e-Reader Elektronisches Papier kann das klassische nicht retten

Lesegeräte sollen größere Bildschirme bekommen, vielleicht noch in dieser Woche. In der Zeitungsbranche weckt das Hoffnung. Doch erlösen können Kindle und Co. die Medien nicht

kindle-gross

Großer Bildschirm, große Hoffnung - der neue elektronische Reader von Plastic Logic

Ein Bildschirm soll Verlagen aus der Zeitungskrise helfen, ein großer, flacher Bildschirm. Zumindest klingen die Hoffnungen so, die im Zusammenhang mit neuen elektronischen Lesegeräten geäußert werden. "Wir betrachten das mit erheblichem Interesse", zitiert die New York Times beispielsweise John Ridding, den Vorstandschef der Financial Times.

Der iPod von Apple, so die Argumentation der Optimisten, habe die Verluste der Musikindustrie begrenzen können, der Kindle von Amazon habe der Buchbranche Hoffnung gegeben, auch noch mit digitalisierten Inhalten Geld zu verdienen. Warum solle beispielsweise nicht der eReader von Plastic Logic es schaffen, Zeitungen wieder interessanter zu machen.

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Die Firma, die in Mountain View im Silicon Valley ihr Hauptquartier hat und im sächsischen Dresden ihre Produktionsanlagen, will spätestens 2010 ein Lesegerät auf den Markt bringen, mit dem sich auch Zeitungen fast wie auf Papier betrachten lassen. Sehr dünn soll es sein und vergleichsweise groß. Der Bildschirm ist mehr als doppelt so groß wie der des Buchlesegeräts Kindle. Note US heißt das Format, und es entspricht nahezu dem europäischen A4. Man hat damit nicht weniger vor, als die Art zu revolutionieren, mit der Menschen Informationen bekommen, verarbeiten und speichern.

Möglicherweise aber ist man mit diesem Wunsch nicht allein. So berichtet die NYT, dass auch Amazon basierend auf seinem Kindle ein Gerät plant, mit dem vorrangig Zeitungen gelesen werden sollen. Das aber soll unter Umständen schon in dieser Woche auf dem Markt sein, wie die NYT glaubt. Amazon soll dabei mit mehreren Verlagen kooperieren, darunter mit der den New Yorkern und der britischen Times.

Das klingt zumindest gut für Verlage, die derzeit große Probleme haben, die Auflagen ihrer Papierzeitungen zu halten. Immerhin könnten sie Druck- und Vertriebskosten sparen, erschienen die Produkte nur noch auf solch elektronischem Papier. Gleichzeitig verbinden sie damit die Hoffnung, wieder Abonnements verkaufen zu können, statt die Inhalte kostenlos im Internet zu veröffentlichen.

Erprobt wird das Modell schon mit Amazons elektronischem Buch. Darüber kann, wer will, auch Magazine und Zeitungen beziehen, wenn er dafür bezahlt. Die elektronische New York Times beispielsweise kostet 13,99 Dollar im Monat. Die gedruckte Ausgabe kostet mehr als 40 Dollar. Zahlen jedoch, wie erfolgreich dieser Vertriebsweg ist, gibt der Verlage nicht heraus. Ein Konkurrent, das Wall Street Journal, sagt, man habe bislang 15.000 elektronische Abonnenten gewonnen – wenig, bei einer gedruckten Auflage von derzeit zwei Millionen Exemplaren.

Und die Geräte lösen nicht die eigentlichen Probleme. Denn Zeitungen verdienen ihr Geld nur zu einem Teil über den Verkaufspreis, das Gros kommt durch Werbung herein. Die Werbetreibenden aber sind nicht bereit, digitale Anzeigen nach den gleichen Modellen zu bezahlen wie gedruckte. Sie honorieren im Internet vor allem, wenn Leser die Anzeigen nicht nur sehen, sondern auch auf sie klicken. Das aber geschieht nur selten. Warum sich die Klickhäufigkeit bei elektronischen Lesegeräten aber steigern soll, kann zurzeit niemand sagen.

