Sozialpolitik Umstrittenes Rentenversprechen

Die Wirtschaftskrise soll laut Arbeitsminister Scholz nicht zu Rentenkürzungen führen. Bei Experten stößt diese Ankündigung auf Kritik.

Per Gesetz werde er verhindern, dass die Renten 2010 und in den folgenden Jahren wieder sinken werden, hatte Olaf Scholz (SPD) am Montag angekündigt. Ein problematisches Versprechen findet etwa der Rentenexperte und frühere Wirtschaftsweise, Bert Rürup. Würden Rentenkürzungen generell ausgeschlossen, würde die Verbindung von Lohn- und Rentenentwicklung, „ein Herzstück des Rentensystems, zur Disposition gestellt“. Im Ausnahmefall, also zur Abwehr von Rentenkürzungen infolge der Wirtschaftskrise, sagte Rürup dem Tagesspiegel, könne er dies jedoch „mit Bauchschmerzen akzeptieren“. Rürup ist derzeit Chefökonom beim Versicherer AWD.

Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU im Bundestag, Gerald Weiß, zeigte sich offen für Scholz’ Ziele. Die Vorsitzende der Jusos, Franziska Drohsel, sagte hingegen, sie halte „wenig davon, jetzt Garantien für die nächsten 20 Jahre abzugeben“.

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Die Rentenerhöhungen richten sich nach der Entwicklung der Bruttolöhne im Vorjahr. Wenn es den Beschäftigten finanziell gut geht, soll davon auch die ältere Generation profitieren. Dass es 2010 theoretisch zu einer Rentenkürzung kommen könnte, liegt daran, dass in diesem Jahr voraussichtlich die Zahl der Kurzarbeiter stark steigt. Da diese als Beschäftigte zählen, aber während der Kurzarbeit weniger verdienen, drückt das die durchschnittlichen Bruttolöhne pro Kopf, die für die Rentenanpassung ausschlaggebend sind. Würden die Betriebe diese Arbeitnehmer gleich entlassen, würde die Lohnsumme rechnerisch nicht so stark sinken, weil Arbeitslose heraus gerechnet werden.

In die Rentenformel hat die Politik immer wieder eingegriffen. So setzte die Bundesregierung 2008 und 2009 den Riester-Faktor aus. Hintergrund war, dass es 2008 nach jahrelangen Nullrunden und einer geringen Rentenanpassung 2007 rechnerisch nur zu einem Plus von weniger als einem Prozent gekommen wäre. Arbeitsminister Scholz rechtfertigte den Eingriff damit, dass auch die Rentner am Aufschwung teilhaben sollten. Das führt dazu, dass die 20 Millionen Ruheständler zum 1. Juli dieses Jahres sogar die höchste Rentenerhöhung seit mehr als zehn Jahren erhalten – mit 2,41 Prozent im Westen und 3,38 Prozent im Osten. In den Jahren 2012 und 2013 sollen die unterbliebenen Kürzungen nachgeholt
werden.

Mit dem Riester-Faktor, der mit der Rentenreform 2001 eingeführt wurde, wollte die Politik einen Lastenausgleich zwischen Beschäftigten
und Rentnern schaffen. Weil Arbeitnehmer angesichts eines langfristig sinkenden gesetzlichen Rentenniveaus zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen müssen, sollte die Rentnergeneration einen Teil dieser finanziellen Belastungen übernehmen. Die Rentenerhöhungen fallen dadurch um etwa 0,6 Prozentpunkte geringer aus.

Der 2005 eingeführte Nachhaltigkeitsfaktor wird sich erst längerfristig dämpfend auf die Renten auswirken. Er berücksichtigt das Verhältnis von
Beitragszahlern und Leisungsempfängern. Das heißt: Wenn die Zahl der Rentner im nächsten Jahrzehnt im Verhältnis zu den Beschäftigten deutlich steigt, dann bremst das den Rentenanstieg. In den Jahren 2007 und 2008 wirkte der Faktor wegen der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sogar rentensteigernd: Weil die Zahl der Arbeitslosen zurückging, profitierten davon auch die Rentner.

