Da staunt der Chef Was tun gegen anzügliche Witze?
Der neue Kollege protzt mit sexistischen Witzen. Das nervt - und es verletzt. Was kann man tun? Die Kolumne zum Arbeitsrecht weiß Rat.

© spacejunkie/photocase.de
Zum Lachen? Belästigung am Arbeitsplatz durch peinliche Witze
Wir haben vor einigen Monaten einen neuen Kollegen bekommen, der mich mit Bemerkungen und Witzen, die sexuellen Charakter haben, belästigt. Muss ich mir das bieten lassen?
fragt Carina Gehrmann
Sehr geehrte Frau Gehrmann,
Der Grat zwischen scherzhaften Sprüchen oder Handlungen und sexueller Belästigung kann sehr schmal sein. Zwar sind die Regeln in Deutschland nicht so streng wie in den USA, aber auch hier gibt es sie.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) definiert sexuelle Belästigung als ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten. Dazu zählen nach dem Gesetz unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen. Das Gleichbehandlungsgesetz sanktioniert diese Tatbestände, da sie die Würde der betreffenden Person verletzen oder ein feindliches Umfeld schaffen können.
Geringfügige Eingriffe scheiden jedoch aus; hier gibt es einen klaren Unterschied zur Praxis in den USA. Hierzulande muss es sich um ein unerwünschtes Verhalten mit einer gewissen Intensität handeln. Zudem stellt jedes einschlägige Verhalten, das im Einvernehmen mit dem anderen erfolgt, keine sexuelle Belästigung und somit auch keine Benachteiligung im Sinne des AGG dar.
Aus Ihrer Frage geht nicht eindeutig hervor, ob Sie sich und wie Sie sich gegen dieses Verhalten wehren. Einvernehmen herrscht meist dann, wenn Sie beispielsweise dem Handelnden gegenüber nicht zu erkennen geben, dass Sie sein Verhalten ablehnen. Diese Ablehnung muss nicht durch Worte geschehen, sondern kann auch nonverbal ausgedrückt werden. Das muss aber für den Belästiger erkennbar sein.
- Datum 07.05.2009 - 15:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Was soll man dagegen tun?
Anzügliche Witze mit eben diesen, unter umgekehrtem Vorzeichen, erwidern. Ich bin sicher, daß jede Frau im Internet fündig wird, in der Lage ist, ein paar von Anti-Männer-Witzen auswendig zu lernen und sie im geeigneten Moment loszuwerden.
Von rechtlichen Schritten oder emotionalen Betroffenheitsbekundungen kann ich nur abraten. Atmosphärisches kann man nur auf der Ebene in den Griff kriegen, auf der es stattfindet. Empörter Betroffenheitsgestus bringt den Ruf der humorlosen Spaßbremse ein oder prädestiniert gar zum Opfer; rechtliche Schritte gefärden den eigenen Arbeitsplatz - schließlich dürfte der Chef erfahrungsgemäß selber über derlei Witze lachen... Und schon ist der Betriebsfriede gestört, insbesondere in männerdominierten Betrieben. Wen trifft es da, wenn personaleinsparende Entlassungen vor der Tür stehen? Genau.
Kurz und gut: Recht haben und Recht kriegen sind zweierlei Dinge. Auf juristische Berater, die die Wirklichkeit ausblenden, sollte man jedenfalls nicht hören.
Wer nicht kämpferisch aufgelegt ist, was man in der heutigen Arbeitswelt sein muß, um zu überleben, kann auch versuchen, diesen Kollegen weiträumig zu meiden und eine diesen Kerl ablehnende Unterstützergemeinschaft zu stiften. Wenn keiner mehr über die dämlichen Witze lacht, ist jener der Isolierte. Und wird sehr schnell auf diese Situation reagieren. Denn diese im Kern unsicheren Macho-Typen trauen sich nur, die Sau rauszulassen (manchmal glauben sie auch, so etwas werde von ihrem Umfeld erwartet), wenn sie auf Resonanz stoßen.
sollten Sie nicht tun, denn damit machen Sie das Verhalten, das Sie stört, erst hoffähig. Schweinereien reißen nur allzu leicht ein. Ein Zurück gibts dann nicht mehr. Also ganz klar und offen gegensteuern. Natürlich sollten Sie auch nicht überempfindlich reagieren, denn sonst gelten Sie vielleicht zurecht als prüde Spaßbremse.
Klar ist, daß der Gang zum Chef oder gar vor Gericht das Klima zwischen den Betroffenen unwiderruflich zerstört. Die Folge ist meist unweigerlich die Versetzung einer der betroffenen Parteien, weil eine produktive Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Nicht selten sind es aber die Geschädigten, die aus eigenem Wunsch oder aus Betriebsnotwendigkeit nach einem Eklat den Platz räumen.
Was also tun ?
Der Artikel weißt darauf hin, daß der erste Schritt bei sexueller Belästigung / Mobbing das offene Gespräch mit dem / den Übeltäter(n) sein muß, damit der Tatbestand des "Einvernehmens" ausgeschlossen werden kann.
Die Art und Weise, in der Betroffene ihre Ablehnung ausdrücken können, basiert auf dem Umfeld und den Persönlichkeiten der Betroffenen.
Unter Fleischfachverkäufern gelten andere Umgangsformen als im Finanzamt. Das liegt nicht unwesentlich daran, daß Beamte anders geschult sind und ihnen andere Angriffs- und Verteidigungsmittel zur Verfügung stehen.