Leser-Kommentare
  1. By the way: Ein anderer Aspekt zum Thema "elektronisches Publizieren":

    http://news.yahoo.com/com...

    • ben_
    • 04.05.2009 um 15:12 Uhr
    2. Iphone

    Die Verlage sollten vielleicht lieber einen weiteren Blick Richtung Apple werfen. Das im Sommer auf uns zukommende Update der Iphone-Software bringt die Möglichkeit mit sich Inhalte per Abonnement über Apples Itunes-Shop zu erwerben. Angesichts der Marktdruchdringung des Ihones und des gelernten und akzeptierten Kaufmechanismus über die Itunes-Store, ist das keine kleine Möglichkeit.

    Die Ereader-Dikussion ist ohnehin nur eine künstliche, unterscheidet den Ereader doch nur die Art des Displays vom Iphone oder Netbook – eine Grenze, die schon bald verschwimmen wird. Die zentrale Frage ist und bleibt, wie verkauft man Informationen im Netz? Ob Benutzer je wieder bereit sein werden die Mischkalkulation "Zeitung/Magazin" zu bezahlen, bleibt offen. Darin unterscheidt sich die Zeitung nämlich massive vom der Musik-, Film- und Buchindustrie.

    --
    der geist in der maschine

  2. Aber es kann neue Geschäftsmodelle für Leute bedeuten, die clever genug sind. Ich habe - nur mal zur Info - in meinem Leben mehrere tausend Euro für Bücher und Musik ausgegeben, viel mehr, als vernünftig gewesen wäre. Mache ich nicht mehr, 80 Prozent davon ist verkauft, verschenkt, verloren oder versifft. Und das schlimmste, gut die Hälfte ist ungelesen. Das meiste davon war Mist, Dummheit im Kaufrausch. Heute überlege ich mir drei mal, ob ich ein Buch kaufe, für das ich keinen Platz habe, das ungelesen verstaubt oder total verknittert ist.

  3. Sicher haben ein e-book oder eine Internetzeitung sehr viele Vorteile. Das Medium Papier aufzugeben, waere dennoch ein kaum wieder gut zu machender Fehler. Was passiert denn, wenn wir einmal keinen Strom mehr haben - oder eine Art Super-Virus das Internet unbenutzbar macht, wie werden Inhalte dauerhaft und sicher gespeichert? Vor 5 Jahren kopierte CDs lassen sich jetzt auf meinem PC schon nicht mehr stoerungsfrei oeffnen - vor kurzem habe ich meinen Laptop fallenlassen - und mit ihm meine komplette iTunes Library, erst wenn ich das Geld fuer eine Rettung der Festplatte habe, komme ich wieder an meine Musik - was ist, wenn mein ebook mit 20.000 geladenen Texten gestohlen wird, oder ich es verliere?

    Der groesste Vorteil des Buches oder einer Zeitung ist doch gerade, dass sie keine weiteren medialen Vorrichtungen benoetigen, um sie lesbar zu machen - und dass sie dabei so billig sdind, dass ihr Verlust oder ihre Zerstoerung nicht weiter schlimm sind.

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    • Locke1
    • 04.05.2009 um 22:44 Uhr

    Lassen Sie mich kurz auf die andere Seite zur Frage wie werden Inhalte dauerhaft und sicher gespeichert? eingehen:

    Die meisten Menschen gehen mit ihren elektronischen Daten heute so um (ich selbst bis zu einem gewissen Grad auch), als würden Sie ihre Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auf dem Balkon/im Vorgarten lagern. Es ist klar, dass die dort bei schlechtem Wetter nass werden, und dass Mitmenschen mit krimineller Energie mitlesen können...
    Der Aufwand, ein vernünftiges Regal zu bauen ist scheinbar noch immer zu hoch. Bei digitalen Daten ist es einfach sträflich, nur eine Kopie zu besitzen; bei heutigen Preisen für Speicherplatz können nichteinmal IKEA-Regale für normale Datenmengen/Buchmengen mithalten. Die Kopie sollte natürlich am besten auch noch möglichst weit weg gelagert werden - in einem anonymen Rechenzentrum, oder auf Rechnern von Freunden oder Familie... Ich weiß nicht, wie das mit einer iTunes-Sammlung ist, vielleicht ist es wegen DRM dort unmöglich, aber deshalb habe ich auch sowas nicht;-)

