US-Autoindustrie Chrysler steht vor der Insolvenz

Nur noch wenige Stunden bleiben Chrysler, um sich mit den Gläubigern zu einigen und eine Allianz mit Fiat zu schließen. Sollte das nicht gelingen, droht die Insolvenz

Der Autokonzern Chrysler steht vor der Insolvenz. Autos und Lkw wie hier aus dem Werk in Warren verkaufen sich nur noch schlecht. Zudem drücken hohe Pensionslasten

Wochenlang verhandelte Amerikas drittgrößter Autobauer Chrysler mit Fiat über eine mögliche Allianz. Wenn es gelingt, bekommt Chrysler weitere Regierungskredite in Höhe von sechs Milliarden Dollar, der Gang zum Insolvenzrichter bleibt erspart. Die Signale sind allerdings eher negativ. Die Nachrichtenagentur Bloomberg und das Wall Street Journal berichten, am Donnerstagabend deutscher Zeit werde US-Präsident Barack Obama Chryslers Insolvenz verkünden. Anschließend würde eine Vereinbarung mit Fiat geschlossen. 

Chryslers wertvollste Vermögenswerte würden demnach in eine neue Einheit ausgegliedert, an der der italienische Autobauer 20 Prozent und die Autogewerkschaft UAW 55 Prozent halten sollen, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Fiat hat in der Vergangenheit mehrfach betont, auch im Falle einer Insolvenz noch eine Allianz mit Chrysler eingehen zu können.

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Mit der UAW hat sich Chrysler am Mittwoch auf wichtige Zugeständnisse geeinigt. Die Gewerkschaft akzeptiert, dass Chrysler die Hälfte der ausstehenden Zahlungen in einen Gesundheitsfonds in Form von Unternehmensanteilen begleicht, wenn dadurch eine Insolvenz abgewendet werden kann. Der Autobauer schuldet dem Gewerkschaftsfonds insgesamt 10,6 Milliarden Dollar. Zudem hat sich die UAW bereit erklärt, zwei Jahre lang auf leistungsabhängige Boni und auf Weihnachtsgeld zu verzichten.

Seit Monaten hält die US-Regierung die Autobauer Chrysler und General Motors (GM) durch Staatskredite am Leben. Die erste Version ihrer Sanierungskonzepte hatte Präsident Obamas Auto-Task-Force im März zurückgewiesen und ihnen letzte Fristen zur Verbesserung gesetzt. Beide Konzerne müssen einen Großteil ihrer Schulden reduzieren, Überkapazitäten abbauen und Kosten senken, um mit der Konkurrenz aus Asien und Europa mithalten zu können. Autobauer verkaufen in den USA derzeit knapp 40 Prozent weniger Autos als im Vorjahr.

Vier große Chrysler-Gläubiger haben bereits vorläufig zugestimmt, auf Ansprüche in Höhe von 6,9 Milliarden Dollar zu verzichten und dafür 2 Milliarden Dollar in bar zu erhalten. Darunter sind die Großbanken Citigroup und JP Morgan Chase, die ebenfalls Kredite von der Regierung erhalten haben. Die 46 verbleibenden Gläubiger müssen dem Plan noch zustimmen. Ob das bis zum Ablauf der Frist noch gelingen kann, ist ungewiss.

Insolvenzexperten geben zu bedenken, dass Gläubiger im Falle einer Liquidierung besser dastehen könnten. Chrysler hat seine Schulden mit Werken und Marken besichert, die im Falle eines Ausverkaufs mehr einbringen dürften als der derzeitige Vorschlag. Auch für Fiat könnte eine Allianz nach Chryslers Antrag auf Gläubigerschutz attraktiver sein. Die Italiener fahren derzeit eine Doppelstrategie: Neben einer Allianz in den USA bemüht sich Fiat-Chef Sergio Marchionne auch um eine Übernahme der General-Motors-Tochter Opel.

GM, der größte Autobauer der USA, hat noch bis Ende Mai Zeit, sich mit Gläubigern und der Gewerkschaft zu einigen. Am Montag legte der Traditionskonzern einen Restrukturierungsplan vor, der dem Staat einen Anteil von mindestens 50 Prozent und der Gewerkschaft von 40 Prozent am Unternehmen einräumt.

Leser-Kommentare
    • Seckel
    • 30.04.2009 um 9:34 Uhr

    Das Nutzen von Technizismen vereitelt es, sich einig zu werden. Darauf zu beharren, kommt dem Versuch gleich, Insolvenzen ob nun von Chrysler oder der General Motors erzwingen zu wollen, indem lediglich der Schein hochgehalten wird, es würde tatsächlich verhandelt. Insbesondere durch den Technizismus, dass das je unterschiedliche Soziale gekrümmte Räume seien (Flusser), die sich wegen der mathematischen Unendlichkeit des Bogenmaßes nie begreifen lassen, mündet darin, sich zu entmündigen und von vornherein nicht wirksam eine Einigung anstreben zu können. Allerdings steht einem solchen Unterfangen entgegen, auf diese Weise, juristisch formuliert, es an Ernstlichkeit mangeln und seinen Willen nichtig werden zu lassen. In dieser Hinsicht hätte ein Richter eines Inslovenzgerichts schon zu erwägen, wer von den Gläubigern von Chrysler oder GM überhaupt noch imstande ist, seinen Willen erklären zu können, bevor er das Insolvenzverfahren eröffnet.

  1. Wenn ich solche Sätze lese, dreht sich bei mir alles um:
    "Insolvenzexperten geben zu bedenken, dass Gläubiger im Falle einer Liquidierung besser dastehen könnten. Chrysler hat seine Schulden mit Werken und Marken besichert, die im Falle eines Ausverkaufs mehr einbringen dürften als der derzeitige Vorschlag."

    Also wird hier das Wohl der Gläubiger -für ein paar Prozent mehr Gewinn- über das Wohlbefinden von zig tausend Mitarbeitern gestellt?
    Das gleicht ja dem Vorgehen von Hedge-Fonds. Übernehmen, ausmelken, ausschlachten und dann satte Gewinne absahnen. Ich halte sowas definitiv für die falsche Lösung.
    Auch wenn ich der Meinung bin, dass Firmen die sich nicht am Markt halten können, nicht vom Staat gesponsort werden sollen. Aber wenn in diesem Fall eine andere Marke mit ins Boot steigen kann und will dann bin ich dagegen diesen Betrieb sterben zu lassen. Schließlich wird dann eine komplett andere Strategie gefahren, die dann wahrscheinlich nicht in die tieferen roten Zahlen führt.

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