Magie in der Premier League "Jens Lehmann ist ein Fan meiner Zauberkunst"

Marvin Berglas ist der erste Magier der Premier League. Beim FC Arsenal gehört er quasi zum Inventar. Ein Gespräch über neureiche Fans und die Vorzüge eines Zauberers

Marvin Berglas umringt von den Spielern des FC Arsenal

Marvin Berglas umringt von den Spielern des FC Arsenal

Er hat einen der exklusivsten Arbeitsplätze im englischen Fußball: Der weltbekannte Profi-Zauberer Marvin Berglas, 50, tritt vor den Spielen des FC Arsenal mit seinen Kunststücken im Londoner Emirates Stadium auf. Mit einem Schuss britischem Humor unterhält Berglas die gut betuchten Fans der "Gunners" in den VIP-Restaurants der 60.355 Zuschauern Platz bietenden Arena.

ZEIT ONLINE: Mister Berglas, wie fühlt es sich an, für den eigenen Lieblingsklub zu zaubern?

Marvin Berglas: Es ist ein absolutes Vergnügen. Ich bin seit meiner Kindheit Fan des FC Arsenal, und an den Spieltagen im Stadion mitwirken zu können, ist für mich einfach großartig. Ich genieße das sehr.

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ZEIT ONLINE: Wie kam es zu Ihrem Engagement beim FC Arsenal?

Berglas: Irgendwie hat man mich bei Arsenal wohl schon länger gekannt. Nachdem ich 1993 die Idee hatte, für den Verein vor den Spielen im VIP-Bereich zu zaubern, sprach ich mit den Verantwortlichen. Seitdem gehöre ich quasi zum Inventar. Ich war der erste Magier in der Premier League. Im alten Arsenal Stadium in Highbury gab es nur Platz für 250 Leute, und ich musste mich oft auf eine standardisierte Show für die Hauptsponsoren beschränken. Seit dem Umzug ins Emirates Stadium vor gut drei Jahren trete ich in vier Stadion-Restaurants vor bis zu 6000 Gästen auf.

ZEIT ONLINE: Wie sehr ist Ihre Show auf den FC Arsenal zugeschnitten?

Berglas: Ich habe mehrere Programme, von denen eines speziell für Arsenal konzipiert ist. Ich verbinde dabei Zahlen und Fakten mit meiner Magie. Mein Wissen über den Klub hilft mir dabei sehr.

ZEIT ONLINE: Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie bei Arsenal aus?

Berglas: Normalerweise bin ich zwei bis drei Stunden vor dem Spiel im Stadion. Die Show dauert in der Regel bis zu zwei Stunden. Für jedes Spiel lasse ich mir spezielle Arsenal-Tricks einfallen.

ZEIT ONLINE: Verraten Sie uns ein paar?

Berglas (lacht): Nein, die sind streng geheim. Aber ich darf sagen, dass Illusion, Comedy, Karten- und Münzentricks Elemente meiner Show sind. Die Komik entwickelt sich dabei meistens während der Show, im Dialog mit den Fans. Manche fragen mich vorab nach dem Ergebnis oder auch, ob ich ihre Frauen verschwinden lassen kann.

ZEIT ONLINE: Was sagen Arsenals Stars, etwa Cesc Fabregas, Robin van Persie, über Ihre Arbeit?

Berglas: Nachdem die Spieler von meinen Auftritten gehört hatten, traf ich sie bei vielen Gelegenheiten. Ich habe für die Arsenal-Spieler im Stadion, aber auch bei der Weihnachtsfeier und bei Fototerminen gezaubert. Cesc Fabregas und Robin van Persie haben sogar einen Auftritt in der Arsenal-Kabine arrangiert, um damit dem Physiotherapeuten Colin Lewin eine Freude zu machen.

ZEIT ONLINE: Das klingt nach familiärer Atmosphäre.

Berglas: In der Tat. Ich muss sagen, dass ich mit den Jahren sehr viele Arsenal-Spieler kennen- und schätzen gelernt habe.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Berglas: Oh, es sind so viele. Anders Limpar (96 Spiele für Arsenal zwischen 1990 und 1994, d. Red.) ist ein sehr guter Freund geworden. Thierry Henry hat mich gefragt, ob ich meine Zauberei auch in Barcelona zeigen würde. Ich habe sehr viele Erinnerungen an Arsenal und seine Spieler.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch für Arsenals ehemaligen Torhüter Jens Lehmann gezaubert?

Berglas: Ja, Jens ist ein großer Fan meiner Zauberkunst.

ZEIT ONLINE: Jens Lehmann gilt in Deutschland eher als ein nüchterner Typ.

Berglas: Wirklich? Das kann ich nicht unbedingt sagen. Ich habe für Arsenal gezaubert, als Jens Lehmann mit dem Team 2005 englischer Pokalsieger wurde. Er hat die Show sehr genossen. Ich habe auch für Michael Ballack gezaubert – bei einer Party von Chelsea-Star Frank Lampard. Die Zauberei hat mir sehr viele Türen geöffnet.

ZEIT ONLINE: Was war dabei Ihr witzigstes Erlebnis?

Berglas: Als Arsenal 1994 in Kopenhagen gegen den AC Parma den Europapokal der Pokalsieger gewann, habe ich im Flugzeug für das Team gezaubert, und Tony Adams hat mich einen Schluck aus dem Pokal trinken lassen.

ZEIT ONLINE: Die Fans des FC Arsenal gelten als vornehm und zurückhaltend. Ein Publikum, vergleichbar mit dem in einem Opernhaus. Haben die Anhänger der "Gunners" diesen Ruf zu Recht? Werden die echten Fans durch die hohen Preise nicht langsam vom Fußball ausgeschlossen?

Berglas: Für mich ist augenfällig, dass die Leute in den Stadionbereichen, in denen ich arbeite, zu 90 Prozent echte Fans sind. Manche sind Geschäftsleute, die ihre Kunden mitbringen. Arsenal im Stadion zu sehen ist teuer, das ist richtig, aber am Ende des Tages ist Fußball auch Entertainment. Es ist wichtig, dass sich die Leute beim Fußball wohlfühlen. Dazu gehört auch hochklassige Unterhaltung abseits des Spielfelds, und ich habe das Privileg, den Fans diesen Spaß zu bieten.

ZEIT ONLINE: Stellen Sie sich vor, Sie könnten Arsenal mit Ihrer Magie zu einem Titel verhelfen. Welchen würden Sie wählen?

Berglas: Jeder Titel hat seinen eigenen Zauber. Aber wenn ich wählen könnte, würde ich mich auf einen fliegenden Teppich setzen und zurück in die 1970er Jahre, in meine Kindheit gehen, als der FC Arsenal große Erfolge feierte (u.a. englischer Double-Gewinner 1971, d. Red.). Und dann würde die Reise weitergehen: zum Gewinn der Champions League 2009. Aber dafür brauchen wir gegen Manchester United auch ein bisschen Magie.

Die Fragen stellte Carsten Germann.

 
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