    Und die Idee des Hitchiker - Per Anhalter durch die Galaxis (D.N. Adams) ist einfach genial & überwältigend, wenn man bedenkt, wie sehr "Science-Fiction" das noch vor zwei Jahrzehnten war, und dass diese Idee über kindle und Co. tatsächlich jetzt Realität zu werden scheint...

    • Locke1
    • 04.05.2009 um 22:44 Uhr

    Lassen Sie mich kurz auf die andere Seite zur Frage wie werden Inhalte dauerhaft und sicher gespeichert? eingehen:

    Die meisten Menschen gehen mit ihren elektronischen Daten heute so um (ich selbst bis zu einem gewissen Grad auch), als würden Sie ihre Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auf dem Balkon/im Vorgarten lagern. Es ist klar, dass die dort bei schlechtem Wetter nass werden, und dass Mitmenschen mit krimineller Energie mitlesen können...
    Der Aufwand, ein vernünftiges Regal zu bauen ist scheinbar noch immer zu hoch. Bei digitalen Daten ist es einfach sträflich, nur eine Kopie zu besitzen; bei heutigen Preisen für Speicherplatz können nichteinmal IKEA-Regale für normale Datenmengen/Buchmengen mithalten. Die Kopie sollte natürlich am besten auch noch möglichst weit weg gelagert werden - in einem anonymen Rechenzentrum, oder auf Rechnern von Freunden oder Familie... Ich weiß nicht, wie das mit einer iTunes-Sammlung ist, vielleicht ist es wegen DRM dort unmöglich, aber deshalb habe ich auch sowas nicht;-)

    Und die Idee des Hitchiker - Per Anhalter durch die Galaxis (D.N. Adams) ist einfach genial & überwältigend, wenn man bedenkt, wie sehr "Science-Fiction" das noch vor zwei Jahrzehnten war, und dass diese Idee über kindle und Co. tatsächlich jetzt Realität zu werden scheint...

    • Locke1
    • 04.05.2009 um 22:44 Uhr

    Lassen Sie mich kurz auf die andere Seite zur Frage wie werden Inhalte dauerhaft und sicher gespeichert? eingehen:

    Die meisten Menschen gehen mit ihren elektronischen Daten heute so um (ich selbst bis zu einem gewissen Grad auch), als würden Sie ihre Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auf dem Balkon/im Vorgarten lagern. Es ist klar, dass die dort bei schlechtem Wetter nass werden, und dass Mitmenschen mit krimineller Energie mitlesen können...
    Der Aufwand, ein vernünftiges Regal zu bauen ist scheinbar noch immer zu hoch. Bei digitalen Daten ist es einfach sträflich, nur eine Kopie zu besitzen; bei heutigen Preisen für Speicherplatz können nichteinmal IKEA-Regale für normale Datenmengen/Buchmengen mithalten. Die Kopie sollte natürlich am besten auch noch möglichst weit weg gelagert werden - in einem anonymen Rechenzentrum, oder auf Rechnern von Freunden oder Familie... Ich weiß nicht, wie das mit einer iTunes-Sammlung ist, vielleicht ist es wegen DRM dort unmöglich, aber deshalb habe ich auch sowas nicht;-)

    Und die Idee des Hitchiker - Per Anhalter durch die Galaxis (D.N. Adams) ist einfach genial & überwältigend, wenn man bedenkt, wie sehr "Science-Fiction" das noch vor zwei Jahrzehnten war, und dass diese Idee über kindle und Co. tatsächlich jetzt Realität zu werden scheint...

  4. Gebeutelt zwischen Hoffnung und Verzagen schaut man gebannt auf neue Technik, ach, möge sie doch einen Weg aus dem Desaster weisen, in das die neue Technik führt?

