Religionsunterricht Ethik für alle
In Berlin wird Ethik weiter Pflichtfach bleiben. Die Debatte bleibt aber relevant. Denn das Berliner Modell sollte Schule machen für den Rest der Republik
Berlin hat gewählt und sich deutlich gegen Pro Reli entschieden. Nur eine Minderheit von gut 14 Prozent aller Wahlberechtigten stimmte für den Gesetzentwurf. 25 Prozent hätten jedoch für ihn votieren müssen, um die Kampagne zum Erfolg werden zu lassen. An dieser Hürde ist auch schon die Initiative für den Erhalt des Flughafens Tempelhofs gescheitert. 51,3 Prozent der Wähler haben mit "Nein" gegen den Etablierung von Religion als Wahlpflichtfach und für den obligatorischen Ethik-Unterricht gestimmt.
Man muss den Pro-Reli-Anhängern zugute halten, dass sie eine höchst relevante Debatte angestoßen haben. Es handelt sich hierbei nicht oder nur vordergründig um eine Lokaldebatte, man kann vielmehr konstatieren, in Berlin werden die Debatten der Zukunft geführt, die Stadt hat Weltläufigkeit bewiesen und Fragen gestellt – nach der Vermittlung von Werten und Glaubensinhalten –, die weit über die Besonderheit dieser Stadt hinausgehen. Denn Multikulturalität und Multikonfessionalität sind auch in anderen Regionen Deutschlands sowie in anderen Ländern Europas ein wichtiges Thema. In Städten wie Frankfurt ist beispielsweise der Anteil von Migranten nicht-christlicher Glaubensrichtungen weitaus höher als in Berlin. Multikulturalität und -konfessionalität werden in Deutschland, allein aus demographischen Gründen, zunehmen.
In Berlin wurde nun exemplarisch darüber diskutiert, wie eine Stadt, die sich nolens volens immer stärker über ihre konfessionelle Heterogenität, ihre Multikulturalität definiert, im pädagogischen Bereich auf diese Entwicklungen reagiert. Die Weise, wie insgesamt, deutschlandweit, über die höchst diffizile und konfliktträchtige Frage "Wie sollen Ethik und Glaube in Zukunft unseren Kindern vermittelt werden?" debattiert wurde, spricht für eine aufgeklärte Demokratie, die Dissens und Pluralität aushält. In den meisten anderen Staaten dieser Welt wird solch eine heikle Weichenstellung nicht öffentlich debattiert, somit dem Bürger überlassen (der auch noch per Volksentscheid am Hebel saß), sondern schlicht von oben verordnet.
Und trotz aller seit Jahren laut werdenden Unkenrufe über die scheiternde Multikulti-Gesellschaft war gerade diese Debatte ein Zeichen für ihren Erfolg: Die türkische und die jüdische Gemeinde beispielsweise haben sich stark am öffentlichen Diskurs beteiligt.
Aber nicht nur die öffentliche Diskussion, die insgesamt auf hohem Niveau geführt wurde, auch ihr Ergebnis, ist zukunftsweisend. Berlin könnte Modellcharakter für ganz Deutschland haben: Denn in einer Stadt, in der nur 29 Prozent der Bürger einer der großen christlichen Kirchen angehören – bei den unter 25-Jährigen beträgt dieser Anteil 19,8 Prozent –, die Majorität also nicht christlich gebunden ist und in der der Anteil von Muslimen nahe an den der Katholiken heranreicht (in Berlin sind 9 Prozent der Einwohner Katholiken und gut 6 Prozent Muslime), wäre es wenig wünschenswert, wenn Schüler mit solch verschiedenem Hintergrund keinen gemeinsamen wertevermittelnden Unterricht erhalten würden.
Nach dem von Pro Reli vorgeschlagenen Modell würden die Schüler, die sich für konfessionsgebundenen Religionsunterricht entscheiden, nicht mehr am Ethikunterricht teilnehmen können. Die Segregation würde also schon aktiv in der Schule betrieben werden. So etwas kann kein staatspolitisches Ansinnen sein. Die Stadt Berlin kann kein Werbeplakat drucken ohne ein flachsblondes, ein mediterran geprägtes und ein dunkelhäutiges Kind nebeneinander zu stellen. Das Wort "Toleranz" darf auch nirgendwo fehlen, aber das einzige Schulfach, das sich zentral mit Werten des gemeinschaftlichen Zusammenlebens befasst, soll zum ersetzbaren Abwählfach degradiert werden?
