Abstimmung in Berlin Volksentscheid Pro Reli ist gescheitert

Berlin hat sich mehrheitlich gegen die Wahlfreiheit zwischen Religions- und Ethikunterricht entschieden. Pro-Reli-Chef Christoph Lehmann wirft dem Senat unfaires Spiel vor

Der Berliner haben entschieden: Ethik bleibt Pflicht, Religion freiwilliges Zusatzfach

Der Berliner haben entschieden: Ethik bleibt Pflicht, Religion freiwilliges Zusatzfach

Für Pro Reli hat es nicht gereicht. Nach Auszählung aller abgegebenen Stimmen votierten laut Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás 51,3 Prozent der Teilnehmer am Volksentscheid mit "Nein" und damit gegen ein Wahlpflichtfach Religion. 48,5 Prozent stimmten mit "Ja", 0,2 Prozent der Stimmen waren ungültig. Damit bleibt es beim bisherigen Berliner Modell, wonach der vor drei Jahren eingeführte Ethikunterricht Pflichtfach und Religionsunterricht ein freiwilliges Angebot ist.

Die Wahlbeteiligung lag bei 29,2 Prozent. Die meisten Abstimmungsberechtigten beteiligten sich in Steglitz-Zehlendorf (41,4 Prozent), die wenigsten in Marzahn-Hellersdorf (21,6 Prozent).

Walter Momper (SPD), Schirmherr des Bündnisses Pro Ethik, freute sich über die Abstimmung: "Die Berliner sind helle und lassen sich nicht einlullen." Das Engagement von Pro Ethik in den letzten Wochen habe sich gelohnt, weil die Mehrheit der Abstimmenden sich für das Fach Ethik ausgesprochen habe. Dies sei gerade auch in Hinblick auf die Integration von Migrantenkindern so wichtig. Auch wenn sich die Kirchen keinen Gefallen getan hätten, indem sie sich einer Kampagne von CDU und FDP angeschlossen hatten, seien sie wichtige gesellschaftliche Institutionen, sagte Momper, der in den vergangenen Wochen stark wegen seines Pro-Ethik-Engagements kritisiert worden war, weil sich dieses nicht mit seiner Funktion als Abgeordnetenhauspräsident vertrage.

Der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller sah im Ergebnis des Volksentscheids "eine große Unterstützung für die bildungs- und integrationspolitische Linie der rot-roten Koalition". Alle Beteiligten am Streit um den Ethik- und Religionsunterricht sollten aber jetzt abrüsten und aufeinander zugehen. Carola Blum, Fraktionsvorsitzende der Linken, sagte: "Das Ergebnis hat gezeigt, dass eine intolerante Debatte über ein tolerantes Modell zum Scheitern verurteilt war. Das hat die Stadt weiter gespalten. Es gibt die Möglichkeit, die Kirchen am Ethik-Unterricht zu beteiligen."

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Das sieht Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen, ähnlich: "Das Ergebnis ist zwar eindeutig, doch es gibt überhaupt keinen Grund zur Häme. Vielmehr kommt es nun darauf an, Kirchen und Religionsgemeinschaften in den Ethik-Unterricht einzubeziehen und für Verbesserungen zu sorgen."

Kritik an der Politik des Senats gab es von mehreren Seiten. CDU-Landes- und Fraktionschef Frank Henkel erwartet "nach der Niederlage der Initiative ein Zeichen der Versöhnung des Regierenden Bürgermeisters". Wowereit habe alles getan, um die Stadt zu spalten.

Pro-Reli-Chef Christoph Lehmann war zwar stolz darauf, trotz des verfehlten Quorums "eine ganze Menge in dieser Stadt bewegt" zu haben. Dem Senat warf er aber vor, an einigen Stellen "unfair gespielt" zu haben. Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky sagte in einer Reaktion auf das Abstimmungsergebnis: "Die Initiative hat Mut gemacht, weiter zu kämpfen." Der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber kündigte an, mit dem Senat über die Inhalte des Ethikunterrichts zu sprechen.

