Piraterie vor Somalia Reeder fordern Ausweitung des Anti-Piraten-Einsatzes

Über eine alte Geißel der Menschheit diskutierten Experten im Internationalen Seegerichtshof: Die somalischen Piraten und der Kampf gegen die Seeräuber. Die anwesenden Reeder forderten mehr Schutz für ihre Schiffe

Begleitschutz im Golf von Aden: die französische Fregatte Nivose. Deutsche Reeder fordern eine Ausweitung des Anti-Piraten-Einsatzes

Begleitschutz im Golf von Aden: die französische Fregatte Nivose. Deutsche Reeder fordern eine Ausweitung des Anti-Piraten-Einsatzes

Die Lage für die Schifffahrt vor Somalia bleibt bedrohlich: 17 Schiffe befinden sich in der Hand der Piraten, mehr als 300 Seeleute werden als Geiseln festgehalten, darunter auch mehrere Deutsche. Der Seeraub, der vor wenigen Jahren noch als ein abgeschlossenes Kapitel in der maritimen Geschichte galt, bestimmt wieder die Nachrichten. Wie das Problem gelöst werden kann, darüber diskutierten Völkerrechtler, Admiräle, Reeder, Kapitäne und Staatsanwälte am Freitag am Internationalen Seegerichtshof in Hamburg. Reeder forderten während der Konferenz mehr Schutz für ihre Handelsschiffe durch Marineeinheiten.

Obwohl die Konferenz lediglich dem Gedankenaustausch diente und keine Beschlüsse gefällt wurden, war das Interesse groß, so viel Medienaufmerksamkeit wie am Freitag bei den Maritim Talks 2009 hatte der Seegerichtshof an der Elbe lange nicht mehr bekommen. „Geißel der Menschheit" lautete der Titel der von der International Foundation for the Law of the Sea organisierten Veranstaltung. Das Piraten-Problem könne nicht allein auf See gelöst werden, sagte Doris König. Die Organisatorin der Veranstaltung unterrichtet Internationales Recht an der Bucerius Law School in Hamburg. Sie sagte, dass Somalia als Staat stabilisiert und Ostafrika von der Staatengemeinschaft unterstützt werden müsse. Die Marineschiffe vor Ort könnten Piraten nur vertreiben oder festnehmen, die Ursache für den Seeraub liege an Land.

Anzeige

Da stimmten die meisten Experten zu. Auch Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker, Kommandeur der deutschen Flotte sagte, dass Kriegsschiffe die Piraterie nicht beseitigen könnten. „Unser Schwerpunkt ist der Schutz der Schiffe des World Food Programms, die Nahrungsmittel nach Somalia bringen", sagte Stricker. „Wir machen Handelsschiffen das Angebot, in einem geschützten Konvoi zu fahren. Aus einem solchen Konvoi wurde bislang noch kein Schiff von den Piraten herausgepiekt."

Hans-Heinrich Nöll, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder, betonte hingegen, die internationalen Marineschiffe müssten den Handel stärker schützen, die Zahl der Nahrungsmitteltransporte sei sowieso relativ gering. Der erfolgreiche Einsatz von Kriegsschiffen in den Küstengewässern Somalias habe dazu geführt, dass die Seeräuber nun Schiffe im Indischen Ozean angriffen. Die internationalen Kriegsschiffe müssten daher auch dort Begleitschutz anbieten. „Der Schutzschirm muss erweitert werden", sagte Nöll.

Zudem sollten die einzelnen Staaten, die Kriegsschiffe in die Region entsandt haben, den Einsatz besser abstimmen. Länder wie China, Indien, Malaysia, Russland und Japan müssten mehr mit der Nato und der EU zusammenarbeiten. Die Reeder könnten dem Problem zwar ausweichen - eine dauerhafte Lösung sei das aber nicht. „Es ist ohne weiteres möglich, um Afrika herum zu fahren, dass sind dann aber 5000 Seemeilen mehr", sagte Nöll. „Der Golf von Aden ist ein wichtige Strecke, wenn sie nicht mehr befahren wird, hat das Auswirkungen auf die ganze Region."

Er sagte, dass die Reeder, die ihre Schiffe auf der gefährlichen Route durch den Golf von Aden schicken, weder blind noch abenteuerlustig seien. Die Reeder könnten sich nicht von Kriminellen vorschreiben lassen, wo sie ihre Schiffe einsetzen, sagte Nöll. „Es geht auch um die Freiheit des Seeverkehrs und der friedlichen Handelsschifffahrt."

Die Reeder beklagten, dass die Piraten ihr Einsatzgebiet längst deutlich erweitert hätten und hunderte Kilometer von der ostafrikanischen Runde zuschlügen. Durch die gewaltsame Befreiung eines amerikanischen Kapitäns durch US-Soldaten, habe sich die Lage am Horn von Afrika zugespitzt, sagte Stefan Bülow, Geschäftsführer der Reederei Deutsche Afrika-Linien/John T. Essberger. „Die Situation der Besatzung des entführten deutschen Schiffes Hansa Stavanger hat sich dadurch verschlechtert", sagte Bülow. Die Piraten hatten nach der Militäroperation ihre Geiseln vorrübergehend an Land verschleppt und dort versteckt. Nun seinen sie zurück an Bord und die Verhandlungen mit den Entführern liefen weiter, ergänzte Nöll.

Leser-Kommentare
    • Rellem
    • 25.04.2009 um 10:21 Uhr

    Hallo
    So die Reeder fordern, das dürfen sie, unter einer Bedingung.
    Sie sollen sich bitte an den Staat wenden unter dessen Flagge sie fahren, denn der ist auch zuständig.
    Die Crux ist, das die Reedereien es nicht erwarten können ihre Schiffe auszuflaggen, aber jetzt bei genau den Staaten anklopfen denen sie de Rücken gekehrt haben.
    Die Befreiung des amerikanischen Kapitäns war unter anderem auch deshalb möglich weil es sich um
    a) ein amerikanisches Schiff
    unter
    b) amerikanischer Flagge
    und
    c) es waren Amerikanische Staatsbürger an Bord handelte,
    deshalb hatte die Navy
    d) die volle Handlungsfreiheit und musste niemanden fragen.
    Bei einem Konglomerat aus (Bsp) Hamburger Reederei, panamaischer Flagge und womöglich philippinischer Besatzung ist das ganze nicht mehr so einfach.
    Gruss
    Rene

  1. Sicherlich ist es interessant, warum ausgeflaggte Reedereien nun bei Ihren Ex-Staaten anklopfen. Sie sollten sich an ihre Wahlnationalitäten halten. Aber was für die deutschen und westlichen Schiffe an Methoden erlaubt wird, verstehe ich nicht ganz. Warum darf man die Piraten nur vertreiben oder festnehmen? Wenn es in Somalia keine staatliche Souveränität und keine Ornungsmacht gibt, die im Lande für Ordung sorgen kann; wieso dürfen die betroffenen Handelschiffe sich in einer Interessengemeinschaft via Militär nicht wehren, indem sie die Mutterschiffe der Schnellboote prophylaktisch zerstören. Beim internationalen Drogenhandel wartet man doch auch nicht erst darauf, bis die Drogen beim Konsumenten übergeben werden, sondern hebt die Produktionsstätten und die Logistik aus......

  2. Nun es stimmt schon das man als Regeln einführen sollte das SChiffen von den Ländern geholfen wird unter dessen Flagge sie fahren und das die Flagge vor den Transport veststehen muss so das sich Kunden dann zwischen den einzelnen Rechtsbereichen der Länder und den eizenlnen Regelungen das schiff aussuchen können was für sie die optliale Leistung und Sicherheit bringt. Dann würde die Fracht auf einen schiff unter Deutscher oder Amerikaische Flagge zwr teurer werden als auf einen schiff unter der Flagger von XYZ ( sehr kleiner staat ohne Schiffssteuern ) alerding wäre das Risiko für den totalverlust der Fracht auch grösser da sich dann auch das Land XYZ um die Verhandlungne mit den Piraten kümern muss, oder das unternehmen bei einen anderen Staat ( Deutschand z.B. ) dies Dienstleistung einkaufen muss und dafür die kompleten Kosten übernehmen müsste.

    DAs Problem mit der Zerstörung der Mutterschife ist, das man im Seeraum einer Anerkannten Nation nicht einfach schiffe zerstören kann ohne ebend diese Nation um Erlaubnis zu bitten, da nun grad die justiz und Politzei dieser Nation schon nichts gegen die Piraten unternimmt oder nicht unternehemn darf sind wohl eher einige Mentschen in den Ämtern dagegen das so etwas pasier da sie an der Piraterie duch Bestechungsgeler mitverdienen und den Piraten so den Rücken freihalten.

  3. Schiffe sollten genauso behandelt werden, wie ein Gefahrentransport.
    Die Reederei selbst sollte sich um die Sicherheit des Transportes kümmern und auch dafür haften.

