Aktuelle MusikTönende Seelenlandschaften

Der lettische Komponist Pēteris Vasks ist einer der wenigen großen, naiven Tonsetzer der Gegenwart. Er fühlt sich als Idealist in einer materialistischen Welt

Laute und schnelle Musik? "Das ist so anstrengend. Und ich bin doch altmodisch und komponiere mit Bleistift und Notenpapier", sagt Pēteris Vasks

Laute und schnelle Musik? "Das ist so anstrengend. Und ich bin doch altmodisch und komponiere mit Bleistift und Notenpapier", sagt Pēteris Vasks

In sich ruhend und gleichwohl wie auf verlorenem Posten wirkt Pēteris Vasks in der Kölner Philharmonie. Im Orchestergraben proben die Musiker sein Konzert für Flöte und Orchester, Anfang des Jahres war die Uraufführung. Vasks, die Partitur in Händen haltend, steht während der gesamten Probe aufrecht in einer der hinteren, leeren Reihen.

Sein Gesicht strahlt. Er wirkt erdverbunden und warmherzig. Genau wie Gyorgy Ligeti trägt Pēteris Vasks gern weite Wollpullover. Im Unterschied zu Ligeti bevorzugt er jedoch schlichtere Strickmuster  – eine Analogie zu seiner Musik?

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Früher habe auch er mit Aleatorik und Clustern experimentiert, sagt Vasks, der neben Arvo Pärt und Erkki-Sven Tüür zu den bedeutendsten lebenden Komponisten des Baltikums gehört. Heute sei dies nicht mehr interessant für ihn, viel wichtiger sei der inhaltliche Aspekt der Musik. Inhalt ist der große erzählerische Gestus des Werks, seine Botschaft, die er nicht im Sinne der Programmmusik verstanden wissen will. "Die meisten Menschen haben heute keinen Glauben, keine Liebe und keine Ideale mehr. Die geistige Dimension geht verloren. Ich will der Seele Nahrung geben. Das predige ich in meinen Werken."

Das Predigen ist dem 1946 geborenen Sohn eines Baptisten-Pfarrers gleichsam in die Wiege gelegt worden. "Mein Vater war ein fantastischer Pastor, der flammende Botschaften an die Gemeinde gerichtet hat. Ich denke, ich mache dasselbe, nur in Form von Musik." Dabei ist ihm die Konfession unwichtig, der Glaube sei eine universelle Kategorie. Vasks spricht in diesem Zusammenhang gern vom Geistigen und Seelischen, das er vom Materiellen abgrenzt.

Überhaupt denkt er viel in Gegensätzen. Und er vertritt klare Positionen: "In meinen Werken stehen die schnellen Sätze immer für das Aggressive, Brutale, für die dunkle Seite der Menschheit. Das Ideale kommt langsam, piano, als Gesang. Ganz wenige meiner Werke enden im Fortissimo. Meine Musik ist der Choral. Ich komponiere am liebsten stille Musik."

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