Verbal Gegenhalten kann funktionieren oder für Eskalation sorgen. Physisches Ausweichen kann das Problem einschläfern (man sieht sich ja nur in der Kantine); oder es kann überhaupt gar nicht erst möglich sein (nebeneinander an der Werkbank).
Zur Zweischneidigkeit eine Anekdote. Frau klagte wegen sexueller Belästigung gegen hierarchisch gleichgestellten Kollegen. Mann klagt dagegen - auch wegen sexueller Belästigung, denn er hatte mehrfach unter Zeugen Frau daraufhingewiesen, daß diese sich unsittlich leicht bekleidet im Betrieb bewege. Gericht entscheidet, daß Frau sich sittlicher zu kleiden hat und daß die sexuelle Belästigung von Mann zu unterlassen sei. In der Reihenfolge !
Wieviel hat Frau da wohl gewonnen ?
Aber was macht man eigentlich, wenn (Thema war eine unbeliebte Politkerin) die unverheiratete Kollegin im Beisein eines verheirateten Kollegen behauptet, dass Männer nur dumme Frauen heiraten wollen?
"Na da wunder ich mich aber, dass Sie noch nicht in Heiratsanträgen ertrinken"? ;)
"Na da wunder ich mich aber, dass Sie noch nicht in Heiratsanträgen ertrinken"? ;)
"Na da wunder ich mich aber, dass Sie noch nicht in Heiratsanträgen ertrinken"? ;)
Zu TDU: Wie wärs wenn Sie erwidern, dass Sie leider ihre Kollegin erst zu spät kennengelernt haben, ne?
Meine Meinung zum Thema: Nicht mit sexistischen Männerwitzen kontern.
Das Gespräch suchen, entweder unter vier Augen oder nach dem Witz, sofort ernst sagen, dass es langsam reicht und die sexistischen Andeutungen zu unterlassen sind.
Denn: Kontert man mit Männerwitzen, heißt das entweder:
Man findet die Bemerkungen in Ordnung, oder
man erlebt ein Gegenangriff, den man nicht abwehren kann, sei es durch mehr sexuelle Anspielungen oder aber indem andere Kollegen denjenigen unterstützen, dagegen ist man noch weniger gewappnet.
Mein Fazit: Einzige Möglichkeit, klar die Meinung sagen, dass einem das nicht gefällt, denn
a) ansprechen muss man es, bevor man damit zum Chef geht
b) wenn man als Spaßbremse gilt, dann wird man auch keine Witze mehr darüber machen
c) falls er es nicht einsieht, könnte man auch mal auf seine beschränkte Kommunikationsfähigkeit eingehen
d) er kann Sie auch nur testen wie weit Sie es sich gefallen lässt
e) es gibt auch Männer die es ohne weiters akzeptieren
f) den Psychologen aufsuchen und lernen mehr Selbstbewusstsein auszustrahlen
g) wenn alles nicht hilft: Fragen Sie ihn mal, warum Er das tut, und wenn er sagt: nur so oder aus Spaß, dann Kopf schütteln mit angewiderten Gesichtsausdruck, ein Monat ignorieren, wenn er mit solchen Andeutungen kommt, und dann gibt Er meist von selbst auf, gilt auch für Frauen.
Egal was man tut, der/ie Kollege/in neigt oft dazu den anderen hinter dem Rücken anzuschwärzen, also das mit einkalkulieren.
Ein wenig Schlagfertige Argumente bringen meiner Erfahrung nach sowohl Männlein, als auch Fräulein aus dem Takt, ausprobieren.
(entfernt. Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)
Frauen sind öfters sexistischer als die Männer. Und mich stört dies überhaupt nicht...
Sehr geehrter Gyaur,
wir haben Ihren Kommentar nicht moderiert, wollen aber dem Arbeitsrecht-Ratgeber folgen und dazu kurz etwas schreiben: Ihr Kommentar ist streng genommen gleich im doppelten Sinne als sexistisch interpretierbar.
Wenn Sie auf Stereotypisierungen wie "alte Jungfern" verzichten könnten und dazu Ihre These "Frauen sind öfters sexistischer als Männer" mit ein paar mehr Belegen als der blanken Aussage unterfüttern könnten, wäre einer sachbezogenen, hoffentlich unsexistischen Debatte der Weg geebnet.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Sehr geehrter Gyaur,
wir haben Ihren Kommentar nicht moderiert, wollen aber dem Arbeitsrecht-Ratgeber folgen und dazu kurz etwas schreiben: Ihr Kommentar ist streng genommen gleich im doppelten Sinne als sexistisch interpretierbar.
Wenn Sie auf Stereotypisierungen wie "alte Jungfern" verzichten könnten und dazu Ihre These "Frauen sind öfters sexistischer als Männer" mit ein paar mehr Belegen als der blanken Aussage unterfüttern könnten, wäre einer sachbezogenen, hoffentlich unsexistischen Debatte der Weg geebnet.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Danke für die humorvollen Repliken auf meinen Kommentar. Zum Chef würde ich allerdings mit sowas niemals gehen.
Zum Thema noch allgemein: Immer mit den "Sekundärtugenden" und dem Grundsatz: Ein Gentleman weiss vor allem das, was man nicht tut, dann klappt das schon, nicht nur im Job sondern überall. Trotz der Gefahren, die im Bereich "Sexualität" auch bei Beachtung dieser Grundsätze in erster Linie von verklemmten und voreingenommenen Weltbildern ausgehen können, die allzugerne ihre Möglichkeiten nutzen...
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