Neue Verdachtsfälle Mexiko kämpft gegen die Schweinegrippe

Quarantäne, Mundschutz, Suche nach Infizierten: Mit teils drastischen Maßnahmen will die Regierung die Grippe unter Kontrolle bringen. Die Angst vor einer Epidemie wächst

Mit Mundschutz und Quarantäne gegen den Grippe-Virus: Mexiko versucht, die Ausbreitung der Schweinegrippe Herr zu werden

Mit Mundschutz und Quarantäne gegen den Grippe-Virus: Mexiko versucht, die Ausbreitung der Schweinegrippe Herr zu werden

Das öffentliche Leben ist in Mexiko weitestgehend zum Erliegen gekommen. Mit den unterschiedlichsten, teils drastischen Maßnahmen versucht die Regierung um Präsident Felipe Calderón, die Ausbreitung des aggressiven Schweinegrippe-Virus H1N! unter Kontrolle zu bringen. Bisher sind 81 Menschen gestorben, 20 von ihnen nachweislich an dem bislang unbekannten Grippe-Erreger. Mehr 1300 Menschen wurden inzwischen zu Untersuchungen in Krankenhäuser gebracht, sie sollen sich alle ebenfalls infiziert haben.

Präsident Calderón hat dem Gesundheitsministerium seines Landes inzwischen weitgehende Vollmachten erteilt, um eine Ausbreitung der Grippewelle zu verhindern. Demnach werden Kranke nun weitestgehend isoliert, Reisende untersucht und Häuser auf der Suche nach weiteren Erkrankten inspiziert. Auf Bahnhöfen und an Bushaltestellen suchten Soldaten zusammen mit medizinischen Teams nach Personen mit Symptomen der Krankheit.

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Überall im Land tragen die Menschen Mundschutz, Großveranstaltungen wurden abgesagt, Schulen, Museen, Bibliotheken und Theater bleiben geschlossen. Das Gesundheitsministerium rief außerdem dazu auf, alle Kneipen, Diskotheken, Stadien, Kinos und Kirchen zu schließen. Die katholische Kirche hat ihre Gottesdienste inzwischen auch eingeschränkt. Die Kirchenleitung empfahl den Priestern, die Messen zu verkürzen und die Hostie beim Abendmahl den Gläubigen in die Hände und nicht auf die Zunge zu legen. Die Erzdiözese Mexiko-Stadt erklärte außerdem, die Katholiken könnten ihre Pflicht zum Gottesdienstbesuch auch erfüllen, wenn sie einer Messe im Radio zuhörten.

Die Krankheit scheint sich indes dennoch rasch auszubreiten - und das weltweit. So stieg in den USA die Zahl der Erkrankungen. Elf Fälle wurden bestätigt in den Bundesstaaten Kalifornien, Kansas und Texas. Außerdem wurde bei acht Schulkinder in New York ein Influenzavirus nachgewiesen, bei dem es sich nach Ansicht der Behörden vermutlich um die Schweinegrippe handelte. Die Proben müssten aber erst weiter untersucht werden.

Auch Neuseeland hat das Virus inzwischen erreicht. Nach der Rückkehr aus Mexiko sind dort zehn Schüler unter Verdacht auf Schweinegrippe in Quarantäne. Die jungen Leute waren am Samstag von einer dreiwöchigen Studienreise zurückgekehrt und hatten über grippeähnliche Symptome geklagt. Ein erster Grippeschnelltest fiel positiv aus. Die Behörden betonten jedoch, dass bislang lediglich eine Infektion mit einem Influenza-A-Virus nachgewiesen sei. Es sei daher noch unklar, ob die jungen Leute zwischen 15 und 18 Jahren tatsächlich an dem mutierten Schweinegrippevirus erkrankt seien. "Die Behörden haben mir gesagt, es gibt noch keinen Beweis, aber sie halten das für wahrscheinlich", sagte Gesundheitsminister Tony Ryall. Detailliertere Testergebnisse seien erst in einigen Tagen zu erwarten.