Mit dem Nachholfaktor sollen ab 2011 ausgefallene Rentenkürzungen nachgeholt werden. Durch eine Schutzklausel verhinderte die Regierung
Rentenkürzungen in den Jahren 2005 und 2006, die durch den Riester- und den Nachhaltigkeitsfaktor zustande gekommen wären.

 
Leser-Kommentare
  1. Es handelt sich ja um ein Wahlkampfversprechen und die muss man nicht einhalten. Es ist ja kein Ehrenwort. Münte sei es gedankt, wir wissen, dass es gar unfair ist die Taten von Politikern an ihren Wahlkampfversprechen zu messen.

    In der Realität freuen sich die Genossen der Bosse ja jetzt schon auf ihre Pöstchen in der Großen Koalition. Da fällt es dann eh leicht mit Hinweis auf den Koalitionspartner die Unerfüllbarkeit des Wahlkampfversprechens zu behaupten.

    Für die lächerliche Rentenerhöhung kurz vor der Wahl werden die Rentner nach der Wahl noch bitter bezahlen müssen.

    Was heißt hier überhaupt: "die höchste Rentenerhöhung seit mehr als zehn Jahren erhalten – mit 2,41 Prozent im Westen und 3,38... ."

    Es mag ja die höchste Rentenerhöhung seit mehr als zehn Jahren sein, nach etlichen faktischen Rentenkürzungen, aber die ist doch immer noch jämmerlich. Die statistische Häufung der Renten dürfte bei etwa 900,- € pro Monat liegen. Beherrschen unsere Eliten in Presse und Politik nicht mal die Prozentrechnung. Das ist für den größten Teil der Rentner maximal eine Erhöhung der Rente im Wert eines Kasten Pils. Für einen Kasten Pils pro Monat würde ich mich nicht politisch kaufen lassen. Das machen unsere Pseudoeliten auch nicht. Die sind ganz andere Preise gewohnt.

    Da hetzen diese Pseudoeliten über das Bildungsniveau der heutigen Jugend und beherrschen selber weder die Prozentrechnung noch verfügen sie über Anstand.

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    • keox
    • 29.04.2009 um 17:33 Uhr

    Rentenerhöhung - der höchsten seit zehn Jahren - auch noch werben, ist absolut dreist.

    Das ist Hühnerfutter.

    • keox
    • 29.04.2009 um 17:33 Uhr

    Rentenerhöhung - der höchsten seit zehn Jahren - auch noch werben, ist absolut dreist.

    Das ist Hühnerfutter.

    • gquell
    • 28.04.2009 um 20:45 Uhr

    Und wer glaubt schon einem Versicherungsvertreter, der etwas verkaufen will. Herr Rürupp gehört genau wie Herr Riester zu den großen Demontierern der gesetzlichen Rentenversicherung.
    Was soll eigentlich der Quatsch, daß Arbeitnehmer privat mit Riester/Rurüpp (RR) vorsorgen müssen, damit sie im Alter entsprechende Renten erhalten. Wenn dieser Zusatzbetrag in die normalen Rentenbeiträge geflossen wären, dann hätten alle gesetzlich Versicherten davon langfristig etwas gehabt. Wer 4% steuerbegünstigt in die RR-Produkte anlegt, fährt schon aus Kostengründen besser, wenn dieses Geld in die gesetzliche Rentenversicherung geflossen wäre. Die privaten Rentenversicherungen haben nämlich viel zu viele Risiken und Kosten, als daß man sie als seriöse Altersvorsorge betrachten kann. Wenn sich der Kapitalmarkt nicht so entwickelt wie erwartet, dann kann es ohne weiteres sein, daß die Versicherung schlicht und einfach pleite macht! Um einmal einen Vergleichswert zu erhalten, in den letzten 10 Jahren sind ca. 80.000 Pensionsfonds gestorben, die meisten ohne weiteres Aufsehen. Die Schicksale, die dahinter stehen, sind diesen Marktverfechtern, wie RR im Grunde doch vollkommen egal. Ihnen geht es vor allem um die Profite der privaten Finanzwirtschaft, die sie auch schon in der Vergangenheit gut entlohnt hat.