    Gebt den Reedereien das Recht auf Selbstverteidigung(Bewaffnung der Besatzung) und das Problem ist gelöst...
    Warum so kompliziert, wenn es so einfach geht??
    Der Staat solls richten...immer der Staat...

    P.S.: Die Autorität eventuelle Piratenangriffe selbst abzuwehren, wurde den Händlern auch im 18.Jahrhundert(oder war es das 17.Jahrhundert??) übertragen, als der Welthandel an bestimmten Routen regelmäßig von Piraten unterbrochen wurde.
    Hatt funktioniert, also...Und Außerdem: Wie viele Schiffe will man denn auf den Weltmeeren patroullieren lassen, um all die Routen zu überwachen??
    Logistisch garnicht durchführbar!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass das Problem der Piraterie bei einer Bewaffnung der Handelschiffe noch andere Dimensionen annehmen könnte.

    Abgesehen von der Problematik einer weiteren Aushöhlung des staatlichen Gewaltmonopols stellt sich folgende Frage: Was hindert die Piraten daran unter der Maske des Ehrbaren Kaufmanns ( es gibt übrigens nur sehr wenige wirkliche von dieser Sorte) ebenfalls ein Handelsschiff zu bewaffnen und die Piraterie auf die nächste Eskalationsstufe zu heben?

    Man stelle sich vor, ein solches Schiff fährt mit der "falschen" Besatzung in den Panama- oder Suezkanal ein. Tonnen von Waffen und Sprengstoff gefechtsklar und Menschen die das bedienen können.

    Ok, es muss nicht so kommen, aber solche Szenarien sind eine Überlegung wert.

    dass das Problem der Piraterie bei einer Bewaffnung der Handelschiffe noch andere Dimensionen annehmen könnte.

    Abgesehen von der Problematik einer weiteren Aushöhlung des staatlichen Gewaltmonopols stellt sich folgende Frage: Was hindert die Piraten daran unter der Maske des Ehrbaren Kaufmanns ( es gibt übrigens nur sehr wenige wirkliche von dieser Sorte) ebenfalls ein Handelsschiff zu bewaffnen und die Piraterie auf die nächste Eskalationsstufe zu heben?

    Man stelle sich vor, ein solches Schiff fährt mit der "falschen" Besatzung in den Panama- oder Suezkanal ein. Tonnen von Waffen und Sprengstoff gefechtsklar und Menschen die das bedienen können.

    Ok, es muss nicht so kommen, aber solche Szenarien sind eine Überlegung wert.

  4. wenn die in gefaehrlichen Wassern fahren.Vor allem ausgeflaggte Schiffe sollten bewaffnete Maenner an Bord haben die bei solchen ANgriffen das Schiff verteidigen koennen bis irgendwelche Marine Einheiten kommen.
    Das wuerde weniger kosten als was diese Wasser Piraten fordern und wuerde auch die Versicherung niederiger machen. Aber vor allem sollten all diese Nussschalen mit Piraten an Bord aus dem Wasser gepustet werden by sight und diese sogenannten Mutterschiffe aufgegriffen werden.Denn damit wuerden schon einigen Basen fuer diese Angriffe vernichtet.

  5. Seegebiete auszeichnen die mit kostenpflichtigen water-marshals (on-board und/oder off-board) durchkreuzt werden sollten. Da das nicht verplichtend gemacht werden kann, sollte man bei nichtbefolgung dieses ratschlags eine, wenn logistisch leistbar, kostenplichtige rettungsaktion in aussicht stellen.

    Das waere eine marktwirtschaftliche loesung, und da reeder haendler sind, kann man davon ausgehen, dass sie die regeln eines solchen marktes auch verstehen werden.

    Eine sicherheitsleistung irgendwelcher art kann nicht ohne gegenleistung eingefordert werden. Genauso wie abenteuerurlauber, die ihre freizeit in krisengebieten verbringen wollen, koennen nicht deutsche reeder ihre ausgeflaggte flotte auf kosten der (deutschen) allgemeinheit ihre individualrisiken versichert glauben.

    Unternehmerisches risiko auf die allgemeinheit abwaelzen und den profit selbst einstreichen. Davon traeumt jeder haendler.

  6. Das Transportschiff "MV Patriot" gehört der Hamburger Reederei Johann M. K. Blumenthal. Es wurde 2002 in Japan gebaut und fährt unter der Flagge von Malta. Auf dem Frachter arbeiten Seefahrer aus der Ukraine und von den Philippinen.
    http://www.spiegel.de/pan...