Der neue FDP-Fraktionschef Christoph Meyer sagte: "Man muss nun darüber nachdenken, welches Angebot der Senat denen machen könne, die sich sehr stark für den Religionsunterricht in Berlin eingesetzt haben. Denkbar ist eine stärkere Einbeziehung von Religion in den Ethikunterricht."

Die Befürworter und die Gegner des Wahlpflichtfachs Religion hatten bis zur letzten Minute für ihre Ansicht geworben. In Gottesdiensten wurden die Besucher gebeten, zur Abstimmung zu gehen. In einer katholischen Kirche stellten Kinder brennende Kerzen zur Lichterkette auf, um den Gläubigen den Weg zur Abstimmung zu weisen.

Leser-Kommentare
  1. mein Lieblingsbuch,
    meine Unterhosenmarke,
    mein Lieblingswein,
    mein Sportverein,
    meine Lieblingskomponist,
    meine Wahlpräferenz,
    mein politisches Weltbild.

    Das sind alles meine Privatangelegenheiten.
    Darüber kann ich mit anderen kommunizieren. Damit sollte ich andere aber nicht belästigen.

    Religion ist auch eine Privatangelegenheit.
    Wer an Jungfrauengeburten und zornige, ältere Herren als Schöpfer der Welt glauben will und das Verbrennen weiblicher Mitmenschen als Teil der eigenen Religionshistorie akzeptieren kann - Bitte, ist schon okay.

    Das hat aber nichts mit unserem Staat, nichts mit unserer Gesellschaft und schon gar nicht mit der Unterrichtung von Kindern in Schulen zu tun.

    Religion und Staat sollten strikt getrennt sein und wir sollten uns fragen, ob die vielfältigen Verquickungen von Staat und Glaubensgemeinschaften noch zeitgemäss ist.

    Ich denke, nein.

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    Welche Logik steckt dahinter, alles zur freien Wahl zu erklären und ausgerechnet da, wo es um die Grundlagen einer Lebenseinstellung geht, alle in ein Korsett zu zwängen?

    Im übrigen hätte es auch Ihnen gut getan, viel mehr von Jesus Christus zu hören, von Nächstenliebe, von Vorbildern wie Dietrch Bonhoeffer, Albert Schweitzer, Dorothee Sölle etc, die ohne christlichen Glauben nicht solche moralische Kraft erreicht hätten.

    Und die Friedensbeter 89? Meinen Sie wirklich, es wäre alles so gut gegangen bei der deutschen Revolution, wenn nicht engagierte Christen das Blutvergießen verhindert hätten?

    • yato
    • 27.04.2009 um 10:45 Uhr

    ...sollten jetzt der nächste Schritt sein.

    Berlin hat gezeigt daß der Bevölkerungsanteil der fundamental Religiösen heute nur noch eine Minderheit im Land ausmacht (ca. 15 % in Berlin und kaum mehr als 20% vermutlich in anderen Bundesländern ausser Bayern vielleicht).

    Dies ist eine Chance für die Moderne das Mitteltelalter endlich abzuschütteln und die Religion wie in anderen Ländern aus der staatlichen Schule herauszuhalten.

    Glaube und Wissen haben nichts miteinander zu tun. Wir müssen lernen zwischen Phantasie und Realität zu unterscheiden wenn unsere Moral erwachsen werden will.

    Welche Logik steckt dahinter, alles zur freien Wahl zu erklären und ausgerechnet da, wo es um die Grundlagen einer Lebenseinstellung geht, alle in ein Korsett zu zwängen?

    Im übrigen hätte es auch Ihnen gut getan, viel mehr von Jesus Christus zu hören, von Nächstenliebe, von Vorbildern wie Dietrch Bonhoeffer, Albert Schweitzer, Dorothee Sölle etc, die ohne christlichen Glauben nicht solche moralische Kraft erreicht hätten.

    Und die Friedensbeter 89? Meinen Sie wirklich, es wäre alles so gut gegangen bei der deutschen Revolution, wenn nicht engagierte Christen das Blutvergießen verhindert hätten?

    • yato
    • 27.04.2009 um 10:45 Uhr

    ...sollten jetzt der nächste Schritt sein.

