Ausländerstudium Wer darf rein?
Zehntausende aus aller Welt kommen zum Vollstudium nach Deutschland - und scheitern. Wie qualifiziert sollen Bewerber sein? Die Bildungspolitik hat keine Antwort

© picture-alliance/ ZB
Studenten aus China in Deutschland: Viele brechen ihr Studium ab
Vor neun Jahren kam der Chinese Chunxian Li* zum Studium nach Deutschland. Nach Vorkursen und 14 Semestern machte er im vorigen Jahr an einer Fachhochschule seinen Abschluss als Diplom-Kaufmann. In einem Hamburger Reisebüro trat er im Anschluss eine Stelle als Sachbearbeiter an. Seit Januar ist er arbeitslos, sein Arbeitgeber baute im Zuge der Wirtschaftskrise Stellen ab.
27.000 Chinesen studieren derzeit in Deutschland. Es gibt natürlich schönere Beispiele für chinesische Bildungskarrieren in Deutschland, aber auch noch weniger erfolgreiche, denn viele bringen ihr Studium erst gar nicht zu Ende. Alle Einzelfälle sind, statistisch gesehen, reiner Zufall. Jedes Jahr kommen 50.000 Studienanfänger mit heimischen Zeugnissen, die praktisch aber keine Erfolgsprognose für ein Studium im Lande Humboldts abgeben. Vier oder fünf Jahre später hat nach bisherigen Erfahrungen nicht einmal die Hälfte einen Abschluss.
Experten wollen diese Schieflage mit grundlegenden, aber deshalb bislang kaum umgesetzten Reformvorschlägen korrigieren. So plädiert die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) schon seit 2002 für besondere Tests der Studierfähigkeit bei ausländischen Bewerbern. Gleichzeitig empfahlen die Leiter der Akademischen Auslandsämter: "Bewerber mit Kenntnisdefiziten, die durch ein Studienkolleg erst noch überwunden werden müssen, sollten nicht mehr zugelassen werden."
Dementsprechend schließt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, der dichtesten Hochschulregion in ganz Europa, in diesem Jahr ihre sieben Kollegs. Diese boten bislang gebührenfreie Pflichtkurse für Kandidaten, deren heimisches Schulpensum (angeblich) nicht für die deutsche Hochschulreife reicht. Das sind beispielsweise die Schulabgänger aus den USA, Russland, China sowie aus praktisch allen Entwicklungsländern. "Wir wollen ein Ausländerstudium von ausreichend vorqualifizierten Bewerbern anstatt eines zweiten Bildungswegs, der nur entwicklungspolitisch motiviert ist", bekräftigte Volker Ronge für die nordrhein-westfälischen Rektoren an Rhein und Ruhr vor dem Landtag.
Kein anderes Bundesland macht die Politik NRWs bislang mit. Um im globalen Bildungswettbewerb zu bestehen, "müssen wir die Zahl der internationalen Nachwuchstalente nicht erst auf der Ebene der Doktoranden, sondern vielmehr verstärkt schon in der Undergraduate-Ausbildung steigern", erklärt etwa Joachim Treusch, der Präsident der Jacobs University Bremen. "Wir bieten mit dem Studienplatz zugleich ein Zuhause im College und ein umfangreiches Service-Angebot. Das fördert die soziale Integration", so Treusch.
- Datum 05.05.2009 - 14:56 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Für australische, britische und US-amerikanische Universitäten ist das Ausländerstudium ganz selbstverständlich ein gewinnbringendes Education Business mit Selbstzahlern. "Nur bei uns in Deutschland ist Bildungswirtschaft herkömmlich noch tabu", bemerkt ein Wegbereiter, der lieber ungenannt bleiben möchte.
Bildungswirtschaft wird in Deutschland schwierig werden. Hier in Grossbritannien betragen die Studiengebuehren fuer Nicht-EU Buerger etwa 20.000 Euro pro Jahr. Deutsche Unis koennen diese Gebuehren nur verlangen wenn auch international konkurrenzfaehige Leistungen erbracht werden. Dazu gehoeren ein gutes Betreuungsverhaeltnis Professoren:Studierende (z.B. 1:20 statt 1:60), Englisch als Wissenschaftssprache und gute Forschung (nur 11 deutsche Unis sind in den weltweiten Top 200 und auch dort nur ab Platz 57).
Bevor Bildungswirtschaft also Gewinne bringt, waeren massive Investitionen in deutsche Unis noetig. Statt aber mehr Personal fuer Lehre und Forschung (Professuren) einzustellen hat die Exzellenzinitiative 4000 neue Doktorandenstellen geschaffen...
