Alltagsgeschichten Handy-freie Zone

Unser Kolumnist gehört zu den letzten Menschen auf diesem Planeten, die kein Mobiltelefon besitzen. Wenn ihm das nur jemand glauben würde!

In einer Welt, die darauf angelegt ist, die Satten hungrig zu machen und nicht die Hungrigen satt, ist es nur natürlich, dass man Dinge kauft, weil es sie gibt und nicht, weil man sie braucht. Es ist genauso natürlich, dass man nach Gründen gefragt wird, warum man etwas zum Alltagsgegenstand Gewordenes nicht besitzt. Etwa einen Fernseher. Es wird eine Haltung dahinter vermutet, ein politisches Statement, ein Ideal, etwas Exzentrisches. Hat man aber einen Fernseher, will niemand den Grund dafür wissen. Wenn man nicht kauft, dann gerät man schnell in die Position, etwas erklären zu müssen.

Ich besitze kein Mobiltelefon, habe noch nie eines besessen, und nachdem ich einige Jahre geglaubt hatte, die Notwendigkeit würde mich eines Tages einholen, wage ich nun auch zu sagen: Ich werde auch nie eines besitzen.

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Das führt manchmal zu verqueren Dialogen mit Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe. Ob ich ihr meine Handynummer geben möchte, wollte eine Dame wissen, die eine Lesung mit mir veranstaltet hatte. Ich sagte ihr die Wahrheit. Sie meinte, sie könne verstehen, dass man in meiner Position seine Nummer nicht herausgeben möchte. Ich wiederholte und sie sagte: "Ja, ich verstehe." Und es klang wie: "Ich begreife schon, dass Sie nur höflich sein wollen."

Eine andere Dame glaubte mir, wollte aber sofort den Grund für meine Handylosigkeit wissen. Noch bevor ich antworten konnte, vermutete sie: "Aus finanziellen Gründen?"

Das dies kein Grund sein könne, habe ich mir schon oft von wohlmeinenden Mitmenschen erklären lassen. Ungefragt werde ich informiert über Prepaid-Karten, günstige Tarifsysteme und darüber, wie praktisch so ein Ding sein könne, am liebsten anhand leuchtender Beispiele, bei denen jemandem das Leben gerettet wird. Ich könnte fast den Eindruck bekommen, der Rest der Welt bekommt Provision von Mobilfunkunternehmen.

Leser-Kommentare
    • Rusty
    • 29.04.2009 um 14:12 Uhr

    Ich überlege, ob ich in letzter Zeit irgendwo etwas belangloseres gelesen haben könnte. Fürchte nein. Freu mich schon auf nächste Woche, wenn wir erfahren, weshalb jemand keine Brotschneidemaschine besitzt.

    • carol
    • 29.04.2009 um 14:27 Uhr

    in meinem freundeskreis war ich der letzte der sich ein (mobiles) telefon zugelegt hat. ich dachte immer das bräuchte ich nicht.

    während sich alle anderen aber immer munter spontan verabredet haben. musste ich immer erst nach hause, den AB abhören und dann nochmal los um dem laufenden treffen beizuwohnen. oder wenn ich was wissen wollte, dann musste ich immer erst eine telefonzelle suchen, kleingeld oder eine geldkarte parat haben. meine bekannten würden mich irgendwann wohl nicht mehr abholen, wenn sie dauernd auf mich warten müssten. und viele weitere beispiele...

    30.08.2000 ist das datum. seitdem habe ich oft nachgedacht, weshalb es nicht verwerflich ist ein telefon zu besitzen. und die antwort lautet, man sollte mit der zeit gehen, sonst ist der besitz von anderen technischen hilfsmitteln inkonsequent.
    ein mobiltelefon ist DAS gerät. die neunziger sind für mich nicht das internetzeitalter sondern das mobiltelefon jahrzehnt. ausserdem trage ich zB keine armbanduhr mehr und habe dazu immer einen wecker, eine taschenlampe, photoapparat, musik usw immer dabei und neuerdings auch internet.

    ein mobiltelefon zu besitzen mag vielleicht kein zwang sein, aber die nachteile muss man auf jeden fall erdulden.

  1. ob jemand, der sich nicht die mühe macht bzw. sich des vergnügens beraubt, selims kolumnen sorgfältig zu lesen, einer von den ist, die draussen ihren müll rumschmeissen.

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