    Wir müssen uns wirklich überlegen, wie wir ohne diese neoliberalen Unsinn eine stabile gesetzliche Form der Altervorsorge aufbauen. Eine kapitalgedeckte Form ist nicht sinnvoll und zwar aus mehreren Gründen:
    1. Wenn alle Industrieländer ihre Altersvorsorge als Kapitalanlagen aufbauen, dann muß viel zu viel Geld angelegt werden. Der kalifornische Pensionsfond beispielsweise hat heute schon Probleme, sein anvertrautes Geld sicher unterzubringen. Es gibt für diese Kapitalströme keine Abnehmer mehr.
    2. Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist von der Entwicklung der internationalen Kapitalmärkte abhängig. Im Falle einer Depression werden die Vermögenswerte entwertet. Die BaFin hat bei der aktuellen Krise schon einige Banken angewiesen, keine regelmäßigen Rentenzahlungen in vereinbarter Höhe zu leisten!
    3. Die kapitalgedeckte Altersvorsorge wird vor allem von privaten Finanzdienstleistern angeboten, die hohe Kosten haben.
    4. Auch mit der kapitalgedeckten Altersvorsorge wird dem demographischen Faktor nicht aus dem Weg gegangen.

    Diese ganzen Nachteile hat eine umlagefinanzierte Form der Alterssicherung nicht. Wenn unsere Politik hier etwas sinnvolles unternehmen will, dann schafft sie ganz einfach die Beitragsbemessungsgrenzen ab. Dann wird jeder Erwerbstätige Pflichtmitglied in dieser Versicherung, also auch Beamte und Selbständige. Und als letztes werden alle Einkommen, also auch Kapitaleinkünfte anteilig mit Beiträgen belastet. Warum soll ein Herr Ackermann mit seinem Millionengehalt nicht auch seine 19% zur gesetzlichen Rente beitragen? Oder der Beamte oder Politiker, die im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmer eine deutlich höhere Pension erhalten?

    Stellt man die gesetzliche Sozialversicherung auf diese Beine, dann sind alle gesellschaftlichen Gruppen daran gleich stark beteiligt. Dann kann auch der Beitrag deutlich gesenkt werden.

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    • Anonym
    • 29.04.2009 um 11:28 Uhr

    Hinsichtlich der Kritik zu kapitalgedeckten Altersvorsorge halte ich ihren Kommentar für weitgehend richtig.
    Allerdings scheint Ihnen nicht klar zu sein, was die demographische Entwicklung bedeutet und warum der Staat dieses zusätzliche Standbein (kapitalgedeckt) fördert.

    Das umlagefinanzierte System leidet an massiven Konstruktionsfehlern, die wenig mit der Beitragsbemessungsgrenze oder anderen Berufsgruppen zu tun haben.

    Der Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze hätte zur Folge, dass auch erheblich höhere Rentenansprüche dieser Beitragszahler befriedigt werden müssten, was auf Dauer eben keine bessere Finanzausstattung der Rentenversicherung bedeuten würde. Das gleiche gilt prinzipiell für Selbständige und Beamte, bei Letzteren würde sogar eine erhebliche Mehrbelastung des Staatshaushaltes verursacht, weil die Arbeitgeber dann den Arbeitgeberanteil zusätzlich zur bisherigen Vergütung aufzubringen hätten.
    Das Beamte nicht einzahlen ist faktisch falsch, die Beamtenversorgung ist so geregelt, dass der Staat geringere Bruttogehälter zahlt und dafür ein Versorgungsversprechen abgibt. Das dies zu einer besseren Versorgung führt, ist mehr dem Problemen auf dem Arbeitsmarkt und den hohen Abgaben geschuldet.
    Das Problem des Systems liegt eben in der hohen Arbeitslosigkeit und der demographischen Entwicklung.
    Faktisch existiert für Beitragszahler im umlagfinanzierten System keinerlei "Kapital" auf welches er später in der Rente Anspruch hätte, mit den Beiträgen wird lediglich die Verpflichtung erfüllt im Rahmen des Generationenvertrages für die aktuelle Rentnergeneration aufzukommen. Deshalb würde auch der Riesterbeitrag in der Rentenversicherung eine reine Beitragserhöhung ohne zusätzliche künftige Leistung darstellen.
    Denn die Rentenhöhe ist real immer abhängig vom Verdienst der jeweilig arbeitenden rentenversicherungspflichtigen Generation.