- Datum 27.04.2009 - 17:09 Uhr
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- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
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...ist von Vernunft bestimmt und geleitet. Angesichts der ethnisch so unterschiedlichen Herkunft der Schüler ist die gemeinsame Vermittlung ethischer Grundpositionen in Bezug auf das Rechtsempfinden, die gegenseitige Toleranz und den Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen der Kitt, der die soziale Komponente des gedeihlichen Zusammenlebens zusammenhält.
Die Berliner Bevölkerung bewies ein ordentliches Mass an demokratischer Reife. Man darf gratulieren.
...da etwas, der Mehrzahl der Berliner ist das Thema schlicht schnuppe.
Beide Parteien sind Opfer der Massenträgheit geworden.
Die Berliner Regelung des Religionsunterrichts ist (wie leicht zu überprüfen) keine Reaktion auf eine multiethnische und multireligiöse Situation, sondern perpetuiert die traditionelle Kirchenfeindschaft der Arbeiterbewegung (außerhalb Berlins hat die SPD schon früh eingesehen, daß das ein Holzweg ist, aber in Berlin ist sie in der überholten Frontstellung gegen die als bürgerlich veunglimpfte Kirche steckengeblieben).
Außerhalb Berlins wäre diese Regelung verfassungswidrig, d.h. ohne Änderung des Grundgesetzes könnten die anderen Bundesländer die Berliner Lösung nicht bei sich einführen.
...da etwas, der Mehrzahl der Berliner ist das Thema schlicht schnuppe.
Beide Parteien sind Opfer der Massenträgheit geworden.
Die Berliner Regelung des Religionsunterrichts ist (wie leicht zu überprüfen) keine Reaktion auf eine multiethnische und multireligiöse Situation, sondern perpetuiert die traditionelle Kirchenfeindschaft der Arbeiterbewegung (außerhalb Berlins hat die SPD schon früh eingesehen, daß das ein Holzweg ist, aber in Berlin ist sie in der überholten Frontstellung gegen die als bürgerlich veunglimpfte Kirche steckengeblieben).
Außerhalb Berlins wäre diese Regelung verfassungswidrig, d.h. ohne Änderung des Grundgesetzes könnten die anderen Bundesländer die Berliner Lösung nicht bei sich einführen.
Herzlichen Dank, Frau Dückers! Sie haben in wunderbarer Weise und viel besser als ich es könnte, meine Meinung zu diesem Thema zusammengefasst.
Und liebe Berliner: Vielen Dank, dass Sie diese offensichtlich richtige Entscheidung gefällt haben.
In meinen Augen sollte man diesbezüglich noch viel weiter gehen, wenn man es denn mit der Trennung von Staat und Kirche wirklich ernst meint.
Aber davon sind wir noch weit entfernt.
Ein gemeinsamer Werteunterricht für alle Schüler, religiöse wie nicht-religiöse, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, den ich mir auch für mein Land Baden-Württemberg wünschen würde.
Das einzige Rätsel, das für mich nach der Abstimmung bleibt: Warum hat sich die FDP (deren treuer Wähler ich bin) hierbei für pro-Reli stark gemacht?
Ergänzend möchte ich noch auf einen politischen Aspekt hinweisen: Die CDU hat in Berlin dramatisch und unethisch abgewirtschaftet (Straftäter Landowski et al.) Das Ergebnis war zu Recht ein Machtentzug im Parlament. Nun versuchte die CDU schon das zweite Mal (diesmal auf dem Religionstrip, aber wie Tempelhof zeigt haben die CDU-"Christen" keinen innerlichen Bezug zu den Themen) exzellente parlamentarische Arbeit durch eine stümperische APO zu ersetzen, was nun wieder deutlich am Willen des Souveräns vorbeigeht. Wenn die CDU nicht wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückfindet, wird sie sich in einer Minderheit wiederfinden, in der heute die Katholiken stecken, die Kardinal Meissner in seiner Berliner Zeit auf 9% heruntergepredigt hat.
Die Union hat die Wahl: mit viel Geld versuchen den Wähler zu kaufen und am Parlament vorbei das Geld zu investieren (in Plakate mit Jauch, die man im Gegensatz zum Fernsehen nicht einfach abschalten kann) oder einen Weg zurück zur politischen Bedeutung suchen. Mit ihren stümperhaften APO-Versuchen stabilisiert sie rot-rot.
