielt die Branche 20 Prozent ihres Umsatzes im digitalen Markt –  in Deutschland stieg die Anzahl der legalen Downloads 2008 um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Vertreter der Musikindustrie äußerten sich skeptisch zu der Studie. "Der Musikkonsum steigt, während unser Gewinn abnimmt. Die einzige Erklärung dafür ist, dass immer noch mehr Dateien illegal heruntergeladen als verkauft werden", sagte ein Sprecher von EMI.

Eine andere Erklärung für den Rückgang der Einnahmen liegt jedoch auf der Hand: Im Internetverkauf werden zumeist einzelne Lieder abgesetzt. Das Albumkonzept spielt hier nur eine marginale Rolle. Angenommen, ein Album enthält zehn Songs, so müssten also zehnmal mehr Einzeldownloads verkauft werden als im physischen Geschäft CDs, um die Bilanz auszugleichen. Ganz so weit ist E-Commerce dann doch noch nicht.

Die norwegische Untersuchung bestätigt eine Studie der kanadischen Vereinigung Musikproduzierender (CRIA) von 2006. Schon damals hielt der Branchenverband fest, dass P2P-Nutzer mehr bezahlen, als die Plattenfirmen zugeben wollen. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, Musik gekauft zu haben, nachdem sie sie illegal heruntergeladen hatten.

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