Ich bin immer irritiert über das ausgesprochene Sendungs- und Mitteilungsbedürfnis der sog. "Auswanderer" die zwar stets über die alte Heimat viel schlechtes zu sagen haben aber dann doch nicht davon "los" kommen. Im Übrigen wandern aus Großbritannien im Jahr in absoluten Zahlen erheblich mehr Bürger aus (360.000) als aus Deutschland (145.000), obwohl in absoluten Zahlen die Einwohnerzahl von UK erheblich geringer als jene der BRD ist. Als Hauptgründe nennen die Briten das Wetter, die bessere Lebensqualität und die Lebenshaltung; Hauptziele sind Australien, Spanien und Kanada. Klingt schon sehr nach Deutschland, soviel zum angeblichen "Ausnahmefall Deutschland" während im Rest Europas der Garten Eden ausgebrochen ist.
Dennoch gibt es auch bei diesem Thema nicht "Deutschland" als großes homogenes Ganzes sondern Regionen die höchst unterschiedlich aufgestellt sind.
Das Betreuungsverhältnis an vielen bayrischen Hochschulen beträgt 17zu1 bis 24zu1, es gibt alleine um München herum ein riesiges Forschungscluster mit weltweit einmaligen Einrichtungen wie dem Forschungsreaktor Garching. Die Forschung findet in "Deutschland" zudem traditionell weniger an Universitäten und in erster Linie in den Forschungsgemeinschaften statt. Fraunhofer, Helmholtz, Max Planck, Leibniz. Jedes Land hat seine eigene Bildungstradition und da gibt es keinen angelsächsischen Standard an dem sich alles zu meßen habe. Ich bin übrigens geborener US Staatsbürger, und ich weiss warum ich "trotzdem" lieber in Deutschland bzw. Bayern meine Ausbildung genoß und lebe.
Ich bin immer irritiert über das ausgesprochene Sendungs- und Mitteilungsbedürfnis der sog. "Auswanderer" die zwar stets über die alte Heimat viel schlechtes zu sagen haben aber dann doch nicht davon "los" kommen. Im Übrigen wandern aus Großbritannien im Jahr in absoluten Zahlen erheblich mehr Bürger aus (360.000) als aus Deutschland (145.000), obwohl in absoluten Zahlen die Einwohnerzahl von UK erheblich geringer als jene der BRD ist. Als Hauptgründe nennen die Briten das Wetter, die bessere Lebensqualität und die Lebenshaltung; Hauptziele sind Australien, Spanien und Kanada. Klingt schon sehr nach Deutschland, soviel zum angeblichen "Ausnahmefall Deutschland" während im Rest Europas der Garten Eden ausgebrochen ist.
Dennoch gibt es auch bei diesem Thema nicht "Deutschland" als großes homogenes Ganzes sondern Regionen die höchst unterschiedlich aufgestellt sind.
Das Betreuungsverhältnis an vielen bayrischen Hochschulen beträgt 17zu1 bis 24zu1, es gibt alleine um München herum ein riesiges Forschungscluster mit weltweit einmaligen Einrichtungen wie dem Forschungsreaktor Garching. Die Forschung findet in "Deutschland" zudem traditionell weniger an Universitäten und in erster Linie in den Forschungsgemeinschaften statt. Fraunhofer, Helmholtz, Max Planck, Leibniz. Jedes Land hat seine eigene Bildungstradition und da gibt es keinen angelsächsischen Standard an dem sich alles zu meßen habe. Ich bin übrigens geborener US Staatsbürger, und ich weiss warum ich "trotzdem" lieber in Deutschland bzw. Bayern meine Ausbildung genoß und lebe.
Schilderungen aus der Wirklichkeit.
Vor etlichen Jahren hatte ich ein Engagement bei einer Düsseldorfer Firma mit anschließendem Auslandeinsatz (China). Bei der Firma hatte man einen chinesichen Dipl-Ing eingestellt, der in Jülich ein Elektronikstudium mit 1.0 , 1.0 abgeschlossen hatte. Leider war er nicht in der Lage auch nur eine einzige HTML - Website zu gestalten, geschweige denn die Organisation für diese Killefizaufgabe durchzuführen. Wie konnte er sein Studium mit 1/1 abschließen? Nun er hat sich bei Studienbeginn einen Prof. ausgesucht, dessen zwei oder drei Bücher auswendig gelernt und genau das erarbeitet, was in diesen Büchern als der Weisheit letzter Schluss bekannt gegeben worden war ... und so hat er eben auch seine Prüfung gestaltet. BESTANDEN!