    Wirklich investiert in die eigene zukünftige Rente wird ausschließlich durch das Großziehen von Kindern, die eigenen Beiträge werden nur herangezogen, um die Beteiligung am zukünftigen Beitragvolumen zu berechnen.
    Ohne die angemessene Berücksichtigung von Kindern, stellt dies eine massive Subvention von Kinderlosigkeit dar, die schon heute zu einem erheblichen Teil Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist (deutliches Schrumpfen der konsumstärksten Gesellschaftsgruppe)
    Eine den wirklichen Realitäten entsprechende Berücksichtigung von Kindern wäre allerdings nur langfristig umsetzbar, weil die Summen einfach zu gewaltig wären.
    Denn real müsste die Rente eines Kinderlosen im bestehenden umlagefinanzierten System bei Null liegen, mit einem Kind bei 50% mal Rentenwert mal Beitragspunkte und bei 2 Kindern bei ungefair 100 % mal Rentenwert mal Beitragspunkte. Da statistisch zum Erhalt der Bevölkerung mehr als 2 Kinder pro Elternpaar erforderlich wären, würden der Faktor bei 2 Kindern etwas unter 100% liegen.
    Wenn man es noch genauer nähme, würden nicht die eigenen Beiträge, sondern die Höhe der Qualifikation der Kinder, also der elterlichen Investition in höhere Qualifikation und damit potentiell höheres Einkommen, ausschlaggebend sein, denn vor allem davon hängt die zukünftige Beitragsleistung ab.

    Rein wirtschaftlich betrachtet sind das die kausalen Realitäten. Wie auch immer geartete andere Vorstellungen müssen sich daran messen lassen.
    Das ganze Generationen offensichtlich durch falsche Versprechungen hinsichtlich des Charakters des umlagefinanzierten Systems z.T. bwußt betrogen wurden und falsche Vorstellungen entwickelt haben über den Stellenwert ihrer Beiträge oder ihrer Ansprüche gegenüber dem Staat ändert nichts an den Fakten und der Wurzel der asozialen Umverteilung die damit verbunden ist.

    Angesichts dieser Fakten sind die Äußerungen von manchen Politikern wie z.B. Scholz vorsätzlicher Betrug, auch wenn dieser sozial motiviert ist!

    Berthold Grabe

    • Anonym
    • 29.04.2009 um 11:28 Uhr

    Hinsichtlich der Kritik zu kapitalgedeckten Altersvorsorge halte ich ihren Kommentar für weitgehend richtig.
    Allerdings scheint Ihnen nicht klar zu sein, was die demographische Entwicklung bedeutet und warum der Staat dieses zusätzliche Standbein (kapitalgedeckt) fördert.

    Das umlagefinanzierte System leidet an massiven Konstruktionsfehlern, die wenig mit der Beitragsbemessungsgrenze oder anderen Berufsgruppen zu tun haben.

