Schweinegrippe-Virus Kampf den blinden Passagieren
Gesundheitsbehörden warnen vor erkrankten Passagieren aus Mexiko. Airlines und Flughäfen sind alarmiert. Doch mancherorts funktioniert das Notfall-Management noch nicht.

© Boris Roessler/dpa
Könnten demnächst länger warten müssen: Passagiere am Flughafen
Als am Montagnachmittag um 14.40 Uhr das Flugzeug aus Mexico-City in Frankfurt landet, war an Bord der Boeing 747-400 bereits das Wesentliche getan. Die Crew des Lufthansa-Fluges LH 499 hatte spätestens beim Einsammeln der Menü-Reste in den Gesichtern der Passagiere noch einmal nach Spuren von Schweiß oder Anzeichen erhöhter Temperatur gesucht. Hinweise auf einen viralen Infekt bei einem der Passagiere hätte die Besatzung sofort weitergegeben. Ein Funkspruch des Kapitäns an den Tower hätte dann Mediziner am Boden herbeirufen, um die möglicherweise Erkrankten näher zu untersuchen. So will es zumindest das für Frankfurt zuständige Hessische Gesundheitsministerium.
Denn Europa hat Angst vor dem Import der Schweinegrippe. Der auch unter Menschen übertragbare Erreger hat den Atlantik überquert und auf dem Kontinent bereits ein erstes Opfer gefunden: Spanien bestätigte, dass ein aus Mexiko heimgekehrter Reisender an dem Virus erkrankt ist, Dutzende weitere stehen unter ärztlicher Beobachtung.
Länder wie Polen, Italien und Venezuela warnen vor Reisen nach Mexiko und in die USA. China, Russland, Taiwan und Bolivien wollen Passagiere mit Grippe-Symptomen unter Quarantäne stellen. In Mexiko starben seit dem 13. April mehr bereits als 100 Menschen, bei mehr als 20 war der Verdacht auf das Virus bis Montag sicher bestätigt. Fast 1700 sind erkrankt, die Epidemie griff auch schon auf die USA über. Dass auch das Auswärtige Amt in Berlin eine Reisewarnung herausgibt, scheint nur noch eine Frage der Zeit.
Das Airline- und Flughafenpersonal sucht an vielen Airports bei Mexiko-Reisenden nach Grippesymptomen. Russland inspiziert gar alle Flugzeuge aus Nord- und Südamerika. Auf den europäischen Flughäfen herrscht ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit. "Unsere Flugbegleiter haben seit jeher einen Blick auf den Gesundheitszustand der Passagiere", sagt ein Lufthansa-Sprecher. Doch Reisende mit Grippesymptomen noch an Bord zu untersuchen, "ist schlichtweg unmöglich".
Doch eben das hatte das hessische Gesundheitsministerium angekündigt: Ärzte des Gesundheitsamtes und der Flughafenklinik Frankfurt würden Verdächtigen noch im Flugzeug untersuchen, heißt es in einer Mitteilung. Um Klarheit zu schaffen, müssten die Ärzte nicht zwingend an Bord, argumentiert dagegen die Lufthansa. Auch der Flughafenbetreiber Fraport schien wenig beunruhigt. Bisher habe man "keinerlei Maßnahmen" getroffen, sagt Sprecher Klaus Busch, ergänzt jedoch, Fraport richte sich nach den Anweisungen der Gesundheitsbehörde, also dem Stadtgesundheitsamt Frankfurt.
- Datum 28.04.2009 - 10:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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