In China hatte ich einen chinesischen Kollegen (dipl.-Ing Informatik & Elelektonik!!!), dem ich eine kleine Aufgabe übertrug, Messwete aus einem LASER - Interferometer formatiert in eine Datei zu schreiben, da ich zu einer Besprechung musste. Er setzte sich vor die Kiste, legte die Finger auf die Tastatur; ich ging. Als ich nach drei Stunden zurückkam, saß er praktisch in identischer Stellung vor dieser und hatte keine einzige Zeile programmiert (es waren definitiv nur drei!!!). Da die Brammen einlaufen sollten, habe ich es selbst gemacht und natürlich zwei oder drei Fehler eingebaut (Semikolon vergessen, Komma und so einen Tünkram). Der Compiler fand es in 1 Sekunde, gab die Zeile an, Fehler korrigiert, dann lief was laufen sollte. Der Kollege war fassungslos: "Warum hast Du die Fehler nicht vorher behoben?" "Ganz einfach deshalb, weil der Compiler sie schneller findet. Es soll doch nur funktionieren, oder?"
Es ist das Denken, das sich unterschiedet, das ist das Problem und für China ... ist es die Sprache, die nicht auf unsere Technologie adaptierbar ist, sie ist zu alt, zu wenig flexibel, zu selbstbezogen.
Kuni
Besser semiintellektuel als grenzdebil
um Pruefungen zu bestehen und nicht um zu verstehen, genau so ist das in China. Ich habe da auch meine Erfahrungen mit Englischtest chinesischer Doktoranden die kamen aber weder englisch schreiben, sprechen oder verstehen konnten. In China wurden die Menschen erzogen Pruefungen zu bestehen jedoch nicht um selbstaendig zu denken. Deswegen wundert es mich keineswegs das soviele ihr Studium in Deutschland nicht beenden sondern vorzeitig abbrechen. Es geht den Meisten um den Titel nicht um das Wissen. Dabei koennte die chinesche Sprache durchaus einen Vorteil bringen objectiv zu denken in Bildern was das analytische Denkvermoegen foerdern koennte. Hier liegt es wohl an dem kommunistischen System in China das die Denker im Gefaengnis sitzen und nicht dort wo sie benoetigt werden. Deswegen muss wahrscheinlich alles kopiert werden anstatt Neues geschaffen werden kann. Dies erklaert auch gut warum grosse Erfindungen Chinas an einer Hand abzaehlbar sind und vor etwa 1000 Jahren in einer Zeit stattfanden wo es den Menschen erlaubt war zu denken.
um Pruefungen zu bestehen und nicht um zu verstehen, genau so ist das in China. Ich habe da auch meine Erfahrungen mit Englischtest chinesischer Doktoranden die kamen aber weder englisch schreiben, sprechen oder verstehen konnten. In China wurden die Menschen erzogen Pruefungen zu bestehen jedoch nicht um selbstaendig zu denken. Deswegen wundert es mich keineswegs das soviele ihr Studium in Deutschland nicht beenden sondern vorzeitig abbrechen. Es geht den Meisten um den Titel nicht um das Wissen. Dabei koennte die chinesche Sprache durchaus einen Vorteil bringen objectiv zu denken in Bildern was das analytische Denkvermoegen foerdern koennte. Hier liegt es wohl an dem kommunistischen System in China das die Denker im Gefaengnis sitzen und nicht dort wo sie benoetigt werden. Deswegen muss wahrscheinlich alles kopiert werden anstatt Neues geschaffen werden kann. Dies erklaert auch gut warum grosse Erfindungen Chinas an einer Hand abzaehlbar sind und vor etwa 1000 Jahren in einer Zeit stattfanden wo es den Menschen erlaubt war zu denken.
um Pruefungen zu bestehen und nicht um zu verstehen, genau so ist das in China. Ich habe da auch meine Erfahrungen mit Englischtest chinesischer Doktoranden die kamen aber weder englisch schreiben, sprechen oder verstehen konnten. In China wurden die Menschen erzogen Pruefungen zu bestehen jedoch nicht um selbstaendig zu denken. Deswegen wundert es mich keineswegs das soviele ihr Studium in Deutschland nicht beenden sondern vorzeitig abbrechen. Es geht den Meisten um den Titel nicht um das Wissen. Dabei koennte die chinesche Sprache durchaus einen Vorteil bringen objectiv zu denken in Bildern was das analytische Denkvermoegen foerdern koennte. Hier liegt es wohl an dem kommunistischen System in China das die Denker im Gefaengnis sitzen und nicht dort wo sie benoetigt werden. Deswegen muss wahrscheinlich alles kopiert werden anstatt Neues geschaffen werden kann. Dies erklaert auch gut warum grosse Erfindungen Chinas an einer Hand abzaehlbar sind und vor etwa 1000 Jahren in einer Zeit stattfanden wo es den Menschen erlaubt war zu denken.