Entwarnung gab es unterdessen für einen Verdachtsfall in London. Ein Flugbegleiter der British Airways, der nach einem Flug aus Mexiko mit grippeähnlichen Symptomen sofort nach der Landung ins Krankenhaus gebracht worden war, hat keine Schweinegrippe. "Alle Tests sind negativ", sagte ein Sprecher des Londoner Northwick Park Hospitals. Nach ergänzenden Angaben der Gesundheitsbehörde gibt es damit sowohl in Großbritannien als auch im restlichen Europa bislang keinen bestätigten Fall von Schweinegrippe. Dennoch erfordere der "ungewöhnliche" Ausbruch der Grippe "Wachsamkeit und weitere Untersuchungen".

Auch die deutschen Gesundheitsbehörden reagierten eher zurückhaltend. Es sei zwar grundsätzlich nicht auszuschließen, dass einzelne Influenzafälle durch Reisende auch nach Deutschland eingeschleppt würden, jetzt aber könne man "schlicht noch nicht sagen, ob es auf Mexiko und die USA begrenzt bleibt oder sich ausbreitet", sagte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Aus diesem Grund hat auch das Auswärtige Amt - im Gegensatz zu Russland - bislang keine Reisewarnung für Mexiko ausgesprochen. Es macht aber auf seinen Internetseiten auf den Ausbruch der Krankheit aufmerksam und empfiehlt Reisenden, "die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen".

In Asien, wo viele Länder seit Ende 2003 mit der ebenfalls tödlichen Vogelgrippe zu kämpfen haben, fielen die Reaktionen entschiedener aus. In Japan wurden Reisende aus Mexiko auf Erkrankungen hin überprüft. Die Philippinen beschlossen eine Quarantäne für Passagiere mit Fieber, die aus Mexiko kommen.

Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Grippe-Ausbruch ein "Notfall der öffentlichen Gesundheit im internationalen Ausmaß". Nach einem Treffen ihres Notfall-Komitees in Genf warnte sie vor einer weltweiten Epidemie. Ob es jedoch wirklich dazu kommen werde, sei noch zu früh zu sagen, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Allerdings verbreite sich die Krankheit, die von Experten bislang nur ungenügend verstanden werde, schnell und habe deshalb durchaus das Potenzial zu einer Pandemie, also einer weltweiten Ausbreitung.

Von weiteren Maßnahme sieht die WHO aber zunächst einmal ab. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass die Grippe auch in anderen Teilen der Welt ausgebrochen sei, sagte Chan. Das Wissen über die Eigenschaften des neuen Virus und die Art seiner Ausbreitung sei noch zu lückenhaft. Bei Gefahr für die Weltbevölkerung werde ihre Organisation aber durchaus Reise-sowie Handelsbeschränkungen empfehlen, die von den Nationalstaaten umgesetzt werden müssen. Bis dahin seien die Länder weltweit dazu aufgerufen, ungewöhnliche Grippefälle und schwere Lungenentzündungen genau zu beobachten.

Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Dabei können gelegentlich auch gänzlich neue, gefährliche Typen entstehen. Die Viren entwickeln sich dabei etwa in Vögeln oder Schweinen und springen dann auf den Menschen über. Der aktuelle Erreger in Mexiko ist nach Angaben der WHO eine neu entstandene Variante des Typs H1N1, der sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann.

Dieser Subtyp war auch Auslöser der Spanischen Grippe. Er zog von 1918 bis 1920 um die Welt und kostete mindestens 25 Millionen Menschen das Leben. Er bedrohte wie im aktuellen Fall vor allem junge, gesunde Menschen zwischen 20 und 40 Jahren und nicht wie Grippeviren anderer Typen hauptsächlich Kleinkinder und ältere Menschen.

 
Leser-Kommentare
    • spacko
    • 26.04.2009 um 9:53 Uhr

    die WHO die 3 auf der Skala weiter gelten lässt, erschließt sich mir nicht. Es muss doch angesichts der Verbreitung jedem klar sein, dass allein durch den Flugwerkehr es maximal eine Woche dauert, bis das Virus in Europa ist. In Neuseeland ist es angeblich schon (CNN), in New York auch, wie soll man das von Europa fernhalten?

    Wir müssen da leider durch - die einzig brennende Frage ist: wie tödlich ist das Virus wirklich?