...haben ja nun einen ganz eigenen, nur für sich geltenden Ethik-Begriff an den Tag gelegt. Bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus hatte die CDU auf Grund der grandiosen 'Leistung' dieser Herren Probleme, überhaupt noch einen Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu finden, der bereit war, sich die schallende Ohrfeige vom Wähler abzuholen. Der Wahlk(r)ampf der Partei beschränkte sich danach weitestgehend auf Homosexuellen-Bashing und Hetzerei auf Randgruppen, was dann wiederum auch beim Wunschpartner FDP alles andere als gut an kam.
Die Berliner CDU befindet sich im Moment im Tal der Tränen, in dem sich die SPD befand, als sie nach etlichen Skandalen - ich denke hier nur an den Steglitzer Kreisel u.ä. - Anfang der 80er Jahre aus dem Amt gejagt wurde. Im Moment steht die Haupstadt-Union - analog zur SPD damals - für Filz, Vetternwirtschaft, Korruption und Misswirtschaft. Und es wird lange dauern, bis über die ganze Angelegenheit Gras gewachsen ist, zumal der Rot-Rote Senat immer darauf hinweisen kann, dass es die Diepgen-Landowski-Bande war, die die Stadt ruiniert hat. Unter diesen Bedingungen prallen alle Unions-Angriffe am Regierenden Bürgermeisten Wowereit einfach ab und fallen auf die Angreifer zurück.
Wenn man jetzt meint, mit der Einführung des Pflichtfaches Religion den Menschen mehr 'Anstand, Werte und Ehrlichkeit' einzuimpfen, macht man sich nur lächerlich. Der Souverän hat nicht gesprochen - er hat sich kaputt gelacht.
...haben ja nun einen ganz eigenen, nur für sich geltenden Ethik-Begriff an den Tag gelegt. Bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus hatte die CDU auf Grund der grandiosen 'Leistung' dieser Herren Probleme, überhaupt noch einen Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu finden, der bereit war, sich die schallende Ohrfeige vom Wähler abzuholen. Der Wahlk(r)ampf der Partei beschränkte sich danach weitestgehend auf Homosexuellen-Bashing und Hetzerei auf Randgruppen, was dann wiederum auch beim Wunschpartner FDP alles andere als gut an kam.
Die Berliner CDU befindet sich im Moment im Tal der Tränen, in dem sich die SPD befand, als sie nach etlichen Skandalen - ich denke hier nur an den Steglitzer Kreisel u.ä. - Anfang der 80er Jahre aus dem Amt gejagt wurde. Im Moment steht die Haupstadt-Union - analog zur SPD damals - für Filz, Vetternwirtschaft, Korruption und Misswirtschaft. Und es wird lange dauern, bis über die ganze Angelegenheit Gras gewachsen ist, zumal der Rot-Rote Senat immer darauf hinweisen kann, dass es die Diepgen-Landowski-Bande war, die die Stadt ruiniert hat. Unter diesen Bedingungen prallen alle Unions-Angriffe am Regierenden Bürgermeisten Wowereit einfach ab und fallen auf die Angreifer zurück.
Wenn man jetzt meint, mit der Einführung des Pflichtfaches Religion den Menschen mehr 'Anstand, Werte und Ehrlichkeit' einzuimpfen, macht man sich nur lächerlich. Der Souverän hat nicht gesprochen - er hat sich kaputt gelacht.
...haben ja nun einen ganz eigenen, nur für sich geltenden Ethik-Begriff an den Tag gelegt. Bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus hatte die CDU auf Grund der grandiosen 'Leistung' dieser Herren Probleme, überhaupt noch einen Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu finden, der bereit war, sich die schallende Ohrfeige vom Wähler abzuholen. Der Wahlk(r)ampf der Partei beschränkte sich danach weitestgehend auf Homosexuellen-Bashing und Hetzerei auf Randgruppen, was dann wiederum auch beim Wunschpartner FDP alles andere als gut an kam.
