Pakistan Taliban verlieren Rückhalt
Die Taliban ziehen sich aus dem seit Tagen besetzten Buner nahe Islamabad zurück – aus strategischen Gründen. Mittlerweile werden sie selbst von den Geistlichen verdammt

© Tariq Mahmood/AFP/Getty Images
Die Taliban in Buner treten offenbar wieder den Rückzug an
Pakistanische Fernsehsender zeigten am Freitag Bilder von schwer bewaffneten und maskierten Aufständischen, die Geländefahrzeuge und Lastwagen bestiegen. Der Taliban-Kommandeur Faslullah befahl seinen etwa 100 Kämpfern nach Angaben eines Sprechers am Freitag, den Distrikt Buner sofort zu räumen. Nachdem die Taliban in den vergangenen Tagen dorthin vorgedrungen waren, hat die pakistanische Regierung zur Gegenwehr angesetzt und paramilitärische Truppen in das Gebiet entsandt. Diese hätten dort Stellung in mehreren Polizeistationen bezogen.
Ob die Taliban sich aus freien Stücken oder unter dem Druck der Regierung zurückgezogen haben, war zunächst unklar. In jedem Fall sei es für sie "strategisch günstiger", sich aus Buner zurückzuziehen, sagte Babak Khalatbari von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Pakistan. "Sie sehen, dass sie dort mit ihren einigen hundert Kämpfern nicht gewinnen können."
Im Friedensabkommen zwischen der pakistanischen Regierung und den Taliban war festgelegt, dass in der Region Malakand, die neben dem Swat-Tal unter anderem auch Buner umfasst, das islamische Recht eingeführt wird. Im Gegenzug sollten die Taliban ihre Waffen niederlegen, was sie aber nicht getan haben. Nach Einschätzung von Babak Khalatbari geht derzeit allerdings ein "Ruck" durch die pakistanische Gesellschaft. "Es ist das erste Mal, dass auch Geistliche im Fernsehen die Taliban verdammen", sagt Khalatbari. Der Trend gehe jetzt wieder dahin, die Aufständischen auch im Swat-Tal zu bekämpfen. "Man hat eingesehen, dass sich die Taliban nicht an Absprachen halten", sagt Khalatbari.
Die Einführung des islamischen Rechts in der Region könne man allerdings nicht nur im Zusammenhang mit den Taliban sehen. "Die Richter waren dort korrupt, die Rechtsanwälte waren korrupt", sagt Khalatbari. Insofern habe es den Wunsch nach einer "schnellen Rechtsprechung" gegeben. "Die Bevölkerung ist der Meinung, dass das islamische Recht die bessere Lösung ist."
Das bestätigen auch Entwicklungshelfer. Nasse Kakar ist in seinem Heimatland Pakistan für die deutsche Johanniter-Auslandshilfe tätig. "Die Menschen in den Stammesgebieten sind sehr religiös, die Forderung nach der Einführung des islamischen Rechts ist eine Forderung der allgemeinen Bevölkerung", sagte Kakar. Wegen der weit verbreiteten Korruption hätten die Menschen den Glauben an das säkulare Rechtssystem in Pakistan verloren. Die Richter, die das islamische Recht dann anwenden, seien schließlich auch keine Taliban, sondern studierte Religionsgelehrte, die von der pakistanischen Regierung entsandt würden.
Die Taliban würden allerdings versuchen, vor Ort ihre eigene Interpretation des Islam durchsetzen, berichtet Khalatbari von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Dafür brauchten sie keine offiziell eingesetzten Richter oder Gebäude, sondern könnten etwa eigenmächtig provisorische Dorfgerichte einsetzen. Dagegen wehre sich die Bevölkerung allerdings vehement wie auch gegen die Taliban als Herrscher, im Distrikt Buner noch mehr als im Swat-Tal, sagt Khalatbari. "Die Mehrheit in Buner empfängt die Taliban nicht als Befreier."
Die deutsche Bundesregierung hat sich derweil besorgt über das Vorrücken der Taliban in Pakistan geäußert. Allerdings seien die Kämpfer noch "weit entfernt von einem Angriff auf Islamabad", sagte ein Sprecher.
- Datum 24.04.2009 - 19:32 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 4
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Ja, Ja.. wieder so ein astreiner Vorort Bericht, der Taliban Rückzug klar doch..!
Als Sie die Village people von den Deutschen Haubitzen vernommen haben, waren Sie nicht mehr zu halten. Nach dem Motto " Schlimmer als ne Kugel im Kopf, ist ein Deutscher im ...."
Ist Unsinn, achtsam ist besser als naiv..
Wer aus dem Taliban-"Rückzug" schließt, die Geistlichen wenden sich von ihren Freiheitskämpfern ab und der gesamte Rückhalt beginnt zu wanken, ist vor allem eins: naiv ohnegleichen.
Dieser Rückzug kann als Reaktion auf die sich verändernde Stimmung in der Welt gewertet werden. Wer aus dem Hinterhalt tötet und das ohne Rücksicht auf Unschuldige, zeigt Rücksichtslosigkeit und nicht Mut. Wer anderen beisteht, ohne sich irgend einer Überlegenheit sicher sein zu können, braucht Mut.
Dass unterscheidet sich aufspielende "Freiheitskämpfer" von mutigen Streitern für die Menschlichkeit, die es in diesen Zeiten alles andere als leicht haben.
Diese Krise werden diejenigen am ehesten überstehen, die sich ihrer Verbindungen zu anderen Menschen nicht nur bewußt sind, sondern auch entsprechend handeln.
Die anderen werden den Fanfaren der "Lemminge" folgen, die ihrem "Ziel" inzwischen gefährlich nahe gekommen sind. Bewaffnet oder beladen mit was auch immer, dem Abrund wird es egal sein, was er verschlingt.
Zitat:
In jedem Fall sei es für sie "strategisch günstiger", sich aus Buner zurückzuziehen, sagte Babak Khalatbari von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Pakistan. "Sie sehen, dass sie dort mit ihren einigen hundert Kämpfern nicht gewinnen können."
Superschlaue analyse. Eigentlich sollte er es besser wissen... Bloss, die starke waffe der tailban ist heutzutage nicht aus eisen/stahl. Afghanis haben die taliban noch nie gemocht. Sie sind ueber sie gekommen und haben die macht von den lokalen clans usurpiert und waren damit automatisch feinde der afghanis. Bloss jetzt sagen sich die afghanis, die amis/christen/... sind ja viel, viel schlimmer als die talibs. Afghanis sind einfache menschen und zum grossteil analphabeten (bis auf eine schmale elite). Also ist ihr wissen mit den geschichten der aeltesten in ihrer gruppe identisch und natuerlich religioes gepraegt. Schon kleine verletzungen der religioesen regeln koennen sehr verstoerend sein. Das verstehen die talibs tausendmal genauer als die 19-jaehrigen dumpfbacken-kampf-deppen aus texas.
He, he, he, jetzt ziehen sich ein paar schwarze turbane mit ak47 zurueck. Aber wieviele bleiben? Keiner kanns sagen weil jeder in der zwischenzeit mit den taliban kooperieren koennte. Sie tragen keinen schwarzen turban aber sind sie deshalb clean und keine talibs? No one knows....
Die soldaten des "westens" in afgh. haben keinen klar erkennbaren gegner. Sie kaempfen, (tschuldigung: sie tun so als ob sie kaempfen) gegen ein phantom das da ist aber keine gestalt hat und immer unschaerfer wird.
Erinnert mich an den riesen "herr tur tur" aus der augsburger puppenkiste. Je naeher lukas und emma ihm kamen um so kleiner wurde der riese.
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