    Aber die Antwort gibt's bald, die Amis werden da sicher gründlicher recherchieren. Mexiko schein im Moment eher ein Synonym für Chaos.

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    Es gilt die Verbreitung zu unterbinden, da die Mexikaner vermutlich alles was auf dem Flughafen niest oder fröstelt untersucht und ggf unter Quarantäne stellt sollte das einigermaßen gut gegen die Verbreitung wirken. Sofern es denn auch so gemacht wird.

    Ich frage mich nur ob eine härtere Einstufung nicht eine ggf unkontrollierbare Panik zur Folge hätte. Ich sehe Schlagzeilen wie "Der mexikanische Killervirus" schon vor mir, unglücklicherweise geht nun bald auch noch die 'Sommergrippe' Saison los. Ich denke man kann sich ausmalen was dann los ist.
    Das da eine Sperrung des Luftverkehrs,vermutlich, tödlicher für die Wirtschaft als für 3 Leute die es dann doch irgendwie erwischt ist, ist die makabere Realität.

    Die Inkubationszeit von einer Grippe ist meist recht kurz und die Symptome niederstreckend. Daher nehme ich an, oder hoffe zumindest, dass die Medis aus den Industrieländern über ausreichende Notfallpläne verfügen.

    Es gilt die Verbreitung zu unterbinden, da die Mexikaner vermutlich alles was auf dem Flughafen niest oder fröstelt untersucht und ggf unter Quarantäne stellt sollte das einigermaßen gut gegen die Verbreitung wirken. Sofern es denn auch so gemacht wird.

    Ich frage mich nur ob eine härtere Einstufung nicht eine ggf unkontrollierbare Panik zur Folge hätte. Ich sehe Schlagzeilen wie "Der mexikanische Killervirus" schon vor mir, unglücklicherweise geht nun bald auch noch die 'Sommergrippe' Saison los. Ich denke man kann sich ausmalen was dann los ist.
    Das da eine Sperrung des Luftverkehrs,vermutlich, tödlicher für die Wirtschaft als für 3 Leute die es dann doch irgendwie erwischt ist, ist die makabere Realität.

    Die Inkubationszeit von einer Grippe ist meist recht kurz und die Symptome niederstreckend. Daher nehme ich an, oder hoffe zumindest, dass die Medis aus den Industrieländern über ausreichende Notfallpläne verfügen.

  1. Es gilt die Verbreitung zu unterbinden, da die Mexikaner vermutlich alles was auf dem Flughafen niest oder fröstelt untersucht und ggf unter Quarantäne stellt sollte das einigermaßen gut gegen die Verbreitung wirken. Sofern es denn auch so gemacht wird.

    Ich frage mich nur ob eine härtere Einstufung nicht eine ggf unkontrollierbare Panik zur Folge hätte. Ich sehe Schlagzeilen wie "Der mexikanische Killervirus" schon vor mir, unglücklicherweise geht nun bald auch noch die 'Sommergrippe' Saison los. Ich denke man kann sich ausmalen was dann los ist.
    Das da eine Sperrung des Luftverkehrs,vermutlich, tödlicher für die Wirtschaft als für 3 Leute die es dann doch irgendwie erwischt ist, ist die makabere Realität.

    Die Inkubationszeit von einer Grippe ist meist recht kurz und die Symptome niederstreckend. Daher nehme ich an, oder hoffe zumindest, dass die Medis aus den Industrieländern über ausreichende Notfallpläne verfügen.

    Antwort auf "Warum..."
  2. Wir warten seit Jahrzehnten auf die Supergrippe. Dieses Szenario wurde in verschiedenen Bestsellern abgehandelt. Das ging soweit, dass in Nordamerika nur noch ganz wenige Menschen überlebten.

    Es geht also um Resistenzen des Menschen. In den Jahrmillionen hat sich der Mensch nur an regionale Viren und Bakterien anpassen müssen. Die Anpassung ging auch nicht ohne Verluste ab. Man denke nur an die Große Pest im Mittelalter und an die Grippe zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

    Auf den modernen Menschen kommt durch die Globalisierung und die Kontakte via Luftverkehr ein überregionales Infektionsrisiko hinzu. Uns in Old-Europe kann es so gehen wie den Indianern in Mittelamerika als Columbus denen einige "Viren überließ", an die Ureinwohner nicht angepasst waren. Anders herum brachte Columbus einige Geschlechtskrankheiten mit, die in Europa das Bäderwesen zu Erliegen brachten.