    Berlin hat gezeigt daß der Bevölkerungsanteil der fundamental Religiösen heute nur noch eine Minderheit im Land ausmacht (ca. 15 % in Berlin und kaum mehr als 20% vermutlich in anderen Bundesländern ausser Bayern vielleicht).

    Dies ist eine Chance für die Moderne das Mitteltelalter endlich abzuschütteln und die Religion wie in anderen Ländern aus der staatlichen Schule herauszuhalten.

    Glaube und Wissen haben nichts miteinander zu tun. Wir müssen lernen zwischen Phantasie und Realität zu unterscheiden wenn unsere Moral erwachsen werden will.

  2. Altruismus statt Egoismus, Hilfe statt Verachtung für Schwächere, Mitleid statt von Vulgär-Ideologien unterfütterte Mitleidslosigkeit und nicht zuletzt - vielleicht sogar zu zuallererstens - Aufrichtigkeit statt Meinungsmache, das ist unseren neoliberalen Eliten in Politik, Wirtschaft und Medien im Religionsuntericht entweder überhaupt nicht oder vergeblich vermittelt worden.

    Also was soll's?

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    ... ist das Programm, das sie in Form ihrer rhetorischen Fragen den Religionen - ich hoffe, da denken wir im Plural - zuschreiben, nicht. Das wissen sie genauso gut wie ich. Das Argument, ohne Religion gebe es keine Moral, kann niemand ernst meinen.
    1. Stammen größte ethische Errungenschaften der Kulturgeschichte nicht aus religiösen, sondern aus philosophischen Kreisen, 2. kann die Weltgeschichte unter Einfluss der großen Glaubensgemeinschaften nicht gerade als moralischer Totalerfolg begriffen werden. Lassen wir also, wortwörtlich, die Kirche bitte im Dorf.

    Das haben offensichtlich auch die Berliner vor. Mir ist recht schwer begreiflich, wieso nun der Senat (siehe FDP-Vorschlag) Schritte auf die "Pro-Reli"-Unterstützer zutun sollte. Ein Volksentscheid sollte seinen Namen verdienen und als Entscheid begriffen werden.

    Was Sie mit ihrer Fragenkaskade an der Gegenwart bemängeln, würde ich im übrigens inhaltlich nicht leugnen. Leider sind Mitleid, Solidarität und Sorge um den nächsten keine besonders weit verbreiteten Werte mehr. Es stellt sich aber die Frage, ob die intellektuelle Auseinandersetzung im Schulunterricht hierfür ausschlaggebend ist oder ob es nicht "stumme" Sozialisationsfaktoren sind, die sich hier Bahn brechen. Ich würde eindeutig für letzteres votieren und tiefer in unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit nachbohren als an der Stelle, wo die Wahl zwischen Religionsunterricht und Alternativen getroffen wird.

    ... ist das Programm, das sie in Form ihrer rhetorischen Fragen den Religionen - ich hoffe, da denken wir im Plural - zuschreiben, nicht. Das wissen sie genauso gut wie ich. Das Argument, ohne Religion gebe es keine Moral, kann niemand ernst meinen.
    1. Stammen größte ethische Errungenschaften der Kulturgeschichte nicht aus religiösen, sondern aus philosophischen Kreisen, 2. kann die Weltgeschichte unter Einfluss der großen Glaubensgemeinschaften nicht gerade als moralischer Totalerfolg begriffen werden. Lassen wir also, wortwörtlich, die Kirche bitte im Dorf.

    Das haben offensichtlich auch die Berliner vor. Mir ist recht schwer begreiflich, wieso nun der Senat (siehe FDP-Vorschlag) Schritte auf die "Pro-Reli"-Unterstützer zutun sollte. Ein Volksentscheid sollte seinen Namen verdienen und als Entscheid begriffen werden.

    Was Sie mit ihrer Fragenkaskade an der Gegenwart bemängeln, würde ich im übrigens inhaltlich nicht leugnen. Leider sind Mitleid, Solidarität und Sorge um den nächsten keine besonders weit verbreiteten Werte mehr. Es stellt sich aber die Frage, ob die intellektuelle Auseinandersetzung im Schulunterricht hierfür ausschlaggebend ist oder ob es nicht "stumme" Sozialisationsfaktoren sind, die sich hier Bahn brechen. Ich würde eindeutig für letzteres votieren und tiefer in unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit nachbohren als an der Stelle, wo die Wahl zwischen Religionsunterricht und Alternativen getroffen wird.

    • gquell
    • 27.04.2009 um 8:08 Uhr

    Es ist richtig erfrischend, wie religiöse Dogmatiker von den Berlinern ausgepunktet wurden. Zum einen durch eine extrem niedrige Wahlbeteiligung und zum anderen duch ihr Votum.
    Dogmatischer Religionsunterricht hat in öffentlichen Schulen einfach nichts zu suchen. Es ist schon schlimm, daß das in anderen Bundesländern der Fall ist. Wir sollten in Deutschland eine deutliche Trennung von Kirche und Staat haben.
    Was hat uns die Religion gebracht? Die kirchlichen Einrichtungen werden doch nicht etwa aus der Kirchensteuer finanziert, nein viele der "kirchlichen" Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Kindergärten, Seniorenheime, etc. werden in Wirklichkeit durch Steuergelder finaniert und damit meine ich nicht die Kirchensteuer. Die Verflechtung von Staat und Kirche ist gerade in Deutschland ziemlich groß (wer zieht die Kirchensteuer ein??). Da ist es gut, daß die Berliner sich gegen die religiöse Indoktrinierung der Kinder eingesetzt haben.

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    Viele reden hier immer von dogmatischem Religionsunterrricht. Der Religionsunterricht, den ich in meiner Schulzeit in Baden-Württemberg erlebt habe war keineswegs dogmatisch oder in irgend einer Form sendungsbewusst. Wir haben neben dem Christentum auch andere Religionen behandelt und über die Geschichte karitativer Einrichtungen wie der Diakonie usw. Und nun frage ich mich eben, woher es kommt, dass sich hier so viele negativ über Religion bzw. christlichen Religionsunterricht äußern. Wem hat der Lehrer oder Pfarrer denn was getan? Oder ist es einfach, die Lehre oder Glaube, der in denjenigen keinen Platz hat? Im Religionsunterricht geht es aber nicht um des Glauben, bzw. es wird nicht bewertet (wie auch?), sondern um Wissensvermittlung, Diskussion, Menschenbild usw.

    Dogmatischer Religionsunterricht hat in öffentlichen Schulen einfach nichts zu suchen.

    Da ist es gut, daß die Berliner sich gegen die religiöse Indoktrinierung der Kinder eingesetzt haben.

    Es gab vor dem Vorlksentscheid Religionsunterricht an Berliner Schulen, gibt ihn weiterhin und hätte ihn natürlich auch dann gegeben, wenn das Ergebnis umgekehrt gewesen wäre.

    Das Grundgesetz verhindert, dass jemand gegen seinen Willen und (bis zur Religionsmündigkeit) den seiner Eltern Religionsunterricht besuchen muss.

    In Berlin ging es im wesentlichen um die Frage, ob alle Schüler ab der siebenten Klasse Ethik besuchen müssen und der Besuch von Religion dadurch mit zusätzlichen Schulstunden zu Buche schlägt. Wobei die religiösen Fanatiker wohl größere Angst vor dem Inhalt Ethik als den Zusatzstunden für ihre Kinder haben. Ist ja auch mies, wenn der Nachwuchs merkt, dass man die Kirche nicht braucht, um sich wohl zu fühlen.

    Viele reden hier immer von dogmatischem Religionsunterrricht. Der Religionsunterricht, den ich in meiner Schulzeit in Baden-Württemberg erlebt habe war keineswegs dogmatisch oder in irgend einer Form sendungsbewusst. Wir haben neben dem Christentum auch andere Religionen behandelt und über die Geschichte karitativer Einrichtungen wie der Diakonie usw. Und nun frage ich mich eben, woher es kommt, dass sich hier so viele negativ über Religion bzw. christlichen Religionsunterricht äußern. Wem hat der Lehrer oder Pfarrer denn was getan? Oder ist es einfach, die Lehre oder Glaube, der in denjenigen keinen Platz hat? Im Religionsunterricht geht es aber nicht um des Glauben, bzw. es wird nicht bewertet (wie auch?), sondern um Wissensvermittlung, Diskussion, Menschenbild usw.