Es geht den Meisten um den Titel nicht um das Wissen. …
Tja, das Gesicht wahren, darum geht es … oder überhaupt erst eines bekommen
Dabei koennte die chinesche Sprache durchaus einen Vorteil bringen objectiv zu denken in Bildern was das analytische Denkvermoegen foerdern koennte.
Das ist sicher ein interessanter Aspekt. Jedoch las ich im letztem oder vorletzten Jahr in Spektrum d. Wiss. einen Artikel, der der von Ihnen angeführten Hoffnung ggf. nicht entspricht.
Man hatte im Kernspintomographen europäische und chinesische Gehirne beim Denken beobachtet, um zu ergründen, wo in welchem Kulturkreis dieses entsteht, bzw. welche Hirnareale aktiv sind, wenn Sprache und Bilder bewusst wahrgenommen werden.
Dabei stellte sich heraus, dass bei chinesischen Zeitgenossen beim Lesen chinesischer Schriftzeichen die Hirnareale verstärkte Aktivität aufwiesen, die bei Europäern aktiv sind, wenn sie Bilder betrachten, jedoch keine spezifischen Areale Aktivität aufwiesen, wenn sie lateinische Schriftzeichen, also Worte und Sätze zum Lesen vorgesetzt bekamen.
Beim Europäer sind hingegen in der rechten Hirnhälfte spezifische Areale aktiv, wenn sie lesen und/oder schreiben. Dieser Tatbestand lässt ggf. den Schluss zu, dass das Denken in Bildern nicht in der Form dem analytischen Denken dient, wie Sie vielleicht hoffen. Es sind mehr Symbole, in denen ich z.B. Zusammenhänge konzentriere und mit anderen korreliere - weniger Bilder - während die Entitäten auf sprachlicher oder mathematischer Ebene abgebildet sind und den Zusammenhang herstellen.
Daraus erklärt sich vielleicht auch die Verschwommenheit der chinesischen Sprache (ich bin ihrer nicht mächtig). Meine seinerzeitige Lebensabschnittsgefährtin (Chinesin) brachte, wenn ich sie aufgeregt hatte, in Englisch manchmal ganz seltsame Satzkonstrukte hervor, die mich an Sätze erinnerten, wie Birger Sellin sie in seinem Buch Ich will kein Inmich mehr sein (Nachrichten aus einem autistischen Kerker) formuliert hatte. Sehr, sehr seltsam, aber auch sehr aufschlussreich.
Aber für mich dämpfen diese Tatbestände die Hoffnung, dass die chinesische Sprache auf der einen Seite zur technologischen Analyse überhaupt geeignet ist, auf der anderen Seite, ob jemand, der in der chinesischen Kultur groß geworden ist, europäische Sprachen so durchdringen kann, dass ihm Denken in diesen überhaupt möglich ist. Es scheint mir eher so, wie eine Zufallsbekanntschaft, die schon seit 2 Jahrzehnten in China lebte, mir schilderte: Wissen Sie, ich lebe seit nunmehr 20 Jahren in diesem Land. Aber ich weiß immer noch nicht, wie Chinesen wirklich denken, ich ahne es noch nicht einmal.
Na ja, um es zum Schluss zu bringen: auch wenn die Chinesen der festen Überzeugung sind, die einzige wahre Kulturnation der Welt zu sein (wird ausschließlich im internen Verkehr behauptet), hat sie doch im eigenen Land nach meinem Kenntnisstand noch keinen Nobelpreis hervorgebracht.
Gruß Kunibert
Besser semiintellektuel als grenzdebil
Es geht den Meisten um den Titel nicht um das Wissen. …
Tja, das Gesicht wahren, darum geht es … oder überhaupt erst eines bekommen
Dabei koennte die chinesche Sprache durchaus einen Vorteil bringen objectiv zu denken in Bildern was das analytische Denkvermoegen foerdern koennte.
Das ist sicher ein interessanter Aspekt. Jedoch las ich im letztem oder vorletzten Jahr in Spektrum d. Wiss. einen Artikel, der der von Ihnen angeführten Hoffnung ggf. nicht entspricht.
Man hatte im Kernspintomographen europäische und chinesische Gehirne beim Denken beobachtet, um zu ergründen, wo in welchem Kulturkreis dieses entsteht, bzw. welche Hirnareale aktiv sind, wenn Sprache und Bilder bewusst wahrgenommen werden.
