Menschenrechte Holders heikle Guantánamo-Mission
Der US-Justizminister sucht auf einer Tour durch Europa Länder, die Häftlinge aus dem Lager aufnehmen wollen. Auch auf Berlin könnte bald eine konkrete Anfrage zukommen

© Chip Somodevilla/Getty Images
Ein Häftling im US-Lager Guantánamo: Welche europäischen Staaten sind bereit, Gefangene von dort aufzunehmen?
Wie ein Aufräumer, wie ein eiserner Besen, sieht Eric Holder nicht aus. Barack Obamas Justizminister ist ein schlanker, feingliedriger Mann, vom Typus her seinem Präsidenten nicht unähnlich: groß, geschmeidig, elegant. Aber Holder hat einen der härtesten Jobs in Washington, und allein mit Eleganz wird er ihn nicht bewältigen. Der erste farbige „Attorney General“ der USA soll die Herrschaft des Rechts in den Vereinigten Staaten wiederherstellen, die die Regierung Bush ruiniert hat, und er soll deren menschenrechtswidrigen Hinterlassenschaften beseitigen.
Holder muss sich mit den unlängst publizierten Folter-Memos und deren Verfassern herumschlagen, die „harsche“ Verhörmethoden wie das simulierte Ertränken, das berüchtigte „Waterboarding“, für legal erklärt haben. Er muss die Verschleppung von Gefangenen im Kampf gegen den Terror ebenso aufklären wie die Existenz von Geheimgefängnissen der CIA. Und er muss vor allem, so hat es Obama angeordnet, innerhalb eines Jahres das Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba schließen. Das sei, sagte Holder am Mittwochabend in Berlin, die bei Weitem „schwierigste Aufgabe“ seines Amtes. Allein könne Amerika sie nicht bewältigen.
Kreuz und quer ist Eric Holder in den letzten Tagen durch Europa geflogen, er hat in London und Prag vorgesprochen, und zuletzt in Berlin, bei Innenminister Schäuble und im Berliner Justizministerium. Es ist, undiplomatisch gesagt, eine diplomatische Betteltour des US-Justizministers. Er braucht die Hilfe der Verbündeten, daran lässt er keinen Zweifel, um das elende Camp auf Kuba dichtzumachen, das Amerika, das die Welt nicht sicherer mache, sondern unsicherer.
Deshalb fordert Holder nichts, er wirbt. Er erinnert daran, was gerade Berlin den Amerikanern zu verdanken hat. Wieder und wieder beschwört er an diesem Abend in der American Academy am Wannsee die transatlantische Tradition, einander beizustehen, wenn es darauf ankomme. Er ruft all die magischen Momente in Erinnerung, von der Luftbrücke bis zum Mauerfall, von Kennedy bis zu Obamas Rede an der Siegessäule im letzten Juli.
Auf schwieriger Mission in Europa: US-Justizminister Eric Holder
Und Holder räumt Fehler ein. Klar, sagt er, Europa habe Guantanamo nicht eingerichtet und das Lager immer kritisiert. Aber jetzt sei es an der Zeit, sich frei zu machen vom Gezänk der letzten Jahre und neue Lösungen zu suchen. Auf alle Regierungen im Westen kämen „Opfer“ zu und „unpopuläre Entscheidungen“.
Holder will, dass die europäischen Alliierten freigelassene Häftlinge aus Guantánamo aufnehmen. Noch sei es zu früh, über konkrete Fälle zu sprechen, noch werde die individuelle Geschichte jedes einzelnen Gefangenen rekonstruiert. Aber eher „in Wochen als in Monaten“ werde die Obama-Administration sich mit spezifischen Wünschen an die europäischen Verbündeten wenden. Einen designierten Sonderbotschafter für die Abwicklung von Guantánamo hat Holder schon einmal mitgebracht auf seiner Blitztour.
Und er zeigt sich angenehm „überrascht“ von den Reaktionen seiner Gesprächspartner in London, Prag, Berlin. Immerhin habe keiner eindeutig „Nein“ gesagt zu seinen Wünschen. Warum aber Washington nicht mit gutem Beispiel vorangeht und selbst einige der Häftlinge aufnimmt, die auch das US-Verteidigungsministerium mittlerweile für ungefährlich hält – das sagt Holder nicht. Auch nicht auf Nachfrage.
- Datum 30.04.2009 - 14:24 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





...ja mit ihrer vorauseilenden Gehorsamkeit förmlich aufgefordert uns einige unschuldig inhaftierte Menschen unbekannter Herkunft abzutreten.
Nach wie vor frage ich mich was der Blödsinn soll. Die USA haben Platz genug im eigenen Land und sind den Leuten ohnedies Wiedergutmachung in Form von Haftentschädigung und Rehabilitierung schuldig.
Bei uns wären sie lediglich ein paar Asylanten mehr und ständen wahrscheinlich unter permanentem Generalverdacht sich rächen zu wollen.
Ich liebe diese Politiker-Floskeln. Herrlich. Nun denn, Barack, du Gesegneter: sieh mal zu, wie Deine Landsleute Deine unpopulären Entscheidungen verkraften. We owe you nothing.
Und noch ein Tip: frag mal die Türkei. Treuer Bundesgenosse, islamische Brüder, westlich orientiert, alles paletti.
voran geht und das Gros dieser angeblich unschuldigen GITMO Insassen aufnehmen. Es ist ziemlich anmassend zu erwarten dass andere Laendern sie aufnehmen.
Amerikan sollte sie vor ein Gericht stellen und erst mal feststellen dass sie unschuldig fest genommen wurden ,dann je nach Fall Haftentschaedigung zahlen und sie selber aufnehmen.Der Rest sollte in die respektive Heimat zurueck gefuehrt werden.Ich bezweifle dass die dort Schaden erleiden.Ich denke eher dass sie dort als Helden und Maertyrer gefeiert werden.
Stimme Ihnen 100% zu.
Stimme Ihnen 100% zu.
Stimme Ihnen 100% zu.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren