Jahrelang schmückte sich Deutschland mit dem Titel Exportweltmeister – nun schlägt China mit seinen Ausfuhren die Produkte "Made in Germany". Doch in einer Kategorie liegt Deutschland weiter vor China: Beim Verkauf von Waffen und Rüstungsgütern. Nur die Supermacht USA und Russland führen noch mehr Kriegsgerät aus. Doch mit dem Titel "führender Exporteur des Todes" schmückt sich die hiesige Rüstungsindustrie nicht gern.

In den vergangenen fünf Jahren sind die deutschen Rüstungsexporte um 70 Prozent gestiegen – mehr als drei Mal so stark wie die weltweite Waffenausfuhr zwischen 2004 und 2008 insgesamt. Der globale Waffenhandel legte im gleichen Zeitraum um 21 Prozent zu. Die Zahlen stellte das Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI am Montag in einer Studie vor. Der Gesamtwert der deutschen Rüstungsexporte von 2004 bis 2008 bezifferte SIPRI auf 8,7 Milliarden Euro.

Da die Ein- und Ausfuhren von Waffen stark schwanken, präsentieren die schwedischen Wissenschaftler stets die Ergebnisse von fünf Jahren. Seit 1950 analysiert das Institut den globalen Rüstungsmarkt.

31 Prozent der weltweit verkauften Waffen stammen aus den USA. Fünf der sechs größten Hersteller von Flugzeugen, Panzern und Kriegsschiffe kommen aus Nordamerika. Boeing, Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics haben dort ihren Firmensitz.

Mit einem Viertel des Waffenhandels liegt Russland auf Platz zwei. Die bekannteste Schnellfeuerwaffe, die nach ihrem Erfinder Kalaschnikow benannte Ak-47, ist bei Sicherheitskräften ebenso beliebt wie bei Guerilla-Kommandos, Terroristen und Aufständischen.

Deutsche Rüstungsfirmen finden ihre Hauptabnehmer in der Türkei, Griechenland und Südafrika. In diesen Ländern sind besonders die Panzer vom Typ Leopard-2A4 und U-Boote gefragt. Auch in den Jahren 1999 bis 2003 lag Deutschland schon auf dem dritten Rang der größten Rüstungslieferanten, der Weltmarktanteil am Waffenhandel ist im letzten Fünfjahres-Zeitraum jedoch von sieben auf zehn Prozent gestiegen.

Aus Deutschland kommen einige der weltweit führenden Waffenproduzenten: Krauss-Maffei Wegmann baut und verkauft Panzer, ThyssenKrupp liefert Fregatten, Korvetten und U-Boote in die ganze Welt, EADS veräußert Kampfhubschrauber, Rheinmetall stellt Munition her, Diehl vertreibt Rüstungselektronik und Heckler & Koch führt Maschinenpistolen und Sturmgewehre aus.

Auf Platz vier und fünf der größten Waffenlieferanten liegen Frankreich und Großbritannien. Die Niederlande, die in der vorherigen Studie noch auf Platz fünf standen, haben weniger Waffen verkauft und liegen nun auf dem sechsten Rang vor Italien, Spanien und Schweden. Auffällig ist, dass europäische Staaten stark unter den Kriegsgeräte-Exporteuren vertreten sind.