    Dogmatischer Religionsunterricht hat in öffentlichen Schulen einfach nichts zu suchen.

    Da ist es gut, daß die Berliner sich gegen die religiöse Indoktrinierung der Kinder eingesetzt haben.

    Es gab vor dem Vorlksentscheid Religionsunterricht an Berliner Schulen, gibt ihn weiterhin und hätte ihn natürlich auch dann gegeben, wenn das Ergebnis umgekehrt gewesen wäre.

    Das Grundgesetz verhindert, dass jemand gegen seinen Willen und (bis zur Religionsmündigkeit) den seiner Eltern Religionsunterricht besuchen muss.

    In Berlin ging es im wesentlichen um die Frage, ob alle Schüler ab der siebenten Klasse Ethik besuchen müssen und der Besuch von Religion dadurch mit zusätzlichen Schulstunden zu Buche schlägt. Wobei die religiösen Fanatiker wohl größere Angst vor dem Inhalt Ethik als den Zusatzstunden für ihre Kinder haben. Ist ja auch mies, wenn der Nachwuchs merkt, dass man die Kirche nicht braucht, um sich wohl zu fühlen.

    • wll
    • 27.04.2009 um 8:13 Uhr

    Ich kann mich meinen Vorkommentatoren nur anschliessen. Das Grundgesetz gebietet eine Trennung von Staat und Religion. Berlin handelt also nur konsequent, wenn es statt obligatorischem Religionsunterricht ein für alle Schüler verbindliches Fach vorsieht, in dem die für unsere Gesellschaft grundlegenden Werte und Verpflichtungen gelehrt werden. Denn diese sollen ja ebenfalls für alle Menschen in unserem Land gelten - ohne Ansehen ihrer Religionszugehörigkeit.

    Gleichzeitig wird jedem Schüler angeboten, bei Interesse (es soll ja auch areligiöse Menschen geben!) den Religionsunterricht seiner Konfession zusätzlich zu besuchen. Damit ist auch die verfassungsmässige Garantie der freien Religionsausübung, zu der ja auch das Erlernen ihrer Glaubensinhalte gehört, gewährleistet.

    In meinen Augen ist das eigentlich die Ideallösung. Niemand wird gegen seinen Willen gezwungen, sich mit einer Religion zu beschäftigen, jeder, der dies möchte, kann den jeweiligen Religionsunterricht besuchen und gleichzeitig wird allen Schülern einheitlich das fundamentale Wertegerüst unserer Gesellschaft vermittelt - das ja nicht immer zwangsläufig mit den Dogmen der einzelnen Religionen übereinstimmt.

    Wo also ist das Problem? Dabei setze ich natürlich voraus, dass die Inhalte des Ethikunterrichts ideologiefrei gehalten werden. Ethikunterricht in Form einer "Staatsbürgerkunde reloaded" würde ich jedenfalls entschieden ablehnen.

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    Die Frage ist halt: wer bestimmt den Inhalt des Ethikunterrichts, und wer stellt sicher, daß es keine "Staatsbürgerkunde reloaded" wird? Es ist die Verantwortung und auch das Recht der Eltern, ihren Kindern die eigenen religiösen, moralischen und ethischen Verhaltensnormen weiterzugeben, und die allermeisten Eltern in Deutschland (auch die muslimischen), tun das in guter, mit unserem Grundgesetz übereinstimmender Weise. Durch ein Pflichtfach Ethik sehe ich die Gefahr, daß dieses Recht eingeschränkt wird.

    Berlin handelt also nur konsequent, wenn es statt obligatorischem Religionsunterricht ein für alle Schüler verbindliches Fach vorsieht

    Zu keiner Zeit war - formal - irgendwo in der Bundesrepublik an öffentlichen Schulen Religion obligatorisch für die Schüler (nicht einmal für die Lehrer). Werfen Sie mal einen Blick ins Grundgesetz; Artikel 7 ist diesbezüglich sehr aufschlussreich.

