Bologna-Reform Mehr Studenten sollen ins Ausland
Gastaufenthalte für europäische Studenten sollen einfacher werden. Bislang ist die Finanzierung für viele ein großes Hindernis
20 Prozent aller europäischen Studenten sollen künftig ein oder mehrere Semester ihres Studiums im Ausland verbringen. Darauf haben sich die Bildungsminister von 46 Nationen bei einem Treffen anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Bologna-Reform im belgischen Leuven verständigt. Bis 2020 soll dies umgesetzt sein.
Derzeit verbringen knapp 5 Prozent der deutschen Studenten eine Studienphase an einer ausländischen Hochschule. Rechnet man allerdings Sprachkurse und Praktika mit ein, liegt die Quote bei 23 Prozent.
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, sagte, es müssten "noch etliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, um die angestrebte Mobilität wirklich zu erreichen". Dabei seien die Hochschulen bei der Gestaltung der Studienprogramme wie der Anerkennungspraxis in der Pflicht. In Deutschland müsse der Staat etwa beim Auslands-Bafög, bei der Altersversorgung mobiler Wissenschaftler und beim Aufenthaltsrecht nachbessern.
In einer Befragung von Studenten an fast 15.000 Hochschulen in der EU, Kroatien, Island, Norwegen und der Türkei hatten 61 Prozent angegeben, die Finanzierung sei eine große oder sehr große Hürde für ein Auslandssemester.
Das Deutsche Studentenwerk (DSW) vermisste verbindliche Aussagen der europäischen Bildungsminister zur "sozialen Dimension" des weiteren Bologna-Prozesses. Das 20-Prozent-Ziel sei "wenig realistisch", sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. "Wer die studentische Mobilität erhöhen will, muss für ausreichende Studienfinanzierung sorgen, für preisgünstigen Wohnraum, gute Beratung und wenn nötig für Kinderbetreuung." Diese Fragen seien den Ministern noch nicht einmal eine Erwähnung wert gewesen.
Nationale Aktionspläne sollen jeweils dafür sorgen, dass auch Studenten aus ärmeren Familien ein Auslandsaufenthalt ermöglicht wird, teilte die EU-Kommission nach dem Treffen weiter mit. Auch die Mobilität von Nachwuchswissenschaftlern soll verbessert werden.
- Datum 30.04.2009 - 10:07 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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