    Die neuen Lesegeräte haben nur einen Gegner: Das Buch, die Zeitung aus Papier. Wollen sie erfolgreich sein, müssen sie mehr zu bieten haben.

    Das Versprechen an die Verlage oder wen-auch-immer, irgendwelche Preis- und Sicherheitsmodelle zu verfolgen, es ist Makulatur, weil der Erfolg elektronischer Lesegeräte unmittelbar davon abhängt, wie frei man mit ihnen Inhalte betrachten, verwalten und kommentieren kann.

    Wenn elektronischen Lesegeräten eine Zukunft beschert sein soll, dann am ehesten, wenn man mit ihnen so frei Inhalte betrachten kann, wie mit einem stinknormalen Internet-Browser. Nur komfortabler, schöner, mit Notizen versehbar, für deren Ablageformat es idealerweise einen Standard gäbe, und vielleicht mit manchen Einschränkungen, ein Buch, eine Zeitung müssen nicht zwangsläufig auch als Video funktionieren.

    Wenn Freiheit, wie ich vermute, aber so wesentlich Bestandteil eines Erfolgskonzeptes ist, dann stellt sich die Frage: Will man weiter Kraft und Zeit verschwenden, um Dämme zu bauen, Verschlüsselungsalgorithmen, Identifizierungsmechanismen, oder wird man endlich das Dammholz nutzen, um daraus Flöße zu bauen?

    Werbung ist kein Rettungsfloß, allenfalls als temporärer Schwimmring tauglich. Es wird sie noch lange geben, aber immer wird es auch den Impuls dagegen geben, sie durch programmierte Automatismen oder schlicht durch Ignoranz auszublenden, wenn sie zu lästig wird.

    So weh es tut, die einzigen schwimmfähigen Materialien werden sein: Kontinuität, Qualität, Authentizität, Originalität, lauter solch lauteres Täterätätäää. Tausche Gewinn gegen Zukunft, wer mehr will, fliegt früher oder später aus dem Rennen.

    Wie von der Freiheit leben, das bleibt die offene Frage. Die Flucht nach vorn, mit der Öffnung etlicher Zeitungsarchive, wie soll sie, wie soll die Produktion aktueller, vielleicht gar neuer Inhalte sich auf Dauer finanzieren?

    Mehr und mehr komme ich zu der utopisch anmutenden Überzeugung, dass es nur einen dauerhaften Weg geben wird: Die Bindung einer Gemeinschaft, die zwichen Dazugehörigkeitsgefühl und bewusstem Altruismus für die finanzielle Basis sorgt. Nenne man es Genossenschaft, Abonnentenkreis, Spenderverein - so etwas haben wir doch schon, wenn auch weniger bewusst und auch furchtbar entgleist, nämlich mit der Finanzierung des sogenannten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks und Fernsehens. Wenn es möglich ist, zum Schrecken der verkrusteten Energiegiganten sich mit kleinen Blockheizkraftwerken unabhängig von den Riesen zu machen, warum sollte nicht möglich sein, auch Demokratie im Kleinen anzuwenden und Leistung auf dem Gebiet eigener Präferenzen ähnlich dem Modell eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu finanzieren?

    Freilich, die Sache mit der Gewinnspanne ist heikel bei solcherart Finanzierung. Aber ist diesbezüglich nach all den Bankencrashs nicht ohnehin hanseatischer Ans-tand im Aufwind?

  5. Also, ich wuerde eine elektronische "Vollversion" der "Zeit" mit persoenlicher Archivfunktion abonnieren, wenn sie mir abzueglich aller Kosten fuer Papier, Vertrieb und Druck angeboten wuerde.

    Ich wuerde auch ein Buch, das ich bereits elektronisch gekauft habe noch einmal in der Papierversion kaufen - wenn ich dann (natuerlich gegen Nachweis) nur noch fuer Druck, Papier, Vertrieb und Coverdesign zahlen muesste.

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