    Die Frage ist halt: wer bestimmt den Inhalt des Ethikunterrichts, und wer stellt sicher, daß es keine "Staatsbürgerkunde reloaded" wird? Es ist die Verantwortung und auch das Recht der Eltern, ihren Kindern die eigenen religiösen, moralischen und ethischen Verhaltensnormen weiterzugeben, und die allermeisten Eltern in Deutschland (auch die muslimischen), tun das in guter, mit unserem Grundgesetz übereinstimmender Weise. Durch ein Pflichtfach Ethik sehe ich die Gefahr, daß dieses Recht eingeschränkt wird.

    Berlin handelt also nur konsequent, wenn es statt obligatorischem Religionsunterricht ein für alle Schüler verbindliches Fach vorsieht

    Zu keiner Zeit war - formal - irgendwo in der Bundesrepublik an öffentlichen Schulen Religion obligatorisch für die Schüler (nicht einmal für die Lehrer). Werfen Sie mal einen Blick ins Grundgesetz; Artikel 7 ist diesbezüglich sehr aufschlussreich.

  3. Spaetestens seit der Trennung von Kirche und Staat ist der Religionsunterricht in der Schule ein Relikt aus der Vergangenheit. Und schon ganz und gar als Pflichtfach. Es ist schon bezeichnend, das dennoch im Deutschland des 21.Jahrhunderts Volksentscheide initiiert werden koennen, die das Rad der Geschichte zurueckzudrehen versuchen. Hier wollte sich in Berlin eine politische Gruppierung profilieren, die zum Glueck derzeit und hoffentlich auch in Zukunft keine Akzeptanz bei den Berlinern geniesst.

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    • gauss
    • 27.04.2009 um 9:52 Uhr

    Das muss eine Demokratie nun einmal aushalten. Gleiches Recht für alle, das ist doch die Maxime der Linken?

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

    • gauss
    • 27.04.2009 um 9:52 Uhr

    Das muss eine Demokratie nun einmal aushalten. Gleiches Recht für alle, das ist doch die Maxime der Linken?

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

  4. ... ist das Programm, das sie in Form ihrer rhetorischen Fragen den Religionen - ich hoffe, da denken wir im Plural - zuschreiben, nicht. Das wissen sie genauso gut wie ich. Das Argument, ohne Religion gebe es keine Moral, kann niemand ernst meinen.
    1. Stammen größte ethische Errungenschaften der Kulturgeschichte nicht aus religiösen, sondern aus philosophischen Kreisen, 2. kann die Weltgeschichte unter Einfluss der großen Glaubensgemeinschaften nicht gerade als moralischer Totalerfolg begriffen werden. Lassen wir also, wortwörtlich, die Kirche bitte im Dorf.

    Das haben offensichtlich auch die Berliner vor. Mir ist recht schwer begreiflich, wieso nun der Senat (siehe FDP-Vorschlag) Schritte auf die "Pro-Reli"-Unterstützer zutun sollte. Ein Volksentscheid sollte seinen Namen verdienen und als Entscheid begriffen werden.

    Was Sie mit ihrer Fragenkaskade an der Gegenwart bemängeln, würde ich im übrigens inhaltlich nicht leugnen. Leider sind Mitleid, Solidarität und Sorge um den nächsten keine besonders weit verbreiteten Werte mehr. Es stellt sich aber die Frage, ob die intellektuelle Auseinandersetzung im Schulunterricht hierfür ausschlaggebend ist oder ob es nicht "stumme" Sozialisationsfaktoren sind, die sich hier Bahn brechen. Ich würde eindeutig für letzteres votieren und tiefer in unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit nachbohren als an der Stelle, wo die Wahl zwischen Religionsunterricht und Alternativen getroffen wird.

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    ..., dieser Begriff scheint mir denselben Sinn zu haben wie "schwarze Schimmel". Wie anders als durch Kommunikation entsteht denn Sozialisation?

    Viele Beiträge für die Zwangsethik, die keinen erkennbaren Inhalt hat, suggerieren, es gäbe so etwas wie Neutralität und Ausgewogenheit, und die Christen verträten genau das Gegenteil.