Dabei stellte sich heraus, dass bei chinesischen Zeitgenossen beim Lesen chinesischer Schriftzeichen die Hirnareale verstärkte Aktivität aufwiesen, die bei Europäern aktiv sind, wenn sie Bilder betrachten, jedoch keine spezifischen Areale Aktivität aufwiesen, wenn sie lateinische Schriftzeichen, also Worte und Sätze zum Lesen vorgesetzt bekamen.
Beim Europäer sind hingegen in der rechten Hirnhälfte spezifische Areale aktiv, wenn sie lesen und/oder schreiben. Dieser Tatbestand lässt ggf. den Schluss zu, dass das Denken in Bildern nicht in der Form dem analytischen Denken dient, wie Sie vielleicht hoffen. Es sind mehr Symbole, in denen ich z.B. Zusammenhänge konzentriere und mit anderen korreliere - weniger Bilder - während die Entitäten auf sprachlicher oder mathematischer Ebene abgebildet sind und den Zusammenhang herstellen.
Daraus erklärt sich vielleicht auch die Verschwommenheit der chinesischen Sprache (ich bin ihrer nicht mächtig). Meine seinerzeitige Lebensabschnittsgefährtin (Chinesin) brachte, wenn ich sie aufgeregt hatte, in Englisch manchmal ganz seltsame Satzkonstrukte hervor, die mich an Sätze erinnerten, wie Birger Sellin sie in seinem Buch Ich will kein Inmich mehr sein (Nachrichten aus einem autistischen Kerker) formuliert hatte. Sehr, sehr seltsam, aber auch sehr aufschlussreich.
Aber für mich dämpfen diese Tatbestände die Hoffnung, dass die chinesische Sprache auf der einen Seite zur technologischen Analyse überhaupt geeignet ist, auf der anderen Seite, ob jemand, der in der chinesischen Kultur groß geworden ist, europäische Sprachen so durchdringen kann, dass ihm Denken in diesen überhaupt möglich ist. Es scheint mir eher so, wie eine Zufallsbekanntschaft, die schon seit 2 Jahrzehnten in China lebte, mir schilderte: Wissen Sie, ich lebe seit nunmehr 20 Jahren in diesem Land. Aber ich weiß immer noch nicht, wie Chinesen wirklich denken, ich ahne es noch nicht einmal.
Na ja, um es zum Schluss zu bringen: auch wenn die Chinesen der festen Überzeugung sind, die einzige wahre Kulturnation der Welt zu sein (wird ausschließlich im internen Verkehr behauptet), hat sie doch im eigenen Land nach meinem Kenntnisstand noch keinen Nobelpreis hervorgebracht.
Gruß Kunibert
Besser semiintellektuel als grenzdebil
Ich bin immer irritiert über das ausgesprochene Sendungs- und Mitteilungsbedürfnis der sog. "Auswanderer" die zwar stets über die alte Heimat viel schlechtes zu sagen haben aber dann doch nicht davon "los" kommen. Im Übrigen wandern aus Großbritannien im Jahr in absoluten Zahlen erheblich mehr Bürger aus (360.000) als aus Deutschland (145.000), obwohl in absoluten Zahlen die Einwohnerzahl von UK erheblich geringer als jene der BRD ist. Als Hauptgründe nennen die Briten das Wetter, die bessere Lebensqualität und die Lebenshaltung; Hauptziele sind Australien, Spanien und Kanada. Klingt schon sehr nach Deutschland, soviel zum angeblichen "Ausnahmefall Deutschland" während im Rest Europas der Garten Eden ausgebrochen ist.
Dennoch gibt es auch bei diesem Thema nicht "Deutschland" als großes homogenes Ganzes sondern Regionen die höchst unterschiedlich aufgestellt sind.
Das Betreuungsverhältnis an vielen bayrischen Hochschulen beträgt 17zu1 bis 24zu1, es gibt alleine um München herum ein riesiges Forschungscluster mit weltweit einmaligen Einrichtungen wie dem Forschungsreaktor Garching. Die Forschung findet in "Deutschland" zudem traditionell weniger an Universitäten und in erster Linie in den Forschungsgemeinschaften statt. Fraunhofer, Helmholtz, Max Planck, Leibniz. Jedes Land hat seine eigene Bildungstradition und da gibt es keinen angelsächsischen Standard an dem sich alles zu meßen habe. Ich bin übrigens geborener US Staatsbürger, und ich weiss warum ich "trotzdem" lieber in Deutschland bzw. Bayern meine Ausbildung genoß und lebe.
Es geht den Meisten um den Titel nicht um das Wissen. …
Tja, das Gesicht wahren, darum geht es … oder überhaupt erst eines bekommen
Dabei koennte die chinesche Sprache durchaus einen Vorteil bringen objectiv zu denken in Bildern was das analytische Denkvermoegen foerdern koennte.