    Uns kann es also treffen, wenn Viren zum Zuge kommen, an die wir Menschen einfach nicht angepasst sind und die Wissenschaft zu spät reagiert. So schlägt denn dann die Natur zurück und trifft zuerst die Unterernährten und die Armen. So macht die Natur das, was die Eugeniker immer wollten. Es bleiben nur Menschen übrig, die ein starkes Immunsystem haben.

    Man stellen sich vor, Westeuropa hätte nach der Supergrippe nur noch anstatt 450 Mio. Einwohner dann 225 Mio. Einwohner. Für die heutige Zivilisation eine Kastrapohe, die bekanntlich auf Arbeitsteilung angelegt ist und ohne EDV undenkbar ist. In diesem Kontext ist dann auch noch die Internetvernetzung zu nennen, die mit einem Schlage zusammenbrechen kann, wenn eine Vielzahl von Experten einfach aufhören zu existieren.

    Die Perspektiven sind kataklysmisch.

    _______________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

    • Witan
    • 26.04.2009 um 12:10 Uhr

    durch die Hintertür.
    Reise und Handelsbeschränkungen durch die WHO angeordnet, und umgesetzt durch die pösen Nationalstaaten, die ja laut EU-Ideologie überflüssig sind.

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    • wfd
    • 26.04.2009 um 13:23 Uhr

    Genau! Weltbank, IWF, CIA, Mossad und BND haben gemeinsam in Laboratorien in Guantánamo einen tückischen Virus entwickelt, der nur Schwellenländer und Drittweltstaaten befällt!

    • wfd
    • 26.04.2009 um 13:23 Uhr

    Genau! Weltbank, IWF, CIA, Mossad und BND haben gemeinsam in Laboratorien in Guantánamo einen tückischen Virus entwickelt, der nur Schwellenländer und Drittweltstaaten befällt!

    • wfd
    • 26.04.2009 um 13:23 Uhr

    Genau! Weltbank, IWF, CIA, Mossad und BND haben gemeinsam in Laboratorien in Guantánamo einen tückischen Virus entwickelt, der nur Schwellenländer und Drittweltstaaten befällt!

  3. Es sind in Mexiko 20 Menschen an einer Grippe gestorben? Wie viele Menschen sterben dort eigentlich täglich an Gewaltverbrechen, Unterernährung, Aids etc. Würden die ganzen Institutionen genau soviel Motivation auf andere Sterbeursachen investieren, wie jetzt gegen das Virus, behaupte ich mal, wäre der Virus erst garnicht entstanden. Aber schön zu sehen wie wieder einmal dem Menschen Angst und Panik vor seiner Umgebung eingeflößt wird. Da hat dann das Immunsystem bestimmt auch riesen Lust drauf, sich an diese Umgebung anzupassen. Das komplette Leben spielt sich auf einmal nur noch in den eigenen 4 Wänden ab! Ich hoffe nur, dass nicht auch andere Gesundheitsbörden auf solch eine Schnappsidee kommen. Ich erinnere gern an den Zeitartikel vor ein paar Wochen http://www.zeit.de/2009/1...
    Genau das Gegenteil müsste demnach verornet werden! Nicht gegen die Krankheit kämpfen, sondern sich für die Gesundheit stark machen.

  4. Dr. Henry Niman von Recombinomics hat die Fälle von Schweinepest bei Menschen gesammelt. Die einzelnen Ausbrüche sind auf einer Weltkarte eingetragen und beschrieben. Eine hilfreiche Information bei der aktuell verwirrenden Nachrichtenlage.

    Die Karte gibt es unter dieser Adresse.

    • SP1
    • 27.04.2009 um 10:56 Uhr

    sieh Google-Maps:
    http://tinyurl.com/df3wdv

    Die farbliche Markierung ist zwar verwirrend, Überblick erhält man trotzdem.

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