Auto-Krise Chrysler geht in die Insolvenz

Der US-Autobauer rutscht in die Pleite. Das Insolvenzverfahren soll den Weg für einen Einstieg des italienischen Autobauers Fiat ebnen

Es werde ein Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts eröffnet, zitierten US-Medien einen Mitarbeiter des Weißen Hauses. Einige Gläubiger hätten nach Angaben der Regierung eine Einigung zum Schuldenverzicht abgelehnt, meldete die Wirtschaftsagentur Bloomberg.

Das Insolvenzverfahren soll nach bisherigen Plänen den Weg für einen rettenden Einstieg des italienischen Autobauers Fiat ebnen. Zugleich gab es aus Italien widersprüchliche Angaben darüber, ob Fiat bereits eine Vereinbarung mit Chrysler unterzeichnet hat oder noch nicht.

Fiat zeigte sich zwar bereit, bei der maroden einstigen Daimler-Tochter mit bis zu 35 Prozent einzusteigen – die Italiener wollen dabei aber kein Geld investieren. Fiat ist die letzte Hoffnung für Chrysler. Die Regierung gehe davon aus, Chrysler schnell durch eine Insolvenz bringen zu können, berichtete zuvor das Wall Street Journal. Allerdings könnten die Gläubiger einem schnellen Verfahren auch noch Steine in den Weg legen.

Widersprüchliche Berichte um eine Vereinbarung mit Fiat hatten zuvor für Verwirrung gesorgt. Die Mailänder Zeitung Corriere Della Serra berichtete in der Online-Ausgabe, die Italiener hätten bereits eine Einigung mit dem maroden US-Autobauer unterzeichnet.

Der Autobauer Daimler hat nach eigener Ansicht mit der endgültigen Trennung von Chrysler einen Beitrag zur Restrukturierung des US-Herstellers geleistet. Die Beziehung zwischen Chrysler und Daimler beschränke sich seit Anfang der Woche auf eine Kunden-Lieferanten-Beziehung, teilte das Unternehmen mit. Das bedeute im Falle einer Insolvenz nach Kapitel elf des US-Rechts: "Daimler wird wie jeder andere Lieferant behandelt." Am Montag hatte der Premiumhersteller nach einem monatelangem Streit bekanntgeben, auch seinen Chrysler -Restanteil von 19,9 Prozent an den Mehrheitseigner Cerberus abzugeben.

Teil der mit Cerberus getroffenen Vereinbarung ist, dass die Stuttgarter auf die Rückzahlung der Chrysler gewährten Darlehen, die im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben wurden, verzichten. Außerdem werden die Schwaben bis 2011 in drei jährlichen Tranchen 600 Millionen Dollar Pensionszahlungen zur Absicherung der Mitarbeiter des früheren gemeinsamen Unternehmens leisten. Hinzu könnten Garantien von rund 200 Millionen Dollar kommen. Diese werden fällig, wenn Chrysler die Pensionspläne beendet.

Bis zum 30. September 2009 läuft außerdem noch eine Vereinbarung mit Chrysler Händlern in 26 Ländern außer USA, Kanada und Mexiko. Sie können sich über die Finanzsparte Daimler Financial Services finanzieren.

Daimler hatte 2007 nach neun gemeinsamen Jahren 80,1 Prozent seiner Chrysler Anteile an Cerberus abgegeben. Über den Verkauf der restlichen Anteile von 19,9 Prozent war bereits seit Herbst vergangenen Jahres verhandelt worden.

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Angeschlagene und hoch verschuldete Unternehmen mit Überlebenschancen beantragen in den USA meist ein Verfahren nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. Diese Variante ermöglicht ihnen, unter Gläubigerschutz und strikter Aufsicht des Insolvenzrichters weiterzuarbeiten und sich zu sanieren. Die Firmen können mit Kreditgebern einen Schuldenabbau aushandeln und Mitarbeitern Zugeständnisse bei der Bezahlung abringen. Altlasten können zudem abgespalten und nach Möglichkeit verkauft werden. Ziel ist es, gestärkt aus der Insolvenz herauszukommen. Fast alle großen US-Fluggesellschaften machten so einen Neustart. Das Problem: Das Verfahren zieht sich oft über viele Monate oder gar Jahre hin.

Die Alternative ist eine Insolvenz nach Kapitel sieben: Ist ein Unternehmen so schwach oder überschuldet, dass keine Aussicht auf Rettung besteht, bleibt nur diese Form der Liquidation. Sie werden unter die Aufsicht eines vom Insolvenzgericht ernannten Treuhänders gestellt und aufgelöst. Die verbliebenen Vermögenswerte werden verkauft, den Erlös bekommen die Gläubiger.

 
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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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    • Schlagworte Insolvenz | Chrysler | Finanzen | Bloomberg | Kanada | Mexiko | Italien | USA | Schwaben
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