Afghanistan "Viele Afghanen glauben, dass die Taliban am Ende gewinnen"

Die Bundeswehr muss in Afghanistan mehr Präsenz zeigen, sagt der Politologe Dietmar Herz. Er hat Kabul besucht und beschreibt die schlechte Sicherheitslage im Land

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Soldaten bewachen die deutsche Botschaft in Kabul. Auf das Gebäude wurde bereits ein Anschlag verübt

Der Politikprofessor Dietmar Herz hat gerade Afghanistan besucht, in Kabul Wissenschaftler und Politiker getroffen und im Süden mit Taliban-Sympathisanten gesprochen. Nun ist er in Islamabad um sich über die Situation Pakistan zu informieren. ZEIT ONLINE sprach mit ihm am Telefon. 

ZEIT ONLINE: Die Bundeswehr gerät in Afghanistan unter Druck. Taliban gehen mit Anschlägen und einer militärischen Offensive gegen deutsche Soldaten im Norden Afghanistans vor. Wie muss Deutschland darauf reagieren?

Dietmar Herz: Die Bundeswehr muss die Zivilbevölkerung besser beschützen. Das bedeutet auch mehr Präsenz auf den Straßen und einen schnelleren Ausbau der afghanischen Armee. Die Taliban versuchen in Gebiete vorzudringen, in denen sie bisher nicht so präsent sind. Das konnte man erst im Südosten beobachten. Dort war die Sicherheitslage zunächst gar nicht so schlecht, nun sind auch die Provinzen um Kabul herum zumindest von den Taliban mitbeherrscht.

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ZEIT ONLINE: Zurzeit fahren die Bundeswehrsoldaten vor allem in schwer gepanzerten Fahrzeugen durch das Land. Müssen sie wieder mehr auf die Bevölkerung zugehen?

Herz: Es hat keinen Sinn, sich in Festungen zu verschanzen. Das Gebiet um die Stützpunkte herum muss von der Bundeswehr kontrolliert werden. So setzt man die Soldaten einer größeren Gefahr aus, aber nur so kann man etwas ändern!

ZEIT ONLINE: Der Norden Afghanistans galt bis vor einem Jahr noch als weitgehend sicher. Wie kommt es, dass jetzt auch dort die Taliban stärker werden?

Herz: Gerade in Kundus gibt es viele Paschtunen und eine gewisse Unterstützung für die Taliban. Viele Afghanen widersetzen sich den Radikalen nicht mehr. Sie glauben, dass die Taliban langfristig gewinnen.

ZEIT ONLINE: Die Taliban hatten in weiten Teilen Afghanistan ein Schreckensregime etabliert, Frauen unterdrückt und Gegner öffentlich hingerichtet. Haben die Menschen das schon vergessen?

Herz: Es ist in den paschtunischen Gebieten eine Art Nostalgie entstanden: Unter den Taliban sei Afghanistan zwar international isoliert und die Zeiten seien wirtschaftlich schwierig gewesen, dafür hätten alle sicher gelebt und es habe Ordnung geherrscht. Heute wissen die Menschen nicht, ob sie den nächsten Tag erleben werden, das Gefühl der Unsicherheit breitet sich aus. Afghanistan irakisiert sich immer mehr.

ZEIT ONLINE: Die deutsche Bevölkerung wird immer wieder durch tödliche Anschläge daran erinnert, dass die Bundeswehr in Afghanistan an einem Krieg beteiligt ist. Wie lange werden die Deutschen den Einsatz akzeptieren?

Herz: Das hängt davon ab, wie die Politik die Mission erklärt. Die Regierung macht momentan zu wenig. Es scheint die Meinung zu herrschen: "Am besten reden wir nicht darüber". Der Einsatz in Afghanistan ist nur Thema, wenn es einen Anschlag gibt.

Leser-Kommentare
  1. fragen die Afghanen die Deutschen laut Autor Herz. Warum "wir" trotzdem doch noch nicht verhaßt sind, liegt an einem einfachen Grund:

    "Die Bundeswehr macht nämlich nichts."

    Eine Sternstunde des Qualitätsjournalismus, am 1.4.09 auf PHOENIX mit Video:
    http://www.phoenix.de/con...

    Peter Scholl-Latour:
    Die Probleme der Bundeswehr sind ganz andere. Sie hat ungeheure Probleme, aber es sind ganz andere, ja. Die Bundeswehr macht nämlich nichts.

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Nein, das ist ja auch nicht richtig...

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Natürlich, ich bin ja lange genug da gewesen, nicht wahr, also sie werden mir doch nicht erzählen, das man, wenn man dort´n paar Brücken baut und ´ne Schule...

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Herr Scholl-Latour, sonst könnte es ja nicht sein, daß die Bundeswehr auch Verletzte und Schlimmeres erleiden mußte.

