Stammzellenbeobachtung unter dem Mikroskop: Deutsche und amerikanische Forscher haben ein neues Rezept entwickelt, mit dem sich die Alleskönner künstlich züchten lassen © Darren Hauck/Getty

Es ist der nächste große Schritt auf dem Weg zur sicheren Gewinnung von Stammzellen. Deutsche und amerikanische Forscher haben die künstliche Verjüngungskur von Körperzellen weiterentwickelt. Sie drehten die Lebensuhr von frühen Hautzellen einer Maus zurück, ohne dabei direkt ins Erbgut der Zelle einzugreifen. So sei es gelungen, die Zellen des ausgewachsenen Tieres in ein Stadium zu versetzen, in der sie die universellen Eigenschaften echter Stammzellen wiedererlangten. Ihre Ergebnisse stellten die Forscher jetzt im Magazin Cell Stem Cell vor.

Die Forschung an künstlich gewonnenen Stammzellen ist noch sehr jung. Doch Forscher versprechen sich von diesen induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS, ein immenses Potenzial. Eines Tages könnte mit den künstlich gezüchteten Zellen Herzinfarktpatienten, Querschnittgelähmten und Alzheimerkranken geholfen werden. Denn bei diesen Leiden stirbt Gewebe ab, das womöglich aus iPS nachgezüchtet werden könnte.

Die Alleskönner sind auch deswegen so begehrt, weil sie möglicherweise zwei große Probleme lösen: Um sie zu gewinnen, muss kein Embryo sterben, und aus iPS gezüchtetes Gewebe würde vom Körper eines Patienten, der damit behandelt wird, nicht abgestoßen. Das Gewebe wäre genetisch identisch mit den ursprünglichen erwachsenen Zellen.

Die neue Methode, um  Körperzellen weis zu machen, sie seien wieder ein Embryo, hat der Münsteraner Forscher Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin mitentwickelt. Bislang mussten für den künstlichen Jungbrunnen die Gene namens c-Myc, Klf4, Oct4 und Sox2 in das Erbgut einer Körperzelle eingebaut werden. Sie enthalten die Bauanleitungen für Proteine, die anschließend die Lebensuhr einer Zelle beeinflussen können.

Allerdings gelten die Gene Klf4 und c-Myc als klassische Krebsgene. In Tierversuchen lösten sie häufig Tumore aus, nachdem sie künstlich in die Zelle eingebracht wurden.

Schöler und seine Kollegen aus Kalifornien schleusten nun direkt die Verjüngungs-Proteine in die Hautzelle einer Maus ein und nicht ihre Bauanleitungen. Damit umgingen sie die Gefahr, dass sich Krebs bildet. Doch noch handelt es sich bei den verjüngten Hautzellen selbst um Vorläuferzellen, die noch zu Hautgewebe ausreifen können. Sie sind Stammzellen also ähnlich und besitzen noch einige Fähigkeiten der Alleskönner.