Katholische Uni Eichstätt Kirchlich unbedenklich
Der Theologe und Konvertit Reinhard Hütter wird neuer Präsident an Deutschlands einziger katholischer Uni. Die Wahl dürfte die bayerischen Bischöfe erfreuen
Konvertiten haben einen zweifelhaften Ruf. Sie gelten gemeinhin als besonders überzeugte, inbrünstige, wenn nicht starrsinnige Vertreter jener Glaubensrichtung, für die sie sich, oft spät und aus freien Stücken, entschieden haben.
Insofern ist Reinhard Hütter, der künftige Präsident der Katholischen Universität Eichstätt sicherlich eine Wahl, die den bayerischen Bischöfen gefallen dürfte. Vor allem nach den Querelen um den freigeistigen, umtriebigen und noch dazu in dritter Ehe verheirateten Theologen und Unternehmer Ulrich Hemel, der 2008 nach gültiger Wahl durch den Hochschulrat vom Bischof Gregor Maria Hanke nicht ernannt wurde. Dies führte zu einem Eklat und stürzte die einzige katholische Universität auf deutschem Boden in eine veritable Krise.
Hütter sei "Theologe durch und durch", sagte die Vorsitzende des studentischen Konvents, Juliane Roscher, nach einer Anhörung der drei Kandidaten, die heute vor dem Hochschulrat zur Wahl standen. Der Hochschulrat ist ein 16-köpfiges Gremium, dem die acht gewählten Mitglieder des Senats und weitere acht externe Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft angehören.
Der 50-jährige Wissenschaftler Hütter ist freilich kein unbeschriebenes Blatt, lehrt er doch seit 1999 an der renommierten privaten Duke University in Durham im US-Bundesstaat North-Carolina, einer mit der evangelisch-methodistischen Kirche verbundenen Eliteuniversität, die in den USA auch "Harvard of the south" genannt wird.
Der gebürtige Oberfranke wurde evangelisch erzogen und konvertierte erst 2004 gemeinsam mit seiner Frau zum Katholizismus. Trotz des Wechsels seiner Glaubensrichtung blieb er Professor an der Divinity School der Duke University. Die in der Kandidatenanhörung am 22. April geäußerte Vermutung, er sei ein katholischer "Hardliner", wies Hütter umgehend zurück. Er sei einfach gerne katholischer Christ und sehe sich nicht als Exekutor einer besonders harten Linie.
Direkt nach seiner Wahl ließ Hütter, momentan in den USA, per Fax wissen, er baue auf "eine einvernehmliche Kooperation auch mit dem Träger der Universität, dessen nachhaltiges Engagement zum Wohle der KU eine wichtige Bereicherung nicht nur für die Kirche, sondern auch für den Bildungsstandort Bayern bedeutet". Ein klein wenig klang dies wie eine Ergebenheitsadresse.
Unter den unterlegenen Kandidaten ist der renommierte Bonner Politikwissenschaftler Ludger Kühnhardt, der vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn als Journalist arbeitete und im Zivildienst, laut Wikipedia, vietnamesische Boat-People betreute. Kühnhardt war der letzte wissenschaftliche Assistent von Karl Dietrich Bracher, dem hoch angesehenen Politologen und brillanten Geschichtsschreiber, schrieb seine Habilitationsschrift über die "Universalität der Menschenrechte" und leitet seit 1997 das Bonner Zentrum für Europäische Integrationsforschung. Außerdem war er Redenschreiber von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der Dritte im Bunde, der Potsdamer Slavist Norbert Franz, gilt als relativ unbeschriebenes Blatt.
- Datum 08.05.2009 - 10:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Gerne können die Katholiken ihre eigene Uni mit eigenen Regeln haben - aber warum muss die öffentliche Hand, also ALLE Steuerzahler, egal welchen Glaubens bzw. Nicht-glaubens, das zu 75% (!!) finanzieren?! Wenn sich eine Einrichtung "Katholische(s) Uni/Schule/Krankenhaus/etc." nennen will, dann sollte sie auch zu mind. 50% von der Kirche finanziert werden.
Solange solche Hochschulen zu einem Großteil staatlich finanziert werden, ist es ein Unding, dass Bewerber für Stellen nach Kriterien ausgewählt werden, die in jeder anderen Einrichtung einen Verstoß gegen das AGG darstellen würden. Da ist die KU kein Einzelfall, für etliche Krankenhäuser und soziale Einrichtungen gilt das genauso. Wer nicht nach den Regeln der Kirche lebt und keine Kirchensteuer zahlt, hat schlechtere Chancen bei der Bewerbung, auch wenn die Institutionen größtenteils von allen bezahlt werden - eben auch von Nichtchristen.
Solange solche Hochschulen zu einem Großteil staatlich finanziert werden, ist es ein Unding, dass Bewerber für Stellen nach Kriterien ausgewählt werden, die in jeder anderen Einrichtung einen Verstoß gegen das AGG darstellen würden. Da ist die KU kein Einzelfall, für etliche Krankenhäuser und soziale Einrichtungen gilt das genauso. Wer nicht nach den Regeln der Kirche lebt und keine Kirchensteuer zahlt, hat schlechtere Chancen bei der Bewerbung, auch wenn die Institutionen größtenteils von allen bezahlt werden - eben auch von Nichtchristen.
Solange solche Hochschulen zu einem Großteil staatlich finanziert werden, ist es ein Unding, dass Bewerber für Stellen nach Kriterien ausgewählt werden, die in jeder anderen Einrichtung einen Verstoß gegen das AGG darstellen würden. Da ist die KU kein Einzelfall, für etliche Krankenhäuser und soziale Einrichtungen gilt das genauso. Wer nicht nach den Regeln der Kirche lebt und keine Kirchensteuer zahlt, hat schlechtere Chancen bei der Bewerbung, auch wenn die Institutionen größtenteils von allen bezahlt werden - eben auch von Nichtchristen.
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