Das ist sicher ein interessanter Aspekt. Jedoch las ich im letztem oder vorletzten Jahr in Spektrum d. Wiss. einen Artikel, der der von Ihnen angeführten Hoffnung ggf. nicht entspricht.
Man hatte im Kernspintomographen europäische und chinesische Gehirne beim Denken beobachtet, um zu ergründen, wo in welchem Kulturkreis dieses entsteht, bzw. welche Hirnareale aktiv sind, wenn Sprache und Bilder bewusst wahrgenommen werden.
Dabei stellte sich heraus, dass bei chinesischen Zeitgenossen beim Lesen chinesischer Schriftzeichen die Hirnareale verstärkte Aktivität aufwiesen, die bei Europäern aktiv sind, wenn sie Bilder betrachten, jedoch keine spezifischen Areale Aktivität aufwiesen, wenn sie lateinische Schriftzeichen, also Worte und Sätze zum Lesen vorgesetzt bekamen.
Beim Europäer sind hingegen in der rechten Hirnhälfte spezifische Areale aktiv, wenn sie lesen und/oder schreiben. Dieser Tatbestand lässt ggf. den Schluss zu, dass das Denken in Bildern nicht in der Form dem analytischen Denken dient, wie Sie vielleicht hoffen. Es sind mehr Symbole, in denen ich z.B. Zusammenhänge konzentriere und mit anderen korreliere - weniger Bilder - während die Entitäten auf sprachlicher oder mathematischer Ebene abgebildet sind und den Zusammenhang herstellen.
Daraus erklärt sich vielleicht auch die Verschwommenheit der chinesischen Sprache (ich bin ihrer nicht mächtig). Meine seinerzeitige Lebensabschnittsgefährtin (Chinesin) brachte, wenn ich sie aufgeregt hatte, in Englisch manchmal ganz seltsame Satzkonstrukte hervor, die mich an Sätze erinnerten, wie Birger Sellin sie in seinem Buch Ich will kein Inmich mehr sein (Nachrichten aus einem autistischen Kerker) formuliert hatte. Sehr, sehr seltsam, aber auch sehr aufschlussreich.
Aber für mich dämpfen diese Tatbestände die Hoffnung, dass die chinesische Sprache auf der einen Seite zur technologischen Analyse überhaupt geeignet ist, auf der anderen Seite, ob jemand, der in der chinesischen Kultur groß geworden ist, europäische Sprachen so durchdringen kann, dass ihm Denken in diesen überhaupt möglich ist. Es scheint mir eher so, wie eine Zufallsbekanntschaft, die schon seit 2 Jahrzehnten in China lebte, mir schilderte: Wissen Sie, ich lebe seit nunmehr 20 Jahren in diesem Land. Aber ich weiß immer noch nicht, wie Chinesen wirklich denken, ich ahne es noch nicht einmal.
Na ja, um es zum Schluss zu bringen: auch wenn die Chinesen der festen Überzeugung sind, die einzige wahre Kulturnation der Welt zu sein (wird ausschließlich im internen Verkehr behauptet), hat sie doch im eigenen Land nach meinem Kenntnisstand noch keinen Nobelpreis hervorgebracht.
Gruß Kunibert
Besser semiintellektuel als grenzdebil
interessante Studien die sie da offenlegen. Ich bin der chinesischen Sprache ein bischen maechtig im Lesen wie auch im Schreiben. Wenn sie zum Beispiel Pharmazie studieren oder Chemie so ist das Begreifen der Formeln in Bilder moeglich, vielleicht kam ich deswegen darauf der Verknuepfung zwischen analytischem Denken und lernen in Bildern. Ich dachte aber eigentlich das bezueglich Chinas auch die Erziehung und politische Bildung des Landes in der Begrifflichkeit technischer Sachverhalte eine Bedeutung haben. Nehmen Sie mal Taiwan wo die Forschung und Entwicklung durchaus gedeiht wie auch das analytische Denkvermoegen wesentlich besser ausgepraegt sind als bei Chinesen. Dort gibt es sowas wie Demokratie und eben keine Diktatur wie in China wo das ausgesprochene Wort zur falschen Zeit gefaehrlich ist. Also um es auf den Punkt zu bringen, wenn solche Studien nur an Chinesen gemacht worden sind und die gesellschaftlichen Aspekte nicht beruecksichtigt wurden, so ist diese Studie wenig aussagekraeftig. Viel besser waere es zu untersuchen ob die Blockade des freien Denkens sich auch auf das analytische Denken auswirkt.
