Fiats Opel-Offerte Marchionne spielt mit hohem Risiko

Schielt Fiat-Chef Marchionne beim Werben um Opel nur auf Staatsbürgschaften? Einiges spricht für eine langfristige Strategie. Aber auch damit könnte er sich verschätzen

Wann spielt Geld schon keine Rolle? Insoweit ist der Gedanke, Fiat-Chef Sergio Marchionne habe es bei seinem Interesse am deutschen Autobauer Opel vor allem auf Milliarden-Bürgschaften der Bundesregierung abgesehen, nahe liegend. Es kann so sein, dass Marchionne mit einem Einstieg bei der Noch-GM-Tochter vor allem frisches Geld für seinen Konzern besorgen will.

Es muss aber nicht so sein. Denn der Fiat-Chef wiederholt, seit er sein Amt übernahm, fast gebetsmühlenartig eine These: Die Autoindustrie laufe in eine Phase der Marktbereinigung, am Ende werde nur eine Handvoll Hersteller überleben. Und dabei komme es auf die Größe an – unter fünf Millionen verkaufter Autos pro Jahr sei kein Konzern langfristig überlebensfähig.

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Da trifft es sich gut, dass Autobauer gerade billig zu haben sind. Mit Chrysler und der europäischen Abteilung von General Motors – zu der neben Opel noch Saab und die britische Opel-Schwester Vauxhall  gehören – hätte Marchionne seine Wunsch-Produktionstückzahl so ungefähr zusammen. Durch den Zusammenschluss würde Fiat/Opel/Chrysler Europas Nummer eins und nach Toyota die Nummer zwei auf der Welt. Im Moment spricht einiges dafür, dass der Fiat-Chef mit den momentanen Akquisitionen seinen Konzern quasi im Handstreich auf die gewünschte Größe wuchten will.

Doch damit geht Marchione ein hohes Risiko ein. In kurzer Zeit müsste es ihm gelingen, aus drei Unternehmen mit ganz unterschiedlicher Kultur und Führungsstruktur eine Einheit unter einem gemeinsamen Management zu formen. Was, wenn altgediente Führungskräfte der mit Fiat vereinten Unternehmen querschießen? Wenn sie passiv Widerstand leisten? Oder wenn Anweisungen aus der Zentrale irgendwo auf dem Weg in die Werke versanden?

Außerdem schlössen sich da, Staatsbürgschaften hin oder her, drei Unternehmen zusammen, die alle nicht übermäßig finanzstark sind. Marchionne wäre darauf angewiesen, zügig die Kosten zu drücken, um die Vorteile der neuen Größe nutzen zu können. Der Fiat-Chef spricht selbst davon, dass das den Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten würde. Aber werden Betriebsräte und Gewerkschaften da überall so einfach mitspielen? Oder würden wilde Streiks die Produktion beeinträchtigen, und das mitten in der schweren Absatzkrise? Und wird nicht jede Regierung, die Geld gibt, dafür auch Standortgarantien verlangen?

Und da wäre nicht zuletzt die Entwicklung des Automarkts insgesamt. In Europa und Nordamerika, den Märkten, auf denen Fiat, Opel und Chrysler stark sind, stagniert oder sinkt der Absatz. Und in den Schwellenländern, wo die Märkte wachsen, lässt sich noch kaum vorhersagen, wer am Ende welches Stück vom Kuchen bekommen wird. Nicht zuletzt, da General Motors mit seinen asiatischen Töchtern als Gegenleistung für den Opel-Deal Gebietsschutz verlangen könnte. Gleichzeitig werden indische und chinesische Hersteller auf ihren Heimatmärkten immer stärker, während Fiat nebst den angepeilten Neuerwerbungen dort nicht sonderlich gut aufgestellt ist.

Als "Hochzeit im Himmel" hat Sergio Marchionne den geplanten Zusammenschluss von Fiat und Opel schon gefeiert. Das war entweder Sarkasmus oder Ignoranz. Denn die Ehe zwischen Daimler und Chrysler, auf die der Satz ursprünglich gemünzt war, ist längst gescheitert. Sollten die Pläne die Fiat-Chefs so aufgehen, wie er sie gedacht hat, dann würde er in einigen Jahren als großer Stratege gefeiert werden. Aber es gibt viele Beispiele, in denen Unternehmen daran scheiterten, dass sie zu schnell zu groß wurden. Und es soll ja auch Autohersteller geben, die in ihrer Nische mit wenigen Fahrzeugen viel Geld verdienen.

 
Leser-Kommentare
  1. Nach ca. 2 Jahren wurde auch bei der ersten "Hochzeit im Himmel" zwischen Daimler-Benz und Chrysler erkannt, dass man sich übernommen hatte. Ich bin gespannt wie Herr Marchionne die Herausforderungen besser in den Griff bekommen möchte im Vergleich zu Herrn Schrempp. Die Anwesenheit von Herr Berger im Board of Directors bei Fiat allein wird's wohl nicht richten.

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    Nein, das alleine vieleicht nicht.

    Aber... die Variable mit der man so einiges in Unternehmen steuern/regeln kann sind die Angestellten. Nicht unbeding nur deren Qualifikationen sondern auch deren Anzahl...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Nein, das alleine vieleicht nicht.

    Aber... die Variable mit der man so einiges in Unternehmen steuern/regeln kann sind die Angestellten. Nicht unbeding nur deren Qualifikationen sondern auch deren Anzahl...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  2. Nein, das alleine vieleicht nicht.

    Aber... die Variable mit der man so einiges in Unternehmen steuern/regeln kann sind die Angestellten. Nicht unbeding nur deren Qualifikationen sondern auch deren Anzahl...

    ;-)

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