    Nein. Wir benennen unsere Grundlage, stehen dazu und wünschen uns, von dieser Grundlage aus Begegnungen mit anders denkenden und anders glaubenden Menschen zu fördern.

    Dafür lohnt es sich auch weiter zu arbeiten.

    ..., dieser Begriff scheint mir denselben Sinn zu haben wie "schwarze Schimmel". Wie anders als durch Kommunikation entsteht denn Sozialisation?

    Viele Beiträge für die Zwangsethik, die keinen erkennbaren Inhalt hat, suggerieren, es gäbe so etwas wie Neutralität und Ausgewogenheit, und die Christen verträten genau das Gegenteil.

    Nein. Wir benennen unsere Grundlage, stehen dazu und wünschen uns, von dieser Grundlage aus Begegnungen mit anders denkenden und anders glaubenden Menschen zu fördern.

    Dafür lohnt es sich auch weiter zu arbeiten.

    • bediko
    • 27.04.2009 um 8:28 Uhr

    Na, endlich mal eine positive Nachricht! Nach all dem Bankenkrach und Boni-Gezerre. Ich hatte schon an den Verstand der Menschen zu zweifeln begonnen. Vielleicht sollte ich doch nach Berlin ziehen?-- Hier noch ein spezieller Rat für alle Religionsanhänger: Wie wäre es mal mit einem Kinobesuch? Meine Empfehlung: Religilous!

    • Anonym
    • 27.04.2009 um 8:29 Uhr

    Nun kann man ja von der Religion halten, was man will.
    Dennoch fehlt in der Bundesrepublik offenkundig eine ideologische Richtung, etwas, an das man sich halten kann, ein Codex, nennen Sie es, wie Sie wollen.
    Faktisch haben wir darin versagt, unsere Vorstellung von Freiheit, Gleichheit und Solidarität in ein konkretes Wertesystem zu pressen und ihm damit Festigkeit und Beständigkeit zu geben. Während ein Muslim mit konkreten Vorstellungen, ein Buddhist mit zig Lehrmeistern, ein Kommunist mit Marx und Konsorten aufwächst, haben wir nichts und wieder nichts, auf das man sich berufen könnte.

    Dass der Religion der Laufpass gegeben wurde ist zu betrachten, wie man will, dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass wir weiterhin dem Nihilismus verfallen.

    Darüberhinaus noch eine Frage an ale jene, die sich hier besonders modern vorkommen: Glauben Sie die Menschen im 11. Jahrhundert wussten, dass sie im finsteren Mittelalter stecken? Kommen Sie mal auf den Boden der Tatsachen zurück, 1000 Jahre sind zu wenig für Evolution und wir sind keinen Deut schlauer als unsere Vorfahren.

    Salus Publica Suprema Lex

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    • colca
    • 27.04.2009 um 8:37 Uhr

    "Faktisch haben wir darin versagt, unsere Vorstellung von Freiheit, Gleichheit und Solidarität in ein konkretes Wertesystem zu pressen und ihm damit Festigkeit und Beständigkeit zu geben"

    Mit genügen dafür völlig die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, das Grundgesetz und das BGB. Darüber hinaus ist für alle existenziellen Fragen der Energieerhaltungssatz von Nutzen sowie der breite Strom europäischer und fernöstlicher philosophischer Denktradition.
    Nomadenkulte vorderasiatischer Machogesellschaften finde ich persönlich eher entbehrlich - aber das ist Geschmackssache.

    • colca
    • 27.04.2009 um 8:37 Uhr

    "Faktisch haben wir darin versagt, unsere Vorstellung von Freiheit, Gleichheit und Solidarität in ein konkretes Wertesystem zu pressen und ihm damit Festigkeit und Beständigkeit zu geben"

    Mit genügen dafür völlig die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, das Grundgesetz und das BGB. Darüber hinaus ist für alle existenziellen Fragen der Energieerhaltungssatz von Nutzen sowie der breite Strom europäischer und fernöstlicher philosophischer Denktradition.
    Nomadenkulte vorderasiatischer Machogesellschaften finde ich persönlich eher entbehrlich - aber das ist Geschmackssache.

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