Sudan Darfur - war da was?

Seit Sudans Präsident al-Bashir international gesucht wird, dürfen ausländische Helfer nicht mehr in die Flüchtlingslager in Darfur. Hunger und Seuchen drohen

Diese Kinder stehen unter dem Schutz der UN: Sie haben sich ins Lager Djabal im Tschad flüchten können. Doch direkt hinter der Grenze, in Sudans Westprovinz Darfur, sieht es für viele Flüchtlinge schlimm aus

Nicht einmal zwei Monate ist es her, da überschlugen sich die Ereignisse in Darfur – zumindest in den Medien. Der Internationale Strafgerichtshof erließ Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Al-Bashir wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der warf postwendend dreizehn ausländische Hilfsorganisationen aus dem Land und mehrere sudanesische NGOs aus der Krisenregion. Dann kündigte er an, man werde sich selbst um die Versorgung der Flüchtlinge kümmern.

Danach verschwanden Darfur und der Fall al-Bashir vom Radarschirm der westlichen Medien (auch von dem der ZEIT).

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Was also ist seitdem passiert?

Zuerst zur Lage der Flüchtlinge: Ein Teil der Nothilfe, die zuvor von Organisationen wie Oxfam, CARE oder Save the Children geleistet worden war, wird nun mit denselben lokalen Mitarbeitern unter dem Schirm der UN weitergeführt. Das funktioniert nach Berichten aus Darfur einigermaßen bei der Nahrungsmittelversorgung. Höchst prekär ist die Versorgung mit Trinkwasser und der Betrieb von Kliniken. Mehrere Hunderttausend Menschen sind von jeder Gesundheitsversorgung abgeschnitten, in zwei Lagern ist Meningitis ausgebrochen.

Im Juni beginnt die Regenzeit. Sind bis dahin nicht größere Vorräte an Lebensmitteln, Medikamenten und Benzin für Wasserpumpen angelegt, könnte die befürchtete Hunger- und Seuchenkatastrophe tatsächlich eintreten.

Die sudanesische Regierung ist mitnichten in der Lage und willens, ausreichend Nothilfe zu leisten. Vielmehr gibt es vereinzelt Berichte über Brandstiftungen in den Flüchtlingscamps. Nach Ansicht von darfurischen Exilanten steckt dahinter die Strategie, die Flüchtlinge aus den Lagern in die Slums der größeren Städte zu treiben - und damit aus dem Fokus der internationalen Öffentlichkeit verschwinden zu lassen.

Prekär ist auch die Lage für die verbliebenen ausländischen Helferinnen und Helfer. Wer noch in Darfur ist, riskiert zunehmend, Opfer eines Überfalls oder einer Entführung zu werden.

Leser-Kommentare
  1. Setzen wir doch den Angehörigen der einen Konfliktpartei eine Kippa auf, den anderen ein Pali-Tuch.

    Dann taufen wir Darfur in Gaza um.

    Dann herrschen klare Fronten und jede/r kann sich was drunter vorstellen.

    Dann hat endlich wieder jede/r eine Meinung dazu.

    Dann hat der Konflikt und die Region die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer Medien und der Öffentlichkeit.

    Eklig, wie wir funktionieren, nicht wahr?

  2. Die Völkergemeinschaft und speziell der Westen haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Warum kommt es in Afrika wiederholt zum Genozid (Ruanda, Kongo und Dafur) und der Westen bleibt untätig? Zumindest gibt es jetzt den Internationalen Strafgerichtshof. Wenn man aber die Militärschläge des Westens gegen Serbien dagegen hält, fragt man sich schon warum das eine Land mit militärischen Mitteln gefügig gemacht und zerschlagen wird, und bei Verbrechen in anderen Ländern praktisch nichts passiert.
    Recht sollte für alle gleich gelten und auch gleichermaßen vollstreckt werden, sonst ist es kein Recht.

  3. Als vornehmste Ziele benennt Artikel 1 der UNO Charta,

    – „den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren”,
    – „freundschaftliche … Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln”,
    – „eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um internationale Probleme … zu lösen und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle … zu fördern und zu festigen”,
    – „ein Mittelpunkt zu sein, in dem die Bemühungen der Nationen zur Verwirklichung dieser gemeinsamen Ziele aufeinander abgestimmt werden”.

    Es geht der UNO also um die Förderung und Festigung von Menschenrechten und Grundfreiheiten. Es muss jetzt die Smoking Gun auf den Tisch gelegt werden. Ab welchem Zeitpunkt ist die Mißachtung von Menschenrechten in Völkermord umgeschlagen. In dem Artikel vermisse ich harte Fakten. Solange die UNO als Hilfsinstrument der US-Außenpolitik betrachtet werden muss, werden China u.a. nicht aufhören, ihre Interessen im Sudan zu verteidigen. Es geht letztlich um Recourcen, dabei spielt die Menschrechtslage nur -leider- eine untergeordnete Rolle.

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    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

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