interessante Studien die sie da offenlegen. Ich bin der chinesischen Sprache ein bischen maechtig im Lesen wie auch im Schreiben. Wenn sie zum Beispiel Pharmazie studieren oder Chemie so ist das Begreifen der Formeln in Bilder moeglich, vielleicht kam ich deswegen darauf der Verknuepfung zwischen analytischem Denken und lernen in Bildern. Ich dachte aber eigentlich das bezueglich Chinas auch die Erziehung und politische Bildung des Landes in der Begrifflichkeit technischer Sachverhalte eine Bedeutung haben. Nehmen Sie mal Taiwan wo die Forschung und Entwicklung durchaus gedeiht wie auch das analytische Denkvermoegen wesentlich besser ausgepraegt sind als bei Chinesen. Dort gibt es sowas wie Demokratie und eben keine Diktatur wie in China wo das ausgesprochene Wort zur falschen Zeit gefaehrlich ist. Also um es auf den Punkt zu bringen, wenn solche Studien nur an Chinesen gemacht worden sind und die gesellschaftlichen Aspekte nicht beruecksichtigt wurden, so ist diese Studie wenig aussagekraeftig. Viel besser waere es zu untersuchen ob die Blockade des freien Denkens sich auch auf das analytische Denken auswirkt.
Dass man sich nicht auf das Abmelken weniger wohlbetuchter Studenten spezialisiert, empfinde ich als Vorteil und nicht als fälschlicherweise tabuisiertes Manko, wie es im Artikel dargestellt wird.
Ausländische Studenten haben es schwer genug im deutschen Hochschulsystem. Und ich habe selbst etliche chinesische Studenten betreut - natürlich sind die nicht perfekt in der Sprache und sind mit einer anderen Mentalität aufgewachsen. Dafür stecken sie oft sehr viel Fleiß in ihr Studium und lernen auch nachts, wenn manche deutsche Studenten lieber auf Partys abhängen. Das kulturelle und ökonomische Potenzial solcher Studenten sollte nicht unterschätzt werden. Egal ob sie nun nach dem Studium in Deutschland bleiben oder in ihr Herkunftsland zurückkehren.
Vielleicht hänge ich auch nur der irrigen Vorstellung an, dass man möglichst vielen Menschen mit dem Studium eine Chance geben sollte, gut durchs Leben zu kommen. Ich begreife Bildung nicht als Privileg einer teuer zahlenden Minderheit von Kindern reicher Eltern, die ihren Bildungsvorteil primär dazu ausnutzen, den Abstand zwischen sich und den arbeitenden Kasten zu vergrößern.
In einer kuerzlich veroeffentlichten Rede zur Verabschiedung eines 12-Jahresprogramms zur Reformierung des chinesischen Bildungssystems hat der chinesische Ministerpraesident, Wen Jia Bao, das jetzige System als "instill" (Wissen einimpfend) instead of "inspire" (zum selbstaendigen Aufnehmen von Wissen anregend) bezeichnet. Die Probleme, die das in China noch immer praktizierte "rote learning" zu Tage foerdert, sind demnach bekannt. Allerdings erleben wir im eigenen und bei befreundeten Unternehmen in China Tag fuer Tag den Zuwachs an praktisch anwendbarem Wissen chinesischer Absolventen und deren Annaeherung an internationales Niveau - offenbar bewegt sich etwas in den Koepfen der Dozenten und somit in den Koepfen der Studenten. Bezueglich der im Ausland studierenden Chinesen stellen wir einen Trend zum Daheim-Studieren an chinesischen Universitaeten mit auslaendischen Dozenten und einen Zuwachs an auslaendischen Lehrkraeften fest.
Erfolgreiche Beispiele auslaendischer Forschungsinstitute und Bildungsanbieter in China zeigen, dass man durch langfristig angelegten, aktiven Wissensaustausch mit staatlichen und privaten Bildungsanbietern Einblick in die chinesische Forschungs- und Bildungskultur bekommen und somit Einfluss auf diese ausueben kann. Die chinesische Regierung hat ein Programm zur Schaffung von 100 Eliteuniversitaeten mit internationalem Ruf aufgelegt; unserer Erfahrung nach wird China dieses Ziel erreichen - mit oder ohne eine deutsche Beteiligung.
Bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung Deutschlands zum internationalen Bildungsmarkt unter Beruecksichtigung der Erfahrungen anderer Laender verlaeuft. Australien, beispielsweise, hat Bildung seit Jahren als Exportindustriezweig exzessiv betrieben, die qualitativen Barrieren fuer auslaendische Studenten gering gehalten, und Universitaeten haben sich von internationalen Rankings abhaengig gemacht. Resultate waren eine geringere Qualitaet und Quantitaet der Forschungsergebnisse sowie Platzverluste einiger Universitaeten in internationalen Rankings. Ein weiterer Reputationsverlust und die Abwanderung von Lehrkraeften und Studenten sind potentielle Folgen einer solchen Politik. Wenn Deutschland seine Staerken in spezifischen Bereichen des Bildungssektors erkennt, diese gezielt ausbaut, durch Angebote in englischer Sprache internationalisiert und zu vermarkten versteht, werden wir eine wachsende Nachfrage deutscher Bildung aus dem Ausland sehen - insbesondere ein Nachfrage aus China.
interessante Studien die sie da offenlegen. Ich bin der chinesischen Sprache ein bischen maechtig im Lesen wie auch im Schreiben. Wenn sie zum Beispiel Pharmazie studieren oder Chemie so ist das Begreifen der Formeln in Bilder moeglich, vielleicht kam ich deswegen darauf der Verknuepfung zwischen analytischem Denken und lernen in Bildern. Ich dachte aber eigentlich das bezueglich Chinas auch die Erziehung und politische Bildung des Landes in der Begrifflichkeit technischer Sachverhalte eine Bedeutung haben. Nehmen Sie mal Taiwan wo die Forschung und Entwicklung durchaus gedeiht wie auch das analytische Denkvermoegen wesentlich besser ausgepraegt sind als bei Chinesen. Dort gibt es sowas wie Demokratie und eben keine Diktatur wie in China wo das ausgesprochene Wort zur falschen Zeit gefaehrlich ist. Also um es auf den Punkt zu bringen, wenn solche Studien nur an Chinesen gemacht worden sind und die gesellschaftlichen Aspekte nicht beruecksichtigt wurden, so ist diese Studie wenig aussagekraeftig. Viel besser waere es zu untersuchen ob die Blockade des freien Denkens sich auch auf das analytische Denken auswirkt.
Taiwan hat seit vielen Jahren Kontakt zur westlichen Welt, zu Japan, es ist offen. Ich habe einige kennengelernt. Man kann Taiwan, so glaube ich, nicht mit der VR China vergleichen.
Das System dort scheint sich zwar geöffnet zu haben, aber die augenscheinlichen Defizite werden entweder verleugnet oder auf Tatbestände zurückgeführt, die auf KEINEN Fall in Inneren liegen.
Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass die Kulturrevolution vor allen Dingen unter der Intelligenz des Landes enorme Opfer gefordert hat. Ich habe dort jemanden kennengelernt, der in einem Umerziehungslager war. Er mochte nicht darüber sprechen, aber von anderer Seite schilderten mir Leute, dass es fürchterlich gewesen sein muss und die Überlebensrate relativ gering.
Zu empfehlen in diesem Zusammenhang ist das Buch China nach dem Sturm, von Klaus Mehnert.
Die Ursachen für die Unterschiede sind sicher vielschichtig, aber einer scheint mir auch in der jahrhundertelangen freiwilligen Isolierung des Landes zu liegen und der damit einhergehenden Einäugigkeit, die sich sicher auch im sprachlichen Gebrauch niedergeschlagen hat.
Kom #10 gibt ebenfalls einige interessante Anregungen. In diesem Sinne ... schönes WE Gruß
Kuni
Besser semiintellektuel als grenzdebil
ich meinte Kom # 9
Gruß
Taiwan hat seit vielen Jahren Kontakt zur westlichen Welt, zu Japan, es ist offen. Ich habe einige kennengelernt. Man kann Taiwan, so glaube ich, nicht mit der VR China vergleichen.
Das System dort scheint sich zwar geöffnet zu haben, aber die augenscheinlichen Defizite werden entweder verleugnet oder auf Tatbestände zurückgeführt, die auf KEINEN Fall in Inneren liegen.
Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass die Kulturrevolution vor allen Dingen unter der Intelligenz des Landes enorme Opfer gefordert hat. Ich habe dort jemanden kennengelernt, der in einem Umerziehungslager war. Er mochte nicht darüber sprechen, aber von anderer Seite schilderten mir Leute, dass es fürchterlich gewesen sein muss und die Überlebensrate relativ gering.
Zu empfehlen in diesem Zusammenhang ist das Buch China nach dem Sturm, von Klaus Mehnert.
Die Ursachen für die Unterschiede sind sicher vielschichtig, aber einer scheint mir auch in der jahrhundertelangen freiwilligen Isolierung des Landes zu liegen und der damit einhergehenden Einäugigkeit, die sich sicher auch im sprachlichen Gebrauch niedergeschlagen hat.
Kom #10 gibt ebenfalls einige interessante Anregungen. In diesem Sinne ... schönes WE Gruß
Kuni
Besser semiintellektuel als grenzdebil
ich meinte Kom # 9
Gruß
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