Tragödie von Hillsborough Späte Suche nach den Schuldigen

Vor 20 Jahren starben 96 Fußballfans im Stadion von Sheffield. Jetzt sollen die Akten geöffnet und endlich die Verantwortlichen gefunden werden

Auch nach über 20 Jahren nach dem Unglück von Hillsborough trauern Menschen noch um die vielen Toten

Auch nach über 20 Jahren nach dem Unglück von Hillsborough trauern Menschen noch um die vielen Toten

Der 20. Jahrestag der Katastrophe im Hillsborough-Stadion von Sheffield, bei der am 15. April 1989 96 Anhänger des FC Liverpool zu Tode gequetscht wurden, ist längst vorüber. Doch die Aufarbeitung des Dramas, das sich abspielte, weil die örtliche Polizei Fans in überfüllten Blöcken zusammenpferchte, beschäftigt weiterhin die britische Öffentlichkeit. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Innenministerin Jacqui Smith vor wenigen Tagen an die zuständige South Yorkshire Police appellierte, bisher nicht zugängliche Akten freizugeben.

Ein Treffen zwischen Smith und Vertretern anderer Ministerien soll das Prozedere beschleunigen. Letztlich muss aber die Polizeibehörde selbst entscheiden, ob sie die Dokumente, die sich in rund 300 Kartons befinden, zugänglich macht.

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"Besser spät als nie", sagt Trevor Hicks, der Vorsitzende der Hillsborough Family Support Group. Die Akten würden es "uns ermöglichen, das ganze Bild auf eine Weise zu sehen, die uns 20 Jahre verwehrt worden ist". Hicks verlor zwei Töchter bei dem Unglück im Stadion.

Wie hilfreich das neue alte Material ist, lässt sich aber noch nicht abschätzen. Das betont Phil Scraton, Professor für Kriminologie an der Universität Belfast und Autor des Buchs "Hillsborough. The Truth", das kürzlich in einer erweiterten Neuauflage erschienen ist. Scraton gilt als einer der besten Kenner der Hillsborough-Aktenlage. Dank seiner Recherchen kam ans Licht, dass nach dem Unglück "ein ganzes Team von Polizeibeamten" damit beschäftigt war, schriftliche Stellungnahmen von in Hillsborough eingesetzten Polizisten umzuschreiben, sofern sie nicht zur offiziellen Darstellung passten.

Scraton bekam nach "langwierigen Verhandlungen mit Regierungsvertretern" sowohl die Originale als auch die bearbeiteten Versionen ausgehändigt. Bis heute sind 150 derart bearbeitete Berichte bekannt. Das Thema Fälschungen hat gerade wieder an Dynamik gewonnen, weil eine britische Polizistin schilderte, wie sie vor 20 Jahren gezwungen wurde, eine falsche Aussage zu unterschreiben.

Mit der Offenlegung der Polizeiakten ist es ohnehin nicht getan. Auch andere Organisationen müssten noch Dokumente veröffentlichen, sagt der Labour-Abgeordnete Derek Twigg. So sind bis heute die Gründe für die katastrophale medizinische Versorgung vor Ort nicht aufgeklärt. Die Hinterbliebenen fragen sich, wie viele Menschen hätten überleben können, wenn sie im Stadion adäquat behandelt worden wären. Phil Scraton geht davon aus, dass Fans zu früh für tot erklärt wurden.

Die Hoffnung der Hinterbliebenen auf die Offenlegung neuer Fakten ist allemal berechtigt. Zumal die "sehr schmerzhaften Behauptungen", die Opfer und Überlebenden seien in gewisser Weise selbst schuld an dem Drama, "weiterhin Konjunktur haben", sagt Scraton. Kürzlich musste sich die BBC entschuldigen, weil ihr Programm Radio 1 Anschuldigungen gegen die Fans erneuert hatte. Die hatte einst vor allem das Krawallblatt The Sun verbreitet. Die Zeitung sei aber "nur der Überbringer" gewesen, die Lügen habe die Polizei fabriziert, die von ihrer Verantwortung habe ablenken wollen, betont Scraton.   

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