Zugegeben: In Wahlkampagnen müssen Parteien zuspitzen. Lange Losungen und ausführliche Argumenten taugen nichts, wenn sie etwa im Fernsehen oder im Straßenbild an den Adressaten vorbeigehen. Deshalb bürstet SPD-Chef Franz Müntefering derzeit auch mit Vorliebe und knapper Begründung regelmäßig die Kanzlerin ab.

Das Ganze gilt erst recht, wenn es um die Wahl zum Europaparlament geht. Denn die EU ist für die allermeisten Bürger eine leblose, ferne Veranstaltung, die nach ihrem Gefühl mit ihrem eigenen Leben wenig zu tun hat. Kein Wunder, dass sich Europa schlecht für tief greifende parteipolitische Auseinandersetzungen eignet.

Die SPD hat sich daher in der ersten Stufe ihrer Kampagne zur Europawahl am 7. Juni eines einfachen Mittels bedient: Sie verunglimpft die politischen Gegner. In einer Plakatserie, die ihre Werbeagentur Butter entworfen hat, heißt es zum Beispiel: "Finanzhaie würden die FDP wählen." Daneben sieht man in einer simplen Montage, die an den SPD-Urplakatkünstler Klaus Staeck erinnert, einen grinsenden Haikopf auf einem menschlichen Torso mit weißem Hemd und lila Krawatte. Ein grobes Zerrbild.

Gegen Finanzhaie: die umstrittene Wahlplakatserie der SPD © SPD Parteivorstand

Ähnlich ergeht es dem Koalitionspartner ("Dumpinglöhne würden CDU wählen.") und der linken Konkurrenz ("Heiße Luft würde Die Linke wählen."). Nur die Grünen, der Nach-wie-vor-Wunschkoalitionspartner, werden verschont. Keines der Plakate enthält eine Aussage von besonderem Tiefgang, und nur jeweils klein gedruckt sind sie ergänzt mit eigenen programmatischen Erklärungen.

SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel ist dennoch "sehr zufrieden mit diesem ungewöhnlichen Ansatz", wie er auf der SPD-Webseite schreibt. Immerhin hat seine Partei damit ein wenig Aufmerksamkeit erregt: Online-Medien berichten darüber, in Blogs werden die Motive heftig diskutiert und teils mit – ebenfalls etwas ärmlichen – Gegenentwürfen versehen ("Wer Vollpfosten will, wählt SPD"); die angegriffenen Parteien ärgern sich ein wenig.

Sicher, Aufmerksamkeit braucht die SPD in jedem Fall: In bundesweiten Umfragen dümpelt sie weiter bei 24 bis 28 Prozent; bei der letzten Eurowahl 2004 erreichte sie mit 21,5 Prozent ihr schlechtestes bundesweites Ergebnis überhaupt.