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Entschuldigen Sie vielmals, vom Militär verstehe ich etwas! Wenn wir sieben Jahre lang ein Manöver gehabt hätten, mit scharfer Munition, wären die Verluste wesentlich höher gewesen als die Verluste die wir bisher, die beklagenswert sind, die bisher die Bundeswehr gehabt hat. Es hat drei Überfälle auf die Bundeswehr gegeben, es hat kein einziges Gefecht mit der Bundeswehr gegeben.

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Aber Herr Scholl-Latour, Sie müssen sich schon...Sie müssen sich schon deutlicher erklären. Wollen Sie, dass es eine stärkere militärische Option gibt oder wollen Sie das es eine stärkere zivile Option gibt?

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Nein, ich teile die Ansicht von Obama, die wird sehr bald sich hier auch durchsetzen, das man nämlich diesen Krieg nicht gewinnen kann. Die Deutschen sind noch nicht so weit.

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Ja aber dann muß ich doch sagen das wir eine andere Strategie verfolgt haben..verfolgt haben, die Bundesrepublik Deutschland hat sich ganz ausdrücklich zu ISAF bekannt, und ISAF ist eine..eine Armee die assistieren will.

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Aber die Bundeswehr ist nunmal nicht als wohltätige Organisation gedacht, sondern als Armee, dann soll man das Rote Kreuz reinschicken oder die Heilsarmee, aber man soll nicht eine Armee reinschicken.

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Aber der zentrale Vorwurf, wenn ich das sagen darf, von Herrn Gul ist ja, und da stimme ich ihm ausdrücklich zu: was wir nicht dulden können wäre, dass die Bundeswehr oder die Nato sich als Herrscher aufführen darf, das können wir nicht dulden und schon gar nicht als Besatzer. Und wenn das..wenn das..

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Aber das tut sie nicht, das behauptet ja keiner.

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    ... wenn das der Vorwurf ist, dann müssen wir darüber reden im deutschen Bundestag ob dieser Vorwurf zutrifft. Das kann nicht das Mandat sein das wir im deutschen Bundestag verabschiedet haben, das Mandat beruht ausschliesslich darauf, dass die .....

    Moderatorin:
    Aber das war auch glaub ich, das war ja nicht der Vorwurf. Sie haben das..das war ja nicht der Vorwurf.

    Kazan Gul, Afghanischer Aufbau:
    Ich würde dann fragen, die Herren: was hat die Bundesrepublik gezwungen, nach Afghanistan Soldaten zu schicken?

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Ganz einfach. Sie werden sich erinnern, im September 2001, was geschehen ist. Und in Afghanistan, gab es aus Afghanistan ausgehend, in Verknüpfung mit Hamburg und anderen Regionen und Städten dieser Erde, gab es einen Angriff auf das World Trade Center. Das war der Anfangspunkt und seither...

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Und das ist die große Lüge! Also will ich jetzt mal hier scharf werden. Es hat bisher keinen einzigen Afghanen gegeben, der ein
    internationales Attentat gemacht hat. Dieses Attentat war ein saudisches Attentat! Es haben nur Saudis daran teilgenommen! Die Leute sind auch nicht in Afghanistan ausgebildet worden, die Pilotenausbildung, die entscheidende, haben die in Amerka bekommen. Was da..es ist doch alles gelogen, was dort gewesen ist, auch, äh, sagen wir mal, diese..was ist denn Al Kaida? Al Kaida ist doch eine Schöpfung der Amerikaner gewesen, um gegen die Sowjetunion zu kämpfen.

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Aber dann hat ja der ganze Weltsicherheitsrat gelogen?

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Ja, tut er doch dauernd!

    Gerd Weisskirchen, SPD:
    Also..

    Peter Scholl-Latour, Journalist und Buchautor:
    Tut er doch dauernd, wie naiv sind Sie denn?!

    Kazan Gul, Afghanischer Aufbau:
    Natürlich, das ist doch selbstverständlich. Die Welt ist nicht mehr frei.

    WOW! Warum kann Fernsehen nicht immer so klar und informativ sein!
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • navy
    • 01.05.2009 um 17:24 Uhr

    Eines ist doch klar, das dieser Politologe Dietmar Herz Nichts kapiert hat! Aber es zeigt das heutige Niveau der angeblichen Experten und Politiker!

    • navy
    • 01.05.2009 um 17:30 Uhr

    Warum wurde nicht Saudi Arabien besetzt, denn die Attentäter kommen ja von dort und Prinz Turku, was einer der maßgeblichen Financiers des 11.9.01 und der CIA Partner ISI der Pakistanische Geheimdienst der Organisator. Warum befrägt man zum Thema nicht mal den Richard Perle und den [...] Henry Kissinger!

    [Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • navy
    • 01.05.2009 um 17:24 Uhr

    Eines ist doch klar, das dieser Politologe Dietmar Herz Nichts kapiert hat! Aber es zeigt das heutige Niveau der angeblichen Experten und Politiker!

    • navy
    • 01.05.2009 um 17:30 Uhr

    Warum wurde nicht Saudi Arabien besetzt, denn die Attentäter kommen ja von dort und Prinz Turku, was einer der maßgeblichen Financiers des 11.9.01 und der CIA Partner ISI der Pakistanische Geheimdienst der Organisator. Warum befrägt man zum Thema nicht mal den Richard Perle und den [...] Henry Kissinger!