    Der Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze hätte zur Folge, dass auch erheblich höhere Rentenansprüche dieser Beitragszahler befriedigt werden müssten, was auf Dauer eben keine bessere Finanzausstattung der Rentenversicherung bedeuten würde. Das gleiche gilt prinzipiell für Selbständige und Beamte, bei Letzteren würde sogar eine erhebliche Mehrbelastung des Staatshaushaltes verursacht, weil die Arbeitgeber dann den Arbeitgeberanteil zusätzlich zur bisherigen Vergütung aufzubringen hätten.
    Das Beamte nicht einzahlen ist faktisch falsch, die Beamtenversorgung ist so geregelt, dass der Staat geringere Bruttogehälter zahlt und dafür ein Versorgungsversprechen abgibt. Das dies zu einer besseren Versorgung führt, ist mehr dem Problemen auf dem Arbeitsmarkt und den hohen Abgaben geschuldet.
    Das Problem des Systems liegt eben in der hohen Arbeitslosigkeit und der demographischen Entwicklung.
    Faktisch existiert für Beitragszahler im umlagfinanzierten System keinerlei "Kapital" auf welches er später in der Rente Anspruch hätte, mit den Beiträgen wird lediglich die Verpflichtung erfüllt im Rahmen des Generationenvertrages für die aktuelle Rentnergeneration aufzukommen. Deshalb würde auch der Riesterbeitrag in der Rentenversicherung eine reine Beitragserhöhung ohne zusätzliche künftige Leistung darstellen.
    Denn die Rentenhöhe ist real immer abhängig vom Verdienst der jeweilig arbeitenden rentenversicherungspflichtigen Generation.

    Wirklich investiert in die eigene zukünftige Rente wird ausschließlich durch das Großziehen von Kindern, die eigenen Beiträge werden nur herangezogen, um die Beteiligung am zukünftigen Beitragvolumen zu berechnen.
    Ohne die angemessene Berücksichtigung von Kindern, stellt dies eine massive Subvention von Kinderlosigkeit dar, die schon heute zu einem erheblichen Teil Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist (deutliches Schrumpfen der konsumstärksten Gesellschaftsgruppe)
    Eine den wirklichen Realitäten entsprechende Berücksichtigung von Kindern wäre allerdings nur langfristig umsetzbar, weil die Summen einfach zu gewaltig wären.
    Denn real müsste die Rente eines Kinderlosen im bestehenden umlagefinanzierten System bei Null liegen, mit einem Kind bei 50% mal Rentenwert mal Beitragspunkte und bei 2 Kindern bei ungefair 100 % mal Rentenwert mal Beitragspunkte. Da statistisch zum Erhalt der Bevölkerung mehr als 2 Kinder pro Elternpaar erforderlich wären, würden der Faktor bei 2 Kindern etwas unter 100% liegen.
    Wenn man es noch genauer nähme, würden nicht die eigenen Beiträge, sondern die Höhe der Qualifikation der Kinder, also der elterlichen Investition in höhere Qualifikation und damit potentiell höheres Einkommen, ausschlaggebend sein, denn vor allem davon hängt die zukünftige Beitragsleistung ab.

    Rein wirtschaftlich betrachtet sind das die kausalen Realitäten. Wie auch immer geartete andere Vorstellungen müssen sich daran messen lassen.
    Das ganze Generationen offensichtlich durch falsche Versprechungen hinsichtlich des Charakters des umlagefinanzierten Systems z.T. bwußt betrogen wurden und falsche Vorstellungen entwickelt haben über den Stellenwert ihrer Beiträge oder ihrer Ansprüche gegenüber dem Staat ändert nichts an den Fakten und der Wurzel der asozialen Umverteilung die damit verbunden ist.

    Angesichts dieser Fakten sind die Äußerungen von manchen Politikern wie z.B. Scholz vorsätzlicher Betrug, auch wenn dieser sozial motiviert ist!

    Berthold Grabe

    • Chali
    • 29.04.2009 um 6:18 Uhr

    ... vor dem ersten Kaffee

    • Anonym
    • 29.04.2009 um 10:00 Uhr

    Wenn man die Aussage von Herrn Scholz sachlich richtig würdigt, bleibt einem nur noch dieser Schluss.

