Open Street Map Geodaten sind ein gutes Geschäft

Freiwillige bauen im Netz nicht nur am weltgrößten Lexikon, sondern vermessen auch die Erde neu. Mit 15.000 "Mappern" hat Deutschland die aktivste Gemeinschaft. Ein Interview zur Zukunft von OpenStreetMap

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Schlechte Karten? OpenStreetMap kann spezielle Karten für jeden bieten, auch für Fußgänger und Radfahrer

ZEIT ONLINE: Wie vollständig ist die freie Weltkarte von OpenStreetMap?

Sven Anders: Das ist ganz unterschiedlich. Die USA sind sehr gut erfasst, weil amerikanische Behörden sämtliche Geodaten gestiftet haben. Auch die Niederlande stehen gut da, weil der Navigationsgerätehersteller AND dem Projekt all seine Daten überlassen hat. In dünn besiedelten oder schlecht entwickelten Weltgegenden dominieren aber noch weiße Flecken.

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ZEIT ONLINE: Wie ist die Situation in Deutschland?

Anders: Großstädte, Touristengebiete und Universitätsstädte sind meist hervorragend erfasst – Studenten sind fleißige Vermesser. In ländlichen Gegenden – etwa im Osten Deutschlands – gibt es noch viel zu tun.

ZEIT ONLINE: Die Seite wirkt nicht sehr nutzerfreundlich, manchmal baut sie sich sehr langsam auf. Wird OSM vom eigenen Erfolg überrannt?

Anders: Für Anwender ist openstreetmap.org noch nicht ideal, da haben wir ein paar Probleme. OSM ist ein Prozess, der sich entwickelt. Das ist ganz normal für Open-Source-Projekte. Wir sind dabei, uns zu professionalisieren.

ZEIT ONLINE: Dazu soll es auch eine neue Lizenz geben?

Anders: Ja. Die momentan verwendete Creative-Commons-Lizenz, die festschreibt, dass OSM von jedermann frei verwendet werden darf, ist für kreative Werke gedacht. Sie passt eigentlich nicht auf Geodaten. Die OpenStreetMap Foundation (Anm. der Red.: eine gemeinnützige Organisation, die das Kartenprojekt unterstützt) hat Anwälte beauftragt, eine Lizenz für freie Geodaten zu schreiben.

ZEIT ONLINE: OSM ist ein loses, global arbeitendes Netzwerk, keine Organisation. Ist in Deutschland die Gründung eines Vereins geplant – ähnlich der OpenStreetMap Foundation?

Anders: Wir haben in Deutschland noch nicht die Ressourcen, um einen Verein zu gründen und zu unterstützen. Derzeit springt der Verein FOSSGIS ein. Er fördert die Verbreitung freier Geodaten, seine Ziele decken sich mit denen von OSM. Wenn jemand beispielsweise spenden möchte, wickeln wir das über FOSSGIS ab.

ZEIT ONLINE: Wie finanziert sich das Projekt?

Anders: Viele Firmen und Universitäten unterstützen uns, das war bisher kein Problem. Vor einiger Zeit brauchten wir einen Server für unsere neue Datenbank. Wir haben auf unserer Seite eine Anzeige veröffentlicht – innerhalb weniger Tage war der Rechner finanziert.

ZEIT ONLINE: Geodaten sind ein begehrtes Wirtschaftsgut. Um das freie Betriebssystem Linux hat sich eine ganze Industrie entwickelt. Ist ähnliches für OSM zu erwarten?

Anders: Die Analogie mit Linux stimmt. Da unterscheiden wir uns stark von der Wikipedia. Lexika kauft jeder nur einmal und stellt sie sich in den Bücherschrank, oder er schaut bei der freien Online-Enzyklopädie nach. Es gibt nur sehr wenige Lexikonverlage. Auf freie Geodaten lassen sich dagegen vielfältige Geschäftsmodelle gründen. Bisher war die Erhebung der Daten eine teure, aufwändige Angelegenheit – da konnten kleine und mittelständische Unternehmen nicht mitmischen. Mit OSM wird das möglich.

ZEIT ONLINE: Haben Sie ein Beispiel?

Anders: Will ein Supermarkt eine neue Filiale öffnen, muss er wissen, wie viele Wohnstraßen es im Umkreis gibt. Oder ob die Konkurrenz da schon Filialen hat. Diese Informationen lassen sich aus unseren Straßenplänen extrahieren. Cloudmade, die Firma des OSM-Gründers Steve Coast, zeigt, wo es langgehen wird: Basierend auf OSM bietet Sie aufbereitete Geodaten und Dienste an.

ZEIT ONLINE: Welche Trends zeichnen sich ab?

Anders: Die Anzahl der Spezialkarten wird wachsen: Es gibt jetzt schon die OpenPisteMap für Skifahrer, die OpenCycleMap für Radfahrer oder eine Karte, die den öffentlichen Nahverkehr verzeichnet. Routing-Services sind auch interessant. Mit dem OpenRouteService kann man Wege von Hamburg nach Rom berechnen – nicht nur für Autofahrer, auch für Fußgänger oder Radfahrer. Das kann kein anderer Routingservice. Navigationsgeräte und Handys werden ebenfalls immer besser unterstützt. Dann arbeiten wir an einer Kooperation mit der Wikipedia, unsere Karten sollen eingebunden werden. Zurzeit passiert sehr viel.

Das Projekt OpenStreetMap (OSM) will eine freie Weltkarte schaffen.  Ausgerüstet mit Navigationsgeräten vermessen Tausende Freiwillige die Erde neu und stellen die Pläne im Netz zur Verfügung. Der Hamburger Software-Entwickler Sven Anders war einer der ersten deutschen "Mapper".

 
Leser-Kommentare
  1. Viele Tausend Freiwillige arbeiten für eine gute Sache. Man kann das sowohl für pirvate Aktivitäten einsetzen wie für kommerzielle Angebote wie lokalisierte Dienste. Das Geschäftsmodell der anderen Kartenmacher besteht ja eher darin, arglose Nutzer abzumahnen, weil sie einen geschützten Kartenausschnitt von 10 x 10 Pixeln auf ihre Seite stellen.

  2. Mittlerweile gibt es auch jede Menge erfolgreiche Anwendungen für das iPhone, die auf OSM basieren, eine davon ist z.B. www.gpsmission.com

    Der Vorteil von OSM ist hierbei, dass man sie auch in Applikationen integrieren kann, im Gegensatz zu Google Maps, bei denen das erst mit der Version 3.0 im Sommer möglich sein wird.

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