Kavallerie-Vergleich Steinbrück versucht Schweizer zu bezirzen
Finanzminister Steinbrück hat im Schweizer Fernsehen zugegeben, im Steuerstreit die Eidgenossen hart angegangen zu haben. Doch er blieb dabei: Die Schweiz ist ein Problem
Die Schweizer Medien nennen es eine "Charmeoffensive": Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wandte sich in einem Interview des Schweizer Fernsehens, das am Montagabend gesendet wurde, ans Schweizer Volk, mit dem Bemühen, um Verständnis für seine Steuerpolitik zu werben.
Im Streit um die Forderung des Ministers, die Schweiz müsse wegen deutscher Steuersünder ihr Bankgeheimnis lockern, hatte Steinbrück von "Indianern" gesprochen, denen man nur mit der "Kavallerie" zu drohen brauche. Daraufhin hatte es heftige Proteste in der Schweiz gegeben.
Selbstkritisch meinte der Minister jetzt, er sei wohl nicht immer diplomatisch gewesen. "Gelegentlich ist es so, dass Politiker auch direkt reden sollten", meinte er jedoch. "Ich glaube, ich habe damals ein englisches Idiom benutzt und das heißt 'sticks and carrots'. Das kann man übersetzen mit 'Zuckerbrot und Peitsche', und das hat für diese Dramatik gesorgt", bedauerte Steinbrück.
Von der Schweiz verlange er jedoch "einen fairen Umgang" und Respekt. Dazu gehöre auch der Respekt gegenüber dem Interesse des Steuerstaates Deutschland. Es gebe plausible Schätzungen, dass bis zu 200 Milliarden Euro von deutschen Steuerzahlern in der Schweiz liegen, sagte Steinbrück, der erneut signalisierte, in der Sache nicht nachgeben zu wollen.
Er beklagte, dass man ihn – den 1947 Geborenen – in Briefen als "SS-Schergen und Nazi-Schwein" beschimpft habe. Damit habe auch die Schweiz ein Problem und sollte über sich nachdenken, sagte Steinbrück.
- Datum 29.04.2009 - 06:45 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, 28.04.2009
- Kommentare 4
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Dieser ebenso holprige Versuch sich wieder ins rechte Licht zu setzen, war ebenso kläglich, wie die Äusserungen des Finanzministers. Zudem ist dem geneigten Zuhörer bekannt, was der Sinn des "Bezirzens" ist, nämlich das Schiff soweit an den Felsen zu locken, dass es auf Grund läuft.
Ein partnerschaftlicher offener Ton zwischen Nachbarn wäre angebrachter und nützlicher, als die unglaubwürdige PR-Maschine eines Herrn Meyer mit einem sich sichtlich unwohlfühlenden Steinbrück, der von seinen Beratern zu diesem Gespräch gedrängt wurde. Wie soll dabei Vertrauen entstehen?
Jeder Euro in Privatbesitz ist besser als ein Euro in Politikerhand.
Geht es uns gut, werden mit unserem Geld Spassbäder gebaut, nicht funktionierende Steuer-ITs für 1/2 Mrd., und das Gesundheitssystem wieder und wieder "erfolgreich" umgekrempelt.
Geht es uns schlecht, weil die Banken das Geld für Boni, Abfindungen und den überteuerten Aufkauf wertloser Bankaktien jetzt direkt in Berlin abholen, dann werden eben unsere Konten überwacht und den Schweizern wird der Krieg erklärt.
Mal fragen, ob das System der Fehler ist? Mal nach Verantwortung der Politik fragen ?
Niemals !
Leute. Begreift es endlich. Wir werden verarscht !
Ja. Sicher. Aber das weiss doch jeder!
Ja. Sicher. Aber das weiss doch jeder!
Ja. Sicher. Aber das weiss doch jeder!
Sie schreiben: "Er beklagte, dass man ihn – den 1947 Geborenen – in Briefen als "SS-Schergen und Nazi-Schwein" beschimpft habe. Damit habe auch die Schweiz ein Problem und sollte über sich nachdenken, sagte Steinbrück."
Steinbrück hat wörtlich gesagt: "...wo Einige in der Schweiz Veranlassung haben, über sich selber nachzudenken." Er sprach damit diejenigen an, die ihn als Nazi beschimpft und diese Beschimpfungen kolportiert hatten.
Und damit hat nun Steinbrück wirklich mehr als recht. Sie aber machen daraus mit Ihrer Verallgemeinerung eine Unterstellung, die Steinbrück sehr bewusst vermieden hat. Ich fand - und finde - die Art, in der Deutschland und die G20 hier Machtpolitik betreiben, mehr als bedauerlich, aber das macht Ihre Art der Berichterstattung um keinen Deut besser.
Ich schätze jedenfalls Karl Kraus je länger desto mehr.
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