    Es ist zwar eine Tatsache, dass eine Rentenkürzung auch Härtefälle trifft und eine hässliche Sache ist, doch gilt dies für die Einkommensverluste der Erwerbsbevölkerung ebenso.
    Angesichts der demographischen Entwicklung kann zusätzlich die angestrebte Garantie nur noch als Freibrief zum Schuldenmachen bis zum Staatsbankrott verstanden werden.
    Schon heute ist die Kaufkraft der Berufstätigen zu gering, um allein durch den Binnenkonsum das Produktionsniveau zu halten.
    Wenn also zukünftig diese Kaufkraft durch mehr Steuern und Abgaben weiter sinken sollte, wegen der Finanzierung der Renten, wirkt dies wie ein Schneeballsystem zum Abbau von Arbeitsplätzen durch mangelnde Nachfrage.
    Woher sollen dann die Einnahmen kommen um den Staatsbankrott zu vermeiden?

    Wenn der Minister dieser Argumentation nichts entgegensetzen kann, macht er sich vorsätzlicher Irreführung und wirtschaftlicher Destabilisierung des Landes schuldig, dafür sollte man Ihn auch in diesem Falle persönlich haftbar machen.

    Berthold Grabe

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    BGrabe schreibt:
    "Wenn der Minister dieser Argumentation nichts entgegensetzen kann, macht er sich vorsätzlicher Irreführung und wirtschaftlicher Destabilisierung des Landes schuldig, dafür sollte man Ihn auch in diesem Falle persönlich haftbar machen."

    Dann müssten die Knäste voll mit Politikern sein! "Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen". Unsere demographische Zukunft müsste einen neuen Churchill mobilisieren, der uns eine Schweiß-Blut-und-Tränen-Rede halten soll. Sie würden ihn nicht wählen!

    BGrabe schreibt:
    "Wenn der Minister dieser Argumentation nichts entgegensetzen kann, macht er sich vorsätzlicher Irreführung und wirtschaftlicher Destabilisierung des Landes schuldig, dafür sollte man Ihn auch in diesem Falle persönlich haftbar machen."

    Dann müssten die Knäste voll mit Politikern sein! "Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen". Unsere demographische Zukunft müsste einen neuen Churchill mobilisieren, der uns eine Schweiß-Blut-und-Tränen-Rede halten soll. Sie würden ihn nicht wählen!

    • Anonym
    • 29.04.2009 um 11:28 Uhr

    Hinsichtlich der Kritik zu kapitalgedeckten Altersvorsorge halte ich ihren Kommentar für weitgehend richtig.
    Allerdings scheint Ihnen nicht klar zu sein, was die demographische Entwicklung bedeutet und warum der Staat dieses zusätzliche Standbein (kapitalgedeckt) fördert.

    Das umlagefinanzierte System leidet an massiven Konstruktionsfehlern, die wenig mit der Beitragsbemessungsgrenze oder anderen Berufsgruppen zu tun haben.

    Der Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze hätte zur Folge, dass auch erheblich höhere Rentenansprüche dieser Beitragszahler befriedigt werden müssten, was auf Dauer eben keine bessere Finanzausstattung der Rentenversicherung bedeuten würde. Das gleiche gilt prinzipiell für Selbständige und Beamte, bei Letzteren würde sogar eine erhebliche Mehrbelastung des Staatshaushaltes verursacht, weil die Arbeitgeber dann den Arbeitgeberanteil zusätzlich zur bisherigen Vergütung aufzubringen hätten.
    Das Beamte nicht einzahlen ist faktisch falsch, die Beamtenversorgung ist so geregelt, dass der Staat geringere Bruttogehälter zahlt und dafür ein Versorgungsversprechen abgibt. Das dies zu einer besseren Versorgung führt, ist mehr dem Problemen auf dem Arbeitsmarkt und den hohen Abgaben geschuldet.
    Das Problem des Systems liegt eben in der hohen Arbeitslosigkeit und der demographischen Entwicklung.
    Faktisch existiert für Beitragszahler im umlagfinanzierten System keinerlei "Kapital" auf welches er später in der Rente Anspruch hätte, mit den Beiträgen wird lediglich die Verpflichtung erfüllt im Rahmen des Generationenvertrages für die aktuelle Rentnergeneration aufzukommen. Deshalb würde auch der Riesterbeitrag in der Rentenversicherung eine reine Beitragserhöhung ohne zusätzliche künftige Leistung darstellen.
    Denn die Rentenhöhe ist real immer abhängig vom Verdienst der jeweilig arbeitenden rentenversicherungspflichtigen Generation.