    FRAGE: Was will die Rederei jetzt eigentlich vom deutschen Steuerzahler?
    (Und wieso heißt das Schiff auch noch Patriot?)

    Es ist doch wie bei einer Versicherung: Wenn man nichts einzahlt, kann man auch keine Hilfe im Schadensfall erwarten.
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • RalphS
    • 25.04.2009 um 17:05 Uhr

    Um welche Schiffe geht es ? Natürlich Frachtschiffe aus China.
    Was habe die geladen ? Billigtextilien, Schuhe und Elektronik die zu Hungerlöhnen und katastrophalen ökologischen Bedingungen in China hergestellt wurden.
    Die meisten Frachtschiffe die von China unterwegs sind, haben dieses Zeug in ihren Containern.
    Jetzt verlangen Reeder, dass Soldaten der deutschen Marine ihren Kopf und der deutsche Steuerzahler sein Geld dafür herhalten soll, damit dieser Mist unbeschadet die deutsche Ladentheke erreicht. Wir haben zur Zeit 3,5 Millionen Arbeitslose und bald werden es 5 Millionen sein. 3,5 Millionen von ihnen könnten den Job machen, den jetzt die Chinesen für sie machen. (Da widerspreche ich ganz entschieden Bundespräsident Horst Köhler, der meint, dass Deutschlands Wirtschaft ohne diese Arbeitsteilung nicht bestehen könnte. Der Mann hat entweder keine Ahnung oder will und für Dumm verkaufen.)
    Die anderen 40 Millionen Beschäftigten müssen die Artikel der Chinesen auch noch doppelt bezahlen. Einmal kommen sie für die Harz4- und Sozialversicherungsbeiträge der ehemaligen 3,5 Millionen Textil, Schuh- und Elektrohandwerker auf und dann müssen sie noch die Chinesen und den Transport ihrer Waren über zwei Ozeane bezahlen. Nebenbei wird während der Herstellung im Vergleich zu Deutschland wesentlich mehr die Umwelt verschmutz und der Transport um den halben Erdball verschlingt noch einmal Unmengen an Energie und emittiert Millionen Tonnen CO2.
    Und da kommt Renate Künast ins Spiel. Statt zum Verkauf von Toyotas aufzurufen,
    für den auch umweltfeindlich Komponenten um den halben Erdball nach Deutschland geschafft werden müssen, sollte die Dame mal die ökologischen und sozialen Probleme der Globalisierung ansprechen. Aber das kommt dieser grün angestrichenen FDP Tante nicht in den Sinn.
    Sollte es also auf den Weltmeeren Transportprobleme geben, so wäre es doch am einfachsten die Produktion wieder zurück nach Deutschland zu holen. Anfangen könnten wir mit Strafzöllen, um gegen die künstliche Abwertung des Renminbi (RMB) und der skandalösen Kopie deutscher Produkte vorzugehen.
    .
    Wir sollten besser deutsche Arbeitsplätze schützen, als die Globalisierung, welche nur deutsche Arbeitsplätze vernichtet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber diese Aspekte sind den globalisierungsbesoffenen Politikern und Wirtschaftsbossen angeblich ganz fremd. In Wirklichkeit sind das aber die gierigen Motive Ihres Handelns ohne jegliche Nachhaltigkeit auf Kosten der Europäischen und insbesondere der Deutschen Normalbürger.

    Danke auch für Ihren Hinweis zur Verlogenheit der Grünen. Die Verlogenheit der Grünen kann man gar nicht oft genug herausarbeiten. Man findet die widerliche Grüne Doppelmoral der Grünen Pöstchenjäger in jedem Politikfeld. Wie Sie sehr gut zeigten, auch in o. g. .

    Aber diese Aspekte sind den globalisierungsbesoffenen Politikern und Wirtschaftsbossen angeblich ganz fremd. In Wirklichkeit sind das aber die gierigen Motive Ihres Handelns ohne jegliche Nachhaltigkeit auf Kosten der Europäischen und insbesondere der Deutschen Normalbürger.

    Danke auch für Ihren Hinweis zur Verlogenheit der Grünen. Die Verlogenheit der Grünen kann man gar nicht oft genug herausarbeiten. Man findet die widerliche Grüne Doppelmoral der Grünen Pöstchenjäger in jedem Politikfeld. Wie Sie sehr gut zeigten, auch in o. g. .

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service