Die Berliner CDU befindet sich im Moment im Tal der Tränen, in dem sich die SPD befand, als sie nach etlichen Skandalen - ich denke hier nur an den Steglitzer Kreisel u.ä. - Anfang der 80er Jahre aus dem Amt gejagt wurde. Im Moment steht die Haupstadt-Union - analog zur SPD damals - für Filz, Vetternwirtschaft, Korruption und Misswirtschaft. Und es wird lange dauern, bis über die ganze Angelegenheit Gras gewachsen ist, zumal der Rot-Rote Senat immer darauf hinweisen kann, dass es die Diepgen-Landowski-Bande war, die die Stadt ruiniert hat. Unter diesen Bedingungen prallen alle Unions-Angriffe am Regierenden Bürgermeisten Wowereit einfach ab und fallen auf die Angreifer zurück.
Wenn man jetzt meint, mit der Einführung des Pflichtfaches Religion den Menschen mehr 'Anstand, Werte und Ehrlichkeit' einzuimpfen, macht man sich nur lächerlich. Der Souverän hat nicht gesprochen - er hat sich kaputt gelacht.
...da etwas, der Mehrzahl der Berliner ist das Thema schlicht schnuppe.
Beide Parteien sind Opfer der Massenträgheit geworden.
Es ist schön, dass trotz aller Negativmeldungen aus dem Schulsektor das Vertrauen der Mittelschicht in unsere Pädagogik noch so ungebrochen ist! Der Mangel an "Ethik" oder "Werten" bei den Kinderlein ist ja praktisch so gut wie behoben, wenn sich das deutsche Bildungswesen des Problems annimmt! Wichtig ist dabei vor allem, was auf dem Lehr- und Stundenplan steht. Dass es auch andere Einflussvariablen gibt, merkt man dann dreißig Jahre später, wenn teure Studien ("PISA") herausbekommen, wie geschickt man sich in die Tasche und den Bürgern was vor gelogen hatte.
...PISA beschäftigt sich nicht mit den Bildungsopfern von Gestern, sondern mit dem aktuellen Stand der Indoktrinierung.
...PISA beschäftigt sich nicht mit den Bildungsopfern von Gestern, sondern mit dem aktuellen Stand der Indoktrinierung.
Ich gratuliere den Berlinern, die mit ihrer Abstimmung sich sehr klar dagegen ausgesprochen haben, dass Religionsunterricht in öffentlichen Schulen mit dem Fach Ethik auf eine Stufe gestellt wird.
Nun sollten weitere mutige Schritte folgen, damit Deutschland endlich ein wirklich neuzeitlicher gerechter und sozialer Staat wird, in dem mittelalterliches Denken mit höchst ungerechten Religionsprivilegien keinen Platz mehr findet:
1. Angesichts der erfreulicherweise immer mehr multikulturellen Gesellschaft soll es in ganz Deutschland von der ersten Klasse an das Frieden und Integration schaffende Pflichtfach Ethik geben.
2. Da Religion eindeutig nur Privatsache ist und sein darf, soll Religionsunterricht nur noch in religionseigenen Räumlichkeiten angeboten werden dürfen; allerdings natürlich nur dann, wenn die Veranstalter sehr deutlich auf jeglichen Absolutheitsanspruch verzichten - zurzeit bestehen die drei monotheistischen Religionen Islam, Christen- und Judentum erschreckender Weise noch immer jeweils auf dem gleichen massiv Kriegs fördernden Anspruch, die allein wahre und gültige Religion zu sein und als solche anerkannt zu werden.
Die Lehre aus der Nazizeit sollte doch eigentlich sein, dass Ideologien mit Absolutheitsansprüchen in Deutschland nie mehr geduldet werden!
"Eine gute Welt braucht Wissen, Güte und Mut!" (Bertrand Russell, Philosoph und Nobelpreisträger)
Wer hat die Friedensbewegung der Achtziger Jahre dynamisch angeführt? Christen. Wer hat dafür gesorgt, dass die Wende im Osten friedlich herbeigeführt wurde? Christen.
Absolutheitsanspruch erhebe ich in der Tat auf die Friedensbotschaft Jesu Christi, und es gibt nichts dahergelaufenes Ethisches, das da mithalten kann.
Wer hat die Friedensbewegung der Achtziger Jahre dynamisch angeführt? Christen. Wer hat dafür gesorgt, dass die Wende im Osten friedlich herbeigeführt wurde? Christen.
Absolutheitsanspruch erhebe ich in der Tat auf die Friedensbotschaft Jesu Christi, und es gibt nichts dahergelaufenes Ethisches, das da mithalten kann.
Jap, immer wieder eine Freude, Frau Drueckers Artikel zu lesen.
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