    Wirklich investiert in die eigene zukünftige Rente wird ausschließlich durch das Großziehen von Kindern, die eigenen Beiträge werden nur herangezogen, um die Beteiligung am zukünftigen Beitragvolumen zu berechnen.
    Ohne die angemessene Berücksichtigung von Kindern, stellt dies eine massive Subvention von Kinderlosigkeit dar, die schon heute zu einem erheblichen Teil Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist (deutliches Schrumpfen der konsumstärksten Gesellschaftsgruppe)
    Eine den wirklichen Realitäten entsprechende Berücksichtigung von Kindern wäre allerdings nur langfristig umsetzbar, weil die Summen einfach zu gewaltig wären.
    Denn real müsste die Rente eines Kinderlosen im bestehenden umlagefinanzierten System bei Null liegen, mit einem Kind bei 50% mal Rentenwert mal Beitragspunkte und bei 2 Kindern bei ungefair 100 % mal Rentenwert mal Beitragspunkte. Da statistisch zum Erhalt der Bevölkerung mehr als 2 Kinder pro Elternpaar erforderlich wären, würden der Faktor bei 2 Kindern etwas unter 100% liegen.
    Wenn man es noch genauer nähme, würden nicht die eigenen Beiträge, sondern die Höhe der Qualifikation der Kinder, also der elterlichen Investition in höhere Qualifikation und damit potentiell höheres Einkommen, ausschlaggebend sein, denn vor allem davon hängt die zukünftige Beitragsleistung ab.

    Rein wirtschaftlich betrachtet sind das die kausalen Realitäten. Wie auch immer geartete andere Vorstellungen müssen sich daran messen lassen.
    Das ganze Generationen offensichtlich durch falsche Versprechungen hinsichtlich des Charakters des umlagefinanzierten Systems z.T. bwußt betrogen wurden und falsche Vorstellungen entwickelt haben über den Stellenwert ihrer Beiträge oder ihrer Ansprüche gegenüber dem Staat ändert nichts an den Fakten und der Wurzel der asozialen Umverteilung die damit verbunden ist.

    Angesichts dieser Fakten sind die Äußerungen von manchen Politikern wie z.B. Scholz vorsätzlicher Betrug, auch wenn dieser sozial motiviert ist!

    Berthold Grabe

    • keox
    • 29.04.2009 um 17:33 Uhr

    Rentenerhöhung - der höchsten seit zehn Jahren - auch noch werben, ist absolut dreist.

    Das ist Hühnerfutter.

  2. BGrabe schreibt:
    "Wenn der Minister dieser Argumentation nichts entgegensetzen kann, macht er sich vorsätzlicher Irreführung und wirtschaftlicher Destabilisierung des Landes schuldig, dafür sollte man Ihn auch in diesem Falle persönlich haftbar machen."

    Dann müssten die Knäste voll mit Politikern sein! "Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen". Unsere demographische Zukunft müsste einen neuen Churchill mobilisieren, der uns eine Schweiß-Blut-und-Tränen-Rede halten soll. Sie würden ihn nicht wählen!

  3. ... Wirtschaftsweise und Experten nicht mehr hören. Das sind doch die, die hinterher immer erklären, dass sie das schon voher gewusst haben. Aber vorher haben sie entweder garnichts oder das Falsche gewusst. Die geistigen Entleerungen dieser Fachleute [...] Und das empfinde ich immer mehr wenn ich solche "Enthüllungen" lese.

    (Liebe Redaktion > Ich kann nicht anders ....)