    [Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  2. Man lese sich einmal auf dem wikipedia-Artikel zu Taliban durch, was diese Fanatiker alles verbieten! Moderate Taliban - ist das nicht eine contradictio in adiecto? So, wie "moderate Nazis"? Und trotzdem haben die westlichen Alliierten jemanden wie Kiesinger gewonnen, einen Nazi, der aber als Bundeskanzler westliche Politik gemacht hat. Kann man nun Taliban und Nazis vergleichen? Weil beide gegen die westliche Dekadenz sind? Mir fehlt es an Erfahrung. 1958 geboren kenne ich die Nazizeit nicht durch eigenes Erleben. Und ich war noch nie in Afghanistan. Dietmar Herz war aber dort. Er meint, moderate Taliban gibt es. Also glauben wir ihm!

  3. Die Begriffe Sieg oder Niederlage sollten bei militärischen oder polizeilichen Sicherheitskräften aus dem Fachvokabular gestrichen werden, da die Definition, was als Sieg oder Niederlage zu betrachten sei, in einer pluralistischen oder auch multikulturellen Gesellschaft kaum bestimmbar ist. Weder die Regierung in Deutschland oder in den USA kann sich ethisch darauf festlegen, Gutes zu wollen. Die Zeiten einer positiven Wertorientierung sind vorbei, weil eine solche demokratische und ethische Gesinnung heutzutage nicht durchsetzbar ist. So fehlt dem Militäreinsatz selber der klare geistige Überbau, was den Glauben an die Durchsetzungskraft der westalliierten Streitkräfte mindert. So wird man die politische Situation in Afghanistan pragmatisch so nehmen müssen, wie sie kommt. Die Ungereimtheiten in den Ministerien für Inneres und dem für Verteidigung häufen sich und der (noch) Bürger fragt sich, wieso man Militäreinsätze am Hindukusch billigt, sich aber die eigenen Handelsschiffe von Piraten rauben lässt. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind nicht verlustfrei zu erwerben. Ganz selbstverständlich ist es geworden, dass Versammlungen verboten werden, wenn Widerstand von Gegnern zu erwarten ist. Und mit dieser Einstellung will man dann in anderen Ländern Kriege führen - das ist absurd. So wartet mancher darauf, dass sich der Verteidigungsminister Jung mit einem Gesamtkonzept täglich in die Pressekonferenzen einbringt - nur von politischer Seite ist Schweigen im Walde. Wer trotz allem in der Kategorie einer politischen Befriedung in Afghanistan denkt, der sollte sich über den Aufwand nicht täuschen und einmal ausrechnen, was eine Besetzung des Landes an Truppenstärke fordert. Letzten Endes stellt der hierzulande feststellbare Mangel der Bürgerbeteiligung an konkreten politischen Entscheidungen einen Systemmangel dar, der zu diffusen Entscheidungen führt.

  4. Die deutschen Politiker und auch die BW handeln nach dem Motto: TEAM

    (toll, ein anderer machts ).

    Es reicht den deutschen Bürger ins Steinzeitalter zurück zu führen und ihn zu verarmen.

  5. ...das hört sich ja fast so an, als sähen sich die Afghanen als Zuschauer im Streit zwischen Taliban und Rest der Welt.

    Wenn es den Afghanen selbst egal ist wer ihr Land beherrscht, dann sollten wir uns schleunigst empfehlen. Anderenfalls sollten die Afghanen aktiv zeigen, wonach ihnen der Sinn steht, und wir unterstützen sie maximal dabei, ihre Ziele selbst zu erreichen.

    Wie sagt Maria Montessori so schön: "Hilf mir es selbst zu tun"

    Und Herrn Jung kann man nur dringend empfehlen wieder als Bursche von Herrn Koch Dienst zu tun. Mit einem Ministeramt ist er offenbar überfordert.

    • navy
    • 01.05.2009 um 17:24 Uhr

    Eines ist doch klar, das dieser Politologe Dietmar Herz Nichts kapiert hat! Aber es zeigt das heutige Niveau der angeblichen Experten und Politiker!

    • navy
    • 01.05.2009 um 17:30 Uhr

    Warum wurde nicht Saudi Arabien besetzt, denn die Attentäter kommen ja von dort und Prinz Turku, was einer der maßgeblichen Financiers des 11.9.01 und der CIA Partner ISI der Pakistanische Geheimdienst der Organisator. Warum befrägt man zum Thema nicht mal den Richard Perle und den [...] Henry Kissinger!

    [Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  6. Mit diesem Völkergemisch an Natotruppen, wo jeder in seinem Bezirk unflexiebel seine Suppe kocht kann nichts gehen. Die Natogeneräle gehören abgesetzt, wenn sie nicht in der Lage sind eine gemeinsame Strategie und damit auch verbundene Schwerpunkteinsätze zu deligieren, da kann ich leider nur militärisch antworten: "Scheißhaufen!"

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