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    [Gekürzt, bitte versuchen Sie, Kritik sachlich zu formulieren. Danke. /Die Redaktion pt.]

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    • Anonym
    • 30.04.2009 um 11:39 Uhr

    Politik ist genau an dieser Fehleinschätzung interessiert, schafft sie doch billige Sündenböcke.
    Dem ganzen liegt eine fundamentale Fehleinschätzung zugrunde, was Wirtschaftswissenschaften leisten können.

    Wirtschaftswissenschaften leiten aus den Mechanismen der Wirklichkeit Regeln ab und versuchen diese mathematisch zu untermauern.
    Die Schwierigkeit dieser Mathematik liegt nicht in der Frage nach der richtigen Formel, sondern darin, welche Zahlen variabel und welche fix sind.

    Wenn ein System wie die Bundesrepublik 50 Jahre mehr oder minder stabil funktioniert kann man gewisse Prognosen mit einer gewissen Verlässlichkeit treffen, weil viele Parameter konstant wirken.
    Ändern sich aber die Rahmenbedingungen fundamental, (Fall der Mauer, Zusammenbruch des Ostblocks, demographische Entwicklung), kann man mit den bisher als gesetzt betrachteten Parametern nicht mehr zu richtigen Ergebnissen kommen.
    In welcher Weise solche Veränderungen wirken ist mangels Erfahrung nur sehr allgemein möglich, weshalb man nicht einfach die Parameter ersetzen kann. Da zwischen Ereignis und Folgen auch noch zeitliche Verschiebungen existieren, ist der Zusammenhang noch schwerer nachzuweisen.

    Wirtschaftswissenschaftler warnen allgemein seit 3 Jahrzehnten vor den Folgen unserer Wirtschaftspolitik. Mangels unmittelbar spürbarer Konsequenzen wurden sie aber auch ebenso in der Politik ignoriert und ersetzt durch Fachleute, die Erklärungen fanden, warum diese Warnungen alle falsch sind.
    Nun treten die Ergebnisse ein und diese Fachleute sind ratlos, wen wunderts?

    Berthold Grabe

    • Anonym
    • 30.04.2009 um 11:39 Uhr

    Politik ist genau an dieser Fehleinschätzung interessiert, schafft sie doch billige Sündenböcke.
    Dem ganzen liegt eine fundamentale Fehleinschätzung zugrunde, was Wirtschaftswissenschaften leisten können.

    Wirtschaftswissenschaften leiten aus den Mechanismen der Wirklichkeit Regeln ab und versuchen diese mathematisch zu untermauern.
    Die Schwierigkeit dieser Mathematik liegt nicht in der Frage nach der richtigen Formel, sondern darin, welche Zahlen variabel und welche fix sind.

    Wenn ein System wie die Bundesrepublik 50 Jahre mehr oder minder stabil funktioniert kann man gewisse Prognosen mit einer gewissen Verlässlichkeit treffen, weil viele Parameter konstant wirken.
    Ändern sich aber die Rahmenbedingungen fundamental, (Fall der Mauer, Zusammenbruch des Ostblocks, demographische Entwicklung), kann man mit den bisher als gesetzt betrachteten Parametern nicht mehr zu richtigen Ergebnissen kommen.
    In welcher Weise solche Veränderungen wirken ist mangels Erfahrung nur sehr allgemein möglich, weshalb man nicht einfach die Parameter ersetzen kann. Da zwischen Ereignis und Folgen auch noch zeitliche Verschiebungen existieren, ist der Zusammenhang noch schwerer nachzuweisen.

    Wirtschaftswissenschaftler warnen allgemein seit 3 Jahrzehnten vor den Folgen unserer Wirtschaftspolitik. Mangels unmittelbar spürbarer Konsequenzen wurden sie aber auch ebenso in der Politik ignoriert und ersetzt durch Fachleute, die Erklärungen fanden, warum diese Warnungen alle falsch sind.
    Nun treten die Ergebnisse ein und diese Fachleute sind ratlos, wen wunderts?

    Berthold Grabe

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